Madoff: Fonds wetten auf Milliardenzahlungen

Viele Institute kaufen Privaten ihre Forderungen ab. Diese ersparen sich so den langen Rechtsweg. Den Käufern blühen hohe Renditen – auch wegen der Klage gegen die Bank Austria.

Madoff Fonds wetten Milliardenzahlungen
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Madoff Fonds wetten Milliardenzahlungen
(c) EPA (JUSTIN LANE)

Wien. Von einer „gemeinen Spekulation“, die „völlig unmoralisch ist“, sprechen die einen. Von einem guten Angebot, das den von Bernard Madoff Geschädigten die Chance gebe, unkompliziert zu Geld zu kommen, reden die anderen. Seit Monaten kaufen Banken und Hedgefonds Privaten ihre Forderungen gegen den Milliardenbetrüger ab. Sie hoffen, dass Masseverwalter Irving Picard möglichst viel Geld eintreiben wird. Dann winken ihnen Renditen von 100Prozent oder mehr.

Der zu 150Jahren Haft verurteilte Madoff betrieb jahrzehntelang ein gewaltiges Schneeballsystem. Von Anlegern auf der ganzen Welt sammelte er 20Mrd.Dollar (15Mrd.Euro) ein, die er vorgeblich erfolgreich investierte. Tatsächlich legte Madoff das Geld nicht an. Gewinne täuschte er mit gefälschten Kontoauszügen vor. Zogen Investoren ihr Geld ab, stopfte Madoff die Lücken mit den Einlagen neuer Kunden.

Als der Schwindel im Dezember 2008 aufgeflogen war, glaubten die Anleger, insgesamt 65Mrd.Dollar auf ihren Konten zu haben. Viele von ihnen verloren nahezu ihr gesamtes Vermögen. Nun versucht Picard, möglichst viel Geld einzuklagen. Die größte Forderung brachte der New Yorker Staranwalt vergangene Woche ein. Von der Bank-Austria-Mutter Unicredit und der Chefin der früheren Bank Medici, Sonja Kohn, fordert er 19,6Mrd.Dollar. Kohn, die alle Vorwürfe bestreitet, habe von dem Betrug gewusst und sei eine Komplizin Madoffs gewesen.

 

Picard verhandelt über Vergleiche

Mit dem Angebot, Geschädigten ihre Forderungen abzukaufen, wetten Hedgefonds und Banken darauf, dass die geklagten Institute entweder zu hohen Strafen verdonnert oder sich teuer außergerichtlich einigen werden. Bisher sind Forderungen zu 20 bis 30Prozent ihres Wertes gehandelt worden. Hat ein Privatinvestor also eine Mio.Dollar verloren, konnte er diese Forderung für 200.000 bis 300.000Dollar verkaufen. Im Gegenzug gibt der Geschädigte die Möglichkeit auf, zu einem späteren Zeitpunkt deutlich mehr Geld zu erhalten. Als Käufer traten etwa die Deutsche Bank, die Schweizer UBS sowie Hedge- und Investmentfonds auf.

Jene Institute, die schon vor Monaten Forderungen aufgekauft haben, dürften bereits jetzt ein prächtiges Geschäft gemacht haben. Bislang hat Picard 2,6Mrd.Dollar durch Vergleiche eingebracht. Experten sind sich aber einig, dass es dabei nicht bleiben werde. Die Aussicht auf Millionenzahlungen erhöht den Wert der Forderungen. Aktuell werden die Ansprüche bereits zu 35Prozent ihres Wertes gehandelt – Tendenz steigend.

 

Banken mit zwei Seelen in ihrer Brust

Der wilde Handel mit Madoffs Schuld bringt die pikante Situation mit sich, dass sich einige Banken auf beiden Seiten der Causa befinden. So ist die UBS eines der von Picard geklagten Institute. Die Schweizer hätten Kundengelder bei Madoff investiert, Provisionen kassiert und Anzeichen des Betrugs ignoriert. Die UBS bestreitet alle Vorwürfe, ebenso wie Bank Austria und Bank Medici.

Anderseits tritt die UBS auch als Käuferin von Forderungen gegen Madoff auf. Details gibt das Institut nicht bekannt. Doch sollen dem Eigentümer des Baseball-Teams New York Mets 25Prozent für die Abgabe seiner 250Mio.Dollar schweren Forderung geboten worden sein.

Wie groß der Gesamtmarkt für den Handel mit Madoffs Schuld mittlerweile ist, ist unklar. Die Banken hüllen sich in Schweigen. Sie fürchten um ihren Ruf. Obwohl sie Geschädigten die Chance bieten, frühzeitig Geld zu erhalten, schlägt ihnen herbe Kritik entgegen: „Nun schafft es die Wall Street sogar, betrogenen Investoren erneut Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt etwa Charlie Gasparino vom TV-Sender „Fox News“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2010)

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