Schuldenkrise: Eine Latino-Lösung für die Eurozone

24.01.2011 | 18:42 |   (Die Presse)

Europas Währungspolitiker schnüren ein Paket, das der Beendigung der lateinamerikanischen Malaise Ende der 1980er-Jahre immer stärker ähnelt. Offiziell weisen sowohl Europas Finanzminister jedes Gerücht zurück.

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Brüssel/Go. Offiziell weisen sowohl Europas Finanzminister als auch die EU-Kommission jedes Gerücht über eine baldige Restrukturierung der griechischen Staatsschulden zurück. Doch hinter den Kulissen wird in Brüssel und Berlin ein umfassendes Paket von Maßnahmen geschnürt, die dazu führen sollen, einen unkontrollierten Zahlungsausfall Griechenlands zu vermeiden, der die europäischen Banken schwer treffen würde.

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Die Fäden für dieses Paket laufen in Luxemburg im Büro von Klaus Regling zusammen, wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe schildert. Regling führt den im Mai 2010 hastig zusammengebastelten Rettungsschirm EFSF, der die rund 85 Milliarden Euro schweren Hilfen für Irland bezahlt. In den 1980er-Jahren arbeitete er beim Internationalen Währungsfonds IWF. Damals entwickelte er folgendes Verfahren, mit dem er den bankrotten Philippinen aus der Patsche half: Sie bekamen vom IWF Kredit, um damit auf den Märkten ihre eigenen Staatsanleihen zurückzukaufen. Mithilfe der IWF-Mittel konnte die philippinische Regierung den Banken, die diese stark abgewerteten Papiere in ihren Büchern stehen hatten, das folgende Angebot machen: Entweder ihr verkauft uns die Bonds jetzt, wenn auch mit Verlust. Oder ihr schaut bei einem Zahlungsausfall durch die Finger.

 

Neue Idee: Vorbeugende Kredite

Reglings Modell ging auf, und es machte Schule: 1989 beendete der US-Finanzminister Nicolas Brady eine seit den 1970er-Jahren währende Krise. Zu dieser kam es, weil die US-Banken lateinamerikanischen Regierungen üppige Kredite gegeben hatten, die später in ihren Büchern vor sich hin faulten, weil die Regierungen zahlungsunfähig waren. Die Banken konnten ihre Forderungen gegen „Brady-Bonds“ tauschen. Diese waren zwar niedriger verzinst, aber von der US-Regierung garantiert. So konnten die Banken ihre bilanziellen Probleme langsam verdauen. Zugleich ermöglichten die „Brady-Bonds“ den lateinamerikanischen Staaten einen Neuanfang.

Konkret würde nun der EFSF solche Bonds begeben, mit denen Griechenland (dessen Rettungspaket nicht vom EFSF, sondern mit Darlehen der Eurostaaten bezahlt wird) Europas Banken seine Anleihen abkauft.

Die Online-Ausgabe der „Welt“ wiederum berichtet von der Idee, nach IWF-Vorbild schwächeren Volkswirtschaften in der Eurozone vorbeugend Kreditlinien für Krisenfälle anzubieten.

Ohne Deutschland ist keine dieser Ideen zu verwirklichen. Darum trifft Kommissionspräsident José Manuel Barroso heute, Dienstag, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, um über die Probleme der Währungsunion zu reden. „Der Präsident wird mit großem Interesse zuhören, was ihm die Kanzlerin zu diesen Themen zu sagen hat“, meinte seine Sprecherin Pia Ahrenkilde-Hansen am Montag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2011)

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7 Kommentare
Gast: Hans im Glück
25.01.2011 10:17
0 0

Ist der Konkurs, oder die Pleite nicht auch eine übliche "Latino-Lösung"?


Gast: gast
24.01.2011 23:42
1 0

Es läuft immer auf das selbe hinaus

Bei tief verzinsten Brady Bonds haftete der Starke (Fed, US Regierung) für die schwachen Latinos, um eigene US Banken zu retten.

