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EU-Rettungsaktion für Irland verpufft

22.11.2010 | 18:25 |  VON CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Vom EU-Rettungsschirm für Irland profitieren letztendlich die Gläubigerbanken. Deutschland fordert, dass die EU noch vor Weihnachten ein Insolvenzverfahren für Länder der Eurozone entwickelt.

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Die Erleichterung über das Hilfsersuchen Irlands währte am Montag nur kurz. Am Nachmittag lagen die europäischen Börsen im Minus. Auch der Euro fiel. Die Regierungskrise in Dublin verstärkte die Nervosität der Investoren. Die Grünen kündigten ihren Rückzug aus der irischen Regierung an, sobald das von der EU geforderte Sparpaket umgesetzt werde. Zudem wächst die Angst vor einem Dominoeffekt. Da mit Griechenland und Irland bereits zwei Staaten aufgefangen werden mussten, stehen nun weitere hoch verschuldete Länder wie Portugal und Spanien auf dem Prüfstand. Die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen stiegen am Montag weiter und erreichten 6,527 Prozent.

Gleichzeitig erhöhte Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel den Druck, dass die EU noch vor Weihnachten einen neuen Entschuldungsmechanismus für angeschlagene Euroländer beschließt. Spätestens 2013 sollen sich auch private Gläubiger, insbesondere Banken, an den Rettungsaktionen beteiligen. „Das Ansuchen von Irland ist eine Bestätigung für unseren Plan“, erklärte ein Sprecher der Berliner Regierung gestern.


Insolvenzplan nicht vor 2013
Das Münchener Ifo-Institut hat im Auftrag der deutschen Regierungspartei FDP nun ein Konzept ausgearbeitet, wie ein solches Verfahren aussehen könnte. Demnach sollen künftig alle Euroländer nur noch Anleihen ausgeben, die spezielle Umschuldungsregeln (in der Fachsprache Collective Action Clauses) enthalten. Diese Richtlinien besagen, dass ein überschuldetes Land bei drohender Zahlungsunfähigkeit, die die Rückzahlung einer bestimmten Tranche von Anleihen betrifft, mit den Eigentümern dieser Tranche über eine Umschuldung verhandelt und dann zu einer Mehrheitsentscheidung kommen soll. Können sich die Gläubiger nicht einigen, wird automatisch ein Abschlag (Haircut) auf den Nennwert der Anleihe vorgenommen, in der Höhe von mindestens 20 Prozent und höchstens 50 Prozent. Der Rest der Anleihe wird in Ersatzanleihen umgewandelt, die zu 80 Prozent von anderen Euroländern besichert werden. Mit diesem Mechanismus werde laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn klargestellt, dass zuerst private Gläubiger haften und erst dann die Staatengemeinschaft einspringt.

Für die neuen, haircutfähigen Schuldnerpapiere können Investoren im Vergleich zu geschützten Altanleihen höhere Risikoaufschläge verlangen. Trotzdem bleiben Anleihen von Euroländern attraktiv, weil Investoren letztlich einen Teil ihres Geldes wiedersehen, was nicht passiert, wenn ein Staat einfach in Konkurs geht und seine Zahlungen einstellt – wie dies vor neun Jahren in Argentinien der Fall war.


EU in Geiselhaft der Banken
Allerdings soll dieser Mechanismus erst ab Mitte 2013 gelten – dann läuft der im Mai während der Griechenland-Krise verabschiedete Rettungsschirm von EU und IWF im Volumen von bis zu 750Milliarden Euro aus. Sollten bis dahin auch Portugal oder Spanien Hilfe brauchen, müssten wieder andere EU-Länder einspringen.

