Irland plant 90-Prozent-Steuer auf Banker-Boni

10.12.2010 | 10:23 |   (DiePresse.com)

Das Land steht wegen seiner Banken am Rande der Pleite. Die vom Staat gerettete Allied Irish Bank (AIB) muss für 2008 40 Millionen Euro Boni zahlen. Rückwirkend soll die geplante Steuer dennoch nicht greifen.

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Das wegen seiner Banken am Rande der Pleite stehende Irland will Bonuszahlungen für Bankmanager künftig mit einer 90-Prozent-Steuer belegen. Das kündigte Finanzminister Brian Lenihan am Donnerstagabend im Parlament an. Zuvor war bekanntgeworden, dass die vom Staat gerettete Allied Irish Bank (AIB) ihren Managern Boni in Höhe von insgesamt 40 Millionen Euro für das Jahr 2008 zahlen muss. Rückwirkend greife die Steuer aber nicht, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums in Dublin, das sei vertragsrechtlich nicht möglich.

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Der irische Sender RTE berichtete, AIB-Manager hätten auch 2009 Boni von insgesamt 55 Mio. Euro bekommen. In diesem Jahr belaufe sich die durchschnittliche Prämie für die 2.400 Mitarbeiter auf 16.700 Euro. Der irische Staat hat die Bank mit bisher 3,5 Mrd. Euro vor dem Zusammenbruch gerettet.

Opposition: "Boni höher als Sozial-Kürzungen"

Der Chef der Oppositionspartei Fine Gael, James Reilly, bezifferte die in allen Banken gezahlten Boni für die Jahre 2009 und 2010 auf 95 Mio. Euro. Das sei mehr als die 90 Mio. Euro, die nun im neuen Haushalt bei den Blinden, Witwen, Behinderten und Pflegekräften gestrichen würden.

Die irische Regierung hatte am Dienstag ihren Haushaltsentwurf vorgelegt, der strikte Sparmaßnahmen vorsieht. Sie sind Bedingung für die 85 Mrd. Euro aus dem EU-Rettungsschirm, von denen 35 Mrd. Euro für die Banken bestimmt sind.

Die AIB ist neben der Anglo Irish und der Bank of Ireland eine der größten Banken auf der Insel. Die Regierung schätzt die Kosten für die Sanierung der Geldhäuser auf insgesamt 50 Mrd. Euro. Das Haushaltsdefizit in Irland wird vor allem wegen der Bankenrettung in diesem Jahr auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

(Ag.)

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27 Kommentare
 
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Gast: gast
16.12.2010 20:53
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Bleibt objektiv

Dass die Steuer auf Banker-boni viele erfreut, war klar. Es lebe der Neid.

Außerdem sind die Banker mit Sicherheit nicht alleine Schuld an der Finanzkrise.

Viel mehr wäre es Aufgabe der Regierungen gewesen, die neue Finanzinstrumente zu verbieten oder zu regulieren. Das Problem ist aber, dass unsere Finanzminister allesamt nicht vom Fach sind.

Des Weiteren ist der eigentlich Grund für die jetzige Situation, dass so ziemlich alle Staaten weit über ihre Verhältnisse gelebt haben, bzw. keine Reformen unternommen haben.
Nichtstun ist halt angenehmer.
Und warum war das so? Wären noch vor wenigen Monaten Parteien gewählt worden, die Sparmaßnahmen verkündet hätten?

Ich denke nicht.

Von dem her raunzt nicht so viel, ihr seid genau so schuldig wie die Banker.
Doch eines kann man mit Sicherheit sagen. Der Politik MUSS man vorwürfe machen!

Irland hätte seine Banken so wie Island nicht retten sollen

Nicht primär weil die Banker das undankbarste überhaupt Pack sind die jeglichem Bezug zur Realität verloren haben (die werden sicher eine Verfassungsklage gegen diese Sondersteuer einführen)

Sondern weil es sich empirisch zeigt, dass ein Crash und klarer Neustart besser ist als ein ewiges Hinauszögern. (Bradley, Asien-Krise, vs Japan).

Gast: Im Namen aller Türken und Türkinnen
10.12.2010 16:53
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EU - Nein danke!


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Man will sanieren, aber ..


Geht es noch irgendwie idiotischer, als einen Sanierungskurs einzuschlagen und zugleich die Boni zu wegzusteuern, wenn die Sanierung gelingt? Eine ansich dumme Regelung wird durch den völlig falschen Zeitpunkt nur noch dümmer.

Selbstredend dienen sich auch die österreichischen Geistesriesen Schieder und Matzenetter an, die irischen Banken für eine Handvoll Erdnüsse zu sanieren. Ob das jedoch die hellsten Köpfe am Markt für diesen Job sind, darf bezweifelt werden.

