"Griechen-Pleite könnte Lehman in Schatten stellen"

26.04.2011 | 15:35 |   (DiePresse.com)

EZB-Chefökonom Jürgen Stark warnt vor einer Umschuldung des Landes. Ein schmerzfreier Weg aus der Krise sei eine Illusion, betont er.

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Es gebe "keinen schmerzfreien Weg aus der Schuldenkrise", sagt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark im "heute.de"-Interview. Er warnt vor der Umschuldung in Bedrängnis geratener Euro-Staaten. Eine Schuldenreduzierung erscheine zwar vielleicht als der einfache Weg, die zugrunde liegenden Haushalts- und Strukturprobleme würden dadurch aber nicht gelöst.

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"Die wirtschaftlichen und politischen Risiken, die eine Restrukturierung von Staatsschulden in einem industrialisierten, europäischen Land mit eng verflochtenen Finanzmärkten in sich birgt, sind schwer zu kalkulieren. Darüber hinaus wäre eine Umschuldung kurzsichtig und für das betroffene Land mit erheblichen Nachteilen verbunden", warnt Stark.

Einfache Schuldenreduzierung eine "Illusion"

Und Stark wird konkreter: "Die Regierung des betroffenen Landes wäre voraussichtlich auf unabsehbare Zeit von den Finanzmärkten abgeschnitten und auf fremde Finanzhilfe angewiesen. Darüber hinaus würde das Bankensystem der betroffenen Länder an die Grenze der Insolvenz gedrängt und für seine Stabilisierung müsste sich die Regierung erneut stark verschulden".

Es sei eine Illusion, eine Haushaltskrise durch einfache Schuldenredizierung zu lösen. "Die einzig tragfähige Möglichkeit ist die konsequente Umsetzung der Reformprogramme und die vollständige Rückzahlung aller ausstehenden Schulden".

"Könnte Lehman in Schatten stellen"

Stark hält eine neue Bankenkrise für möglich. Angesichts extrem miteinander verflochtener Finanzmärkte könnten die Folgen aber weitreichend sein. "Im schlimmsten Fall könnte die Umschuldung eines Mitgliedslands die Auswirkungen der Lehman-Pleite in den Schatten stellen. Diese Risiken werden in der aktuellen Debatte allzu oft vernachlässigt - zu Unrecht", fügt der Ökonom hinzu.

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Indes kommen aus Griechenland weitere Hiobsbotschaften. Die finanzielle Lage des Schuldensünders ist noch ernster als bisher bekannt. Die Europäische Statistikbehörde Eurostat revidierte am Dienstag die Haushaltsdefizite von Griechenland und Portugal weit über die nationalen Daten hinaus nach oben. Nach neuesten Zahlen lag 2010 in Griechenland der Fehlbetrag im Haushalt bei 10,5 statt 9,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Defizit Portugals belief sich auf 9,1 statt 8,6 Prozent. Erlaubt sind nach dem Maastricht-Vertrag höchstens drei Prozent.

Umschuldung weiter im Gespräch

Die schlechten Zahlen dürften die Diskussion um eine mögliche Umschuldung des pleitebedrohten Griechenlands befeuern. Vor einem Jahr hatten die Europäer und der IWF ein Hilfspaket von 110 Milliarden Euro geschnürt, um Athen vor dem Staatsbankrott zu retten.

Das griechische Finanzministerium führte das höhere Staatsdefizit am Dienstag vor allem auf den Einbruch der griechischen Wirtschaft zurück. Nach Angaben des Statistischen Amtes (ELSTAT) war die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent geschrumpft, wodurch die Steuereinnahmen sanken. Die Talfahrt dauerte auch in den ersten drei Monaten des Jahres an.

Zahlen lösen Unbehagen aus

An den Märkten und bei Volkswirten lösten die Daten Unbehagen aus. "Die heutigen Zahlen zeigen, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung der griechischen Staatsfinanzen noch sehr weit ist", schrieben Volkswirte der Commerzbank. Zwar habe Athen die Defizitquote im vergangenen Jahr gegenüber 2009 um knapp fünf Prozentpunkte von 15,4 auf 10,5 Prozent gedrückt. "Viele werden aber daran zweifeln, dass ähnliche Fortschritte in den kommenden Jahren möglich sein werden."

Von allen EU-Ländern stand Griechenland im vergangenen Jahr auch am schlechtesten beim öffentlichen Schuldenstand gemessen am BIP dar. Mit 142,8 Prozent war Athen absoluter Spitzenreiter - erlaubt sind 60 Prozent.