Daher werden die Stimmen lauter, schon vor 2013 haircutfähige Anleihen auf den Markt zu bringen. Vom 90 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für Irland profitieren letztendlich die Gläubigerbanken. Das Land steckt bei ausländischen Finanzinstituten mit 731,2 Milliarden Dollar (534,4Milliarden Euro) in der Kreide. Der Löwenanteil entfällt auf britische und deutsche Institute (siehe Grafik). Hätte Irland Konkurs angemeldet, wären die Finanzkonzerne um einen Teil des Geldes umgefallen. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, flog in der Vorwoche nach Brüssel und machte wegen Irland Druck.

„Die Forderungen der deutschen Banken an Irland sind wichtig genug, um dem Land zu helfen“, erklärte Lutz Raettig, Aufsichtsratschef von Morgan Stanley Deutschland. Das bedeutet mit anderen Worten: helft Irland, um den Banken zu helfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2010)

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94 Kommentare
 
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Gast: Jonny
28.11.2010 14:02
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Seit Beginn der Krise

ist hie und da Klartext zu vernehmen.
Das heißt:
Die eigentlichen Nutznießer durch die Finananzierung sind Banken. Auch jene welche die Krise mitverursacht haben.
Die Bevölkerung bezahlt die Schulden.
Habe ich was vergessen ?

Wer spekuliert denn da?

Gegen Länder?
GENAU Es sind die Banken die gegen Länder wie Portugal spekulieren um nur ja von Haftungsgarantien der EU für diese Länder zu profitieren.
Die Politiker machen das Spiel, das ihnen mit Mio an Korruptionszahlungen versüßt wird gerne mit...denn sie wissen, zahlen werden andere, aber keinesfalls sie!
Volksbetrug - Hochverrat

Es wird Schnelltribunale geben nach dem totalen crash und die Wiedereinführung der Todesstrafe vor allem für korrupte Politiker!

Wie hoch

sind die offenen Forderungen der österreichischen Banken an Irland?
Karten auf den Tisch , Herr Finanzminister,
bei der Belastung der Steuerzahler zur Bankenrettung sind Sie nicht so schüchern!

Wenn die EU in Geiselhaft der Banken ist

dann sind laut der Analogie des Kommentators die Banker Terroristen, Finanzterroristen.

Da sollte man keinerlei Gnade zeigen!

Antworten Gast: Markus Trullus
22.11.2010 23:23
1 0

Re: Wenn die EU in Geiselhaft der Banken ist

... tun wir aber, Milliardenfach! Denn der ganze Schmarrn ist "systemrelvant". So ein Quatsch! Meine Mizzi Tant ist auch Systemrelevant! Wann sprengen wir endlich per Wahlen diese Bagage in die Luft????

Gast: Luzifer
22.11.2010 22:48
0 0

Stefan Schulmeister muß her!

Der würde den armen Iren vorhüpfen, wie man durch eifriges Drucken von "frischem" Geld einen Staat "saniert"!

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Wie jemand mit 100% Verschuldung seines laufenden Einkommens ..

bankrott sein soll, ist mir ein Rätsel.

Jeder Firmengründer, jeder Häuslbauer würde dabei als "Minder-Verschuldet" gelten .....

Wenn der Markt - und die Banken - solchen Panikattacken unterliegen ... ist Feuer am Dach.

Warum die EU nicht eingreift und dieses offensichtlich psychotische Treiben nicht beendet, ist mir ein Rätsel. Die Notenbanken könnten locker die Arbeit der Banken übernehmen .... ob kurzfristig, oder eben längerfristig, würde sich zeigen.

Aber einen klar durchgeknallten Kapitalmarkt noch mit Sucht-Mittel (Kapital) zu versorgen .... ist meiner Meinung einfach nur krank.

Der Kaiser ist nackt, es ist längst an der Zeit das auch zur Kenntnis zu nehmen ....

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Re: Wie jemand mit 100% Verschuldung seines laufenden Einkommens ..

tja, aber leider gibts halt ein paar andere staaten, welche von einem schwachen europa sehr profitieren würden.

PS: das BIP ist nicht das laufende einkommen (vielleicht vergleichbar mit dem brutto einkommen)

Antworten Gast: Luzifer
22.11.2010 22:46
0 0

Re: Wie jemand mit 100% Verschuldung seines laufenden Einkommens ..

