Der Euro liegt in den Händen Spaniens

07.04.2011 | 18:37 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Nachdem sich Portugal unter den Rettungsschirm geflüchtet hat, wäre nach der „Domino-Theorie“ Spanien der nächste Kandidat. Die Investoren sehen es anders, aber in den Bankbilanzen ticken Bomben.

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Wen nach einer Apokalypse gelüstet, der frage nach bei „Dr. Doom“. Seit Nouriel Roubini als einer von wenigen die große Finanzkrise vorausgesehen hat, gilt er als Experte für künftige Katastrophen. Und so kommentiert der US-Ökonom die Flucht Lissabons unter den EU-Rettungsschirm: „Die große Sorge gilt nicht Portugal, dafür ist es zu klein. Sondern, dass es Spanien ansteckt: ein Land, das zu groß ist, um fallen zu dürfen – und zu groß, um gerettet zu werden.“

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Sonderlich originell ist die düstere Andeutung freilich nicht. Sie entspricht der bisher zutreffenden Domino- und Ansteckungstheorie. Erst Griechenland, dann Irland, nun Portugal: Wie Dominosteine sind die schulden- und krisengeplagten Euro-Peripheriestaaten umgefallen – in die Arme der EU und des Internationalen Währungsfonds, die sie nun mit hunderten Milliarden Euro und einer Reformagenda wieder finanzmarkttauglich machen müssen.

In der Theorie ist es damit nicht vorbei: Spanien, Italien und Belgien gelten als die nächsten Wackelkandidaten. Dass Spanien auf Portugal folgen könnte, liegt scheinbar nahe: Die beiden Volkswirtschaften sind eng verflochten. Spanien ist bei Weitem der größte Gläubiger des kleinen Nachbarn. 105Milliarden Euro stehen für Kreditgeber, Firmen und Käufer von Staatsanleihen auf dem Spiel.

Auch wenn das Risiko durch die Zuflucht zur EU-Hilfe geringer geworden ist: Spanien ist im Fokus. Wenn sich der Staatssektor der viertgrößten Euro-Volkswirtschaft nicht mehr refinanzieren könnte, hätte das Signalwirkung. Es würde Dämme brechen, für Italien, vielleicht gar für Frankreich. Das wäre wohl das Ende für den Euro. So blickt nun alles auf Spanien, genauer: auf José Luis Rodriguez Zapatero. Der Premier aber schließt eine Staatsschuldenkrise „zu 99,9 oder 100 Prozent“ aus. Auf den subtilen Unterschied zwischen völliger und fast völliger Gewissheit lässt sich Elena Salgado nicht ein. Für die resolute Wirtschaftsministerin ist eine Ansteckung „absolut ausgeschlossen“. Opposition und Medien stehen in einem nationalen Schulterschluss hinter der Beschwichtigungspolitik: Uns kann nichts passieren.

 

Die Aufschläge sinken

Das hörte man auch aus Athen, Dublin und Lissabon – bis kurz vor dem Fall. Entscheidend ist, wie die Anleiheinvestoren die Lage einschätzen. Sie scheinen „Dr. Doom“ freilich Lügen zu strafen: Im ersten Quartal haben sich die Risikoaufschläge und Versicherungsprämien für spanische Staatsanleihen vom Umfeld der Problemstaaten „entkoppelt“ und sind deutlich gesunken. Eine ähnliche Entwicklung nehmen die Titel von Italien, Belgien – und (auf besserem Niveau) Österreich mit seiner abgesagten Osteuropa-Bankenkrise. Die erwartete Kapitulation Portugals ist längst eingepreist. Bei einer gestrigen Auktion in Madrid wurde ein niedrigerer Zins als vor einem Monat verlangt.

Die Investoren würdigen den Reformkurs: Kürzungen der Beamtengehälter, ein liberalerer Arbeitsmarkt, Fusionen bei den zersplitterten Sparkassen. Die Reformen erfolgen, nach einem viel zu späten Start, nun konsequenter als in Portugal. Die konservative Opposition murrt, schießt aber nicht quer wie in Lissabon. Zapateros Ankündigung, er werde nicht mehr kandidieren, lässt das Vertrauen wachsen: Er muss keine Geschenke mehr verteilen, sondern sich nur noch vor der Geschichte rechtfertigen.

Und während Portugal sich nicht aus der Rezession befreien kann, wächst die spanische Wirtschaft wieder – wenn auch nur moderat. Die Richtung stimmt, aber jede Erschütterung kann Spanien vom Kurs abbringen. Und eine Bombe tickt weiter, weil sie nie ganz entschärft wurde: die Bauprojekte und Hypothekenkredite in den Bilanzen der Sparkassen. Sie waren die großen Akteure der Immobilienblase und die großen Opfer ihres Platzens.

