19.06.2013 23:59 Merkliste 0

Stresstest: Irische Banken brauchen 24 Milliarden Euro

31.03.2011 | 20:20 |   (DiePresse.com)

Nach dem Stresstest hat sich der Zuschussbedarf seit Beginn der Finanzkrise bereits auf 70 Milliarden Euro summiert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Mit einem neuen milliardenschweren Kraftakt will Irland einen Schlussstrich unter seine Bankenkrise ziehen. Die bereits mit riesigen Staatshilfen am Leben gehaltene Branche braucht zusätzliche 24 Milliarden Euro, wie die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse eines nationalen Stresstests zeigten. Die Mittel dafür sind einem Bericht von "Financial Times Deutschland" zufolge gesichert: Von den 35 Milliarden Euro, die die Euro-Partnerländer und der Internationale Währungsfonds dem Land allein zur Stützung seiner Banken zur Verfügung gestellt hatten, seien noch rund 25 Milliarden Euro übrig. Damit hat sich der Zuschussbedarf seit Beginn der Finanzkrise bereits auf 70 Milliarden Euro summiert.

Auf die Allied Irish Bank entfallen 13,3 Milliarden Euro, auf die Bank of Ireland 5,2 Milliarden, auf Irish Life 4 Milliarden Euro und auf die EBS Building Society 1,5 Milliarden Euro. Das frische Kapital soll den Geldhäusern insbesondere helfen, etwaige Verluste im Zuge einer weiteren Abschwächung der einst so wachstumsstarken irischen Wirtschaft zu verkraften. Damit einher geht eine Radikalkur für den über Jahre aufgeblähten Sektor, dem das Platzen einer Immobilienblase das Genick brach.

Zwei große Universalbanken als Ziel

Am Ende übrig bleiben sollen nur noch zwei große Universalbanken. Sie sollen aus der Bank of Ireland sowie einer Verschmelzung der angeschlagenen Bausparkasse EBS mit dem zweitgrößten Kreditinstitut Allied Irish Bank hervorgehen, wie Finanzminister Michael Noonan ankündigte. Das Finanzhaus Irish Life & Permanent solle umgehend sein Lebensversicherungsgeschäft verkaufen.

Die Regierung in Dublin will, dass die Institute nur am Kerngeschäft festhalten und den Rest gnadenlos aussortieren. Insgesamt sollen sie sich bis 2013 von Vermögenswerte über 72,6 Milliarden Euro trennen. Noonan kündigte zugleich wesentliche Umbesetzungen in den Bankvorständen an. Die größte irische Bank, Anglo Irish, befindet sich inzwischen in der Abwicklung. Sie allein hatte 2010 Verluste in Höhe von 17,7 Milliarden Euro angehäuft.

Banken sind Irlands Achillesferse

Die Geldhäuser sind seit der Finanzkrise die Achillesferse der irischen Wirtschaft. Ihre Probleme zwangen Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm, der nach der Griechenland-Krise von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) aufgespannt wurde. Doch trotz der 85 Milliarden Euro schweren Hilfen aus dem Fonds hängen die Banken des Landes immer noch am Zentralbank-Tropf.

EZB-Ratsmitglied Axel Weber warnt indes vor einer umfassenden Rettung des kriselnden Sektors. Im Kreise der Notenbanken würden die irischen Banken nicht als systemrelevant eingestuft, sagte der scheidende Bundesbankpräsident beim Deutschen Bankentag in Berlin. Es stelle sich grundsätzlich die Frage, ob nicht private Gläubiger an der Rettung einzelner Institute auf der Insel stärker beteiligt werden müssten. "Wir sollten keine Blanko-Garantien für Banken mehr geben", so Weber.

Euro zeigt sich unbeeindruckt

Der Euro hat sich von der Veröffentlichung der Stresstests unbeeindruckt gezeigt. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,4192 Dollar weiter über ihrem Vortages-Schluss von 1,4125 Dollar.

