Rating: Spaniens Reformkurs erhielt einen Dämpfer

Trotz zahlreicher Sparmaßnahmen fehlt das Vertrauen in eine dauerhafte Abwehr der Staatskrise. Moody's, eine der drei wichtigen Ratingagenturen, stufte die Bewertung für Spaniens langfristige Anleihen herab.

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(c) REUTERS (FRANCOIS LENOIR)

Madrid. Es scheint ein Kampf gegen Windmühlen: Die Sanierungsprogramme der spanischen Regierung können das Vertrauen der Analysten in das Eurokrisenland offenbar nicht stärken. Die internationale Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit Spaniens just am Tag vor einem neuerlichen Krisentreffen der Euroländer in Brüssel (siehe unten) erneut um eine Stufe herab. Begründung: Die Finanz- und Wirtschaftsaussichten seien weiter „negativ“. Das schürte an den Finanzmärkten neue Sorgen vor einer Staatspleite. Und es ist ein empfindlicher Rückschlag für Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero, der erst jüngst voll Stolz verkündete: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Moody's, eine der drei wichtigen Ratingagenturen, stufte die Bewertung für Spaniens langfristige Anleihen von AA1 auf AA2 herab, was freilich immer noch eine „sichere Anlage“ signalisiert, aber mit „leichtem Ausfallrisiko“. Spanien, das mit seinem Immobiliencrash tief in die roten Zahlen rutschte, muss nun für den Verkauf seiner Schuldscheine immer höhere Risikoprämien bezahlen. Die Zinsen für zehnjährige spanische Anleihen kletterten auf 5,5 Prozent Zinsen, deutsche liegen bei etwa 3,2 Prozent.

Immerhin rettete Zapateros drastischer Sparkurs die viertgrößte Euro-Wirtschaftsmacht davor, gleich um zwei Stufen abzurutschen: Moody's rechnete den Spaniern an, die Neuverschuldung 2010 auf 9,2 Prozent zurückgefahren zu haben. Ein erster Schritt, dem viele weitere folgen müssten, um 2011 tatsächlich bei sechs Prozent zu landen.

Zapatero hat seinen Bürgern deftige Steuererhöhungen, einen Rentenstopp und Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst aufgebrummt. Auch die Sanierung des durch milliardenschwere Kreditausfälle angeschlagenen Sparkassensektors sei zwar auf dem richtigen Weg, gestand Moody's den Spaniern zu. Aber das Risiko eines Bankencrashs sei noch nicht gebannt. Die faulen Kredite könnten sich im schlimmsten Fall auf 100 Milliarden Euro summieren und neue Löcher in die Staatskasse schlagen.

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(c) DiePresse

Sparkassen als großer Unsicherheitsfaktor

Spaniens Regierung rechnet mit geringeren Ausfälle, die durch einen staatlichen Rettungsfonds ausgeglichen werden sollen, der derzeit mit 20 Milliarden Euro gefüllt ist. Zapatero hat die Sparkassen bereits zu ersten Sanierungsschritten gezwungen: mit Fusionen, höheren Eigenkapitalquoten und der Drohung einer Verstaatlichung, wenn die Auflagen nicht erfüllt werden. Spaniens Sparkassen hatten während des vor drei Jahren geplatzten Immobilienbooms Kredite vergeben, die heute nicht mehr durch den Wert von Grundstücken und Objekten gedeckt sind. Die Immobilienpreise gaben seit 2007 um 30 Prozent und mehr nach.

Auch wenn Analysten derzeit nicht glauben, dass Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss, halten sie sich mit mittelfristigen Prognosen zurück. Zumal Spaniens wirtschaftliche Talfahrt, das Land zählt mehr als 20 Prozent Arbeitslose, durch die neue Ölkrise verschärft wird. Beim ebenfalls hoch verschuldeten Nachbarn Portugal stehen die Zeichen jetzt schon auf Sturm: Das Land muss für Kredite so hohe Zinsen zahlen wie noch nie seit dem Eurobeitritt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2011)

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