EZB warnt vor Kettenreaktion nach Umschuldung

EZB-Chefvolkswirt Stark sieht bei einer Umschuldung den Wert der griechischen Staatsanleihen gefährdet. Die Europäische Zentralbank akzeptiert Sicherheiten nur zum aktuellen Marktwert.

EZB-Chefökonom Stark sieht Gefahren bei einer Griechenland-Umschuldung
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EZB-Chefökonom Stark sieht Gefahren bei einer Griechenland-Umschuldung
(c) EPA (Orestis Panagiotou)

Eine Umschuldung Griechenlands würde nach Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark die Refinanzierung der dortigen Banken in Gefahr bringen. Stark gab bereits am Mittwoch auf einer Konferenz in Athen zu bedenken, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Falle einer Umschuldung griechische Staatsanleihen eventuell nicht mehr als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften akzeptieren könnte. Stark warnte den Angaben zufolge davor, dass dann nicht sicher sei, ob die EZB dem griechischen Bankensystem dann noch wie gewohnt Liquidität zur Verfügung stellen könnte.

Griechische Staatsanleihen unbrauchbar

Die EZB akzeptiert Sicherheiten nur zum aktuellen Marktwert abzüglich eines von ihr selbst definierten Abschlags. Käme dazu noch ein Abschlag durch eine Umschuldung wären griechische Anleihen de facto kaum mehr etwas wert und entsprechend unbrauchbar für Refi-Geschäfte mit der EZB. Dies träfe die griechischen Banken ins Mark: Um an frisches Geld der EZB zu kommen, müssen Geschäftsbanken bei dieser Wertpapiere als Sicherheit dafür einreichen.

Wegen ihrer normalerweise hohen Ausfallsicherheit und Liquidität an den Märkten gehören Anleihen von Staaten zu den beliebtesten Sicherheiten. Zudem machen sie meist einen nicht unerheblichen Teil der Wertpapierbestände der Banken aus. Wenn Banken aus Schuldenländern wie Griechenland im Falle einer Umschuldung keine Staatspapiere des betroffenen Landes mehr als Sicherheit bei den Refi-Geschäften akzeptieren würde, dann wäre das für die dortigen Banken verheerend.

(APA)

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