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China: Chat mit dem Chef soll Protest stoppen

27.02.2011 | 18:06 |   (Die Presse)

Zehntausende Polizisten verhindern "Jasmin-Spaziergänge". Premier Wen verspricht online den Kampf gegen die Inflation, einen niedrigen Yuan und weniger Steuern für Arme.

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Peking/Wien/Gau/Lie. Auch eine Diktatur kann sich moderner Mittel bedienen. Am Sonntagvormittag überschwemmte Chinas Führung die Medien des Landes mit einer PR-Kampagne. Fernsehen, Radio und Internet waren voll mit den goldenen Worten von Premier Wen Jiabao, der die Fragen besorgter Bürger in einem Online-Chat beantwortete. Im Plauderton bekundete Wen Verständnis für die Nöte der einfachen Menschen. Er versprach den Kampf gegen Teuerung und Korruption, eine stabile Währung, mehr Geld für die Krankenversicherung, Steuererleichterungen für Arme und ein ökologisch nachhaltiges Wachstum.

Der Zeitpunkt war keineswegs zufällig. Erst am Samstagabend wurde der Chat überstürzt angekündigt, nachdem anonyme Blogger für Sonntag zum zweiten Mal zu „Jasmin-Spaziergängen“ aufgerufen hatten, friedlichen Protesten in 22 Städten. Die Teilnehmer sollten sich lächelnd und plaudernd auf einem bestimmten Platz ihrer Stadt einfinden. Verbreitet wurde der Appell über die chinesisch-sprachige Webseite boxun.com, die in den USA betrieben wird.

 

Auch Journalisten festgenommen

Peking reagierte höchst nervös, nicht nur mit Wen im Chat. Zehntausende Polizisten wurden in Peking und Dutzenden weiteren Städten mobilisiert. Es war der größte Einsatz seit den Olympischen Spielen 2008. Mehrere Korrespondenten – darunter Teams der deutschen TV-Sender ARD und ZDF – wurden stundenlang festgenommen. Die Nervosität der Mächtigen bekamen akkreditierte ausländische Journalisten schon am Freitag zu spüren, als sie von der Polizei angerufen und auf die Wache einbestellt wurden. „Wir erinnern Sie daran, dass Sie sich an die Regeln halten müssen“, lautete der Tenor der Ermahnungen.

Nach Informationen von Menschenrechtlern sind in den letzten Tagen Dutzende Regierungskritiker festgenommen, an unbekannte Orte verschleppt, unter Hausarrest gestellt worden. Die Blogger wollen mehr als wirtschaftspolitische Reformen – sie fordern Demokratie, „mehr Freiheit und Gerechtigkeit“, nach dem Vorbild der „Jasminrevolutionen“ in Nordafrika.

 

Mit Devisen gegen die Inflation

Das Regime aber setzt auf andere Themen. Aus Umfragen ist bekannt, was der Masse der Chinesen das Leben schwer macht: Lebensmittel werden immer teurer. Ihre Preise schossen im Jänner um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Auch der Traum vom Eigenheim scheint für viele Chinesen ausgeträumt. Denn auch die Immobilienpreise klettern kräftig, in zehn der 70 größten Städte sogar mit zweistelligen Raten.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Und oben an der Spitze bereichern sich bestechliche Funktionäre.

Von all dem verspricht Wen Abhilfe. Im Kampf gegen „Inflation und Spekulation“ will er nicht nur Getreidelager anzapfen, sondern auch die „reichlich vorhandenen“ Währungsreserven. Wie das funktionieren soll, erklärte er nicht. Yi Gang, der Verwalter des Devisenschatzes von 2850 Mrd. Dollar, hatte am Vortag anders geklungen: Damit Rohstoffe zu kaufen, würde die Preise noch stärker hochschrauben.

 

Nur sieben Prozent Wachstum?