Gast: HJB
10.12.2010 15:10
1 0

die Menschheit brauchte eine Umverteilung

. . . die Union müsste die Banken in ihre (Länder-) Grenzen verweisen und den unkontrollierbaren globalen Kapitalismus den Garaus machen.
Wozu denn die Union, wenn sich die Multinationalen einen unkontrollierbaren globalen Markt schaffen?
Globale Spekulation könnte an der Grenze gestoppt werden, wenn die Landesbanken verantwortlich wären.
Sozial gerecht wäre, wenn es beim Einkommen auch Höchstgrenzen gäbe.
So dürften ein Gehalt nicht höher als das dreifache Durchschnittseinkommen. Manager Boni, Zuwendungen und Abschreibungen müssten eliminiert werden.

quo vadis

Irland hatte 2007 übrigens noch eine Schuldenquote von 25%.

In Österreich hat es auch da schon ein bisschen anders ausgesehen:

http://zuwi.at/themen/politik/osterreich-eine-finanzielle-katastrophe-in-bildern/

Gast: Orakel
10.12.2010 12:54
1 0

Da muss man...

... Aber kein Hellseher sein um zu erkennen, dass dann halt einfach die fixgehaelter steigen werden und man halt kaum/keine Boni mehr zahlen wird.

Gilt natuerlich nur fuer den kuemmerlichen Rest der finanzindustrie, der nicht gleich abwandert.

90% steuern... wer das fuer gut befindet muss ein Krokodil sein, große Klappe und mini Hirn

funktioniert in Österreich nicht

man kann doch nicht von den Banklobbyisten in der Regierung verlangen, dass sie Gesetze gegen ihre eigenen Gönner machen

Gast: namahlzeit
10.12.2010 12:27
1 0

Faymann und die SPÖ haben auch ein gerechtes Steuersystem verprochen. Nun werden die Familien , Unis, arbeitnehmer und ASVG Pensionen geschröpft.

Abzocker und Spekulanten haben von der POLITIK alle Freiheiten bekommen. Nun versuchen die europäischen Politiker ihre Lobbypolitik schönzureden oder schauen oft weg. Den Steuerzahlern und Arbeitnehmern werden grausliche Sozialabbaupakete zutgemutet. Bei den staatlichen ASVG Pensionen - Bildung- Familien wird eingespart und die Banker und Börsenheuschrecken können sich weiter mit Milliardensteuergeldern überfressen. Die europäischen Steuerzahler , der Mittelstand und die Arbeitnehmer - von Griechenland bis Irland, von Portugal bis Österreich haben den Aufschwung und die Gewinne in den letzten jahrzehnten erwirtschaftet. Nun werden die Staaten von den Spekulanten kaputt gemachtt, die Sozialsysteme und die staatlichen Pensionssysteme für die Arbeitnehmer in den Ruin getrieben. UNd noch immer nicht ist kein Ende dieser Bankenabzockereien absehbar. Die Politik hat sich der Finanzlobby angebiedert und hat diesen Heuschrecken alle Macht der Welt gegeben. Die Gewerkschaften haben diese katastrophalen Entwicklungen kleingeredet oder haben sich selbst verzockt(BAWAG-ÖGB)Es ist höchste Zeit dafür, dass nun alle systemrelevanten Sozialsysteme für die Bürger und Arbeitnehmer sofort geschützt werden und die Milliardengaunereien der Banken zurückgezahlt werden. Nur so kann der Frieden in den Ländern gerettet werden, alles andere führt zu enormen sozialen Spannungen und Armut. UNd dies hat Europa schon zur Genüge gehabt. Also ein Euro Ende mit Schrecken, als ein Euro Schrecken ohne Ende!

Gast: ASVG-Sklave
10.12.2010 12:16
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90 Prozent Steuer

Die bräuchten wir auf Politiker- und Beamtenpensionen.

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Re: 90 Prozent Steuer

Zumindest bei Pensionisten jenen Betrag zu 90% versteuern, der über der ASVG-Höchstpension (2.364,49 Euro) liegt.

Beispiel:
Pension von Eur 5.000,- netto mtl. wird auf 2.628 Euro gekürzt.

Diese fetten Pensionen, die da kassiert werden, sind sowieso nicht durch eigene Beiträge gedeckt. Also würde man eigentlich keinem der Privilegien-Pensionisten wirklich etwas weggenommen.

Antworten Antworten Gast: ASVG-Sklave
10.12.2010 13:34
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Re: Re: 90 Prozent Steuer

Stimmt.

Über die Modalitäten könnte man diskutieren, nachdem die illegale Rechtsprechung aufgehoben wird.


Gast: celsius
10.12.2010 11:46
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Gut so !

90 % Steuern auf Manager Boni sind wohl zuerst in Ungarn von Orban beschlossen worden. Damals haben IMF und EU noch ihr Missfallen zum Ausdruck gebracht. Es sollten auch die zur Kasse gebeten werden, die die letzten 3 Legislaturperioden an den Schalthebeln der Macht sassen, und zwar rückwirkend.

