Währungen: Euro steuert auf 1,50-Dollar-Marke zu

Die europäische Gemeinschaftswährung gewinnt gegenüber dem Dollar bereits seit Wochen rasant an Wert. Als Hauptgrund gilt die Schuldenkrise in den Vereinigten Staaten. Sie überschattet die Sorge um Griechenland.

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(c) AP (FABIAN BIMMER)

Wien/Stef. Als im Februar 2008 der Euro erstmals die Marke von 1,50 Dollar überschritt, war die Aufregung groß. Von einem „historischen Moment“ sprachen viele US-Medien. Der Dollar steckte in einer fundamentalen Krise. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kamen Zweifel an seiner Vormachtstellung auf, die der wenige Monate später folgende Bankrott von Lehman Brothers weiter verstärkte.

Zweieinhalb Jahre und eine zwischenzeitliche Talfahrt des Euro auf 1,20 Dollar später zeigt sich ein ähnliches Bild, trotz einer noch immer nicht überwundenen Eurokrise. Die von den USA ausgegangene Bankenkrise von damals ist heute eine Schuldenkrise. Das ausufernde Defizit der Amerikaner ist der Hauptgrund, warum die europäische Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent gegenüber dem Dollar gewonnen hat. Und es ist der Hauptgrund, warum zahlreiche Analysten davon ausgehen, dass der Euro bald die Marke von 1,50 Dollar neuerlich knacken könnte.

„Die Unfähigkeit des US-Kongresses, sich auf eine Anhebung der Schuldengrenze zu einigen, nährt Zweifel an einer nachhaltigen Fiskalpolitik“, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. Der derzeit bei 1,46 Dollar notierende Euro werde deshalb weiter zulegen, erwartet das deutsche Institut.

 

Wer steckt tiefer in der Krise?

Die USA überschritten kürzlich die vom Kongress festgelegte Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar – das entspricht 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. Einigt sich die Politik nicht bis Juni auf eine Anhebung, droht der größten Volkswirtschaft der Welt die Insolvenz. Noch tobt ein heftiger Streit, die Republikaner wollen nur zustimmen, wenn sich die Demokraten zu einem umfassenden Sparprogramm bekennen.

Tatsächlich ist die große Unsicherheit in den USA der Hauptgrund für die Bergfahrt des Euro, und keineswegs die eigene Stärke der EU. Die seit Wochen im Raum stehende Umschuldung Griechenlands müsste die Gemeinschaftswährung eigentlich belasten, sind sich Experten einig. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, warnte am Wochenende gar davor, dass eine griechische Insolvenz die Auswirkungen der Lehman-Pleite in den Schatten stellen könnte.

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Braucht Griechenland mehr Geld?

Dass die Inhaber von griechischen Staatsanleihen in irgendeiner Form zur Kasse gebeten werden, darüber zeigen sich mittlerweile fast alle Beobachter einig – intensiv diskutiert wird bloß noch der Zeitpunkt. Vor den Folgen warnt nicht nur EZB-Ökonom Stark, sondern beispielsweise auch das Investmenthaus Goldman Sachs.

Zwar sei ein „Haircut“ kurzfristig für Europas Banken nicht „tödlich“. Allerdings müsse die Zentralbank den Griechen schon bald „weiteres Kapital zur Verfügung stellen“, um Investoren in das Land zu locken, heißt es in einer Aussendung. Soll heißen: Mit der bereits erfolgten Nothilfe in Höhe von 91 Mrd. Euro könnte es nicht getan sein, die EU wird möglicherweise erneut Geld in Richtung Griechenland überweisen müssen.

Nicht zuletzt deshalb sprechen Analysten, etwa jene der Commerzbank, eher von einer Dollarschwäche als von einer Stärke des Euro. Das bestätigt auch ein Vergleich mit anderen Währungen: So hat der Euro innerhalb des vergangenen Jahres zum Beispiel gegenüber dem Japanischen Yen und dem Schweizer Franken deutlich an Wert verloren (siehe Grafik).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2011)

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