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Felderer zu Portugal: "Socrates war kein Verrückter"

07.04.2011 | 15:41 |   (DiePresse.com)

Der IHS-Chef Felderer meint, Portugal hätte es auch ohne Hilfe schaffen können. Kritik an der Finanzhilfe für Portugal kommt von der Oppositionsparteien.

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Dass Portugal nun doch noch unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft ist, hätte sich nach Ansicht von IHS-Chef Bernhard Felderer vermeiden lassen. "(Jose) Socrates ist kein Verrückter gewesen, er hatte eine realistische Chance", sagte Felderer am Donnerstagnachmittag zur APA. Was dem Premier gefehlt habe, sei die Unterstützung im eigenen Land gewesen, die Opposition habe seine Minderheitsregierung "auflaufen lassen".

Refinanzierung war letztes Endes zu teuer

Die "Attraktivität des Rettungsschirms ist beschränkt", so der Wirtschaftsforscher, Irland und Griechenland müssten noch immer hohe Zinsen zahlen, der Schirm habe ihnen letzten Endes wenig gebracht. Aber nicht nur am innenpolitischen Widerstand sei die Regierung in Lissabon gescheitert. "Noch vor vier Wochen konnten sie mit Recht sagen: Eine Durchschnittsverzinsung von 3,6 Prozent, das können wir lange durchhalten", erklärte Felderer. Zuletzt habe sich Portugal aber auf dem Geldmarkt nur noch zu sehr hohen Kosten refinanzieren können. Die Durchschnittsrendite für eine Anleihe mit sechs Monaten Laufzeit stieg gestern, Mittwoch, auf 5,117 Prozent, für 12 Monate wurden 5,902 Prozent Zinsen verlangt.

Ein entscheidender Faktor sei auch gewesen, dass es der Regierung nicht gelungen sei, das Budgetdefizit wie geplant von 8,6 auf 7,2 Prozent zu senken - im Gegenteil, es sei gegenüber dem Vorjahr sogar gestiegen. "Das war ein katastrophales Signal." Endgültig unhaltbar sei die Position der Regierung mit der Ankündigung der portugiesischen Banken am Dienstag geworden, keine Staatsanleihen des eigenen Landes mehr zu kaufen.

Dass es einen großen "Haircut" (Schuldenerlass) bei Portugal geben wird, glaubt der IHS-Chef nicht, "bei Griechenland schon eher". "Aber sie müssen über die Runden gebracht werden." Wenn es Lissabon gelinge, das Budgetdefizit zu reduzieren, sei das Problem des Landes nur temporär.

Opposition warnt vor "Fass ohne Boden"

Scharfe Kritik an den Finanzhilfen für Portugal kommt von FPÖ und BZÖ. Der Delegationsleiter der Freiheitlichen im Europäischen Parlament, Andreas Mölzer, verlangte, "Disziplinlosigkeit beim Budget nicht durch Finanzhilfen aus einem Rettungsschirm oder einem sogenannten Stabilitätsmechanismus" zu belohnen. Darüber hinaus müsse die Möglichkeit eines Ausscheidens aus der Eurozone und zur Rückkehr zu eigenen nationalen Währungen geschaffen werden, so Mölzer. BZÖ-Obmann Josef Bucher warnte davor, weiter Geld "in ein Fass ohne Boden" zu pumpen. Spätestens jetzt sei es an der Zeit, dass die finanzschwachen Länder den Euroraum verlassen.

(APA)

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8 Kommentare
Gast: markus trullus
26.04.2011 16:30
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Grundlage der Demokratie

Das ist eben in Demokratien so; der Opposition ist der totale Staatsbankrott so wurscht wie irgendwas, wenn sie nur der Regierung was auswischen kann. Wird bei uns genau so passieren.

