Ratings: Kreditwürdigkeit purzelt immer vor EU-Gipfeln

16.12.2010 | 12:00 |   (DiePresse.com)

Die Herabstufungen von Euro-Ländern kurz vor EU-Gipfeln durch Moody's, Fitch und Standard & Poor's - die sich wie ein roter Faden durch das Jahr 2010 ziehen - erhöhten jeweils den Druck auf Euro und EU.

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Den vorwiegend angelsächsischen Ratingagenturen wird vorgeworfen, mit ihren Abwertungen von Ländern kurz vor EU-Gipfeln die Krise des Euro verschärft zu haben. Betrachtet man den zeitlichen Ablauf der im heurigen Jahr stattgefundenen sieben EU-Gipfeln der Staats- und Regierungschefs, fällt auf, dass vor sechs dieser Treffen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit einzelner Länder herabgestuft haben.

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Rating-Entscheidungen erhöhen Druck auf EU

Damit erhöhte sich auch der Druck auf die EU, Maßnahmen zur Rettung entweder des betroffenen Landes oder der europäischen Währung insgesamt in die Wege zu leiten. Lediglich beim Gipfel am 16. September hatten die Ratingagenturen mehr oder minder geschwiegen, doch war dieses Treffen von dem Roma-Streit zwischen EU-Kommission und Sarkozy überschattet.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy haben daher ebenso wie Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann die Schaffung einer europäischen Ratingagentur angeregt. Faymann hatte im Juni erklärt, ihm komme es so vor, als ob vor jedem EU-Gipfel entweder eine Rating-Agentur oder Spekulanten, die gegen eine Währung wetteten, ausprobierten, ob und wie weit etwas passieren könne. "Daher finde ich es notwendig, dass wir eine eigene Rating-Agentur in Europa zustande bringen."

Vor dem am heutigen Donnerstag beginnenden zweitägigen EU-Gipfel zur Schaffung eines permanenten Krisenbewältigungsmechanismus hatte Fitch Irland weiter herabgestuft, S&P den Ausblick für Belgien gesenkt und Moodys vor einer Herabstufung Spaniens gewarnt, was alles den Euro weiter unter Druck brachte.

Nachfolgend die bisherigen EU-Gipfel und die Entscheidungen von Ratingagenturen:

10.02. Moody's droht Griechenland mit weiteren Herabstufungen

11.02. EU-Sondergipfel spannt Schutzschirm zu Griechenland auf

04.03. Griechenland - Moody's droht mit schlechterer Bonitätsnote

09.03. Fitch - Kreditwürdigkeit Großbritanniens verschlechtert

24.03. Fitch stuft Bonität Portugals auf 'AA-' herab

25./26.3. EU-Gipfel einigt sich auf Rettungsplan für Griechenland

05.05. Moody's droht Portugal Herabstufung an

06.05. Moody's - Schuldenkrise könnte auf Bankensysteme übergreifen

07.05. Euro-Sondergipfel will Krisenmechanismus zur Rettung des Euro schaffen

14.06. Moody's stuft Griechenland auf Ramschstatus herab

15.06. Großbanken nehmen Griechen-Anleihen aus dem Schaufenster

17.06. EU-Gipfel: Minikonsens zu Bankenabgabe - Finanzstransaktionssteuer in weiter Ferne

06.10. Ratingagentur Fitch senkt Irland-Rating von AA- auf A+

28./29.10. EU-Gipfel vereinbart Vertragsänderung zur Absicherung des Euro

09.12. Fitch stufte Irland weiter herab

14.12. Rating-Agentur S&P senkt Ausblick für Belgien

15.12. Moody's Warnung vor Herabstufung Spaniens belastet Euro

16./17.12. EU-Gipfel ringt um permanenten Euro-Krisenrettungsmechanismus

(APA)

 
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  • Spekulanten wetten auf steigenden Euro

    Bild: (c) AP (Michael Probst) Wetteten die Spekulanten bis vor kurzem auf einen fallenden Euro, dreht sich nun das Blatt. Der Euro hält momentan bei einem Kurs von über 1,35 Dollar.

