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Gruppendruck: Eurozone erhält einen neuen "Pakt"

11.03.2011 | 20:24 |  Von unserem Korrespondenten Oliver Grimm (Die Presse)

Wer den Euro verwendet, soll seine Lohnstückkosten im Zaum halten, möglichst nicht vor 55 in Pension gehen und seine Verschuldung zügeln. Die Europäische Kommission soll das prüfen. Sanktionen gibt es nicht.

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Brüssel. Wir wollen uns reformieren, aber wir verbitten uns jede Einmischung von außen: Das ist die Quintessenz des „Paktes für den Euro“, auf den sich die Staats- und Regierungschefs der siebzehn Euroländer am Freitag einigten. „Wir haben eine Einigung über den Pakt für den Euro“, das teilte EU-Ratsvorsitzender Hermann Van Rompuy mit.

(c) Reuters  EU-Ratsvorsitzender Hermann Van Rompuy beim Sondergipfel in Brüssel

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Jährlich wollen sich die Chefs der Eurozone gegenseitig zu wirtschafts- und fiskalpolitischen Reformen verpflichten, zum Beispiel zur Liberalisierung der Arbeitsmärkte oder zur Verringerung der Zahl von Frühpensionisten. Die Europäische Kommission soll die Einhaltung oder Verfehlung dieser Ziele in Berichten dokumentieren. Auf Grundlage dieser Berichte wollen die Chefs der Eurozone einander notwendigenfalls jährlich tadeln; „Naming and Shaming“ nennt sich das auf Englisch.

 

Keine neuen Verpflichtungen

Dieser „Europakt“ bedarf keiner Änderungen im EU-Vertrag oder in nationalen Verfassungen, denn er führt keine rechtlichen Pflichten ein. „Durch die gegenseitige Überprüfung schaffen wir Öffentlichkeit“, sagte ein EU-Diplomat zur „Presse“. „Dadurch bauen wir Druck auf, ohne den Mitgliedstaaten die eigene politische Verantwortung wegzunehmen. Die Wahl der politischen Maßnahmen bleibt ihre Sache.“

Die Euroländer wollen mit dem Pakt ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken, Arbeitsplätze schaffen, zur Festigung ihrer Staatshaushalte beitragen und ihre Finanzmärkte stabilisieren. Sie wollen das unter anderem dadurch erreichen, dass sie Anreize für die Beschäftigung von Arbeitnehmern über 55 Jahre geben, den Gang in die Frühpension erschweren, das tatsächliche Pensionsantrittsalter an die jeweilige Lebenserwartung im Land koppeln, die Lohnfindung dahingehend überprüfen, ob sie mit der Arbeitsproduktivität im Einklang ist, und die Kollektivverträge der öffentlich Bediensteten so gestalten, dass sie „die Bestrebungen um mehr Wettbewerbsfähigkeit im privaten Sektor unterstützen“. Allzu hohe Gehaltserhöhungen für Beamte sollen also nicht zu überzogenen Lohnforderungen der privatwirtschaftlichen Gewerkschaften führen. Wie die Euroländer ihre Defizite in den Griff bekommen, ist ihnen völlig freigestellt.

Ihre Fortschritte wollen sie anhand der Lohnstückkosten messen, anhand der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit und der Beschäftigungsquoten sowie anhand der Auswirkungen von Reformen des Sozialwesens auf die langfristige Neuverschuldung.

Zudem wollen sie einheitliche Regeln für die Besteuerung von Unternehmensgewinnen schaffen. Die Kommission wird folglich demnächst einen erneuten Vorschlag für eine konsolidierte gemeinsame Berechnungsgrundlage für die Körperschaftssteuer vorlegen. Dieses Projekt scheiterte allerdings seit Jahren am Widerstand der Regierungen.

Wieso Merkel den Pakt braucht:

Dieser „Europakt“ ist dem innenpolitischen Druck geschuldet, unter dem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel steht. Die meisten Deutschen lehnen zusätzliche finanzielle Hilfen für budgetär angeschlagene Euroländer wie Griechenland, Irland, Spanien oder Portugal ab. Merkel braucht den Pakt also als politische Geste, um ihre Landsleute von der Notwendigkeit zu überzeugen, den 440 Milliarden Euro schweren Hilfsmechanismus EFSF flexibler zu gestalten. Dazu müssten besonders kreditwürdige Euroländer wie Deutschland und Österreich für höhere Beträge als bisher haften. Österreich haftet bisher mit 12,2 Milliarden Euro für die Anleihen, die der EFSF begibt, um das irische Hilfspaket zu finanzieren, Deutschland mit 119,4 Milliarden Euro.

Solche finanziellen Hilfen, zum Beispiel in Form niedrigerer Zinsen für das irische Hilfspaket, könnten ziemlich bald nötig werden. Denn erstens werden noch vor dem Sommer die Ergebnisse des neuen Stresstests für Europas Banken vorliegen. Es ist zu erwarten, dass einige Kreditinstitute in den vier genannten Länder frisches Geld benötigen werden, unter anderem von den Regierungen.

