Griechenland: "Alle Alternativen sind schrecklich"

10.05.2011 | 18:10 |  Von unserer Korrespondentin EVA MALE (Die Presse)

Athen habe drei Möglichkeiten, der Lage Herr zu werden, sagt der Chef des Ifo-Instituts. Der Kreditfluss sollte jedoch reduziert werden. Das Land sitzt auf einem Schuldenberg von 340 Mrd. Euro.

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Berlin/Athen. „Wir brauchen den Euro.“ Das stellte Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts und Wirtschaftsprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität, gleich einmal klar. Er wolle nicht als Kritiker des Euro missverstanden werden, sagte er zu Beginn seines Vortrags an der Humboldt-Universität in Berlin, der Montagabend einen großen Hörsaal prall füllte. Der Titel: „Warum Deutschland ein Schulden-Tsunami droht“.

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Aus aktuellem Anlass kommt Sinn schnell auf Griechenland zu sprechen, und auch hier will der Ökonom ein Missverständnis aufklären: Er fordere nicht den Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Gerade erst hat Sinn gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen Austritt Griechenlands als „das kleinere Übel“ bezeichnet. Dann nämlich könne es abwerten und wieder wettbewerbsfähig werden, so seine Erklärung. Dies sei aber keine Empfehlung gewesen, präzisiert er nun, er habe lediglich die Möglichkeiten aufgezählt; die Journalisten neigten dazu, Dinge zu überspitzen. „Ich möchte es eine griechische Tragödie nennen“, führt Sinn an der Humboldt-Universität aus; eine solche sei dann gegeben, „wenn die Handlungsalternativen alle schrecklich sind“.

 

1500 Mrd. Euro schwere Rettung

Prinzipiell gebe es für den hoch verschuldeten griechischen Staat drei Varianten. Erstens: Fortdauernde Transfers, was langfristig nicht möglich sei. Zweites: Austritt aus dem Euro und Abwertung der Landeswährung („Die Banken muss man dann neu aufstellen“) oder drittens: interne Abwertung (etwa durch Lohnkürzungen). Aber auch Letzteres gehe nicht, jedenfalls nicht im nötigen Umfang – „das würde das Land an den Rand des Bürgerkriegs bringen“.

Er sei für die EU-Rettungspakete, betonte Sinn, sie dürften aber nicht zu groß werden. „Was auf dem Tisch liegt, entfernt uns von der Lösung.“ Die einzige Möglichkeit bestehe darin, den künstlichen staatlichen Kreditfluss „allmählich und behutsam“ zu reduzieren. „Dieses Zudrehen des Hahnes vermisse ich bei den Rettungsaktionen.“

Die Rettungspakete belaufen sich, wie Sinn vorrechnet, auf 1500 Mrd. Euro, das Ausfallrisiko für Deutschland betrage knapp 400 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr haben die EU und der Internationale Währungsfonds allein Griechenland Hilfskredite von 110 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Das Land sitzt auf einem Schuldenberg von 340 Mrd. Euro.

„Wir sind im dritten Kapitel der Griechenland-Story angelangt“, sagt Sinn. Erstens: exzessive Kapitalströme. Zweitens: die heimliche Finanzierung der GIPS-Länder (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien) durch EZB-Kredite, drittens: die offiziellen Rettungsaktionen. „Die Lage spitzt sich zu.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2011)

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203 Kommentare
 
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Gast: Huber
24.06.2011 21:05
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Sinngemäß

Zitat: Wir brauchen den EURO

Den Euro haben wir zu keiner Zeit gebraucht, Wir wurden von der Politik dazu gezwungen und größtenteils bei der Umstellung betrogen.
Zwang und Betrug wird sich aber auf Dauer nie, ich betone nie durchsetzen.
Und die größten Verbrecher Deutschlands bezeichne ich die damalige Regierung, Kohl und Waigel ect. Das wir sich noch einmal bitter rächen, die EU zerfällt in ihre einzelnen Bestandteile !

Gast: Goggi
15.05.2011 09:02
0

Griechenland- Sparmaßnahmen

Dummheit siegt!
Um hier Griechenland nur irgendeine Chance auf Wirtschaftsankurbelung zu geben, muß - so schade es ist- der Euro für die Griechen weg.
Mit der Einführung- z.B. der Drachme- kann ein entsprechender Wechselkurs zum Euro gebildet werden, und dem Land die Möglichkeit zu Abwertung und Intensivierung des Exports gegeben werden!
- O.K., Griechenlandanleihen , die ja aufgrund des höheren Risikos ohnedies sehr hoch verzinst wurden, würden dann ebenfalls in Drachmen umgewandelt, und weniger wert!
Einige Banken, institutuonelle und private Investoren würden dann halt Abschreibungen hinnehmen müssen.
-Aber das ist eben Wirtschaft!
Der Euro kann dann durchaus wieder eingeführt werden- auf Basis gesunder Wirtschaftsdaten, welche überprüfbar- und bei Nichteinhaltung- auch strafverifiziert werden können!

