EZB will sich angeblich von Staatsanleihen befreien

04.03.2011 | 13:19 |   (DiePresse.com)

Die EZB soll darauf drängen, dass der Rettungsschirm EFSF Anleihen von Griechenland und Co. übernimmt. Sie dürfte damit auf taube Ohren stoßen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die von ihr seit dem Höhepunkt der Griechenland-Krise aufgekauften Staatsanleihen angeblich wieder loswerden. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" drängt die EZB derzeit in vertraulichen Gesprächen mit den Regierungen der Euro-Zone darauf, dass der europäische Rettungsschirm EFSF Anleihen von Griechenland, Portugal und Irland übernimmt, die die Notenbank im Zuge ihrer Hilfsmaßnahmen für den Euro aufgekauft hat. Aktueller Wert: 77 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema:

Vor allem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wolle die Zentralbank von den gekauften Papieren befreien. Die EZB halte den Aufkauf für einen Sündenfall, schreibt das Magazin ohne Angabe von Quellen.

Trichet stößt angeblich auf taube Ohren

Mit ihrem Anliegen stößt die Zentralbank bisher laut "Spiegel" bei den Regierungen der Mitgliedstaaten aber auf taube Ohren. EZB, die deutsche Bundesbank und die Berliner Regierung wollten den Vorabbericht am Freitag nicht kommentieren. Die EZB hat in der Vergangenheit mehrfach betont, sie wolle die gekauften Staatsanleihen bis zu deren Fälligkeit halten.

Auch die deutsche Bundesbank hatte sich wiederholt dagegen ausgesprochen, dass der EFSF Staatsanleihen von Problemländern kauft.

Zweifel an Bericht

Ebenfalls gegen die Darstellung der Magazins spricht, dass der Staatsanleihenkauf im Mai 2010 von der EZB als geldpolitische Maßnahme bezeichnet wurde, die dazu dienen soll, dieses von der Krise hart getroffene Segment des Finanzmarktes wieder durchlässig zu machen für geldpolitische Impulse.

Würden nun die Staatsanleihen von der EZB auf den EFSF übertragen, widerspräche dies dem eigentlichen von der EZB selbst postulierten Ziel des Kaufprogramms.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

10 Kommentare
Gast: Hubertus
05.03.2011 16:54
0

Sündenfall?

Hat uns nicht in der Presse jüngst ein "Experte" peter Brandner erklärt, daß der Ankauf von Staatsanleihen durch das ESZB am Sekundärmarkt keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank sei. Und im übrigen könne diese Erhöhung der zentralbankgeldmenge jederzeit durch kompensatorische maßnahmen des ESZB neutralisiert werden? Warum sollte dann der EFSF diese Papiere kaufen bzw. das ESZB diese Papiere verkaufen,wenn sie doch aus geldpolitischen Gründen gekauft wurden? Würde es dann nicht zu einer massiven Kontraktion am europäischen geldmarkt(=Zentralbankgeldmarkt) kommen?

Trichets Sündenfall

AHA so langsam aber sicher lässt sich der RECHTSBRUCH nicht mehr weglügen das der Kauf von Papieren RECHTS und VERTRAGSWIEDRIG ist und war.Aber auch diese AKTION wird die Oberbetrüger nicht vor der Volkswut RETTEN.

Re: Trichets Sündenfall


Ich befürchte, daß hier nur die uneinbringlichen Staatsschulden auf Private umgewälzt werden sollen !

Natürlich haben Sie recht.