Re: Gut so !

Korrekt

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Richtig so

Die außer Rand und Band geratenen Bankmanagergehälter haben schon lange jegliche Rechtfertigung verloren. Boni für Manager von Institutionen ausschütten, die ohne Staatshilfe BANKROTT wären, ist eine einzige Frechheit. Führt man als Manager seinen Betrieb in die Pleite, kann man schauen wo man bleibt, aber als Bankster bekommt man Millionen nachgeworfen, dafür dass die Allgemeinheit mit ihrem Geld den Laden gerettet hat. Da die Bankmanager selbst nicht einsichtig sind und man die Verträge wohl auch nicht so leicht ändern kann, hilft wohl nur so eine Besteuerung, um zumindest auf diese Weise dieses skrupellos-parasitäre Verhalten einzudämmen.

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Griechenland ...


... weiter im Würgegriff der Rezession, wurde gestern gemeldet.

Griechen-BIP heuer -4,6% (2009: -4,5%)!

Zeit.de meldet:

>>Ende dieses Jahres dürfte die Gesamtverschuldung 142 Prozent vom BIP erreichen. 2011 wird die Schuldenquote voraussichtlich auf 153 und 2012 sogar über 160 Prozent steigen. Viele Fachleute glauben, dass ein Staat Schulden in dieser Größenordnung gar nicht mehr nachhaltig bedienen kann. Die Zinslast wird so groß, dass sie den Staat zwangsläufig in den Bankrott treibt. Im Jahr 2014 muss der Athener Finanzminister voraussichtlich 20 Milliarden Euro allein für Zinsen aufbringen. Das wären acht Prozent des BIP oder mehr als ein Drittel der diesjährigen Steuereinnahmen.<<


Zur Nachahmung empfohlen!

Sicher sind bei uns das Bankgeschäft und die Politik getrennt. Oder etwa nicht?

Getrennt ja, ...

... so lange man sie auseinander hält. - Und das der Herzige ein Techtelmechtel mit dem Grünen Riesen hat, ist wohl auch nur ein Gerücht.

Gast: gast
10.12.2010 10:42
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TRALALA...




AUGENAUSWISCH.....

Ich bin bei Gott kein Etatist, aber diesen Ansatz finde ich begrüßenswert


Das Banken-Gehalts- und Bonisystem hat nichts mehr mit freier Marktwirtschaft zu tun, hier wird massenhaft und flächendeckend der auf Kosten und Risiko des Steuerzahlers erwirtschaftete "Gewinn" an die eigene Klientel ausgeschüttet.

Auch das Argument der besten Köpfe ("if you pay pe4anuts, you will get monkeys") zählt hier kaum, denn DIESE Finanzkrise hätten auch Affen nicht besser/schlechter hinbekommen.

Alles in allem ein weit besserer Ansatz als zB. die überzogene Bankensteuer in Ungarn und die unsägliche Wertpapiersteuer in Österreich.

Genaugenommen bräuchte man die Banken nur extrem genau prüfen, dann könnte man Problemlos 90% aller Bankenmanager, Vorstände und Aufsichtsräte in den Knast schicken, und zwecks Schadensersatz alle früheren Boni wieder einziehen.



Das tut aber keiner. Deshalb sind die 90% Steuer Augenauswischerei, und dienen nur zur Besänftigung des Volkes.

Gast: tg
10.12.2010 10:35
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Früher...

...wurden diese irrwitzigen Summen auch schon bezahlt, aber es hat kaum jemanden gestört, weil jeder noch einen bescheidenen Anteil an der Geldvermehrung - pardon, am "Wohlstandszuwachs" - hatte.

Und jetzt, ganz plötzlich, kommen die Leute drauf dass da etwas ganz gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist, bei unserem Finanzsystem.

Eine 90% Boni Steuer wird diese Probleme aber ganz sicher nicht lösen, denn es findet sich bestimmt ein Land, eine Insel oder ein wunderbares Finanzvehikel über das man die "Boni" steuerfrei ausbezahlen kann.

Gast: Xab
10.12.2010 10:32
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Nachahmenswert

Sollte EU-weit eingeführt werden.

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Re: Nachahmenswert

Eher weltweit, sonst richtet sich die EU selbst....

Gast: gastus
10.12.2010 10:30
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niemand sieht die ursachen

der gesamte finanzbereich ist weltweit in den letzten 40 jahren enorm gewachsen.

warum? weil finanzierung ploetzlich wichtiger ist als produktion und handel? nein

weil alle staaten dieser erde den banken eine lizenz zum geld drucken geben, namens fractional reserve banking. weil alle nationen dieser erde eine zentralbank betreiben, die ungedeckte papiergeldwaehrung aus dem nichts erschafft.

mfg

Jede Bank die Kredite vergeben darf, "druckt" Geld, d.h. schafft Geld aus dem Nichts.


 
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