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  • Zähes Ringen um Rettungsschirm für Euro

    Bild: (c) EPA (Vassil Donev) In einem Entwurf für die Abschlusserklärung des EU-Gipfels, am Donnerstag und Freitag, soll der EU-Vertrag nur um zwei Sätze verändert werden. Künftig sollen sich private Gläubiger am Rettungsschirm beteiligen.

  • Merkel und Sarkozy gegen Euro-Anleihen

    Bild: (c) EPA (Bernd Weissbrod) "Ich sehe nicht, inwieweit Deutschland egoistisch ist", meint Frankreichs Staatschef Sarkozy. "Es darf keine Vergemeinschaftung der Risiken geben", warnt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

  • OeNB-Chef: "Nicht Zeitpunkt für Euro-Anleihen"

    Bild: (c) Reuters (Herwig Prammer) OeNB-Chef Nowotny will über Euro-Anleihen "in guten Zeiten diskutieren, nicht in schlechten". Er will einen dauerhaften Rettungsmechanismus für in Notlage geratene Länder.

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    Bild: (c) AP (Michael Probst) Deutschland sträubt sich dagegen, gemeinsame Staatsanleihen aller Euroländer aufzulegen. Auch eine Erweiterung des Schutzschirms hält Deutschland für nicht notwendig.

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    Bild: (c) AP (MICHAEL PROBST) Die Finanzminister des Eurogebiets und der Internationale Währungsfonds beraten heute über die europäische Schuldenkrise. Euro-Gruppenchef Juncker schlägt eine Schuldenagentur für europäische Anleihen vor.

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    Tschechien will bis 2014 keine Euro-Einführung / Bild: Premier Petr Necas (c) Reuters (Thierry Roge) "Jetzt den Euro einzuführen, wäre eine wirtschaftliche und politische Dummheit", sagt der tschechische Premier Petr Necas.

  • Eurokrise führt nun auch in Italien zu Nervosität

    Bild: (c) AP (Gregorio Borgia) Kein Geringerer als Silvio Berlusconis rechte Hand, sein als besonnen geltender Staatssekretär Gianni Letta, zeigte sich besorgt, dass ein Angriff auf den Euro auch Italien in einen Abwärtsstrudel ziehen könne.

  • SuperMarkt: Sind wir noch zu retten?

    Rettungsring / Bild: (c) Bilderbox Die Eurokrise soll mit einer uneingeschränkten Haftung für alle Mitglieder beendet werden. Womit Griechenland das neue Wirtschaftsmodell wäre. Die Eurozone ist längst von einer partiellen Hyperinflation erfasst.

  • EZB fordert gemeinsame Euro-Wirtschaftspolitik

    Bild: (c) AP (Remy De La Mauviniere) Deutschland lehnt eine gemeinsame Steuerpolitik in der EU strikt ab, für EZB-Chef Trichet wäre sie ein "Quantensprung".

  • Rettungsmechanismus gefährdet Griechenland-Rating

    Bild: (c) EPA (Orestis Panagiotou) Standard & Poor's erwägt die Einstufung von "BB+" zu senken. Zuvor wird geprüft, wie sehr in Zukunft private Gläubiger zur Kasse gebeten werden.

  • EZB weitet Anleihen-Kauf-Programm nicht aus

    ezbsitz / Bild: Erwin Wodicka Eine "überwältigende Mehrheit" der Notenbanker hat sich nach der Sitzung am Donnerstag gegen eine Ausweitung ausgeprochen. Die EZB unterbricht jedoch den geplanten Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes.

  • Spanien macht Flughäfen und Lotterien zu Geld

    Bild: (c) EPA (JEON HEON-KYUN) „Koste es, was es wolle.“ Im Kampf gegen die Schuldenkrise will Ministerpräsident Zapatero 14 Mrd. Euro mit Privatisierungen einnehmen. Dafür sollen zum Beispiel Teile der staatlichen Lotterie verkauft werden.

  • Euro: Zittern um Portugal und Spanien

    Bild: (c) AP (Paulo Duarte) Portugals Zentralbank warnt vor hohen Risiken für die Finanzbranche des Landes, Spanien stöhnt unter der Zinslast.

