Rückbau: Philips gibt TV-Sparte ab

18.04.2011 | 18:20 |   (Die Presse)

Es ist das Ende einer Ära. Philips, größte Elektronikkonzern Europas, trennt sich von seinem Sorgenkind und "verschenkt" sein verlustreiches Fernseh-Geschäft jetzt in ein Gemeinschaftsunternehmen nach China.

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Wien/Auer. Es ist das Ende einer Ära. Lange Jahre war Philips der Inbegriff der europäischen TV-Industrie. 80 Jahre lang baute der niederländische Konzern Fernsehgeräte. Heute ist Europas größter Elektronikkonzern verantwortlich für das jüngste Kapitel im Niedergang der Branche außerhalb Asiens. Philips trennt sich von seinem Sorgenkind und bringt die Mehrheit am TV-Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Auftragsfertiger TPV Technology ein.

Denn Gewinn brachte der Verkauf der Mattscheiben für Philips längst nicht mehr. Bescheidene 30 Prozent wollen die Niederländer vorerst an der Sparte behalten, die ihnen seit 2007 rund eine Mrd. Euro Verlust gebracht hat. Zu groß war die Billigkonkurrenz aus Asien, der in Europa in den vergangenen Jahren so traditionsreiche Firmen wie Grundig, Schneider oder Telefunken zum Opfer gefallen sind. Auch der größte deutsche TV-Hersteller Loewe ringt mit sinkenden Absatzzahlen und hat Kurzarbeit angemeldet.

Der größte Hersteller von Fernsehgeräten sitzt heute mit Samsung Electronics längst in Südkorea. Dem Druck der Hersteller aus Asien, die den Markt mit TV-Geräten regelrecht geflutet haben, konnte auch Philips nicht länger standhalten. Um die Problemsparte rasch aus den Büchern zu bekommen, „schenken“ die Niederländer das TV-Geschäft ihren bisherigen Lizenznehmern in China vorerst sogar. Erst später soll TPV Technology den operativen Gewinn des Joint Ventures ab 2012 an die Niederländer abtreten.

 

Marke Philips bleibt bestehen

Geld verdienen will der Konzern künftig mit Wellnessgeräten und Medizintechnik. Auf diesem lukrativen Markt besetzt Philips hinter General Electric und Siemens weltweit bereits den dritten Rang.

Das Ende der Philips-Fernseher besiegelt der Ausstieg der Niederländer aus dem TV-Geschäft aber nicht. Zumindest fünf Jahre lang wird das chinesisch-niederländische Joint Venture noch Fernseher Marke Philips verkaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2011)

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3 Kommentare

Konsumenten brauchen keine Qualität

Das zeigt auch wieder die Philips-Story. Wir alle wollen in Summe einfach nur was Neues kaufen, statt etwas hochwertiges zu haben. in nur wenigen Branchen gibt es noch HQ-Überbleibsel. Was bleibt? Regionale Dienstleister und der weltweite Massenmarkt... Elektronik ist ein gutes und trauriges Beispiel.

Gast: Quality goes East
18.04.2011 23:11
2

Aber die Träumer in Brüssel träumen noch von der Welmacht Europa

Ein Schrotthaufen ist das, mit Ausnahme der germanischen Länder.

Antworten Gast: markus trullus
19.04.2011 07:43
0

Re: Aber die Träumer in Brüssel träumen noch von der Welmacht Europa

Hat mit der EU und auch den Regierungen nix zu tun, sondern mit uns. Wir produzieren mit sozialen Gerechtigkeits- und Öko-Umverteilungsquoten von bis zu 80% gegen Leute, die hochgebildet um 5Dollar / Tag arbeiten. Das ist das Problem. Nix von Schrotthaufen, usw...

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