EZB-Mitglied: "Sicheres Rezept für eine Katastrophe"

20.11.2010 | 15:22 |   (DiePresse.com)

Der italienische Notenbanker Bini Smaghi kritisiert Deutschland für den Plan, Investoren an den Kosten für Staaten-Rettungen zu beteiligen.

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EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi verlangt vom krisengeschüttelten Irland einen korrigierten Haushaltsplan. "Erst dann wissen wir, ob das Land das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnt", sagte der Notenbanker der Zeitung "Welt am Sonntag". Ob die irische Regierung Hilfe vom europäischen Rettungsfonds annehme, sei ihre eigene Entscheidung: "Wenn die Regierung meint, dass sie über genug Ressourcen verfügt, um zahlungsfähig zu bleiben, dann kann sie so handeln."

Nach Informationen des deutschen Magazins "Der Spiegel" bereiten die EU-Länder Hilfsmaßnahmen mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro und mehr vor. Die Mittel sollten im Wesentlichen aus dem europäischen Rettungsschirm kommen. Laut "Spiegel" wird neben einer großen Lösung auch über eine kleinere Variante im Umfang von 45 bis 50 Milliarden Euro diskutiert - dann würde der Rettungsschirm nur über die taumelnden irischen Banken gespannt.

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Mitschuld auch bei anderen EU-Ländern

Irland habe zudem das Recht, Hilfen abzulehnen, sagte Bini Smaghi. Allerdings wachse mit der Zeit das Risiko, dass eine Rettung immer teurer werde, je länger das Land zögere. "Das haben wir schon bei Griechenland gesehen." Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich andere hoch verschuldete Länder ansteckten. "Wenn die Finanzmärkte sehen, dass sich Europa schwer tut, einen Problemfall schnell zu lösen, könnten sie sich das nächste Opfer aussuchen."

Der Notenbanker sieht eine Mitschuld für die Krise auch bei anderen EU-Ländern. Es habe erneut zu einer Krise kommen können, weil viele Euro-Länder ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten und die übrigen Länder sie nicht genug dazu gedrängt hätten. So habe es bei Irland schon im Sommer erste Anzeichen für Probleme gegeben. "Aber statt das im eigenen Budget vorweg zu nehmen, haben die Irn die Vorlage ihrer Haushaltszahlen verzögert, ohne dass die Euro-Partner das moniert hätten."

"Investoren würden in Scharen Land verlassen"

Bini Smaghi kritisierte zugleich Deutschland für den Plan, Investoren an den Kosten für möglicherweise noch kommende Staats-Rettungen zu beteiligen. Europa sollte sich nicht in eine schwächere Position versetzen als der Rest der Welt, sagte er. "Das wäre ein sicheres Rezept für eine Katastrophe. Die Investoren würden in Scharen das Land verlassen. Die Finanzlücken würden noch größer, und in der Folge müsste der Steuerzahlen am Ende noch mehr Geld in die Hand nehmen." Europa befinde sich derzeit in einer kritischen Phase der Finanzkrise und daher sollten solche Debatten schnell abgeschlossen werden.

(Ag.)

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20 Kommentare

die deutschen sind schuld

sie haben die pigs und belgien gezwungen soviele schulden zu machen
es sind nicht die unfähigen und massiv korrupten politiker südeuropas schuld
deutschland hat die pigs gezwungen einen hirnlosen bankensektor aufzubauen und eine unfähige korrupte regierung zu instalieren

oder wie soll man diese dummen meldungen sonst verstehen?

meine meinung: INSOLVENZ und rausschmiss aus der eurozone, das ist das einzige, was diese dummen länder verdienen

Gast: Hubertus
22.11.2010 00:33
1

Italien ist der übernächste

Aus italienischer Sicht voll verständlich. Wenn wirklich die Gläubiger beteiligt werden sollen,leiht doch kein denkender Mensch Italien Geld zu niedrigen Zinssätzen. Wir erinnern uns .Vor dem Euro mußte Italien 12 % Zinsen für italienische Lire-Schatzwechsel zahlen.

