EZB-Mitglied empfiehlt nächsten Tabubruch

17.01.2011 | 13:59 |   (DiePresse.com)

Im Mai 2010 brach die EZB ein Tabu, indem sie Staatsanleihen kaufte. Nun soll auch der Euro-Rettungsfonds EFSF diesen Schritt wagen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Es war ein Tabu, das die EZB im Mai 2010 brach, als sie Staatsanleihen kaufte, um Druck von kriselnden Euro-Ländern wie Griechenland zu nehmen. Nun empfiehlt ein EZB-Ratsmitglied den nächsten Sündenfall. Er will den Euro-Staaten erlauben, mit dem Euro-Rettungsfonds EFSF auch Staatsanleihen zu kaufen.

Mehr zum Thema:

Konkret sprich sich der Chef der zypriotischen Notenbank, Athanasios Orphanides, für eine Ausweitung der Aufgaben und Rechte des Euro-Stabilisierungsfonds EFSF aus. Wenn der EFSF "Staatsanleihen kaufen würde und das dazu beitragen würde, dass die geldpolitischen Impulse der EZB besser übertragen würden, könnte das dazu führen, dass einige der unorthodoxen Maßnahmen der EZB nicht mehr länger nötig sein könnten", sagte der Chef der zypriotischen Notenbank in einem am Montag veröffentlichten Interview der Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die EZB kauft seit dem Höhepunkt der Griechenland-Krise im Mai vergangenen Jahres Staatspapiere ausgewählter Euro-Länder.

Deutschland bremst

Ab Nachmittag wollen die Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel über Veränderungen an dem 440 Milliarden Euro schweren EFSF beraten. Während Deutschland nach wie vor bremst, sagte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in der Früh, sie sei dafür, den bisherigen EFSF zu ersetzen und zu stärken.

Die EZB hat schon früher "quantitative und qualitative" Verbesserungen an dem Rettungsfonds gefordert. Orphanides sagte nun: "In dem Maß, in dem die Regierungen der Euro-Zone die Effektivität des EFSF verbessern (...), in dem Maß erleichtern sie die Aufgabe der EZB."

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

6 Kommentare
Gast: Biersauer
18.01.2011 05:35
2

Ist ja das Prinzip des allgemeinen Volksbetruges...

die Gewinne einzustreifen und dir Verluste zu vergesellschaften.
Im Westen nix neues!
Aber dass diese Methoden jetzt zur EU-Politik gemacht werden sollen ist kriminell.
Lieber heute austreten, als morgen.

Gast: Hubertus
17.01.2011 17:04
1

Geldpolitisch unbedenklich, aber sonst?

Da die Anleihen des Rettungsfonds nicht von der EZB gekauft werden, also aus dem Giralgeldkreislauf stammen haben sie auf die monetäre basis d.h. die zentralbankgeldmenge keinen Einfluß. Dumm ist nur ,daß die Steuerzahler im Falle des verlustes(zB bei nichtvermeidbaren Umschuldungen) zum Handkuß kommen. Durch das outing des Cyprioten(auch so ein Levantiner und nebenbei noch griechischer Herkunft)ist klar, daß Cypern auch bald ein Rettungsschirmkandidat sein wird. Da werden auch ein paar Zahlen nicht stimmen. Im übrigen war Cypern vor seinem EU-Beitritt als internationale Geldwaschanlage bekannt. Auch als Steueroase war sie hochaktiv. Damit hat Cypern ja die Werteanforderungen der EU erfüllt.

Fragen:

1) Wer sagt, dass die Anleihen des Rettungsfonds nicht von der EZB gekauft werden, wenn es erforderlich wird?
2) Irgendjemand muss diese Anleihen ja kaufen. Der wird sich doch das Geld von den Natinalbanken via Geschäftsbanken holen. Erhöht das nicht die Geldmenge ebenfalls?

Antworten Antworten Gast: Hubertus
18.01.2011 13:01
0

Re: Fragen:

Der Fonds(Rettunsschirm )ist zumindest derzeit (aber das kann ja auch noch kommen-der nächste Tabubruch) nicht refinanzierungsfähig bei der EZB. Er könnte sich aber über Repos Refinanzierung (Giralgeld)bei den Kommerzbanken beschaffen. Diese wiederum könnten sich dann bei den geldpolitischen Tendern der EZB Zentralbankgeld beschaffen. Dies ist zwar -soweit ich weiß -rechtlich nicht möglich- da collateral bei der EZB vom Sicherheitengeber (der Kommerzbank) unbelastet von Ansprüchen Dritter sein muß. Aber das kontrolliert sowieso niemand und will auch tatsächlich niemand wissen. Praktisch ist aber kein Einfluß auf die Zentralbankeldmenge gegeben, weil die EZB i.d.R.entscheidet wieviel Zentralbankeld sie insgesamt den Banken zur Verfügung stellt. Und das über Tender zur Verfügung gestellte Zentralbankgeld ist kreditiert (für 1 Woche, 2Wochen 1 Monat oder 3 Monate) also theoretisch nicht für ewig.

Gast: gast
17.01.2011 16:17
5

wir wollen KEINE transferunion !!



warum sollen wir die früchte UNSERER arbeit transferieren??

dafür gibt es keinen grund, und, politkasperln aufgepaßt , KEINE BERECHTIGUNG !!

Der offizielle Anfang vom Ende

Sie kaufen sich also selbst mit dafür extra gedruckten Euros wertloses Papier ab, um ebendiesen Euro zu retten, damit sie die wankenden Banken und Staatshaushalte frisieren können. Das ist kein Tabubruch, das ist Wahnsinn.
Jetzt heißt's anschnallen, bitte zusteigen, die letzte Fahrt beginnt!

Umfrage

  • Sollen in Wien Tourismuszonen für den Handel eingerichtet werden?
  • Ja
  • Nein
  • Ist mir egal
AnmeldenAnmelden