Gestützt wird der Euro zurzeit vor allem von der in der kommenden Woche erwarteten Zinserhöhung der EZB. Im Tagesverlauf war die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,4233 Dollar gestiegen.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

10 Kommentare
Gast: josef123
01.04.2011 14:55
0 0

Ad: "Zwei große Universalbanken als Ziel"

Wem dient es, zwei große Universalbanken zu schaffen, die von den europäischen Steuerzahlern durchgefüttert werden?

Wären nicht zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen besser, die, wenn sie schlecht gewirtschaftet haben in Konkurs gehen könnten, ohne das System zu gefährden?

Oder springt bei Version 2 für die Geld- und Machtbesitzer zu wenig heraus?

wenn eine Privatfirma

schlecht und unfähig wirtschaftet und pleite geht muss dann der Steuerzahler dafür aufkommen? NEIN, und so sollte es auch bei den Banken gehandhabt werden!

Die Königstrickser haben wieder zugeschlagen.

fix tricks, fix tricks...so hat eine Comicfigur immer gewispert... Bald werden uns die Russen holen? http://www.youtube.com/watch?v=7nzggMa3280

Banken = "die Super-Reichen"

Geht schon, schaufeln wir es rüber!

Gast: Bazi
31.03.2011 19:36
7 0

böses Omen

Ich denke, dass ist noch nicht das Ende der Überraschungen. Heute 24 Mrd. mehr, morgen sind es dann 100, übermorgen 200. Es ist doch so, wie es bisher immer war: alles in "kleinen" Scheibchen. Erst wenn alle privaten Rücklagen in Österreich und Deutschland in europäische Rettungsschirme, Stabilitätspakte und andere idiotische -nur zeitverzögernden- Maßnahmen Richtung Süden abgeflossen sind, wird dann irgendwann ganz heimlich (über Nacht) der Euro abgeschafft. Wenn man dann am nächsten Tag zum Bankomaten gehen will, steht davor ein Schützenpanzer des Bundesheeres. An der Tür des Kreditinstitutes steht dann mit dickem schwarzen Edding: "Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen !". So ähnlich stelle ich mir leider die nächste Zukunft vor. Ich hoffe, dass ich mich irre.

Antworten Gast: Sinus
01.04.2011 08:28
0 0

Re: böses Omen

Ich denke nicht, dass Sie sich irren.

Nur werden die Bankomaten abgeschaltet sein und die Banken versperrt werden. Münzen werden schon die ganze Zeit eingezogen, weil der Sachwert höher ist als der Nominalwert.

Der Staat wird seine Schulden selber per Notenpresse eliminieren. Ihre privaten Schulden werden aufgewertet.

Jedwede Veranlagung im Geldsystem wie Bausparen, Lebensversicherung, Sparbuch, usw. wird wertlos.

Werte bestehen nur noch in Sachwerten:
Edelmetalle, Immobilien, Firmenbeteiligungen.

Alle Einträge im Grundbuch werden zur Hälfte mit einer Zwangshypothek auf 30 Jahre belegt.

So wie 1948 - 1952.

6 0

Das Ende ist noch nicht in Sicht

es gibt in Europa noch jede Menge marode Banken. Es ist leicht, hier auf die Iren zu schimpfen, aber wir haben da auch noch einige Probleme. Neben der Hypo Alpe Adria gibt es auch noch andere Banken, die Ärger bekommen, wenn die Wirtschaft in Osteuropa nicht anspringt.

Österreich - gerade 10 Milliarden Staatshaftung für die Kommunalkredit

Danke Frau Unterrichtsminister!

Die verschiedenen Hypos natürlich und nebenbei so kleine Spekulationen wie in Linz. Da wurden 400 Mio an den Cerberus verfüttert. Viel Geld für eine kleine Stadt.


2 1

Deutsche und Österreicher müssen wohl bezahlen!

Butter aus Irland billig essen und danach das Land pleite gehen lassen? Nein, das geht nicht!

Re: Deutsche und Österreicher müssen wohl bezahlen!

Habe noch nie irische Butter gegessen. Darf ich jetzt das Land pleite gehen lassen? Die Iren waren noch nie reich, die werden damit schon umgehen können so lange es praties gibt.

Hobbyökonom