Spät kommt man drauf

Alle Szenarien negativer Art waren schon vor dem EU-Beitritt Österreichs bekannt, man konnte sich das leicht ausrechnen. Nur haben die 66% Ja-Votanten die Augen zugekniffen und wollten gar nicht erkennen, daß sie nach Strich und Faden belogen wurden und Opfer in einem gigantischen Fall von Wirtschaftskriminalität werden würden. Die Initiative ging von Amerika aus, das lt. Kissinger "eine Telefonnummer" für Europa haben wollte. Gleichzeitig machte man den Leuten weis, Europa werde nun "ein Gegengewicht zu Amerika" sein. Zeigt Europa gelegentlich einige schwachbrüstige Emanzipationsversuche, zeigen die USA gleich wo´s langgeht in Form der zumindest versuchten Instrumentalisierung Europas für ihre Wirtschaftskriege, genannt "Kampf gegen den Terrorismus und für democracy". Dieses Lügengebäude, hinter dem die Profitgier steckt,
verführte die Leute zum Konsum auf Pump, was sie zunächst glauben ließ, das wäre echter Wohlstand. Vielleicht fällt einigen Tricksern wieder etwas ein, um den Schein zu wahren; das wird allerdings irgendwann nicht mehr funktionieren.

Gast: kz
21.11.2010 21:42
2

Gewinne privatisieren-Verluste sozialisieren

So lange Banken für Anleihen schwacher Eurostaaten an den Risikoaufschlägen, verglichen mit den Zinssätzen der AAA Staaten, gutes Geld verdienen, wäre es auch recht und billig im Ausmaß der Gewinne Abwertungsverluste hinzunehmen, und nicht die Gewinne zu privatisieren und die Verluste ungefragt dem Steuerzahler umzuhängen. So leicht dürfte es nicht gehen. Hätte man diesen Grundsatz beachtet, wäre es nie so weit gekommen.

Antworten Gast: gast
22.11.2010 10:39
0

Re: Gewinne privatisieren-Verluste sozialisieren

niemand zwingt staaten neues geld aufzunehmen.
und es steht ihnen das recht zu hochverzinste staatsanleihen zu kaufen.
warum geben sie jemanden die schuld der keine hat, sondern nur geschäfte machen damit die sparbücher mit zinsen bedient werden können.

die steuerzahler haben die parteien gewählt, welche immer wieder groß schulden gemacht haben. nicht der wahltag ist zahltag, der kommt erst jetzt langsam näher.

Gast: mysterium
21.11.2010 20:32
2

Stimmt, die Mafiosi wollen ihr Geld natürlich für die

Staatenrettung nicht riskieren.

Antworten Gast: SIC
26.11.2010 18:18
0

Re: Stimmt, die Mafiosi wollen ihr Geld natürlich für die

Nicht nur in Italien wollen Gewerkschaften fette Renditen erwirtschaften.

Unsere Wirtschafts- udn Finanzsysteme sind die besten

Die (zum teil ungeborenen) Enkel finanzieren die Gegenwart.


Antworten Gast: Warzenschwein
21.11.2010 17:45
0

Re: Wer wissen will, was abgeht:

Um Himmels willen, welchen Blödsinn verlinken Sie denn hier?

Gast: G Ast
21.11.2010 11:06
0

Stimmt genau, was der Gute sagt!

Die Mafia hat mit ihrem Geld Besseres im Sinn, als irgendwelche staatlichen Fäßer ohne Boden zu befüllen.

Der Staatsbankrott ist eine Folge der Bankenbankrotte

unfähige Banken müssen vom Staat gerettet werden und dann Staaten von Staaten.

Die Banken sind der Grund allen Übels, dass versteht hier wohl keiner.

So läuft der Hase und nicht anders!

http://franchiseeverybody.blogspot.com/2010/11/unter-freunden-kurzfilm-uber-die.html

3

Re: Der Staatsbankrott ist eine Folge der Bankenbankrotte

ja genau, jetzt fällts mir auch ein. vor der (banken)krise haben die staaten permanent budgetüberschüsse produziert.
wenn wir die parteien und gewerkschaften nicht hätten, wir würden alle im dunkeln tappen im wissen um die staatsschulden.

Gast: Uwe-Jens Piefke
21.11.2010 09:30
0

ES IST SO SICHER – WIE DAS <<amen>> IN DER KIRCHE: ----D-I-E:::::::TRANSFER-UNION::::KOMMT!!! Derzeit laufen derzeit Geheimgespräche zur Schaffung der Transferunion. EZB und Euro-Gruppenchef Junker setzen Deutschland unter Druck. In Zukunft sollen alle „GUTEN“ u.a. Deutschland- Holland (aber auch Österreich!) für die PIIGS zahlen. Gemeinschaftsanleihe beschlossene Sache.

Wie aus zuverlässigen Quellen verlautet, war EZB Chef Trichet letzte Woche in geheimer Mission in Berlin unterwegs, um mit BK Merkel und Finanzminister Schäuble eines der heikelsten Themen seit Schaffung des Euros zu diskutieren:
Transferunion und Gemeinschaftsanleihen.
EU und EZB drängen darauf, dass die finanzstarken Länder für die Südschiene aufkommen.
Konkrete Details dazu soll es auf dem Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs im Dezember geben.