  • "Zombie-Gebäude" bedrohen Spaniens Zukunft

    Die Zeitbombe tickt: Noch immer sind die spanischen Immobilienpreise um 17 Prozent zu hoch. Die Blase ist also noch nicht geplatzt.

  • Roubini: "Portugal erreicht den kritischen Punkt"

    Bild: (c) AP (Mark Lennihan) Eine Rettung Portugals durch EU-Hilfen werde immer wahrscheinlicher, sagt US-Ökonom Nouriel Roubini. "Spanien ist zu groß um zu scheitern", warnt er.

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15 Kommentare
Gast: WasistUnserenOligarchenWichtigerVolkOderBanken?
10.03.2011 08:02
0

BLICK ÜBERN ZAUN: „Die deutsche Wirtschaft warnt Merkel vor einer Schuldenunion!“


Vor dem Euro-Sondergipfel am Freitag haben sich die führenden deutschen Wirtschaftsverbände angesichts der Schuldenkrise in Europa für die Möglichkeit geordneter Staatsinsolvenzen ausgesprochen. Der Druck auf die Bundesregierung, den Einstieg in die Schuldenunion zu verhindern, wächst.

Am Sonntag veröffentlichten die vier Wirtschaftsverbände
BDI, BDA, ZDH und DIHK eine gemeinsame Stellungnahme.
Darin schreiben die Präsidenten der Industrie, der Arbeitgeberverbände,
des Handwerks
sowie der Industrie- und Handelskammern, eine Vergemeinschaftung von Schulden überforderte die starken Euro-Länder und schwächte Europa.

„Über den Europäischen Stabilisierungsmechanismus darf es nicht zu einer Vergemeinschaftung von Schulden durch die Hintertür kommen.“

Gemeinsame Euroanleihen lehnen die Verbände
„im gegenwärtigen Stadium der europäischen Integration“ ab.
http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~E95B3DDB59B694273920F705D86023DAE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Wie verhält sich nun Bk-in Angela? Wird sie sich ihres Eides
„..... SCHADEN VOM VOLKE ABzuWENDEN SO WAHR MIR GOTT HELFE „
erinnern?
UND SCHLIE?LICH UND ENDLICH ...
was macht unser oberster
Stabilitätswächter und Hüter derBanken -
Pröll Josef?


Erich Bahn
20.12.2010 13:46
0

Wer sind die Eigentümer dieser Rating-Argenturen und wie viel verdienen die Verantwortlichen?


Für mich sind sie die neuzeitlichen "Rattenfänger von Hameln" und nicht mehr.

Der Sage nach ließ sich im Jahre 1284 zu Hameln ein wunderlicher Mann sehen. Er gab sich für einen Rattenfänger aus, indem er versprach, gegen ein gewisses Geld die Stadt von allen Mäusen (Investmentbänker) und Ratten (Hedge-Fonds) zu befreien.

Auch heute wird hinter ihnen nachgelaufen und es werden zig Milliarden "verbraten/vernichtet" .

Gast: kasperl2
16.12.2010 21:46
2

USA-Rating

Was hat eigentlich die USA für ein Rating? Ist irgendwie eigenartig, dass sich die Ratingagenturen laufend dazu bemüssigt fühlen immer nur Europa herabzustufen. Ich denke da stimmt einiges nicht...

Gast: mysterium
16.12.2010 20:19
1

sarkozy - ein verräter?


Gast: mysterium
16.12.2010 20:02
1

vielleicht sollte man die rolle von sarkozy beobachten in diesem spiel


Gast: Vergelter/Bioniker
16.12.2010 18:55
1

Alternative

Der €uro soll durch regionale Gelder - mit Umlaufgebühr - ergänzt oder ersetzt werden. Dann ist eine Geldhortung der Reichen nicht mehr möglich.
www.humane-wirtschaft.de

Gast: gast
16.12.2010 18:27
0

Ratingagenturen dürfen nicht spekulieren

Sie werden nicht sagen, Amerika ist viel zu hoch verschuldet, deshalb geben wir ihnen mehr kein AAA.