Bei einer raschen und starken Aufwertung des Yuan, wie der Rest der Welt sie von China fordert, würden viele Fabriken ihre Exportaufträge verlieren. Massenarbeitslosigkeit und soziale Unruhen wären die Folge. Außerdem wolle doch das Ausland, dass die Chinesen mehr konsumieren. „Sie sollten einmal überlegen: Wenn Firmen pleite- und Wanderarbeiter zurück auf die Felder gehen, wie sollen wir dann den Binnenkonsum erhöhen?“

Erstaunlich niedrig setzt Wen die Wachstumspläne an: Nur um sieben Prozent solle Chinas Wirtschaft im Schnitt pro Jahr bis 2015 zulegen. Das ist weit weniger als die 11,2Prozent der letzten fünf Jahre. Denn für ein rasches Wachstum dürften weder „soziale Gerechtigkeit“ noch der Umweltschutz geopfert werden, beteuerte der Premier. Allerdings erwiesen sich die tatsächlichen Wachstumsraten schon mehrmals als deutlich höher als die verkündeten Ziele.

Mit einem einzigen politischen Zugeständnis lässt Wen aufhorchen: „Die führenden Personen in unserer Regierung haben zu viel Macht, sie ist zu konzentriert und ohne Begrenzung.“ „Systemische Reformen“ sollen es den Bürgern erlauben, die Politiker zu „überwachen“. Sie sollen freilich nur die Korruption bekämpfen, ohne das System selbst zu ändern. Wer das in China will, erlebt mehr denn je die geballte Macht des Regimes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2011)

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36 Kommentare
 
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renmin
28.02.2011 11:00
0 1

Die pekinger Politmumien

sind offenbar ganz schön nervös. Das schlechte Gewissen wahrscheinlich. Die von Onkel Hu und Opa Wen beschworene "Harmonie" im Land besteht aus Maul halten und immer schön patriotisch sein. Langsam aber sicher wachen die (vor allem jungen) Menschen auf und lassen sich nicht mehr von den bis auf die Knochen korrupten "Leadern" verarschen.
Das Land pfeift aus dem letzten Loch. Im Vergleich zu anderen Ländern in der Region - wie z.B. Taiwan - hinken die Chinesen ca. 40 Jahre hinterher. Der Westen sollte sich nicht von den Mumien blenden lassen. Die wissen genau wie schlimm es um das Land und die zukünftige Entwicklung bestellt ist. Darum sind sie ja so nervös.
Und an Gino Eldorado: Es ist ein Unterschied, ob ich von der Polizei wegen "spazierengehens" verprügelt und verhaftet werde oder weil ich gerade Autos angezündet und Auslagenscheiben zertrümmert habe. Probier doch mal in China deine Proteste auf ähnliche Art zu formulieren und zum Ausdruck zu bringen wie hier.

Antworten Gast: DrUdo
15.09.2011 10:51
0 0

Re: Die pekinger Politmumien

Vorab ich bin Deutscher vund lebe in CHINA. Es ist wirklich erstaunlich wie man ohne Wissen und Hintergrundkenntnisse solche Dinge von sich gibt.

Gast: ROTER OKTOBER
28.02.2011 10:51
1 0

Es ist logisch, dass die internationale Presse lauter Lügen und Schauermärchen aus China berichten!

Würden sie berichten, was für Fortschritte die kommunistische Partei dort für ihre BürgerInnen erreicht, dann wären alle gelangweilt und keiner würde mehr die Journalisten etc. brauchen.

Aber wenn so reisserische Kommentare daherkommen, die so offensichtlich manipuliert sind, da geilen sich die Westler auf!

Antworten Gast: GYS
28.02.2011 21:20
0 0

Re: Es ist logisch, dass die internationale Presse lauter Lügen und Schauermärchen aus China berichten!

Denke ich auch so. Ich kann mir vorstellen, dass vorallem die Amerikaner nervöser werden, nicht die Chinesen! Es muss schon furchtbar hart sein, wenn man vom Erzfeind dem Kommunismus im eigenen Spiel des Kapitalismus geschlagen wird.

Die Chinesen machen wirtschaftlich alles Richtig, die erzwungenen Joint-ventures mit chin. Firmen, die Divisen- und Anleihenkäufe um den Yuen niedrig zu halten. Der Schuldenberg in den Staaten wächst höher und höher!

Nichts wär den Amerikanern jetzt gelegener als ein Zusammenbruch Chinas. Die USA kann sich in naher Zukunft absolut kein Wettrüsten mit China leisten und wird über kurz oder lang den Kürzeren ziehen.