Wurden die Aktiva ausreichend abgeschrieben? Das Immobilien-Fachportal Idealista hält die Bewertungen für „reine Fantasie“ und schätzt den Kapitalbedarf für die „Cajas“ auf bis zu 100 Milliarden Euro. Die Notenbank kalkuliert nur mit 15 Milliarden. Dazu kommt die Privatverschuldung. Eine Wohnung nur zu mieten ist in Spanien unbeliebt. 80 Prozent leben im Eigenheim – auch solche, die es sich nicht leisten können. Sie blicken besorgt nach Frankfurt, wo die EZB gestern die Zinsen um 0,25Prozentpunkte angehoben hat. Zwei Schritte sollen heuer noch folgen. Wenn dann das Volumen an faulen Krediten deutlich steigt, wird es für Spaniens Banken eng – und Dr. Doom könnte mit seiner Sorge recht behalten.


Mehr zum Thema Seiten 2–3

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2011)

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323 Kommentare
 
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also das heisst was

wenn die landes-eigenen banken eine ganze regierung flach legen können. wenn die portugiesen auch nur ein bischen stolz hätten, würden sie die einfach enteignen, ohne abgeltung der jetzigen eigentümer....DAS wäre ein schritt, der den ganzen finanzhaien einmal zeigt wo es lang geht und sie in ihre schranken weist. die tun ja so (sind leider tatsächlich) mächtiger als staaten. gottgleich sinds aber noch nicht, zur not kann man die oberen ja wieder erschiessen wenns nicht spuren und zu blöd werden

Gast: eu-bürger
09.04.2011 09:35
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OLE

Es geht weiter bergab.

Solidarität ja aber EURO nein; man muss Defizitsünder nicht retten, sondern man muss selbige haushalten lernen - das bedeutet, selbige ruhig in den Staatsbankrott schicken und nur sinnvolle Massnahmen, die vereinbarte Erträge bringen, nachhaltig fördern.

Verwaltungsposten etc. als unproduktive Arbeitsplätze sind sozialistische bzw. kommunistische Auswüchse !

Gast: Währungshüter
08.04.2011 22:36
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Der Euro liegt in den Händen Spaniens

Also alles Peseten.

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gestern in der ZIB2 beruhigte unser aller Freund Nobody

das Volk erneut, also macht Euch keine Sorgen, alles wird gut weil unser Land in den besten Händen liegt und regiert wird ?! fg

Die Spirale dreht sich bereits und immer schneller wie ein schwarzes loch, und zieht alles mit was sich in unmittelbarer Nähe aufhält.
Statt nun die Fluchtraketen anzuwerfen, heften sich unsere Experten an den Glauben das bisher nix passiert ist, und sich alles so weiterbewegt wie gewohnt.

Gast: Promil
08.04.2011 15:03
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Und was sagt König?


Gast: Hemingway
08.04.2011 13:35
2 0

Warum explodiert der Gold- und Silberpreis ?

Antwort:

Weil nicht nur Europe - sondern die ganze Welt - pleite ist.

Antworten Gast: kopfschmerz
08.04.2011 17:25
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Re: Warum explodiert der Gold- und Silberpreis ?

aus dem selben grund warum in österreich die geigerzähler ausverkauft sind u. aufrufe gestartet werden müssen keine jod-tablette zu fressen! weil die leute paranoides, hysterisches panikvieh sind! aber bitte sollen sie in die nächste blase investieren! ich wette die spekulanten die auf fallende kurse setzen warten nur darauf das gold einbricht.

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Re: Re: Warum explodiert der Gold- und Silberpreis ?

Naja wenn man die Geldmenge extrem vermehrt, dann muss man mehr $ oder Euro fuer die gleiche Menge Gold zahlen.
Ist wohl logisch.

Antworten Antworten Antworten Gast: kopfschmerz
09.04.2011 10:12
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Re: Re: Re: Warum explodiert der Gold- und Silberpreis ?

das nennt man inflation u. betrifft nicht nur gold sondern alle waren. aber die überproportionale nachfrage nach gold in der annahme es handelt sich hierbei um einen sicheren hafen entkoppelt sich hierbei vom normalen angebot u. nachfrage prinzip. noch dazu wenn man sich ansieht wie praktisch wertlos gold eigentlich ist. eine klassische blase!

der wert von gold ist nur durch seine seltenheit u. historisch bedingt. als werkstoff ist gold vernachlässigbar.


Re: So holt man sich das Geld!

Tja, so lange sich die Menschen sowas gefallen lassen, wird sich nichts ändern.

Gast: me
08.04.2011 12:45
1 6

finanzexperten österreichs

ich habe gar nicht gewusst dass es in österreich so viele finanzexperten gibt! vl sollten sich manche beim wifo bewerben...könnte natürlich sein dass sie dafür überqualifiziert sind!

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Re: finanzexperten österreichs

man braucht wahrlich kein Experte zu sein, um diesen Schwachsinn namens EU-Rettungsschirm mit einfachster Logik durchschauen zu können.

Leider hat aber die Bildungsmisere bestens zugunsten der Verantwortlichen funktioniert, und somit kann man jedem alles erzählen.
Wieviele können denn heute noch im Kopf eine Preisermässigung im Supermarkt von 25% wenn ein Artikel normal 23,99 kostet, ausrechnen ?!