Erst wenn der Markt reagiert und die USA Schwierigkeiten hat, ihre Bonds unterzubringen, werden sie mit der Herabstufung beginnen.

Ratingagenturen sind kein Vorlauf- sondern ein Nachlaufindikator.


Gast: nowastwos
16.12.2010 17:56
0

ja die gierigen geblendeten visionäre

und ihre jetzigen scherbenverwalter

Gast: gast
16.12.2010 16:32
1

auch schon bemerkt...

Dieses Szenario ist tatsächlich unübersehbar! Jedesmal dasselbe Bild, Abstufungen oder Androhungen derselben vor den EU-Gipfel, in der Folge ein schlingernder Euro . Da fragt sich der gelernte Skeptiker schon irgendwann nach dem "Cui bono?"

Gast: plamichh
16.12.2010 14:09
0

diese Ratingagenturen sind lächerlich!

den wenn die USA noch AAA Status hat, sind alle anderen Bewertungen ebenfalls fürn Mistkübel!

Antworten Philip Morris
16.12.2010 15:47
0

Re: diese Ratingagenturen sind lächerlich!

Volle Zustimmung! Ich möchte einmal sehen, was passiert, sollte eine Ratingagentur es einmal wagen die USA so zu raten, wie es diesem Land eigentlich zustünde!

Gast: trader1
16.12.2010 14:02
0

ratingagenturen ..

sind für mich irrelevant
.. warum ? , weil sie ihre ratingmodelle aus gutem grund (dann würden sich nämlich alle zerkugeln, wenn da drinn steht, weil wir in der Zeitung gelesen haben, dass es ihnen schlecht geht, drum raten wir runter) nicht veröffentlichen,

warum diese lachnummern trotzdem diesen einfluss haben ?

weil der gesetzgeber in allen möglichen gesetzen, mindestqualität basierend auf diesen witzratings festgelegt hat ..
man braucht diese festlegung nur entfernen, und sie haben wieder die bedeutungslosigkeit, die sie aufgrund ihrer intrasparenz haben müssten ....

Gast: gast
16.12.2010 12:54
1

same procedure as every year



AAALLES in ordnung, KEINE panik !

Gast: 1. Parteiloser
16.12.2010 12:40
3

Das wirkliche Versagen der Rattenagenturen!

Das wirkliche Versagen war, und ist, dass die Bonitätsbewertung viel zu freundlich ausfallen. Die Länder sind doch schon lange nicht mehr in der Lage die Staatsschulden zu bedienen, die Bonitätsbeurteilungen beschrieben aber immer ein anderes Bild. Die Rattenagenturen machen nichts anderes, als dass diese den Staaten den Aufbau der gewaltigen Schulden erst ermöglicht hatten.

Eine Ratte bestätigte einer anderen Ratte, dass alles in Ordnung ist, auch wenn es die Kinder Europas, menschenrechtswidrig, in immer höhere Schulden getrieben hat.

Wir haben eine Rattenplage, vorwiegend bestehend aus Poltikern, Beamten und Bankern, die Rattenagenturen sind nur das Werkzeug.

dasoizburga
16.12.2010 12:23
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die USA - der leuchtende Stern der freien Welt

was mit Unternehmen geschieht, die nicht im Sinne der US-Regierung agieren, hat man ja in den letzten Wochen im Zusammenhang mit der unsäglichen Enthüllungsplattform schon gesehen. Vermutlich läuft das mit den Ratingagenturen nicht viel anders ab, nur sind die offenbar nicht so dämlich, es überhaupt darauf ankommen zu lassen. Und die europäischen Superpolitiker stehen grinsend unfähig daneben, und kriechen Obama und Co weiterhin mit Wonne in den Allerwertesten, während sich die USA auf Kosten Europas irgendwie über Wasser halten - eine echte Partnerschaft unter Gleichen eben. Wahrscheinlich glauben die Amerikaner immer noch, dass sie mit China einen neuen Dummen gefunden haben, der ihnen weiterhin ihre Schuldenorgien finanziert, wenn Europa nicht mehr kann. Das Erwachen wird nicht sonderlich angenehm werden.

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