Zweitens bleiben die Käufer portugiesischer Staatsanleihen misstrauisch und fordern weiterhin hohe Zinsaufschläge, obwohl Lissabon neue Sparpläne vorlegte. Finanzminister Josef Pröll forderte Portugal darum in der „Financial Times“ (Freitagsausgabe) auf, eher früher als später um Hilfe aus dem EFSF anzusuchen.

Auf einen Blick

Der „Pakt für den Euro“ soll die 17 Euroländer anspornen, ihre Sozialsysteme, Arbeitsmärkte und Budgets ehrgeiziger zu sanieren, als sie das bisher tun. Rechtliche Verpflichtungen entstehen daraus aber nicht. Gruppendruck auf Basis jährlicher Berichte der EU-Kommission soll reichen. Beim nächsten regulären Europäischen Rat am 24. und 25. März wird der Pakt formal beschlossen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12. März 2011)

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21 Kommentare
Gast: hauruck
12.03.2011 18:48
1 0

kein Rechtsstaat mehr in Deutschland

Zumindest in Deutschland leben wir in keinem Rechtsstaat mehr. Die Verfassungsklage der Professoren Hankel, Schachtschneider, Nölling und Starbatty zum 750 Mrd. Bailout wurde vom deutschen BVerfG angenommen. Eine Verhandlung scheint es jedoch nicht zu geben. Jetzt sieht es so aus, als ob das deutsche BVerfG die Klage zum EuGH weiterleiten will.

Wie kann, wie darf es rechtens sein, dass über eine solche Klage am EuGH entschieden werden soll???? Eigentlich bin ich fassungslos, was sich die Politiker mit unseren Steuergeldern erlauben. Ich darf gar nicht schreiben, was mir dazu einfällt. Der EuGH wird wahrscheinlich erst nach dem Totalzusammenbruch der Währung urteilen.

Jeder Banker, welcher die Gelder seiner Kunden veruntreut, wird vor Gericht gestellt. Und was tun die Politiker???? Sie veruntreuen die Gelder der Bevölkerung!!!

Und der Bundestag schweigt! Wozu bekommen diese Volkszertreter eigentlich ihre Bezüge????

Das ist kein Rechtsstaat mehr!!!! Raus aus EU und Euro - aber schnell. Rette sich wer kann!

Gast: tiroch
12.03.2011 15:04
1 0

Glaubensfrage

Merkel, Schäuble und brüderle glaubten nicht an eine erhöhung des Schirms und lehnten dies ab. Mit deren Glauben kann was nicht stimmen, denn er wird erhöht, soll flexibel und sogar dauerhaft sein. Gepaart mit etwas einsparen und alles wird gut? Das können nur unsere politiker und Traumtänzer glauben, das Volk eher nicht.

0 0

Selber schuld

Es ist doch immer das Gleiche.

Fest auf die bösen Banken und die bösen Politiker schimpfen, gleichzeitig aber nur die wählen, die die meisten finanziellen Wahlversprechen machen.

Der Wahlbürger will also offensichtlich, dass der Staat Schulden macht, sonst müsste er anders wählen.

Es ist nämlich weder der böse Kapitalismus oder die böse EU-Kommission usw., sondern schlicht und einfach unsere eigene Gier.

Gast: daswars
12.03.2011 09:30
1 0

wollen

Ja genau - die Staaten, die bisher das Vertrauen und die Gelder der EU missbraucht haben, werden sich jetzt natuerlich gerne "verpflichten" damit geholfen wird. Wenn es sowieso kaum Kontrolle und keine Sanktionen gibt, "schaun wir mal" spaeter.

Diese "Einigung" kann nur darauf hinauslaufen, dass weiterhin Andere zahlen und Andere geniessen.

So wie die Vorschlaege Frau Merkels verwaessert wurden, koennte ich mir vorstellen, dass D langsam Abstand nimmt. Selber schon tief verschuldet wird trotzdem D (mit allen anderen Nettozahlern) hauptsaechlich als Zahlmeister verstanden. Also das ist einwandfrei "zu viel der Ehre".

Gast: HJB
12.03.2011 09:29
2 0

ein Wunschkonzert für die Katz

. . . übliches Blah-Blah inkompetenter, 'unaccountable' Politiker.
Politiker dürften gar nicht regieren. Interessengruppen müssten kompetente Fachleute zur Wahl stellen.

Gast: system_feeder
12.03.2011 09:04
2 0

Neue Regeln

bricht man gut,
wo man's auch mit alten tut.

And we pay dearly.

Gast: Vogel Strauss
12.03.2011 08:07
1 0

Eine Krähe ...

... hackt der anderen kein Auge aus!!

wollen,wollen,wollen

was anderes hab ich in diesen Bericht nicht gelesen.
Na ja, ich will morgen im Lotto gewinnen, schaun ma mal.