 

(Ag.)

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24 Kommentare
Gast: pinkbank
27.04.2011 08:25
1

sois!

Das Griechenland, Irland, Portugal etc. nicht ohne Staatsbankrott auskommen war sowieso klar. Wieso also das langsame leidvolle Sterben und warum hat die Führung anderer Länder (Deutschland, Frankreich, Österreich etc.) Interesse daran? Ganz einfach, die Banken dieser Länder sitzen auf den Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder. Würde nun zu früh ein Staatsbankrott ausgerufen werden, würden diese Banken neuerlich "Hilfe" brauchen und dies würden sich die Bevölkerungen nicht mehr gefallen lassen, also werden diesmal die Schulden langsam und anders "verstaatlicht". Aber keine Angst, Staatsschulden werden relativ schnell abgebaut indem die Inflation hoch getrieben wird.

Gast: mir reichts
27.04.2011 06:59
1

hauptsache

unser hervorragender, genialer vizekanzler verspricht den palästinensern 75 mill euro.

wir sind ja ein reiches land und haben überhaupt keine schulden, was sind schon läppische 205 milliarden?

wir machen eine inflation und schon haben wir gewinne.

Gast: gerechtiker
27.04.2011 00:54
0

verschuldet

bei wem ist die eurozone verschuldet?
bei wem ist die usa verschuldet?

staatsanleihen auflegen für die bürger, damit dann die bürger geschröpft werden, um die anleihen bediehnen zu können?

banken?
wer sind die banken?
die bürger schröpfen, um die banken zu subventionieren?
die bankaktionäre?

investoren?
wer sind die investoren?

welche volumina können diese bewegen im vgl. zu staatengemeinschaften?

Gast: ASVG-Sklave
26.04.2011 20:31
0

rien ne va plus


Die europäischen Staaten sind unwiderruflich verschuldet und vermehren ihren Schuldenstand mit jeder Minute. Allen voran die gelobten Zugpferde wie Deutschland, Benelux und Österreich.

Offizielle Schulden liegen derzeit bei ca. 7,3 Billionen Euro. (Davon entfallen alleine auf Deutschland 2 Billionen, das täglich mehr Kredit aufnehmen muss um seine kreditfinanzierten Export am Laufen zu halten).

Mit den versteckten Schuldenbergen beträgt die Gesamtverschuldung der EU an die 20 Billionen Euro.

Wer Euro lagert oder darin spart ist selbst schuld wenn er morgen aufwacht und von der Währungsreform ( = totale Wertlosigkeit des Euros) überrascht ist.

Die faule Ladung des trojanischen Pferdes:

die des Nächtens über die Bürger Griechenlands, via Sparpaketen, Teuerungen und Gebührenerhöhungen herfiel...
hat im (ohnehin schon strapaziertem...) sozialen Gefüge der Gesellschaft Griechenlands tiefe, existentielle Ängste und Hass gebrannt.

Während dessen die gleichen Politiker und ihre umgebende Kamarilla (die damals mit Goldman-Sachs konspiriert hatten UND €urostat betrogen haben)
nach wie vor die dicksten Batzen für sich und ihre Amigos ins Trockene bringen.
Das wahre Schicksal ihres Landes kümmert diese Leute in Wahrheit überhaupt nicht mehr, denn sie wissen: Uns kann keiner!
http://www.youtube.com/watch?v=yU18pvC25uM


Ja, ja

EU-Dampfplauderer und Österreichverräter wie Othmar Karas werden das natürlich uns Bürgern als Erfolgsgeschichte der EU verkaufen wollen.

Gast: I8
26.04.2011 19:31
1

ja, "schmerzfrei", aber für wen?

Schmerzhaft für die Leidtragenden der Krise,

Schmerzfrei für die Verursacher der Krise.

Es ist zwar himmelschreiend pervers, aber wie man sieht, dreht sich das Rädchen weiter und weiter.

Es wird sogar immer mehr Drehmoment (sic!) aufgebaut.

So traurig eigentlich nur, weil man sieht, wie weit "die Gesellschaft(en)" gekommen sind,
Sklaven von Medienpropaganda und Werbung,
sonst könnte das alles ja nur ein sehr unlustiges Spielchen sein, aber halt, es ist sogar real! (obwohl reale Werte eigentlich selbst im Finanzsystem nicht (mehr) bestehen)

traurig aber irgendwie witzig.

