EZB-Mitglied empfiehlt nächsten Tabubruch

Im Mai 2010 brach die EZB ein Tabu, indem sie Staatsanleihen kaufte. Nun soll auch der Euro-Rettungsfonds EFSF diesen Schritt wagen.

EZB-Chefvolkswirt gegen gemeinsame Anleihe der Euro-Laender
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EZB-Chefvolkswirt gegen gemeinsame Anleihe der Euro-Laender
(c) AP (Martin Oeser)

Es war ein Tabu, das die EZB im Mai 2010 brach, als sie Staatsanleihen kaufte, um Druck von kriselnden Euro-Ländern wie Griechenland zu nehmen. Nun empfiehlt ein EZB-Ratsmitglied den nächsten Sündenfall. Er will den Euro-Staaten erlauben, mit dem Euro-Rettungsfonds EFSF auch Staatsanleihen zu kaufen.

Konkret sprich sich der Chef der zypriotischen Notenbank, Athanasios Orphanides, für eine Ausweitung der Aufgaben und Rechte des Euro-Stabilisierungsfonds EFSF aus. Wenn der EFSF "Staatsanleihen kaufen würde und das dazu beitragen würde, dass die geldpolitischen Impulse der EZB besser übertragen würden, könnte das dazu führen, dass einige der unorthodoxen Maßnahmen der EZB nicht mehr länger nötig sein könnten", sagte der Chef der zypriotischen Notenbank in einem am Montag veröffentlichten Interview der Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die EZB kauft seit dem Höhepunkt der Griechenland-Krise im Mai vergangenen Jahres Staatspapiere ausgewählter Euro-Länder.

Deutschland bremst

Ab Nachmittag wollen die Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel über Veränderungen an dem 440 Milliarden Euro schweren EFSF beraten. Während Deutschland nach wie vor bremst, sagte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in der Früh, sie sei dafür, den bisherigen EFSF zu ersetzen und zu stärken.

Die EZB hat schon früher "quantitative und qualitative" Verbesserungen an dem Rettungsfonds gefordert. Orphanides sagte nun: "In dem Maß, in dem die Regierungen der Euro-Zone die Effektivität des EFSF verbessern (...), in dem Maß erleichtern sie die Aufgabe der EZB."

(Ag.)

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