Kritik an "Griechen-Scharfrichter Österreich"

"Financial Times Deutschland" übt Kritik am "selbsternannten Musterschüler" Österreich. Auch dort sei nicht alles Gold, was glänzt.

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(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

"Financial Times Deutschland" bezeichnet Österreich in einem aktuellen Beitrag als "selbsternannten Musterschüler". Aus kaum einem anderen Land komme so harte Kritik an den Euro-Krisenstaaten wie aus Österreich, heißt es. Dabei zeige ein genauer Blick, "dass auch in der Donaurepublik nicht alles Gold ist, was glänzt".

Alpenrepublik als "harter Hund"

Als Beispiel angeführt wird der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny, der im Gegensatz zu anderen EZB-Funktionären wenig zurückhaltend in seiner Kritik an Griechenland sei. "Der erste Schritt muss auf der griechischen Seite sein. Erst wenn man hier eine klare Sicht hat, dann muss man überlegen, ob eventuell noch zusätzliche Ergänzungen zum bestehenden Programm notwendig sein", hatte er gesagt.

Und Finanzministerin Maria Fekter hätte sich ebenfalls als "harter Hund" erwiesen, als sie Griechenland mitteilen ließ, dass kein Geld fließen werde, ehe man seine Hausaufgaben nachgeholt habe. Zudem hatte sie dem Land vorgeworfen, einen Staatsanteil in der Wirtschaftsstruktur aufzuweisen, den Österreich in den 1970er Jahren verzeichnete.

"Nicht alles ist Gold, was glänzt"

Die Zeitung bemäkelt vor allem den österreichischen Bankensektor: "Wie in kaum einem anderen Land litt der Bankensektor unter der Krise, die die osteuropäischen Staaten erwischte". Die großen Banken hätten Staatshilfe gebraucht, um zu überleben. Und die Banken würden weiterhin als Achillesferse des Landes gelten: "Kritisch ist, dass es zu viele zu große und als systemrelevant einzustufende Banken gibt".

Zwar seien die BIP-Zahlen und die Wirtschaftsaussichten positiv, doch es sei nicht alles Gold, was glänzt. Aufgrund neuer Regeln musste Österreich in die Defizitberechnung bislang ausgelagerte Bereiche miteinbeziehen, weshalb das Defizit mit 4,6 Prozent auf dem Niveau von Italien gelegen sei. Zitiert wird auch der Chefökonom der Citigroup, der sagt, dass Österreich aufgrund der Größe des Bankensektors seine Topnoten bei den Ratingagenturen nicht verdienen würde.

(Red.)

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