Experte: Sorge, dass in Spanien "viel gemogelt" wird

Nur die verbliebene Glaubwürdigkeit der EZB verhindere einen Euro-Absturz, sagt Kapitalmarkt-Experte Heinz Blasnik.

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A building is seen under construction in Madrid Friday Feb. 5,2010. Spains once-buoyant economy has s once-buoyant economy has
(c) AP (Arturo Rodriguez)

Während die Staatsanleihen Griechenlands, Irlands und Portugals von einem Tiefpunkt zum nächsten taumeln, ist der Wert der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar so hoch wie seit 15 Monaten nicht mehr. Der Grund für diesen offensichtlichen Widerspruch liegt darin, dass die Kapitalmärkte damit rechnen, dass es gelingt, einen Kern-Euro zu erhalten und dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht zu den Mitteln der US-Notenbank greifen wird, meint der Kapitalmarktexperte Heinz Blasnik.

Blasnik ortet einen "Run" auf die griechischen Staatsanleihen (bzw. von ihnen weg) und vermutet, dass der Zeitpunkt des Bankrotts nicht mehr allzuferne liegt.

"Restrukturierung ist nur mildes Wort für Bankrott"

"Restrukturierung ist in Wahrheit nur ein milderes Wort für Default oder Bankrott", sagte Blasnik am Freitag zur APA. "Bei Griechenland wird das wahrscheinlich schnell gehen, weil die Märkte enormen Druck machen." Schon der Bankrott von Argentinien vor zehn Jahren sei erfolgt, "als die Zinsen für die kurzfristigen kurzfristigen Anleihen 20 bis 25 Prozent erreicht haben". Für die zweijährigen Staatsanleihen Griechenlands werden nach einem beispiellosen Anstieg laut Bloomberg mittlerweile 23 Prozent verlangt.

Im Fahrwasser der Hellas-Bonds sind in den vergangenen Tagen auch die Schuldverschreibungen von Irland und Portugal abgetaucht (bzw. die Verzinsung gestiegen). Blasnik geht davon aus, dass es im Fall Griechenland sowohl zu einer teilweisen Schuldenstreichung als auch zu einer Erstreckung der verbleibenden Schulden kommen wird.

"Falsch und naiv"

Der Wiener Hedge Fonds-Berater berichtet in seinem Finanz-Blog regelmäßig über die Entwicklungen in der Eurozone. Blasnik beobachtet die internationalen Kapitalmärkte seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Die Annahme, dass sich wirtschaftlich so unterschiedliche Mitgliedsstaaten in einer gemeinsamen Währung mit gemeinsamen Zinsen annähern würden, "ist von Anfang an falsch und naiv gewesen." Das Gegenteil sei eingetreten. Die niedrigen Eurozinsen hätte die Griechen zu einem Kreditboom verleitet und die Blase sei unweigerlich geplatzt.

Alte Anliehen als heiße Kartoffel

"Die Schulden machen jetzt 145 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts aus und werden in zwei Jahren 160 Prozent sein - selbst, wenn die Regierung alles einhalten würde, was sie versprochen hat. Es ist nicht anzusehen, wie sie das jemals wieder auf die Reihe bringen können."

Der wirkliche Abverkauf der Griechenland-Anleihen habe aber erst begonnen, als bekannt wurde, dass die öffentlichen Hilfskredite vorrangig bedient würden - da hätten die Märkte begonnen, sich die alten Anleihen wie die heißen Kartoffel zuzuschupfen. Die eigentlich erst für 2013 vorgesehene Gläubiger-Beteiligung an einer Insolvenz sei von den Märkten "antizipiert worden".

Befürchtung, dass in Spanien "viel gemogelt" wird

Dass der Euro trotz der Schuldenkrise steigt - ein Euro liegt momentan bei 1,45 Dollar - erklärt Blasnik damit, dass die Märkte damit rechneten, dass die Gemeinschaftswährung vielleicht zur Ader gelassen, aber nicht völlig zerbrechen werde. Zentral sei auch, dass der Euro-Zentralbank eine gewisse Glaubwürdigkeit verblieben sei. Der Markt gehe davon aus, "dass die EZB standhaft bleiben und nicht zur Monetarisierung a la Fed greifen wird". Die EZB habe zwar auch ein Bond-Kaufprogramm laufen, das sei aber bei weitem nicht mit jenem der US-Notenbank vergleichbar.

Blasnik sieht die Chancen für Portugal besser als jene von Griechenland und Irland. Spanien habe durchaus Chancen, einer Pleite zu entkommen, die Regierung habe bisher alles eingehalten, was sie zugesagt habe. Andererseits sei aber zu befürchten, dass in Spanien "viel gemogelt" werde und das wahre Ausmaß der faulen Immobilienkredite nicht offen auf dem Tisch liege.

Blasniks Blog: www.acting-man.com

(APA)

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