Gast: Freiheit
04.03.2011 21:10
0

Es waere Interessant wenn die Presse mehr nachforschen

wuerde um mehr Infos zu bereiten statt nur von einer anderen Zeitung abzuschreiben - nicht Kritik am Artikel selber sondern um ein besseres Bild zu bekommen. In den amerikanischen Zeitungen und auch Meldungen von der FED wurde von Kreditrahmen und Kredite an die europaeischen REgierungen (nur IWF? oder auch an EZB oder andere) gesprochen. China und Japan haben auch Geld springen lassen. Es waere mal sehr interessant wenn die Presse eine Artikelserie ueber die ganzen Deals, Kredite, BEsicherungen, etc die in Bezug auf die verschiedenen Rettungspakete gelaufen sind aufzeigt. Auch wie die einzelen Strukturen aussehen - im Bankendeal - Partizipationsscheine, Zinsen, wann wie, welche REchte der Geldgeber (also das Volk) bekommen hat. Welche Garantien haben Griechenland, Irland abgegeben, etc. Auch waere es interessant wenn die verschiedenen Konstellationen in Zahlen praesentiert wuerden. Wer hat was schon bezahlt? etc. Zum Einen werden Summen genannt die man schreiben kann und zum Anderen sind die Zeitungen voll mit Populismus und Annahmen.

Gast: mysterium
04.03.2011 18:05
0

Von wem wurden die 77Mrd. Euro Anleihen gekauft?

Eine Aufstellung bitte.

Der Untergang naht


mit großen Schritten.....

Und die Lemminge laufen immer noch RotSchwarz nach, immer weniger aber doch.....


Gast: -
04.03.2011 15:10
1

Überschrift*

dh nichts anderes als, dass der bürger dafür aufkommen muss.

Gast: Desinfoterminator
04.03.2011 15:09
1

Die EZB hat mit Anleihen willkommenes Druckmittel um das wichtige Instrument der Ausfuhrzölle in den US-Dollarraum durchzusetzen!

Die EZB braucht zur Inflationsbekämpfung und zur langfristigen Absicherung des Euro Ausfuhrzölle in den Dollarraum. Je mehr ungedeckte Dollar in den Euroraum gegen gute Ware schwappen, desto kritischer ist das für den Euro selbst!

Die Sache ist aber die, die EZB kann keine Ausfuhrzölle in den Dollarraum festsetzen - so sinnvoll sich auch zur Inflationsbekämpfung sein mögen!

Dazu braucht die EZB eben die Regierungen und die wiederum hat die EZB über die Anleihen in der Hand. Nun droht eben die EZB die Anleihen zu verkaufen und damit bringen die Regierungen aber ihre neuen Anleihen nicht mehr zu niedrigen Zinsen an den Abnehmer, was die Budgetnöte noch vergrößern würde.

Großzügig wird die EZB aber vom Anleihenverkauf - für die EZB sind die Anleihen zwar nicht wünschenswert und aber da sich Deutschland quasi an die EZB im Zuge des Anleihenkaufs verpfändet hat, ist selbst hierbei das doppelte Pfand, wie es Basel III vorsieht, gegeben - absehen, wenn die EU sich auf Ausfuhrzölle in den Dollarraum einigt.

Ausfuhrzölle in den Dollarraum sind doppelt wichtig. Mit der Einführung von Ausfurhzöllen bleibt schon mal automatisch mehr Ware in der Eurozone. Das drückt schon mal die Inflation. Noch dazu kommen nicht so viele innerlich bereits wertlose US-Dollar in den Euroraum, die nach dem Zusammenbruch des US-Dollar für die Inhaber zum Problem werden. Die Ausfuhrzölle müssen natürlich in Euro bezahlt werden, somit können US-Importeure nicht nur mehr via Fed-Druckerpresse zahlen!

Re: Die EZB hat mit Anleihen willkommenes Druckmittel um das wichtige Instrument der Ausfuhrzölle in den US-Dollarraum durchzusetzen!

Im IT-Bereich sagen wir, dass nicht die Ahnungslosen und die Experten das eigentliche Problem sind, sondern die Halbwissenden. Denn letztere sind der Meinung dass sie sich auskennen, haben aber trotzdem einfach zu wenig Wissen um das Ganze richtig beurteilen zu können. Sorry, aber sie gehören volkswirtschaftlich gesehen ebenfalls zu den Halbwissenden.

Gast: gast
04.03.2011 13:28
2

da kommen aber als käufer



nur die chinesen in frage, aus machtpolitischen erwägungen.

AnmeldenAnmelden