Das gleiche kann Euroland mit gemeinsamen Eurobonds auch haben, wenn der starke Norden (Überschussländer) für den schwachen PIIGS (Defizitländer) haften.
Ob es tiefere (Brady)Zinsen gibt, hängt aber allein von Deutschland ab. Die werden aber lieber die eigenen Banken retten, als für griechische, spanische u. auch französische Banken mitzuhaften.

Gast: Markus Trullus
24.01.2011 23:20
1 0

Schwindel, alles schwindliger Schwindel...

Global kann man eigentlich nur noch eines sagen: Trau überhaupt niemand mehr, keiner Aussage von irgendeinem Experten; sie sind allesamt Schwindler, sondern trau nur noch dem, was du in der Tasche hast und das du morgen für deine Bedürfnisse umsetzen kannst. Alles andere ist Schiebung, Schwindel und Betrug....Jeder will Jeden über den Ladentisch ziehen. Das hab ich doch schon mal wo gelesen... war das nicht in der Apokalypse, oder?

Antworten Gast: Biersauer
25.01.2011 08:29
1 0

Re: Schwindel, alles schwindliger Schwindel...

Nicht nur über den Ladentisch ziehen, sg. Markus Trullus, sondern übers Ohr hauen!
Aer endlich ist da ein Journalist wach geworden und ist auf meine Erkenntnis "Schuldenkrise" eingeschwenkt, um das Kind bei seinem trichtigen Namen zu nennen. "Selbsterkenntnis ist der Weg zur Besserung", was noch lange kein Abgehen von dieser Fehlentwicklung bedeutet, denn aus den Schulden werden voraussichtlich auch noch unsere Kinder nicht entkommen.
Es bedeutet schon, der humanen Evolution beizuwohnen, diese Entwicklung, von Defraudanten verursacht, zuschauen zu müssen!
mfg!

Antworten Antworten Gast: Gast
25.01.2011 20:21
0 0

Re: Re: Schwindel, alles schwindliger Schwindel...

Ob die Nachkommen die Schuldenorgien heutiger Generationen in Form von Rückzahlungen stemmen müssen, ist nicht unbedingt
ausgemachte Sache. Ende 1923, nach der Hyperinflation der Weimarer Republik mit einer Abwertung um den Faktor 10^-15,
wurden aus 159 Milliarden Reichsmark 15,9 Pfennig. Spätestens sobald die Euroscheine 6-stellig werden ist unser Staat schulden- und
die Bürger (Geld-)vermögensfrei.

Gast: Hubertus
24.01.2011 21:17
3 0

Langsam Klarheit

Endlich kommt die Wahrheit heraus. Griechenland hat einen ähnlichen ökonomischen Status wie die Philippinen. Was in dem Artikel aber nicht steht ist, daß der philipp. Peso um 90% abgewertet hat und die Bevölkerung Einschnitte hinnehmen mußte, welche die griech. Bevölkerung sicher nicht hinnehmen wird. Und im übrigen:Wie konnte so ein Staat mit dem ökonom.Standing der Philippinen überhaupt dem Euro beitreten? Da haben sicher Politiker ein Ding gedreht, so wie sie jetzt beim Rettungsschirm wieder ein Ding drehen. Leute ,kauft Gold ,da können so Dilettanten wie Faymann und Pröll nichts machen.Der Euro wird zur Ramschwährung,damit die Staatsschulden leichter zurückgezahlt werden. Nicht die PIIGS verlieren, sondern die Staaten, deren Bevölkerung gespart hat, wie zB Österreich.

Antworten Gast: Ich bins
25.01.2011 12:59
0 0

Re: Langsam Klarheit

Sie können uns das Gold wegnehmen (hatten wir schon: Goldverbot).
Das werden sie auch tun.
Wir kommen langsam drauf, dass Robin Hood nichts anderes als ein gewöhnlicher Straßenräuber war.
Nachdem wir - Demokratie! - aber gern einen Robin Hood hätten, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, ist die logische Konsequenz, dass unsere Politiker zu Robin Hoods degenerieren.

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