In Zukunft sollen alle Staaten gemeinschaftlich für einander einstehen. Defizite des einen sollen durch Überschüsse des anderen ausgeglichen werden, ähnlich wie dies innerhalb der BRD jetzt schon geschieht. Auch sollen Staaten nicht mehr eigene Staatsanleihen ausgeben, sondern durch Schaffung eines Eurobonds zentral finanziert werden. Für die Verteilung der Gelder sei dann Brüssel zuständig. Wie allerdings dieses System im Einzelnen in die Praxis umgesetzt werden soll, darüber wurde offenbar noch kein Konsens erzielt. Zudem befürchtet insbesondere die deutsche Seite große politische Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieses Vorhabens.

<<<<<<<die-katze-ist-aus-dem-sack!>>>>>>>>>>>>
werden sich das die bürger im „Norden“ gefallen lassen?
Widerstand mit allen rechtlich möglichen mitteln ist ein gebot der
selbstachtung – ein gebot der stunde!

wehret den anfängen –
WÄHLT UNSERE UNTERWÜRFIGEN MANDATARE AUS DEN PARLAMENTEN!!


http://www.mmnews.de/index.php/politik/6764-eu-transferunion-kommt
http://www.v-22.de/forum/8-aktuelles-geschehen/13510-eu-will-transferunion.html
http://www.gevestor.de/geldanlage/details/select_category/18/article/eu-transferunion-kommt/1.html


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Re: ES IST SO SICHER – WIE DAS <<amen>> IN DER KIRCHE: ----D-I-E:::::::TRANSFER-UNION::::KOMMT!!! Derzeit laufen derzeit Geheimgespräche zur Schaffung der Transferunion. EZB und Euro-Gruppenchef Junker setzen Deutschland unter Druck. In Zukunft sollen alle „GUTEN“ u.a. Deutschland- Holland (aber auch Österreich!) für die PIIGS zahlen. Gemeinschaftsanleihe beschlossene Sache.

in einer wirtschaftunion wirds auch kaum anders gehen, als miteinander. is eh sehr schwach, dass man in brüssel und bei EZB erst jetzt drauf kommt.

und auch der triitbrettfahrer österreich wird seinen beitrag leisten müssen.

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unsicherheiten

je unsicherer die anlage, desto höher muss die rendite (zinsen) sein.
bisher bekamen staaten eben deswegen günstiges geld am kapitalmarkt, weil man eben der meinung war staaten könnten in europa nicht bankrott gehen.

also wenn leute glauben, griechenland, irland, ... sollte man ruhig in den konkursschicken, dann denken sie nicht und lassen sich nur von ihren neidgefühlen treiben.

die einzige lösung ist: keine staatsdefizite mehr, und dazu müßten die politiker nur mal mit ihren lügengeschichten aufhören. wobei dabei die oppositionen fast schlimmer sind als die regierenden, weil diese eben nicht den "beweis" antreten müssen.

Ein Risiko...

Das ohnehin nicht schlagend wird, rechtfertigt dann aber auch keine erhöhten Zinsen. Also: Entweder 10 und mehr Prozent kassieren und eventuell durch die Finger schauen, oder 0,5 % und abgesichert sein. Beides geht nicht.

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Re: Ein Risiko...

das meint ja frau merkel, und darum war irland sauer.
am sparbuch (abgesichert) bekommen sie eh nicht mehr als 0,5%.

Und da hat Frau Merkel auch recht.

Spekulation bedeutet Risiko. Zinsen sind immer die Entschädigung für das Risiko - deshalb auch: Je höher das Risiko, desto höher die Zinsen. Wenn der Staat nun aushilft, sollten die Zinsen gegen Null gehen - wie bei einem Sparbuch.

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Re: Und da hat Frau Merkel auch recht.

wenn aber nun gefordert wird, dass staaten in die pleite geschickt werden sollten, viele presse poster fordern dies ja auch ein, rasen die zinsen in die höhe. ich meine da bekommen wahrscheinlich alle staaten in europa relativ schnell ein problem.

ich gebe ihnen recht mit niedrigen zinsen auf staatsanleihen aus sicht des risikos. allerdings verleiten niedrige zinsen die regierungen dazu, hohe schulden zu machen.
bei allgemeinen zinserhöhungen, ziehen diese zinsätze dann mit, und man hat wieder das schuldenproblem.

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