Die sogennanten "jasmin-proteste" werden bei uns überschätzt...unsere Medien sprechen schon vom Fall des bösen Regimes in China wenn 20 Leute unter ihnen die Hälfte Ausländer auf die Straße gehen.

Ausserdem stellt sich Hu Jintao vor jedem Volkskongress einer öffentlichen Diskussion im Internet....das macht er schon seit Jahren so.

Antworten renmin
28.02.2011 11:11
0 1

Re: Es ist logisch, dass die internationale Presse lauter Lügen und Schauermärchen aus China berichten!

Warum soll eigentlich die "internationale Presse" lauter Lügen über China verbreiten? Diese Paranoia ist typisch für Diktaturen und Unrechtsregime. Sie fühlen sich von der ganzen Welt verfolgt bzw. verklickern das zumindest ihren Leuten. In China klingt das ungefähr so: die westlichen Imperialisten versuchen China ständig anzupatzen, weil sie neidisch darauf sind wie super alles im Arbeiter- und Bauernparadies funktioniert. Diesen Schwachsinn haben wir schon früher aus der Sowjetunion sel. gehört.

Gast: GinoEldorado
28.02.2011 09:00
1 3

na sowas auch ... böse ... böse Chinesen !

schon mal nachrecherchiert oder nachgelesen wievielen Journalisten und Demonstranten in der BRD USA GB FR BE DK usw usw permanent ins Gesicht getreten wird ????? wie denen in Hamburg, schon am Boden fixiert noch die Knochen gebrochen werden, oder wieviele im Polizeigriff erstickten oder beinahe erstickten ?
Für wie blöd hält DiePresse uns eigentlich ???

Antworten hwolf13
28.02.2011 09:27
1 0

Re: na sowas auch ... böse ... böse Chinesen !

Weiß jetzt nicht, wie lange das her ist, was Du da auspackst (und nein - habe auch nicht gesucht).
Aber dabei übersiehst Du wohl eine Kleinigkeit .. in den von Dir genannten Staaten hat dies Konsequenzen für die Polizei. In China ist dass wohl eher nicht der Fall (zumindest habe ich da nich nie etwas davon gehört).

Antworten Antworten Gast: ich hab' die Haare schön!
28.02.2011 10:47
0 0

"hat dies Konsequenzen für die Polizei..."

DER war echt gut!!
Nur hast nicht dazugeschrieben, was für "Konsequenzen", denn Beförderungen, Orden und Sonderzahlungen bekommen die Chinesen im Gegensatz zu unserer Polizei sicher nicht, Schatzi!

Antworten Gast: GinoEldorado
28.02.2011 09:15
0 2

Nachtrag: na sowas auch ... böse ... böse Chinesen !

Unsere kleinen Landesdiktatoren entblössen sich nicht einmal friedlichen Demonstranten per Wasserwerfern die Augen aus dem Gesicht zu schiessen :-)
Und glaub mir, wenn man Sie denn liesse, wären Sie noch zu ganz anderen Sachen aufgelegt und fähig ... unsere DEMOKRATEN Führungs Personen :-)
Der RECHTSTAAT , der demokratische westlichen Strickmusters, grüsst alle BuBödels und Schlafschafe :-)

in diesem Sinne,
Schiffer Ahoj ... wohin die Reise auch immer gehen mag ...

(uiii ... da hat in China einer dem anderen ins Gesicht getreteten ... wie UNDEMOKRATISCH !!! ) Tenor des Artikels : SCHAUT NACH CHINA und nicht auf Deutschlands Strassen !

Gast: siggi
28.02.2011 08:04
1 1

Verbrecher

Ist es legal wen unsere Politiker (Wirtschaftsvertreter) Handel mit Verbrechern welche die Menschenrechte nicht achten betreiben ? Es ist traurig das der Profitgier
einiger Manager nicht Einhalt geboten wird.


Antworten hwolf13
28.02.2011 09:24
2 0

Re: Verbrecher

Tut mir leid - aber dass ist wieder mal ein typischen "die anderen sind schuld" Posting.