Gast: litzelo
13.05.2011 01:04
0

Alle Alternativen sind keineswegs schrecklich

Gr ist insolvent und wird immer insolvent bleiben.
Es sei dann nach einer geregelten Insolvenz.
1. Banken müssen abschreiben. (Kredite vergeben ist nun mal riskant, die Banken haben kein Versicherungsverhältnis mit den Steuerzahlern. Die Politik darf sich nicht erpressen und von den Banken nötigen lassen, unser Steuergeld zu stehlen.)
2. Löhne, Pensionen auf ein bezahlbares Maß runter. (Gr-Urlaub ist viel zu teuer)
3. Verwaltung radikal verkleinern.
4. ausgegliche Bilanz (frag Seehofer oder die Schweizer. (ES GEHT, sehr viel Privilegien müssen abgeschafft werden, und zwar ab MORGEN)
5. Neustart
und alles wird gut

Solidarität mit unseren griechischen Genossen!!

Solidarität mit unseren griechischen Genossen!!

Re: Solidarität mit unseren griechischen Genossen!!

Und wie?

Gast: alter Schilling
11.05.2011 20:17
0

Unfaßbar !

Griechenlands Industrieproduktion ist jetzt sogar unter dem Stand von 1995 zurückgefallen.

Das Land kann mit sparen nie aus der Krise kommen, und trotzdem pumpt man wieder 60 Mrd. Euro in das Land....zur Rettung der Großbanken, die die griechischen Staatsanleihen haben....und der Steuerzahler muss das alles zahlen.

http://www.querschuesse.de/griechenlands-industrieproduktion-im-marz-2011-mit-8-zum-vorjahr/

Gast: Öko-Vergelter
11.05.2011 18:10
0

Faktor 10

Es gibt dutzende Möglichkeiten, um Geld zu sparen. Z. B. können die herkömmlichen Häuser durch Passivhäuser ersetzt werden. Diese benötigen 10-mal weniger Energie. Und die herkömmlichen Autos können durch 0,9-Liter-Autos ersetzt werden. Zudem kann man den €uro durch regionale Gelder mit Umlaufgebühr ersetzen. Dann ist eine Geldhortung der Reichen nicht mehr möglich.

Re: Faktor 10

Bin voll dafür. Sehe nur das Problem, wenn es keine Reichen mehr gibt, wen zocken wir dann ab? Bitte um Vorschläge

Alternativlos

Interessant, es wird gelernt.
Nachdem erkannt wurde, dass das Wort "Alternativlos" nicht so gut bei der Bevölkerung ankam, läßt man jetzt doch Möglichkeiten zu:

"Die Alternativen sind schrecklich"

Das mag schon sein. Es stellt sich nur die Frage: Für wen diese Alternativen schrecklich sind? Für die deutschen und französichen Banken?


Gast: Bonn
11.05.2011 16:54
0

Verweigerung von Reformen

Griechenland hat noch nichts erreicht. Die Änderungen sind maginal. Das Land gehört unter die Zwangsverwaltung der EU. Nur so kann etwas geändert werden. Die Regierung versucht seit Monaten etwas zu verhandelt was nicht zu verhandeln ist.

Gast: Entropie
11.05.2011 16:49
1

Tja, Ihr Weichwissenschafter - Gegen die Naturgesetze ist eben nichts auszurichten


Gast: gast45
11.05.2011 13:54
1

gegen einen türkeibeitritt ..

ist das ein kindergeburtstag .. da wackelt ein 7 millionen volk - und niemand sieht sich mehr raus.

und was passiert wenn ein 80 Mio volk (geschätzt
dann etwas mehr als ein viertel der EU-bevölkerung) ein problem hat (ist ja jetzt schon zu sehen .. dauert nur mehr zwei jahre, und dann weisz es ein jeder)

offenbar gibt es noch immer politiker, die nicht mal die vier grundrechnungsarten beherrschen.
sicher der barroso als portugiese ist für einen türkeibeitrittl... sie müssen ja die deutschen überstimmen, die als melkkuh nicht mehr herhalten wollen ....

