Griechenland-Krise: EBRD arbeitet an einem Notfallplan

20.05.2011 | 18:34 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Töchter griechischer Banken sind in Serbien, Rumänien und Bulgarien "systemrelevant". Die Osteuropabank EBRD hilft mit einer Mrd. EUR aus. Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise bergen Risken für Osteuropa.

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Astana. Die „Wiener Initiative“ ist bei der EBRD-Jahrestagung in Kasachstan in aller Munde. Als die Finanzkrise vor zwei Jahren in Osteuropa den Höhepunkt erreichte, haben sich westeuropäische Banken verpflichtet, kein Kapital aus dem Osten abzuziehen. Der Anstoß dazu war aus Wien – vom Finanzministerium und von Österreichs Banken – gekommen. Nun wird an einer zweiten Phase der „Wiener Initiative“ gearbeitet, einer Art Notfallplan, an dem sich alle westeuropäischen Finanzkonzerne beteiligen sollen, um ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf Osteuropa zu verhindern.

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„Es besteht Anlass zur Sorge“, sagte der Chefökonom der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Erik Berglof. Werden die Probleme in der Eurozone nicht gelöst, sei der Aufschwung in Osteuropa in Gefahr. Denn internationale Großbanken kontrollieren 70 Prozent des osteuropäischen Bankenmarktes. Geraten westeuropäische Institute wegen einer Umschuldung Griechenlands in Turbulenzen, könnten diese Kreditlinien in Osteuropa streichen, befürchtet die EBRD. Hinzu kommt, dass griechische Banken in Bulgarien, Rumänien und Serbien engagiert sind. Sie sind in diesen Ländern systemrelevant und müssten bei einer Krise aufgefangen werden.

Die EBRD hat daher eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um sich an den Osteuropa-Töchtern der griechischen Banken zu beteiligen. Davon wurde bereits die Hälfte aufgebraucht. Mit diesem Schritt soll sichergestellt werden, dass die Tochterbanken von den griechischen Mutterkonzernen finanziell unabhängiger werden und sich selbst Geld vom Kapitalmarkt holen. „Es ist notwendig, dass die Politiker für Griechenland rasch eine Lösung finden“, fordert auch Bank-Austria-Osteuropavorstand Gianni Franco Papa. Das Schlimmste seien die Unsicherheit und die nicht enden wollenden Spekulationen, wie es nun mit Griechenland weitergeht.

 

Bevölkerung leidet unter hoher Inflation

Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise bergen Risken für Osteuropa. Laut einer von der Bank Austria in Kasachstan präsentierten Studie dürfte die Inflationsrate heuer in Osteuropa von 6,0 Prozent auf 7,1 Prozent steigen. In Rumänien muss die Bevölkerung bereits 54 Prozent aller Ausgaben für Nahrungsmittel und Energie (wie Strom und Gas) aufwenden, in Litauen sind es 40 Prozent und in Bulgarien 39 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich liegt dieser Wert bei 16 Prozent. Die Banken vergeben in Osteuropa an Privatpersonen fast nur noch Immobilienkredite. Diese sind Ende 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen. Die Nachfrage nach Konsumentenkrediten hat sich dagegen nur um zwei Prozent erhöht.

Trotz der Risken, die von der Griechenland-Krise und von der Inflation ausgehen, erhöhte die EBRD die Wachstumsprognosen für Osteuropa – von 4,2 Prozent auf 4,6 Prozent in diesem Jahr. 2012 soll sich das Plus jedoch auf 4,4 Prozent verlangsamen. In den meisten Ländern der Region werde das Wirtschaftswachstum laut Berglof erst 2012 wieder über dem Vorkrisenniveau liegen.

Auf einen Blick

Im Rahmen der „Wiener Initiative“ verpflichteten sich westeuropäische Banken vor zwei Jahren, kein Kapital aus Osteuropa abzuziehen. Nun wird an einer zweiten Phase gearbeitet, um ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf Osteuropa zu verhindern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)

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14 Kommentare
Gast: Biersauer
22.05.2011 09:02
0

Sculdenkrise.