Sie unterliegen da einem kleinen Irrtum. Die Wirtschaftsleistung eines Landes ist nicht gleich das Einkommen des Staates, der ja die Anleihen aufnimmt. Dieses beschränkt sich auf die Steuerleistung und die ist trotz eifrigen Bemühen mancher Parteien noch nicht bei 100 % des Einkommens der Steuerpflichtigen angelangt!

Gast: gast99
22.11.2010 21:31
0 0

Frage an die Pressestelle

an den verantwortlichen Journalisten.
Habe einem Posting entnommen, dass die Anglo Irish Bank das größte Problem darstellt. Sie hat laut diesem Posting (alles schall und rauch) wie verrückt und gegen jede Vernunft Hypothekarkredite vergeben, die zu einer Immobilienblase führte. (wie in Amerika) Und es kommt noch dicker. Die Bank wurde angeblich von einer Bande von Betrügern geleitet, die mit Immobilienspekulationen gemeinsame Sache machten. Kann das stimmen oder ist diese Information übertrieben. Ich erwarte keine Antwort wäre aber interessant wenn es stimmt es noch zu erwähnen. MFG

Re: Frage an die Pressestelle

Es gibt fast nur noch Betrugsbanken...selbst die Vatikanbank. Sie werden von internationalen Korruptionsnetzwerken, denen hauptsächlich Politiker, "Berater", Anwälte, Notare, hohe Beamte usw angehören personalisiert.
Die Justiz wurde en-passant von hohen Politikern mundtot gemacht und ebenfalls bestochen.
Wir leben in den letzten Wochen eines totalen globalen Korruptions-Kapitalismus.

1 0

Bankgeschäft ist Betrugsgeschäft.

Es ist nur so, daß die meisten Menschen nicht wissen, was Geld ist...
Die meisten Menschen glauben doch tatsächlich, die Banken verleihen Geld, welches andere Menschen gespart haben...

"Es ist gut, daß die Bürger der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn würden sie es verstehen, gäbe es, glaube ich, eine Revolution - vor morgen früh." (Henry Ford)

Was ist Geld?
http://www.chrismartenson.com/crashcourse/chapter-6-what-money

Wie wird Geld geschaffen?
http://www.chrismartenson.com/crashcourse/chapter-7-money-creation

http://www.steuerboykott.org

Gast: GAST
22.11.2010 21:18
0 0

noch vielleicht 3 Monate

dann dürfte wohl auch für Portugal das Ende sein, wenn man sich die Zinsen (10J) ansieht, die aktuell bei 6,91% sind und weiter steigen.
Hier kann man sie ausgezeichnet verfolgen.

http://markets.ft.com/markets/bonds.asp

Bisher war immer bei ca. 7% Schluß, sowohl in Griechenland, als auch in Irland !

Fällt Portugal, dann fällt auch Spanien !

...und dann fällt auch die EU !


0 1

Re: noch vielleicht 3 Monate

es fallen (besser werden zufall gebracht) die einzelstaaten nicht die EU, merken sie das nicht?
was glauben sie was ohne EU los wäre?

Antworten Antworten Gast: GAST
22.11.2010 22:15
1 0

Re: Re: noch vielleicht 3 Monate

ohne Gründung der EU und Einführung des EUROS hätten wir diese Probleme nicht !

Die Einführung des EUR ist ein Verbrechen gewesen.

Aber lesen Sie selber bei Prof.Hankel nach. Er war einer der wenigen die damls geklagt haben. Es ist genauso gekommen wie prognostiziert!

http://www.dr-hankel.de/

Re: Re: Re: noch vielleicht 3 Monate

Europa wurde nicht gegründet, sondern ist ein kleiner Kontinent den sich unterschiedliche Nationen teilen. Also ist es logisch, daß diese, nachdem sie über Jahrhunderte sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben, versuchen gemeinsam hier zu leben. Die USA haben, mit einer ganz anderen Geschichte, es auch geschafft. Kalifornien ist auch pleite, trozdem fordert niemand den Ausstieg aus dem Staatenbund, und die Einführung einer eigenen Währung.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast
23.11.2010 09:44
0 0

Re: Re: Re: Re: noch vielleicht 3 Monate

leider gibts halt leute die mit unruhen und dem gegeneinander viel geld verdienen, offensichtlich auch innerhalb von europa.