Gast: Ender
11.05.2011 13:53
0

EU

Es sollte sofort Schluss sein mit den Geschenken an die Budget-Sünder wie Griechenland, Irland und Portugal!
Wir zahlen mit unseren Steuern die Sozialleistungen dieser Staaten die sie sich nicht leisten können, und uns werden diese Sozialleistungen die sich Österreich leisten könnte - wenn es nicht immer Milliarden an die EU bzw. anderer Mitgliedstaaten überweisen muss - gekürzt!

Wir müssen Arbeiten damit die Griechen - so wie heute - f au l in der Sonne liegen können...

Antworten Gast: Tachynierer
11.05.2011 15:56
0

Re: I dachinier gauns unscheniad,weu oabeid eh nua dwöd ruiniad !


Gast: niederösterreicher
11.05.2011 13:11
0

Es gibt keine Alternative!

Der Euro bringt Stabilität und Sicherheit.
Die schwachen europäischen Volkswirtschaften können ihre Währung nicht mehr als Waffe gegen die leistungsstarken Volkswirtschaften einsetzen, sondern müssen selbst etwas leisten.
Deshalb ist der Euro gut und stärkt Europa als Wirtschaftseinheit.

Antworten Gast: Oberösterreicher
11.05.2011 15:52
2

Re:"Es gibt keine Alternative!" sagen die Ahnungslosen, wenn sie nicht mehr weiterwissen !

Als Ironie könnte man Ihren Beitrag durchgehen lassen - ernst nimmt das niemand mehr.

Gast: EU Gegner
11.05.2011 13:08
4

Varga in der ZiB

Bevor die Politiker zugeben dass Griechenland Pleite ist, schicken sie lieber weitere Milliarden dorthin. Ist das irre, sind es die Politiker oder ist es beides.

Gast: Faulenzer
11.05.2011 12:38
2

Das habt Ihr Fleißigen nun davon - jetzt dürft Ihr mit Eurer Beute die Faulenzer raushauen - recht geschieht Euch !


Gast: Pro EU Stimmer
11.05.2011 12:33
3

wegen griechenland wird die eu nicht scheitern !

die eu ist einfach (fast) keine wirtschaftsunion sondern eine subventionsunion.....banken,bauern,beamte,arbeiter, ganze industrie'n warten nur aufs fördergeld,staatshilfegeld,arbeitslosengeld,kindergeld,wohngeld,geld für das beschäftigen von arbeitern,geld für den ganzen erneuerbare- energie schmäh etc. etc. ......die "paar %" die ihr geld noch durch eigene kraft verdienen u. nettozahler ins system sind können den karren nicht weiter ziehen.....schlicht gesagt:der subventions- union geht das geld aus.....die masse der eu- bürger muss dringend zu mehr leistung/arbeit (u. weniger vom staat leben)angehalten werden für die sie natürlich angemessen bezahlt werden muss....ein unternehmen gründen(auch ein kleines)muss sich wieder auszahlen bzw. muss man die aussicht darauf haben.....denn wie gesagt mit "nur" nettoempfängern ist kein staat zu machen ,auch kein eu- staat.....ps. es müssten auch dringend leute her die wirklich etwas von wirtschaft u. finanzen (durch erfahrung)verstehen....dann muss eben für solche ämter mehr gehalt bezahlt werden.....den mit diesen jetzigen grösstenteils dilettanten(trotz doktorarbeit) fahr'n die "bösen"spekulanten(ohne dissertationsschrift) nähmlich wie man sieht schlitten....

Inseln verkaufen

die Griechen sollen den Türken ein paar Inseln verkaufen und somit ihre Schulden tilgen, wenn sie mit dem Geld nicht umgehen können.

Das nächste Bankenrettungspaket kommt bestimmt.

http://www.banken-volksbegehren.at

Antworten Gast: Spendenaufruf
11.05.2011 16:54
0

Re: Wiederholungstäter helfen Wiederholungstätern !