Ich denke, dass wir es uns viel zu einfach machen und uns da als Konsumenten aus der Verantwortung stehlen. Letzt endlich hat die Verantwortung dafür, was gekauft wird der Konsument. Und im derzeit um sich greifendne Konsum- und Geizwahn sind natülich die Angebote aus China lukrativ. Die viel geschmähten Manager werden die Waren liefern, die die Konsumenten kaufen .. wenn keiner etwas aus China kauft werden auch keine Waren "Made in China" angeboten.

Wenn jetzt einer sagt - es gibt ja nichts anderes mehr .. dann sollte er sich auch fragen - warum wohl???

Antworten kapitalist
28.02.2011 09:10
1 0

Re: Verbrecher

...nicht nur die Manager sind schuld, lies mal die Postings hier im Forum dann merkst du erst wieviele Idioten herumgeistern! Der Konsumwahn und Geiz ist Geil-Mentalität hat einige schon so sehr ergriffen, dass denen Menschenrechte völlig egal sind, sofern ihre eigenen Menschenrechte nicht angetastet werden.

Antworten Gast: gast
28.02.2011 08:53
1 0

Re: Verbrecher

ich finde es auch traurig, wenn sich diverse politiker einem diktator anbiedern, nur weil man private interessen an seinem sohn hat......

Gast: Blaues Wunder
28.02.2011 07:20
2 0

So wird's bei uns in zehn Jahren zu gehen...

...wenn man den Islam kritisiert.

Gast: Gast
28.02.2011 00:49
1 1

Vorsicht!

Möge der Welt Unruhen wie in Nordafrika erspart bleiben, so ein Erdbeben wurde die ganze Welt erschüttern. Nur keine gfährlichen Zündeleien...

Gast: speibender regenbogen
27.02.2011 23:37
3 1

das beste wären einfuhrzölle von 100% auf in china erzeugte waren.

dann würde das system dort ziemlich schnell klein bei geben und obendrein würde das hierzulande noch zigtausende arbeitsplätze schaffen nund endlich wieder qualität in die produkte bringen.

Antworten Panda
28.02.2011 05:53
0 2

Re: das beste wären einfuhrzölle von 100% auf in china erzeugte waren.

Aber zuerst muessen wir mal 5 Jahre ohne Waren auskommen.

kapitalist
27.02.2011 21:54
0 1

Kauft keine Produkte aus China!

...wird vielleicht schwierig werden, andere zu finden aber die einzige Sprache die jedes Regime versteht ist ein Abdrehen des Geldhahns bzw. Boykott ihrer Produkte.

Antworten Panda
28.02.2011 05:54
0 3

Re: Kauft keine Produkte aus China!

Juhuu die Arbeiter dort werden sich freuen...

Antworten Antworten gamikoe
28.02.2011 10:21
1 0

Re: Re: Kauft keine Produkte aus China!

unsere Arbeiter "freuen" sich schon lange über die von China!!!

Antworten Antworten kapitalist
28.02.2011 09:02
1 0

Re: Re: Kauft keine Produkte aus China!

und unsere Arbeiter ??? die freuen sich erst weil sie KEINE Arbeit habe weil wir unser Geld nach China verfrachten und dort moderne Sklavenarbeit unterstützen aber manches weichgespülte Hirn kapiert das ja nicht!

Antworten Antworten Gast: gast
28.02.2011 08:55
0 0

Re: Re: Kauft keine Produkte aus China!

die"freuen" sich sicher auch jetzt schon....

Antworten hwolf13
28.02.2011 04:59
0 1

Re: Kauft keine Produkte aus China!

Dann bin ich mal gespannt, womit Du dieses Posting liest .... denke, dass ja mittlerweile jeder PC in China zumindest assemnbliert wird. Und Handy? Könntest auch gleich abdrehen ...

Antworten Antworten kapitalist
28.02.2011 08:56
0 0

Re: Re: Kauft keine Produkte aus China!

genau von diesem Problem rede ich ja !!! wird langsam Zeit aufzuwachen !

Gast: Ja
27.02.2011 21:51
2 1

sofort

ein Handelsembargo über diese ostasiatische Libyen ähnliche Volksrepublik verhängen. Wo sind unsere österreichischen EU- Parlamentsadvokaten.
Aber bitte rasch.

Gast: gast
27.02.2011 21:37
4 2

auch china wird fallen


 
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