Rückkehr zur Drachme? Wilde Gerüchte um Griechenland

Spekulationen um Beratungen von EU-Finanzministern über einen Austritt Athens aus der Eurozone sorgten am Freitag für eine Dementi-Flut.

Tritt Griechenland aus der Eurozone aus?
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Tritt Griechenland aus der Eurozone aus?
(c) EPA (ORESTIS PANAGIOTOU)

[Wien/ag/red.] Verwirrung herrschte Freitag Abend um ein angebliches Krisentreffen in Luxemburg: Athen erwäge aus der Eurozone auszutreten und zur alten Landeswährung, der griechischen Drachme, zurückzukehren. Zudem stehe auch eine baldige Umschuldung im Raum. Ein Treffen von Eurozonen-Finanzministern und Vertretern der EU-Kommission sei anberaumt worden – alles unter strenger Geheimhaltung, versteht sich. Das berichtete „Spiegel-Online“ am Freitag. Stimmt nicht, konterte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Davon wisse man nichts.

Unklar war, ob und wie viele Staaten sich an dem behaupteten Geheimtreffen beteiligten. Eine EU-Quelle berichtete von den drei G8-Mitgliedern im Währungsraum, also Deutschland, Frankreich und Italien. Eine weitere Person sagte, auch Vertreter der Staaten mit der besten Bonitätsnote AAA seien beteiligt, etwa die Niederlande, Österreich und Finnland. Das wurde im Finanzministerium in Wien der „Presse“ gegenüber zurückgewiesen. Ein Sprecher von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte am Abend: „Ich verneine vollkommen, dass es ein Treffen gibt. Diese Berichte sind falsch.“ Griechenland dementierte, dass es die Währungsunion verlassen wolle. Solche Meldungen würden nicht nur dem Land, sondern auch der Gemeinschaftswährung schaden.

Der Euro gab nach Bekanntwerden der Gerüchte gegenüber dem Dollar nach und fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Wochen.

Erdrückender Schuldenberg

Schon seit längerem wird immer wieder über eine Umschuldung Griechenlands spekuliert. Vor wenigen Tagen heizte Griechenlands Finanzminister selbst die Gerüchteküche an: „Es wäre besser, wenn wir die Rückzahlung der 110 Mrd. Euro verlängerten“, sagte Giorgos Papakonstantinou.  Die Anleger waren zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon beunruhigt: Die Zinsen für griechische Anleihen erreichten derart hohe Werte, wie man sie seit der Einführung des Euro nicht gesehen hatte. Der ursprüngliche Plan Athens war eigentlich ein anderer: Griechenland sollte sich ab 2012 zumindest teilweise selbst auf dem Kapitalmarkt refinanzieren. Ob dies jedoch möglich sein wird, ist fraglich. Schließlich sitzt Athen auf einem erdrückenden Schuldenberg: Allein die Neuverschuldung hat im Vorjahr statt der prognostizierten 9,6 Prozent 10,5 Prozent erreicht.

Derzeit wird der Kreditbedarf durch das 110 Mrd. Euro schwere Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds und der EU finanziert. Dieses war vor rund einem Jahr beschlossen worden.
Einige sind nun der Ansicht, dass an den jüngsten Gerüchten doch etwas dran sein könnte. Vielleicht wolle man die Marktteilnehmer auf eine baldige Umstrukturierung der griechischen Schulden einstimmen. Dabei würden die Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben. Zu den Gläubigern zählen unter anderem europäische Banken und Versicherungen, aber auch die Europäische Zentralbank als Inhaber von Staatsanleihen. Einer Analyse von Goldman Sachs zufolge würde ein 60-prozentiger Schuldenschnitt allen europäischen Banken Verluste von 41 Mrd. Dollar bringen.

("Presse"-Printausgabe, 7. Mai 2011)

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