Wie war das doch 1929, wo über Nacht das schöne Geld nix mehr Wert war?
Diejenigen, welche aus der damaligen Schuldenkrise gelernt haben, wie Ungarn und Tschechen, haben ihre Währungen bisher noch nicht auf diese Schuldenwährung
EURO umgestellt. Es sind nur die Blauäugigen, welche sich das angetan haben, von einer sicheren Eigenwährung in eine
unsichere Fremdwährung(weil von Schuldnerländern abhängig) zu hüpfen.
Auch über eine schleichende Geldentwertung wird suich der Schuldenberg nicht abtragen lassen.
Die eigene Währung zu belassen, nebst dem EURO, damit wäre eine Lösung möglich gewesen, was spricht dagegen?

In der Kindheit

werden wir schon mit Schulnoten auf Zahlenwerte konditioniert, diszipliniert und reglementiert. Sind wir dann erwachsen geht das Spiel mit bedruckten, bunten Zettelchen und Zahlen im Bankcomputer weiter. Die Konditionierung geht soweit, dass die meisten das System für gottgegeben halten und es nicht hinterfragen können (so wünschen dies die Eliten, die Pisa Ergebnisse sind ja vermutlich nicht passiert, sondern das Ergebnis bewusster Handlungen). Das System ist aber ein menschliches Konstrukt, geschaffen um die Reichen reicher und die Armen arm zu halten. Es hat nur ein mathematisch in sich eingebautes Ablaufdatum, so muss es alle 60 bis 80 Jahre kollabieren, was offensichtlich gerade passiert.

http://www.facebook.com/pages/Challenges-for-the-21st-century/123755141031815?sk=wall&filter=2

Mit wessen Geld....

...konnten die Griechenbanken in den benachbarten Balkanländern "systemrelevant" werden? Warum haben diese griechischen Banken nicht in ghriechische Staatsanleihen "investiert"? Ach so, in griechische Staatsanleihen zur Finanzierung des eit Jahrzehnten faulen Staates haben die deutschen, französischen und anderen EU-Banken "investiert", vor allem die EU dem korrupten griechischen Staat in den vergangenen 15 Jahren an die 150 Milliarden Euro an Subventionen, "Förderungen", "Krediten" usw. usf. hinein geschoben - damit der seinen von oben bis ganz unten durch und durch korrupten Beamten- und Staatsbetriebsapparat mästen konnte. Die eigenen Steuergesetze, die man in Brüsel vorziegte, natürlich erst gar nicht anwenden und durchsetzen - damit man statistisch "arm" leibt und weiter die EU-Nettozahler abmelken kann.

Gast: earthmountain
21.05.2011 19:43
1

ein grandioser Edmund Stoiber bei anne will in der Diskussion

ein grandioser, hochqualitativer Redner!!

Stoiber sagt hier die ganze Wahrheit in verblüffender Offenheit; und hebt sich positiv von so herumwurstlern wie Josef Fischer ab, der vor Voreingenommenheit und Eingebildetheit nur so strotzt!!

Hier bei Anne Will:

http://daserste.ndr.de/annewill/videos/annewill2939.html

Gast: Marximiliane
21.05.2011 15:10
1

Griechenland wird das schaffen!

Darauf haben uns die ÖVP und die SPÖ vor ein paar Tagen noch eingeschworen:
"Griechenland wird das schaffen! Das wird ein gutes Geschäft!"

Konträr zu unserer Regierung hier ein Artikel, lt. welchem von einem Zahlungsausfall spätestens in 2 Jahren ausgegangen wird:

http://blogs.telegraph.co.uk/finance/andrewlilico/100010332/what-happens-when-greece-defaults/

Gast: 1. Parteiloser
21.05.2011 13:03
0

No idea?

Indien ist ein Teil und von Asien und kann also nicht zusätzlich zu Asien Europa überholen!

Gast: NoName
21.05.2011 10:29
0

ich denke mal

Was ist schon Europa oder Griechenland. Asien wird uns überholen in allen berreichen, danach Indien mit ihrer Milliarden Bevölkerung da muss Europa glücklich sein etwas vom kuchenstück abzuhaben.
Dan müssen diese Länder uns unter arme greifen wie jetzt zurzeit in den USA mit den kauf von US- Staatsanleihen durch den Ölhandel usw. an den wichtigsten Börsen natürlich in Dollar Währungen, sonst wäre USA schon längst zahlungsunfähig.

Das (E)U-Boot


70 Meter...

80 Meter...

"Vorne oben 10, hinten oben 15"

100 Meter...

110 Meter...

"Tiefenruder ausgefallen!"