also wieso

sind alle diese länder pleite? wei die banken mehr zinsen haben wollen, als diese länder überhaupt zahlen können. einfach rechnung...die banken kriegen gar nichts....ergo...europa schuldenfrei, alle glücklich...ausser den banken und den paar familien die dahinter stehen. wieviele "normale" bürger trifft es wirklich? die kann man locker durch steuern aus einer dann wieder normal funktionierenden wirtschaft erhalten, vor allem wenn man bedenkt, dass das geld dann wieder was wert ist, im gegensatz zu jetzt....und diese familien würden ja auch nicht alles verlieren, wenn sie irgendwas real angelegt hätten und nicht alles nur in finanzblasen gepustet haben.....aber DAS ist zu einfach, da braucht man keinen grossen polit-apparat und zig beraterstäbe....nur simpel und wirksam

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Der Barde der Raubritter

Sein Gehalt wird vom Steuerzahler bezahlt.
Für seine Thesen kann er nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Die Pension ist ihm sicher.
So trällert er halt das Lied, das von ihm gewünscht wird, der Barde der Raubritter.

ein nebenbei Aspekt

der nur von wenigen berichtet wird ist dass
die griechischen Medien, Journalisten, streiken.
Das hat eigentlich auch seinen Witz als ja die
Medien oft genug einen Problemfaktor selber
darstellen.
Mal kein Medienrummel in Griechenland:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,14973098,00.html

Gast: Systemerhalter
08.04.2011 12:17
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Felderer nur ein Sprachrohr der Regierung

Und somit sind seine Kommentare unbedeutend.

Zur Glaubwürdigkeit von Wirtschaftsforschern...

Felderer in News, 2. 5. 2010: "Angesprochen auf eine befürchtete Ausbreitung der Krise auf andere "Club Med-Staaten" in Südeuropa meinte Felderer, die Downgradings von Portugal und Spanien durch die Ratingagenturen seien angesichts deren Wirtschaftsdaten für ihn unverständlich."
Derselbe im Wirtschaftsbalatt vom 23.2.2011: "Die Griechen haben bis auf Kleinigkeiten alles erfüllt, was sie versprochen haben und die tiefsten Einschnitte gemacht, die es in Europa bisher gegeben hat", .... Er sehe weder für Griechenland noch für Portugal Anlass zu besonderem Pessimismus.
Vier wochen später braucht Portugal Hilfe und für Griechenland glaubt Herr Felderer "schon eher" an den großen Haircut.


Gast: Mellie
07.04.2011 16:20
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Schon wieder

Na klasse! Noch ein Schurkenstaat für dessen Misswirtschaft wir wieder mal blechen müssen! Es wird endlich Zeit, dass die faulen Eier der EU aussortiert werden, und erst wieder zurück ins EU Körbchen dürfen wenn sie gelernt haben, dass man keine Bilanzen fälscht, und dass man ruhig mal auf andere hören kann die einen im Vorfeld warnen. So aber werden wir auch daran gehindert Schulden abzubauen! Vielen Dank auch Griechenland, Irland und Portugal!

Antworten Gast: tg
07.04.2011 17:11
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Re: Schon wieder

Nein das sind keine "Schurkenstaaten", es wurde nur bei der Konstruktion des Euros vergessen dass man so unterschiedliche Länder nicht in eine Währungsunion bringen kann, ohne sich einig zu sein dass es Transfers und eine politische Union geben muss.

Länder wie Deutschland und Österreich wurden durch die gemeinsame Währung deutlich konkurrenzfähiger, da die südlichen Länder nun ihre Währung nicht mehr (wie früher immer) abwerten konnten.
Für die südlichen Länder war auch der durch den Euro bedingte Zinssatz viel zu niedrig.

Die Krise hat diesen Konstruktionsfehler nun sehr schmerzhaft aufgezeigt, und nun versucht man halt den Fehler zu korrigieren - und führt eben eine politische Union und Transfers ein.

Das klingt nun für frühere Hartwährungsländer wahnsinnig dramatisch - aber andererseits möchte ich nicht wissen wie es uns ohne gemeinsame Währung in dieser Krise gehen würde (ich tippe auf IWF Hilfen für Österreich...).
Und gegenüber den USA und dem Dollar steht die EU mit dem Euro immer noch deutlich besser da.

Hobbyökonom