Gast: Cronos
11.05.2011 11:51
1

Papiergeld ohne inneren Wert

Ob US-Dollar, Euro, oder japanischer Yen, zu einer wertlosen Währung haben es alle drei nicht mehr weit.
Die Staatsschulden in den Ländern jener Papiergeldwirtschaften sind derart astronomisch hoch,
dass sie niemals mehr zurückgezahlt werden können.
Das war auch nicht beabsichtigt, denn nur ungedecktes Papiergeld kann von den Banken beliebig vervielfältigt werden.
Große Milliarden- und Millionenbeträge werden per Knopfdruck im vollelektronischen e-Banking geschaffen.
So wird auch Papier gespart.
Das dürfen nur die Banken, deshalb sagt man den Bürgern des Volkes auch, dass die notwendigen Rettungen alternativlos wären und die jeweiligen Banken oder Staaten absolut systemrelevant.
Diese Ausreden sind nicht mehr glaubwürdig.
Unser Geld-System ist korrupt, weil es von den Machthabern jederzeit mißbraucht wird.
Es ist aber in erster Linie deshalb korrupt, weil dieses "Geld" beliebig vermehrbar ist.
Nur Gold und Silber, oder andere begrenzte werthaltige Güter, sind die Basis für ein nachhaltiges Geldsystem.
Die geforderten Einschränkungen und Sparmaßnahmen müßten dann wirklich von allen getragen werden.

Gast: ökonomie
11.05.2011 11:49
1

EU Politiker sind EURO Flickschuster

Dass die führenden Politiker in der EU von der Ökonomie keine Ahnung haben ist wohl allen klar. Dass sie aber auf den Rat erfahrener Ökonomen nicht hören entspricht ihrem Berufsverständnis. Beginnend mit Griechenland wurden keine wirklichen Lösung angestrebt sondern es wurde nur das Geldsackerl aufgemacht. Jetzt rennen sie mit gutem Geld dem schlechten nach, neuerlich keine wirklichen Lösungen sondern nur punktuelle Maßnahmen. Sie haben nichts aber auch gar nichts gelernt und am Ende sind wir die Dummen die zahlen wie bei der Asylpolitik. Dann kommen die Forderungen der Caritas und der Grünen nach Besteuerung der Österreicher, Verschiebung des Pensionsalters, Kürzung der Sozialleistungen für jene die ein Leben lang für diesen Staat gearbeitet haben und und und. Die vierte europäische Währungsunion nach der lateinischen, skandinavischen und Österreich-Deutsch-Liechtensteinischen wird, spätestens beim nächsten wirtschaftlichen Einbruch - jedenfalls teilweise - Geschichte sein. Alle Politiker die uns das eingebrockt haben sollten dann mit ihrem Privatvermögen haften, gesetzliche Bestimmungen dazu wären anzudenken.

Gast: APBrug
11.05.2011 11:38
1

Austritt größt möglicher Unsinn!

Mir ist unerklärlich wie anerkannte Ökonomen immer wieder die Möglichkeit eines Euroaustritts Griechenlands erwähnen ohne einmal über die Folgen nachzudenken.
Wahr ist, dass eine Abwertung der neuen Währung die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen würden. Wahr ist aber auch, dass Griechenland seine Schulden fast zur Gänze in Euro hat und somit eine Abwertung der neuen Währung zu einer Vervielfachung der Schulden führen würde. Zudem würden Anleger sofort versuchen aus all ihren Anlagen in Griechenland rauszukommen. Ein Bankencrash wäre unausweichlich. Sinn nennt das "Banken neu aufstellen".
Ganz abgesehen von den direkt Griechenland betreffenden ökonomischen Folgen wären die Folgen für das europäische Projekt und den Euro unabschätzbar. Ein Austritt aus der europäischen Währung ist in den Verträgen nicht vorgesehen. Wie kann eine "ever closer Union" einfach ein Land aus der Währungsunion werfen. Das Vertrauen der Finanzmärkte in Europas Solidarität wäre auf Jahr(zehnt)e dahin. Politisch könnten wir einen riesigen Bruch erwarten.
Die Folgen wären nicht kontrollierbar und können nicht abgeschätzt werden.
Griechenland und Europa sind in einem Dilemma. Auch wenn im Moment niemand weiß wie das Problem gelöst werden kann, so sollte man nicht auf den reinigenden Big Bang hoffen, denn der könnte viel mehr zerstören als aufräumen!

Antworten Gast: Lutz Berger
11.05.2011 13:35
0

Re: Austritt größt möglicher Unsinn!

Es ist zu befürchten, daß den Griechen das eigene Hemd näher ist wie die Jacke namens EU/EURO.
Es sieht danach aus, daß eher Europa ein Problem hat und weniger die Griechen.
Griechenland kann aus der EURO-Zone und der EU austreten, die Drachme wieder einführen und die Schulden mit Zins und Tilgung zunächst einfach nicht mehr bedienen.
Für die Übergangszeit wird das Land einen Finanzier in Asien finden.

 
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