EU-Experte Breuss: "Administrativer GAU" droht

06.05.2011 | 14:22 |   (DiePresse.com)

Der Euro-Plus-Pakt könnte sich zu einer "Schattenregierung" neben der EU-Kommission entwickeln. Ohne Rettungsschirm "hätte es die Eurozone zerbröselt", sagt der Wirtschaftsprofessor.

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Das "Euro-Plus-Pakt" ("Sixpack"), das im Juni 2011 verabschiedet werden soll, um den Stabilitäts- und Wachstumspakt zu reformieren, könnte nach Ansicht von Wirtschaftsprofessor Fritz Breuss zu einem "administrativen GAU" führen - die Kosten des zusätzlichen Berichtswesens könnten die Vorteile der zusätzlichen Koordinierung überwiegen, warnte Breuss. Auch könnte sich der Pakt, mit dem die Staats- und Regierungschefs der Eurozone vor allem die Staatsschuldenkrise mehrere Euroländer in den Griff bekommen wollen, sich zu einer "Schattenregierung" neben der EU-Kommission entwickeln, glaubt er.

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Euro funktionierte in "Schönwetterperiode"

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt habe nicht gewirkt, der Lissabon-Prozess sei gescheitert, sagte Breuss. Den Euro-Rettungsschirm sieht Breuss als einzig Handlungsmöglichkeit, "sonst hätte es die Eurozone zerbröselt". Immerhin habe aber die Eurozone in den ersten zehn Jahren, während einer "Schönwetterperiode", gut funktioniert, so Breuss, der Euro sei zur zweiten Weltwährung geworden.

Die geplanten Strafen für Budgetsünder lehnt Breuss ab. Ein Schönheitsfehler ist für ihn auch, dass zwar Strafen gegen Länder angedroht werden, die ihre "makroökonomischen Ungleichgewichte" nicht in den Griff bekommen, sich diese Drohung aber offenbar nicht gegen Deutschland mit seinem permanenten Leistungsbilanzüberschuss richte.

Den so genannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) fehle es an Wettbewerbsfähigkeit. Die Folgen von zu hohen Stückkosten konnten diese Länder früher durch Abwertungen ihrer nationalen Währungen ausgleichen. Die Beseitigung dieser Ungleichgewichte zwischen den Euro-Ländern "lässt sich nicht mit einer Verordnung lösen". "Man müsste die Löhne in Portugal und Griechenland um 20, 30 Prozent senken, das ist nicht durchsetzbar, da gäbe es Revolutionen."

(APA)

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4 Kommentare

Bankenkriese

Das einzige was es zerbröselt hätte wären unsere Banken gewesen. Wäre vermutlich noch immer die beste Option das Bankenssystem kollerbieren zu lassen.
Unser Banken haben schlechten Schuldner Kreidite gewärht die Sie nie zurückzahlen können und haben dafür höhere Zinsen kassiert.
Aufgrund der "Rettungspakete" tun Sie dies jetzt sogar noch in noch stärkerem Ausmaß.
Grichenland soll einen Haircut verkünden, kiregt hatl keinen neuen Kreidit mehr und muß AB SOFORT ein ausgeglichenes Budget bzw. übershcüße erwirtschaften und unsere Banken ahben einen Abschreibungsbedar und wenn die eine oder andere kollerbiert egal, gibt ja genug.
Spareinlagen sind dann ein paar weg, aber sind die Leute selber schuld, wenn Sie Ihr geld auf Sparbuch legen, bei Aktien oder Gold wär Ihnen das nicht passiert.

Die Verursacher der Kirese sollen Zahlen, dass sind die Kreditnehmern, allso die PIGS die schlagartig nach einem Haircut Ihr Budet sanieren müssen und unsere Banke die so gierig udn Blöd waren Kreidt zu gewähren,
NICHT WIR!
Wir sind systemrelevant, nicht die Banken!

Gast: Reflector
08.05.2011 22:49
1 0

Die EU

wird es ohnhin zerbröseln, was im Übrigen nicht schade ist.

Lediglich alles was dieses Zerbröseln früher geschehen läßt, macht es 'billiger', was es hinauszögert, 'teurer'.

Gast: iokukawa
07.05.2011 01:14
1 0

Man müsste doch bloß die Löhne in Deutschland, Österreich, Frankreich usw. um 20 oder 30 Prozent erhöhen,

und zwar nur in der Privatwirtschaft.
Das ist garantiert durchsetzbar, da gibt es garantiert keine Revolutionen.

Revolutionen gibt es nur, wenn Arbeitnehmer, deren Löhne mit Kinderarbeit in der 3. Welt konkurrieren müssen, mit ihren Steuern und Abgaben ein europäisches Luxusstaatswesen mit Luxusbeamtenlöhnen und -pensionen erhalten müssen.
Ist doch klar daß sich das nie im Leben auf Dauer ausgehen kann.

"Administrativer GAU" ist ja ganz "lieb" ausgedrückt...

...für das was wirklich kommen wird.
Hans Werner Sinn sagte es kürzlich um einiges deutlicher, wahrscheinlich ist er weniger subventions- und regierungsabhängig als der Herr Professor.
Das was bis bis jetzt geschah war nicht die Schönwetterperiode, sondern die ersten 10 Jahre eines unausweichlichen Auseinanderdriftens, das die Politiker mit ihren infantilen Transferprogrammen reparieren wollen. Das funktioniert ungefähr so wie wenn dir Federer nach 6:0 6:0 3:0 aus Mitleid 3 Games schenkt. Auch da soll es Typen geben die glauben, ab jetzt wird das Match sicher ausgeglichen weitergehen....

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