Gast: Hans im Glück
11.03.2011 23:16
4 1

Nameing and Shameing

wird schon seit zwei Jahren bei den Griechen praktiziert.

Was ist dabei herausgekommen?
Sparen die Griechen?

Nein, sie beschimpfen die Nettozahler, sie sind uneinsichtig und undankbar.

Also dieser Pakt ist eine Augenauswischerei.

Mann will uns für Blöd verkaufen nur damit wir bereitsind mehr Garantien und Geld locker zu machen.

NICHT MIT MIR!

Gast: unbeteiligter
11.03.2011 22:12
5 2

alles nur show für die dumme merkel.........

damit sie die nächsten wahlen noch erlebt.

wie dämlich muss ein deutscher sein, um sich endlos von merkel blenden zulassen.++

merkel hat schon längst die transferunion zugesagt,nur wartet die noch die wahlen ab und wird dann dem giebelkreuzpepi desselbe
befehlen

Tod der EU

Gast: gast
11.03.2011 21:19
8 1

jetzt wart amal..



die politkaste tritt ab, und überläßt DAS GANZE REGIEREN dem hanswurst und der von NIEMANDEM gewählten, und niemandem verantwortlichen, kommission aus politmüll, den im jeweils eigenen land keiner mehr will?

RAUS AUS DER ÄÄUU, rein in ein schweizer modell, österreich den österreichern, ÄÄU den ÄÄUU-lern !

2 2

Re: jetzt wart amal..

da Müßten ja die Österreicher wieder Währungen umrechnen wenn sie in den Urlaub fahren und das bei den Pisaergebnissen ?
Die wollen sicher dabei bleiben bei der EUSSR !

Soso, neue Regeln für die EURO-Zone


Nach dem sich ALLE Euro-Länder so brav an die alten Regeln gehalten haben gibts also jetzt Neue.

Man solle, man wolle, man möge... und wenn nicht dann gibts einen Rettungsschirm.

Und diese lächerlichen Figuren führen Europa?

Flucht

Raus aus dem Euro RAUS aus der EU Deutschland und der R E S T kann sich ja R U I N I E R E N oder sind wir genau so BLÖ.. wie die Deutschen.

DAS Volk in diesem Land muss endlich AUFWACHEN und gen WIEN ziehen und den Politikern die ROTE Karte zeigen.

Antworten Gast: BellaClava
12.03.2011 09:04
1 0

Re: Flucht

Das Volk sollte diesen Polit Gaunern eine Hanf Krawatte verpassen.

Zynismus pur

die Menschen sollen ihre Verschuldung zügeln, und die Regierungen verbrennen gleichzeitig das Volksvermögen mit Eurorettungsschirmen.
Eine Bankrotterklärung dieser Union bei gleichzeitiger Demokratiezerstörung, absoluter Bürgerüberwachung und Kapitalvernichtung!

Antworten Gast: gast
11.03.2011 21:21
4 0

Re: Zynismus pur



ABSOLUT MEINE REDE !!!

ÄÄUU- nein, damnke !

(das ist intendiert SO geschrieben)

Gast: 1. Parteiloser
11.03.2011 18:59
7 0

Eine Bankrotterklärung!

Kein Wort mehr von der 60% Schuldengrenze im Verhältnis zum BIP.

Kein Wort davon, dass die Schuldenkrise durch Reduktion der Schulden nachhaltig gelöst werden soll.

Kein Wort davon, dass die Umverteilungsexzesse beendet werden.

Kein Wort davon, dass der Verwaltungswahnsinn reduziert wird.

Kein Wort davon, dass der seit Monaten vielbesprochenen EFSF noch immer zu 95% leer ist.

Kein Wort, dass die Banken noch immer nicht in den Dienst der Gesellschaft gestellt werden.

Es ist also überhaupt nichts dabei was helfen könnte die Schuldenkrise zu meisten. Es ist auch nichts dabei, was helfen könnte die strukturellen Disblancen (auch innerhalb der Mitgliedsländer) zu korrigieren.

Es viel, sehr viel Blabla, Lösungen aber keine.

Das sind nur noch Totalversager. Und diese Totalversager werden es noch schaffen, dass eine Massenarmut über Europa hereinbricht.

Antworten Gast: Prell-Onkel
12.03.2011 18:30
1 0

Re: Eine Bankrotterklärung!

Die Banken müssen um jeden Preis gerettet werden, ansonsten würden wir ja nicht wissen, wohin wir unsere Zinsen bezahlen dürfen.
Unsere Geldbörsen würden explodieren und könnten uns dabei verletzen...

Gast: Gast
11.03.2011 17:20
1 0

Fitch

Wie will die Agentur das bewerten? Nimmt sich die Agentur nicht zu wichtig?

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Re: Fitch

Das wäre ja eigentlich wurscht. Das Problem ist, dass sie alle anderen zu wichtig nehmen. Eigentlich sollten wir auf die von Washington befohlenen "Ratings" pfeifen.

Hobbyökonom