Aus den BRIC-Staaten werden die BRICS-Staaten

13.04.2011 | 18:20 |   (Die Presse)

Das Kürzel „BRIC“ muss angepasst werden. Beim Club-Gipfel auf Hainan wird mit Südafrika erstmals ein fünftes Mitglied offiziell mit dabei sein. Die fünf Länder stellen ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung.

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Wien/Gre. Brasilien, Russland, Indien und China bilden die Elite der Schwellenländer. 2001 fasste sie ein Goldman-Sachs-Ökonom erstmals unter dem Akronym „BRIC“ zusammen. Mittlerweile haben sich die vier Staaten zu einem informellen Klub zusammengeschlossen und treffen sich regelmäßig, um sich vor wichtigen Gipfeln auf eine gemeinsame Linie zu verständigen.

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Das Kürzel „BRIC“ muss aber nun angepasst werden. Beim am Donnerstag stattfindenden Club-Gipfel auf der chinesischen Insel Hainan wird mit Südafrika erstmals ein fünftes Mitglied offiziell mit dabei sein. Damit tritt allerdings ein Land in den Klub ein, das auf den ersten Blick so gar nicht dazupasst. Sein BIP von 2009 betrug ungefähr ein Viertel des brasilianischen. Brasilien war unter den BRIC-Staaten der Staat mit dem kleinsten BIP. Auch die Bevölkerungszahl von 49 Millionen liegt im Vergleich weit zurück. Experten sprechen von der strategischen Bedeutung Südafrikas: Das Land könne als „Einfallstor nach Afrika“ dienen.

 

40 Prozent der Weltbevölkerung

Mit der Aufnahme in den BRICS-Club wird Südafrika an Bedeutung gewinnen. Schließlich leben in den BRICS-Staaten mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die vier BRIC-Staaten haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt (laut Zahlen der Weltbank) zwischen 2000 und 2009 von 16 auf 24 Prozent gesteigert. Damit haben sie – in Kaufkraftparitäten gerechnet – die alten Wirtschaftsmächte überholt. 19 Prozent des Welt-BIPs kamen 2009 aus den USA und 22 Prozent aus der EU.

Ob allerdings das Gewicht der BRICS-Staaten durch die Aufnahme Südafrikas signifikant größer wird, bleibt abzuwarten. Die Relationen zur Weltbevölkerung und zum Welt-BIP verändern sich nur marginal. Südafrikas BIP von 2009 entspricht gerade einmal drei Prozent des BIPs der vier BRIC-Länder.

2009 trafen sich diese zum ersten „BRIC“-Gipfel. Sie suchen gemeinsame Standpunkte zu Themen wie Handelsschranken oder der Finanzmarktregulierung. Bei großen Gipfeln (zum Beispiel jenem der G20) vertreten sie die Interessen der Entwicklungsländern und versuchen mit geeinter Stimme der EU und den USA Paroli zu bieten. Die BRICS-Staaten lösen sich zusehends von diesen alten Wirtschaftsmächten los: Der Handel unter ihnen wächst seit zehn Jahren um 28 Prozent jährlich.

Bei so hohen Wachstumsraten müssen sich die Staaten aber auch Gedanken über eine drohende Überhitzung der Wirtschaft machen. Der Internationale Währungsfonds warnte erst diese Woche vor dieser Gefahr. Der chinesische Handelsminister kündigte an, dass die Gefahr von Inflation und Vermögensblasen bei dem Gipfel ein wichtiges Thema sein werde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2011)

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