Portugal: Ein Euro-Schutzschirm aus Dementis

26.11.2010 | 22:24 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Lissabon hat ein Sparbudget beschlossen, aber seine Wirkung verpufft. Investoren rechnen fix damit, dass das Land europäische Finanzhilfe beantragen wird. Das wird offiziell heftig dementiert.

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Wien. Das hatten sich die Portugiesen anders vorgestellt. Ein nationaler Schulterschluss, ein heroisches Sparpaket – damit hatten sie ihre Gläubiger beeindrucken wollen. Und tatsächlich beschloss am Freitag das Parlament in Lissabon ein rigides Krisenbudget für 2011. Es soll das Defizit, das heuer zwischen sieben und acht Prozent liegen wird, auf unter fünf Prozent drücken. Vor allem aber sollte es zeigen, dass das Armenhaus Westeuropas seine Probleme selbst in den Griff bekommt – anders als Irland und Griechenland.

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Doch just an diesem Tag erreichten die Zinsen für Portugal-Bonds neue Höchststände, und die Gerüchte über ein baldiges Hilfsansuchen brodelten heftiger denn je. Die „Financial Times Deutschland“ berichtete von allseitigem Druck auf Portugal, sich unter den im Mai geschaffenen Schutzschirm für angeschlagene Eurostaaten zu flüchten. Und für Sonntag sollen die EU-Finanzminister eine Telefonkonferenz planen, genau wie am Sonntag zuvor in Sachen Irland. Wilde Dementis folgten. Als „absolut und vollständig falsch“ bezeichnete EU-Kommissionspräsident Barroso „jeglichen Verweis auf einen Hilfsplan“.

 

Wird Rettungsfonds aufgestockt?

Doch die Anleger, Analysten und Ökonomen haben Portugal als Teilnehmer auf dem Anleihemarkt schon abgeschrieben. Eine klare Mehrheit erwartet eine Rettungsaktion nach irischem Vorbild, wie Umfragen ergeben. Die portugiesische Wirtschaft ist wenig wettbewerbsfähig, ein Geschäftsmodell fehlt, der Rückfall in die Rezession droht.

Im Jänner sind die nächsten Refinanzierungen fällig. Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hat schon vor Wochen die Linie vorgegeben: Wenn die Zinsen auf dem Kapitalmarkt sieben Prozent übersteigen, ist es Zeit, bei EU und Internationalem Währungsfonds anzuklopfen. Die Marke ist nun überschritten. Unter Investoren wird schon weitergedacht: Folgt Spanien, dessen Banken stark in Portugal investiert sind? Italien? Gar Frankreich? Die Zeichen stehen auf Abverkauf. Das ist rational gedacht: Staatsanleihen sollen eine sichere Anlage sein, und schon eine geringe Ausfallsgefahr bringt das Risikoprofil eines Portfolios aus dem Gleichgewicht.

Dass ihr großer Auftritt misslang, verdanken die Portugiesen aber auch Axel Weber. Mit einer unbedachten Aussage wollte der deutsche Bundesbankpräsident den Markt beruhigen und stiftete stattdessen neue Unsicherheit. Er erklärte, zur Not könnte die Spannbreite des Euro-Schutzschirms ja vergrößert werden. Das führte zu Gerüchten, die EU-Kommission plane eine Aufstockung, vielleicht gar Verdoppelung des Hilfsrahmens, der mit IWF- und EU-Hilfen 750 Mrd. Euro ausmacht. Deutschland habe dieses Ansinnen eiligst abgeblockt.

Definitiv eilig hatte es Berlin, das alles zu dementieren. Finanzminister Schäuble sprach von „ganz abseitigen Äußerungen“. Ein Sprecher der EU-Kommission verwies darauf, dass Brüssel über den in Luxemburg angesiedelten Rettungsfonds gar nichts entscheiden könne. Sehr wohl werde die Kommission aber Anfang Dezember einen Vorschlag machen, wie der 2013 auslaufende Rettungsmechanismus zu einer Dauereinrichtung gemacht werden soll.