Gast: Ablenkung?
26.04.2011 19:07
2

...

Der "faule" Grieche, der über seine Verhältnisse gelebt hat. Der Partugiese/Spanier der den ganzen Tag in der Sonne liegt. So ein Blödsinn. Diese Staaten haben NICHT über ihre Verhältnisse gelebt. Zumindest nicht mehr als andere Länder auch. Jetzt nach enormen Bankenrettungspaketen und Konjunkturprogrammen sind auf einmal Staatsschulden da. no na net.
Die Diskussion über die Faulheit ist ein reines Ablenkungsmanöver. Starke Regulierung der Finanzmärkte JETZT!

Antworten Gast: mir reichts
27.04.2011 07:04
1

Re: ...

dann freuen sie sich doch, dass sie bis 70 arbeiten dürfen, damit die griechen mit 50 in pension gehen können,

dann freuen sie sich, wenn man den pensionisten den 13. und 14. wegnimmt, was garantiert noch kommt, natürlich nur den asvglern, denn die beamten haben wohlerworbene rechte

dann freuen sie sich, wenn sie demnächst 21 % mehrwertsteuer zahlen dürfen

dann freuen sie sich, wenn der staat in einer blitzaktion alle sparkonten und sonstigen anlagen einzieht, war ja schon zweimal in der geschichte so

oder freuen sie sich auf eine inflation, bei der sie von ihrem gehalt nicht einmal einen wecken brot kaufen können

Re: ...

ohne regulierung wären die bad-banken und bad-staaten längst verschwunden. leider dürfen sich banken hinter den regulatoren verstecken und müssen kaum transparent agieren.

ich möchte mit lieber eine mittelmäßige bank aussuchen können, als eine schlechte vorgeschrieben zu bekommen.

Gast: schonwiedereingast
26.04.2011 18:43
1

Nonanet, die EZB wird sagen, daß die Banken auf ihre Milliarden verzichten sollen,

Umschuldung heißt ja nur, daß die Gläubiger Griechenlands (also die Banken) auf einen Teil verzichten müssen.

Das Ende des Euro und der EU ist besiegelt...

und das wissen die echten Puppet Masters sowieso. Wer gut Englisch kann MUSS sich dieses Video anschauen. Ist ein Vortrag für Ranghohe US Politiker und Militärs. Die Wissen schon wohin der Zug fährt, sind aber unfähig oder willens rechtzeitig harte Entscheidungen zu treffen.

http://vimeo.com/18160394

Es gibt nur einen Weg: Aus der Eurozone ausschließen und Bankrott machen lassen...


Die Griechen haben Jahrzehnte gefaulenzt und gut und mit wenig Arbeit gelebt. WIR ZAHLEN NUN DIE RECHNUNG::::


Gast: Hinsichtlich & Rücksichtlich
26.04.2011 18:02
11

Also der Pepi Pröll hat versprochen,

daß die Griechen alles zurückzahlen und wir noch ein Riesengeschäft machen, weil die Zinsen die die Griechen zahlen müssen ja auch ein Haufen Geld sind. Und weil der Pepi ein Auskenner ist, glaub ich ihm auch alles. Ja der Pepi der kennt sich aus!
Und weil in der Zeitung auch dasselbe gestanden ist und die Zeitung immer nur die Wahrheit(!), schreibt glaub ich auch immer alles was in der Zeitung steht!

Ja so ist das!

Gast: eu_gen
26.04.2011 17:38
4

Mit 142,8 Prozent war Athen absoluter Spitzenreiter - erlaubt sind 60 Prozent.


Die Sanktion für das überschreiten der 60% besteht nun darin das andere Länder die Schulden bezahlen.

Sehr clever, muß man schon sagen

Gast: Satansferse
26.04.2011 17:28
7

Anekdoten

Als ich gegen Ende des letzten Jahrtausends noch zu Schulzeiten im Politikunterricht bemerkte: "Wenn die EU-Erweiterung eine gute Idee ist und wirtschaftlichen Nutzen stiftet, dann würden die Schweizer und Norweger drängen mitmachen zu dürfen. Da sie das nicht tun, befürchte ich, dass es sich nur um einen Umverteilung handelt."
Damals wusste ich noch nicht, welche (regierenden) Kräfte schon seit Jahren genau daran ein Interesse haben.

Der Lehrkörper vertrat vehement das Argument, dass Polen u. Co (nur) durch Beitritt von kriegerischen Handlungen abzuhalten seien, und das deshalb der Eintritt um jeden Preis zu befürworten sei.