0 1

Re: Re: Re: noch vielleicht 3 Monate

richtig, es wären wahrscheinlich keine probleme mehr, sondern schon ein bankrott nach dem anderen hinter uns, island hat das ja schön gezeigt.

und auch für sie: das problem ist offensichtlich nicht die EU und der euro, sondern die verschuldung (inkl. finanzinstitute) der einzelstaaten.

Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

Jeder Private, oder jedes Unternehmen muß ausreichend Sicherheiten bringen um einen Kredit zu bekommen. Länder wie Irland, Spanien oder Italien haben dieses Problem nicht. Hier wurde Geld hineingepumpt ohne Sicherheiten zu verlangen. Dadurch konnten die Banken hohe "Profite" machen, und entsprechende Boni auszahlen.

Es gibt keine Wirtschaftswunder! Dahinter steht immer ein großer Bluff. Ackermann und Co. sind in ihrer blinden Profitgier diesem Bluff aufgesessen, und sollen dafür jetzt auch die Verantwortung übernehmen.

Wenn ein Bauer, der 5 Kühe hat, 10 verleiht, kann er auch nicht zu seinen Nachbarn gehen, und verlangen, daß sie die restlichen 5 Kühe seiner statt liefern. Da ist es besser den größenwahnsinnigen Bauern samt seinem Kunden pleite gehen zu lassen, als die ehrlichen Bauern ebenfalls zu opfern.

Antworten Gast: Zampa no
29.11.2010 12:09
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Re: Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

Braucht keiner Glauben dass zB. ein Ackermann und andere Banker das Problem nicht verstehen.
Die Kuh (Öffentlichkeit - Bevölkerung) wird halt so lange gemolken wie´s geht.

Antworten Gast: Zampanos
29.11.2010 12:06
0 0

Re: Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

Braucht keiner Glauben dass zB. ein Ackermann und andere Banker das Problem nicht verstehen.
Die Kuh (Öffentlichkeit - Bevölkerung) wird halt so lange gemolken wie´s geht.

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Re: Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

und wo nimmt österreich sein geld auf?

Re: Re: Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

Wo liegt die Verantwortung? Beim Kreditgeber, oder beim Kreditnehmer? Richtig, bei beiden. Desshalb sollten auch beide die Zeche zahlen. Das Gleiche gilt auch für Österreich, genau wie für jedes andere Land.

Antworten Antworten Antworten Gast: gast
23.11.2010 09:52
0 0

Re: Re: Re: Genau das ist das Problem Herr Ackermann!

beim volk? welches immer die parteien mit den größten wahlzuckerl wählt, obwohl es genau weiß, dass dafür geld aufgenommen werden muss?

Gast: ralffan
22.11.2010 20:36
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EU ist eine Liebesheirat

wie die dt. Kanzlerin richtig bemerkte, ist die europäische Vereinigung eine Liebesheirat und keine Zweckveranstaltung.
Wer denkt schon an solche Banalitäten wie Geld, wenn er ne Liebesheirat begeht??

Eben.

Das muss es uns halt wert sein, dass wir uns vereinigen (so wie bei einer Liebesheirat).

Und wenn dann - lange nach der Hochzeit - etwaige nachteilige Eigenschaften der Partner aufkommen - damit muss man halt leben ,das muss einem die "Liebe" wert sein....

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Re: EU ist eine Liebesheirat

und wenn päarchen zusammenhalten, sind sie stärker als jeder einzelkämpfer.

 
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Hobbyökonom