Einzig Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener ifo-Instituts, bewahrt einen kühlen Kopf. Er hält die ganze Aufregung für übertrieben – und von den Banken geschürt, die von jedem „Bail-out“ profitieren, weil sie dabei ungeschoren bleiben. Der Ökonom erinnert an die 130 Mrd. Euro, die von deutschen Banken als ihr Irland-Risiko ins Treffen geführt werden. Davon sind aber 100 Mrd. Forderungen an ihre eigenen Zweckgesellschaften – und damit ohne spezielles Länderrisiko.

Im Übrigen habe der aktuelle Rückzug der deutschen Banken aus den Staatsanleihen von Problemstaaten auch sein Gutes: Endlich würden sie in „deutsche Häuslbauer und den Mittelstand“ investieren, statt ihr Kapital in den Rest Europas zu tragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2010)

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18 Kommentare

Europa ist mit sich beschaftigt!

Früher war die EU zumindest bei den Internationalen Ereignissen Zaungast. Jetzt treibt sie wie ein Führerlose Schiff auf dem Wasser. Wahrend dessen wird die Weltordnung neue definiert! Das belegt wieder, was die Dekadenz alles verurschane kann!

Gast: sarazInnen
27.11.2010 15:57
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...

der euro schafft sich ab

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Re: ...

ich meine sie irren gewaltig, er ist gerade am weg zu gegenteil.

Gast: GAST
27.11.2010 12:29
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nur N und X Scheine !

Es wurde schon lange von renomierten dt. Professoren darauf hingewiesen, dass das EU-Währungssystem auseinanderbrechen kann. Man hat das bereits schon bei den Geldscheinen mit eingearbeitet. Übrigens N=Österreich X=Deutschland.

Doch Verträge könne man kündigen und Gesetze ändern, meint Crashprophet Max Otte. Der Professor für Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft an der Fachhochschule Worms, der 2006 mit dem Buch „Der Crash kommt“ reüssierte, hat gerade einen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht: „Wussten Sie, dass es deutsche Euros gibt?“ Die Länderkennzeichnungen auf den Scheinen wiesen darauf hin, dass man ein Auseinanderbrechen des europäischen Währungssystems schon vorhergesehen habe, schreibt Otte. Der Crashprophet empfiehlt seinen Lesern, Banknoten mit den Kennungen S (Italien), T (Irland), Y (Griechenland), V (Spanien), und M (Portugal) rasch weiterzureichen.

http://www.wiwo.de/finanzen/angst-vor-dem-griechen-euro-390181/

Antworten Gast: Guter Rat
27.11.2010 15:15
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Re: nur N und X Scheine !

Ich empfehle unbedingt jeden Bürger immer ca. 2 bis 3 Tausend Euro Bargeld zu Hause zu haben, am besten in kleineren Scheinen, damit man im "Ernstfall" immer noch was für die wichtigsten Käufe zum zahlen hat.

Unabhängig von der EUR Krise sieht man was passiert, wenn mal (zufällig?) ein (gezielter?) Virus sein Unwesen treibt.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Millionen-Kunden-ohne-Geld-article2023281.html

Antworten Gast: Race to the bottom
27.11.2010 13:16
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Re: nur N und X Scheine !

Wer schon jetzt wissen will, wie's weitergeht, kauft sich einfach das Büchlein des bekannten amerikanischen Ökonomen Murray N. Rothbard: Das Schein-Geld-Sytem. Da wird er gleich verstehen, wieso das von "Experten" totgesagte Gold so einen Höhenflug macht und warum alles teurer wird und unser schlauer Vickerl vorausschauend nach Süd-Amerika abgepascht ist. Der französische Präsident Mitterand verkündete einst triumphierend im Fernsehen: Der Vertrag von Maastricht ist wie Versailles ohne Krieg. Kann gut sein, die Folgen werden aber auch die nämlichen sein. Die notorische Rivalität zwischen Deutschland und Frankreich wird Europa ein weiteres Desaster bescheren und wir werden wie üblich mit dabei sein. Gott schütze Österreich.

Gast: gast
27.11.2010 11:00
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bald zerreißt es spanien



und dann haben wir es hinter uns.
mit etwas glück erholen sich die tüchtigen , und die schnorrer leben ihren eigenen weg, ohne stütze.