Sowohl mein Mangel an Euphorie, als auch meine spontane Stigmatisierung der Polen als ein wenig kriegslüsternes Volk, wurde von diesem Lehrkörper entsprechend honoriert.
Hätte ich die Schnauze gehalten, hätte ich nen Einser bekommen, wie der Rest.
Verdammtes System.

Gast: Blödel
26.04.2011 17:19
9

Ich zahl gerne 50 % Steuern für Griechenland ...


... und alle fünf Jahre wähl ich SPVP!

Gast: pour le mérite
26.04.2011 16:21
10

Welch immenser Schaden für alle Europäer

durch diese idiotische Euro-Währung angerichtet wurde, läßt sich noch nicht einmal annähernd abschätzen.

Fakt ist, die finanzpolitischen Dummköpfe der EU haben in einer "Meisterleistung" halb Europa in nicht einmal 10 Jahren zu Grunde gerichtet....

Gast: GeierSturzflug
26.04.2011 16:19
4

Geilo-Mat

putzig, dieses Wehklagen in manchen Medien: die aaaaaarrrrmmmmennn Griechen sind von hhhhaaaaarrrtttten Sozialeinschnitten bedroht, nur weil die pöööössssen Kapitalisten soviel Zinsen verlangen. Wäre doch kein Problem! Kein Defizit, keine neuen Schulden! Oder leben die am Ende nur von der Dummheit der Anderen?!

Bonjour tristesse

Mal ein kleines Rechenbeispiel: angenommen die Griechen hätten drei Arten von Staatsanleihen: 3jährige, 5j. und 10j. Diese würden jeweils zu einem Drittel die Staatsschulden finanzieren und ihre Fristen seien gleichmässig verteilt.

Dann müssten innerhalb von 2 Jahren 42% der Staatsschuld refinanziert werden. Oben drauf kommt freilich die Neuverschuldung. In Summe wären das rund 150 Mrd Euro.

Da das Geld am Markt nicht zu bekommen ist, müssen bekanntlich andere Staaten einspringen. Dabei ist das Tempo mit dem die Schulden auf die neuen Gläubiger übergehen enorm. Das Rettungspaket für Griechenland ist praktisch jetzt schon aufgezehrt. Bald werden 2/3 der Schulden bei den EU Staaten liegen. Wer dann die Um- bzw. Entschuldung bezahlen darf, dürfte auch klar sein.

Gast: Seifenstyn
26.04.2011 16:04
4

Wer hat denn ...

den Griechen soviel Geld geborgt, ... ?
und soviel Zinsen kassiert ??

und je mehr Zinsen kassiert werden konnten, umsomehr Geld hat man an die Griechen gegeben !

Also diverse Fonds und sonstige "Finanzprodukte" haben sich richtig bedient an der "griechischen Verschuldung" na dann sollten wir einmal jene Pensionskassen etc. glatt "anrennen lassen"

Wer Forderungen hat, die nix wert sind muß sie "ausbuchen" div. Pensions- und Abfertigungskassen sollten also ihre Bücher wertberichtigen,---
Nicht dass wieder der Steuerzahler die "Ansprüche" retten muß, .... und dann die Staatsschulden steigen und die Pensionen aus der gesetzlichen SV nicht bezahlt werden können um die Zweit- und Dritt-Pension der Geizhälse zu sichern.

Antworten Gast: Milchmädchen
26.04.2011 17:14
7

Re: Wer hat denn ...

Ja die französischen Banken haben sich in Griechenland eingekauft und alles genehmigt. Wie es dann ans Zahlen gegangen ist, wollten die französischen Banken von Frankreich Unterstützung. Nachdem Frankreich kracht wie ein ofenfrisches Baguette haben die es an die EU weitergereicht, damit wir alle zahlen dürfen. Sarkozy und seine Schneckenfresser machen sich ein schönes Leben auf unsere Kosten. Ja alles abwälzen, der Berlusconi und der Sarkozy gehen fest bei der Merkel balzen und die blöde K.. glaubt, dass sie so schön und so klug ist und macht ihr Kreuzerl darunter. Und weil die ihr Kreuzerl gemacht hat, haben unsere Almdolm ebenso ein Kreuzerl darunter gemacht. Zahlen sowieso wie Steuerzahler, dafür kürzen wir ein wenig die Pensionen. Pfui mir graust.

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