"Volle Kraft rückwärts!"

120 Meter...

130 Meter...

"Boot sinkt weiter"

"Anblasen! ANBLASEN!"

pfffffffffff.......

150 Meter...

"ALLES REIN WAS DRINN IS, LI !!"

PFFFFFFFFFFfffffff ffff fff ff ff f f...........

170 Meter...

180 Meter...

".....Boot ist nicht zu halten !"

220 meter

230 meter

240...250

"mein gott..."

(to be continued)

Antworten Gast: Apnoe
22.05.2011 11:54
0

Re: Das (E)U-Boot

Ich bin schon bei 70 Meter durch das Torpedorohr ausgestiegen.

Antworten Gast: HEURO
21.05.2011 20:34
0

Re: Das (E)U-Boot - continuation:

"500...1000m"
...so, jetzt haben wir gleich richtig fertig! Laßt uns elendiglich im Euro-Friedhof absaufen, natürlich mit Griechenland, Irland, Portugal, jetzt doch auch schon bald mit Spanien, dann wohl mit Italien, usw. usf.! Und damit sich's so richtig auszahlt, nehmen wir vorher gleich noch die Türkei und Kroatien hinzu... bald auch noch Aserbeidschan, das mit wohlgeölter Stimme bei der EURO-vision am besten sang...

Antworten Gast: Idefix1
21.05.2011 18:43
0

Danke für den Lacher ! ;-)

Immerhin eine beachtliche Kehrtwende vom CanisLumpus, wenn man bedenkt, daß er sich früher hier jahrelang über die EU-Gegner lustig gemacht und sie als Schwarzmaler hingestellt hat.

Das (E)U-Boot


70 Meter...

80 Meter...

"Vorne oben 10, hinten oben 15"

100 Meter...

110 Meter...

"Tiefenruder ausgefallen!"

"Volle Kraft rückwärts!"

120 Meter...

130 Meter...

"Boot sinkt weiter"

"Anblasen! ANBLASEN!"

pfffffffffff.......

150 Meter...

"ALLES REIN WAS DRINN IS, LI !!"

PFFFFFFFFFFfffffff ffff fff ff ff f f...........

170 Meter...

180 Meter...

".....Boot ist nicht zu halten !"

220 meter

230 meter

240...250

"mein gott..."

(to be continued)

inflation?

woran wird diese inflation gemessen?

geht man davon aus das ein kleines land mit eigener währung und stabiler wirtschaft ein stabiles land darstellt und nennen wir es schweiz, dann sieht man die wahre inflation in der eurozone. der euro ist somit ein geschicktes instrument, die inflation niedrig zu halten, zumindest auf den ersten blick.

aber wirklich schlecht gehts denn usa, denn da sind wir nur mehr einen schritt vom kolaps entfernt, europa ist da noch einen schritt langsamer, aber geht sehr zielstrebig voran!


Schuldenschnitt ist unausweichlich

Aus den Aktionen von EBRD (Beteiligung an Tochtergesellschaften von griechischen Banken) und EZB (massiver Aufkauf von griechischen Anleihen) kann man ableiten, daß das wahre Ausmaß der Krise sowie die wahren Kosten für die Bevölkerung der Geberländer noch nicht publik ist. Allerdings werden all diese Maßnahmen nicht ausreichen, damit sich Griechenland wieder zu akzeptablen Zinsen über den freien Markt finanzieren kann, weil die Wirtschaftleistung des Landes in Relation zum angehäuften weiter steigenden Schuldenberg ganz einfach zu gering ist. Nachdem die Wirtschaftsleistung nicht so einfach gepusht werden kann, wird man bei den Schulden einen entsprechenden Schnitt machen müssen, auch wenn dies von den Finanzministern der Geberländer noch immer heftig negiert wird. Diese Abwehrreaktion der Entscheidungsträger der Geberländer ist mehr als verständlich, da damit eine Aufstockung des Rettungsschirmes nicht mehr durchsetzbar wäre und wahrscheinlich der Zorn der Steuerzahler wie ein Sturm über deren Regierungen fegen würde.

Um Österreich vor weiteren Belastungen zugunsten von maroden Staaten und Banken zu schützen wurde die Bürgerinitiative "Genug Gezahlt" gegründet, welche derzeit in ganz Österreich Informationsveranstaltungen abhält - z. B. 25.05.11 in Krems a. d. Donau

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