Antworten Antworten Gast: kopfschmerz
08.04.2011 17:36
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Re: Re: finanzexperten österreichs

das ist halt das problem wenn man ein kompexes system mit dem hausverstand nicht mehr erfassen kann u. stattdessen alles vereinfacht. solche personen sind die wahren produkte der bildungsmisere.

die fähigkeit kopfrechnen zu können ist kein nachweis für intelligenz od. einen gewissen bildungshorizont. das gilt besonders für die die mit milchmädchenrechnungen die finanzwelt erklären wollen.

@me.

Na, wie kommst du darauf, im WIFO "Finanzaxperten" zu v ermuten? Das ist heute eine Versorgungsstätzte ideologisch-genderistischer SelbstüberschätzerInnen. Man muss deren Fehleinschätzungen etwa an Hand ihrer ein paar Jahre zurück liegender "Studien" nur nachlesen. Etwa jene des Herrn Dr. Aiginger aus dem Jahre 1986, als er jede Investition in die Stahlindustrie als "fehl geleitet" denunzierte. Über eine freundliche "konsultative" Einladung aus Linz revidierte er Mann dann seine "Expertise". Und kam sogar in den ÖIAG-Aufsichtsrat. Wo er nur durch Platitüden aber ansonst mit keinen substanziellen Meldungen auffiel.
Na ja, ein paar gut honorierte Einladungen zu Vorträgen gab's dann auch noch.

Ein Meister der jeweiligen Gemeinplätze je nach Windrichtungen. Und so wie der Herr so sein anderes G'scherr...

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Re: @me.

derartige Experten wie ein Novotny richten dieses Land völlig zugrunde !
Ein sehr trauriges und teures System das wir uns da noch leisten (können?) .

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Re: Re: @me.

Novotny hat bei der Bawag Sache den Mund gehalten, deshalb wurde er versorgt.
Es ist traurig, dass man ihn ueberhaupt interviewt. Das erweckt den Eindruck, dass es rechtmaessig den Job ausuebt und eine Ahnung davon hat.

Antworten Antworten Gast: me
08.04.2011 14:44
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Re: @me.

na dann wirds ja höchste zeit für ihre bewerbung damit die studien in zukunft auch wirklich stimmen!

frage mich

wann endlich die letzten EU Befürworter und Schönredner aus ihrem Tiefschlaf erwachen?

Die EU ist eine korrupte Totgeburt mehr nicht

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Re: frage mich wann endlich die letzten EU Befürworter und Schönredner aus ihrem Tiefschlaf erwachen?

leider wohl nie, da die (ver)Bildung ihre Leistung vollbracht hat, und leider immer noch viele all den Nonsens glauben den sie in den Nachrichten hören und lesen.

Man braucht sich aber nur den Lokführer der diesen Zug mit immer höherer Geschwindigkeit gege nein Hinderniss fährt ansehen um zu erkennen, dass es bald crashen wird müssen.


Bei uns


wird bei Förderungen, Beamten, Frühpensionisten und ÖBB auch nicht gespart !

Es ist also nur eine Frage der Zeit bis wir einen Rettungsschirm brauchen !

Dann wird der Euro und der dazugehörende Rettungsschirm längst Geschichte sein !

Alles nur mehr eine Frage von wenigen Monaten!


Antworten Gast: Angstfrei
08.04.2011 13:40
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Re: Bei uns

u. die förderungen,beamten,frühpensionisten u. öbb kosten dann in schilling auch gleich viel....österreich wäre auch ohne eu u. euro hoffnungslos überschuldet(staatschulden von über 100% des bip)....sollte es wirklich zum crash kommen,es werden sich wieder neue dinge entwickeln u. märkte auftun.....u. die obengenannten wären vielleicht erstmals in ihrem leben richtig gefordert wenn der sozialstaat auslässt.....letzteres wäre mir sogar einiges an "eintrittsgeld"wert,denn ich musste etliche(zu viele) von diesen tachenierern mitfinanzieren in meinem arbeits/unternehmerleben.....

Gast: Freigeist
08.04.2011 12:07
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Der Euro liegt....

in den letzten Zügen.


GAME OVER

Das Spiel ist aus. Das sind schon die letzten Zuckungen von einem gemeinsamen Europa.
Warum glaubt eigentlich noch wer, dass sich alles zum Guten wendet?
Europa zerfällt durch nationale Interessen( Frankreich, England( hat bis heute ja den Euro nicht) Griechenland, Spanien) und den Nationalstolz der Südländer, der uns ja staatlich Verboten wurde.
Zusätzlich die anerzogene Mentalität der Ostländer, nimmt was du bekommen kannst.
Als Draufgabe werden die ethnischen und religiösen Befindlichkeiten toleriert.
Die Währung dient nur als Ablenkung vor dem großen Finale.

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Warum glaubt eigentlich noch wer, dass sich alles zum Guten wendet?

ganz einfach, weil es immer noch gepredigt wird.


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Warum spricht niemand von Frankreich?

Sarkozy ist ungarische Rache an Frankreich. Der Mann geht nicht weg bis Frankreich ganz kaputt ist.
Übrigens: Die Franzosen hatten der Eroberung von Ungarn durch Osmanen zugestimmt!

 
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