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Re: bald zerreißt es spanien

leider (oder gottseidank) wird sich die welt nicht daran halten, was sie sich wünschen.

Antworten Gast: Parteiloser
27.11.2010 12:50
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Spanien hält der Euro noch aus!

Es ist erst dann aus, wenn eines der großen Euroländer wegkippt. Es scheint eine reine Zeitfrage zu sein und das Risiko auch größer als bei Spanien:

Schulden in % des BIP / Defizit in % BIP Erwartung per Ende 2010:

Spanien:.............ca. 60% / 8%
Frankreich:..knapp 100% / 8%
Italien:................ca.120% / 5%

Bei Italien haben sich die "Märkte" schon daran gewöhnt. Italien handhabt das hohe Defizit schon über Jahre ganz gut.

Das Problem wird Frankreich sein. Da gibt es keine Möglichkeiten das strukturelle Defizit in den Griff zu bekommen, auch die Abgabenquote ist extrem hoch. Dazu noch die Tricksereien mit den massiven Ausgliederungen (Bankenhilfspaket!), welche bei den offiziellen Schulden gar nicht aufscheinen.

Frankreich wird den Euro in die Luft jagen und die EU gleich mit dazu.

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Re: Spanien hält der Euro noch aus!

naja, ohne EU können die investoren zu jeder beliebigen zeit jedes europäische land in die luft jagen.
so kommt man _in_ diesem land zu günstigen invests. ich sehe in einzel(klein)staaten da absolut keinen vorteil.

Antworten Antworten Gast: 67 % Ja
27.11.2010 13:29
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Re: Spanien hält der Euro noch aus!

Während in der globalisierten Wirtschaftskrise die Wogen hoch gehen, sollten wir unserer SPÖVP auf Knien danken, daß sie uns damals mit vereinten Kräften auf die EU-Wohlstandsinsel trieb und uns zusätzlich einen EU-Tausender bescherte. Wie sagte doch wer, wenn nicht er, so prophetisch: Nur wenn wir in der EU sind, dürfen wir auch mitzahlen - äh, mitreden. Und das ist gut so-

Gast: genx
27.11.2010 10:41
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Die EU-Anleihe kommt

Jetzt ist es raus: Bundesregierung unter Bedingungen zu gemeinsamen Anleihen aller Euro-Länder bereit. Mit den Eurobonds würde Deutschland auch für die Schulden anderer Euro-Länder mithaften. „Das tun wir aber bei einer Ausweitung oder Verlängerung des Euro-Rettungsschirms auch".

http://www.mmnews.de/index.php/politik/6862-regierung-will-eu-anleihe

Vor dem Zerfall kommt die Zentralisierung.

Der britische Historiker Arnold Toynbee hat in seiner großen Studie über Aufstieg und Zerfall von Zivilisationen gezeigt, daß kurz vor dem Niedergang einer Zivilisation die Zentralisierung steht.

Dem ist nichts hinzzufügen.

Gefährlichster Satz der EU!

Wir brauchen kein Geld.

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investoren

"..investoren rechnen fix damit.."

warum schreibt man nicht klartext?
Wenn ein staat anleihen vergeben muss um zu existieren, dann liegt es in der hand der investoren (=geldgeber) ob und zu welchen zinssatz sie diese anleihen zeichnen. D.h. Die investoren entscheiden ganz alleine ob portugal oder ein anderes land hilfe braucht oder nicht.

Der grosse Anleihen-Abverkauf beginnt

und die EZB wird intervenieren und diese Anleihen monetarisieren.
Irgendwann wird dann das Volk draufkommen, dass ein Geldschein eigentlich Scheingeld ist und die Supermaerkte werden sich leeren innerhalb weniger Stunden.

Re: Der grosse Anleihen-Abverkauf beginnt

...und dann erschallen die himmlischen Posaunen und ER wird wieder erscheinen.

Re: Re: Der grosse Anleihen-Abverkauf beginnt

Wer so blöd ist und eine solche Entwicklung zulässt, wird IHN nicht verhindern können.

Leider!

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