Griechenland-Krise: EBRD arbeitet an einem Notfallplan

Die Töchter griechischer Banken sind in Serbien, Rumänien und Bulgarien "systemrelevant". Die Osteuropabank EBRD hilft mit einer Mrd. EUR aus. Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise bergen Risken für Osteuropa.

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(c) Oliver Berg/dpa

Astana. Die „Wiener Initiative“ ist bei der EBRD-Jahrestagung in Kasachstan in aller Munde. Als die Finanzkrise vor zwei Jahren in Osteuropa den Höhepunkt erreichte, haben sich westeuropäische Banken verpflichtet, kein Kapital aus dem Osten abzuziehen. Der Anstoß dazu war aus Wien – vom Finanzministerium und von Österreichs Banken – gekommen. Nun wird an einer zweiten Phase der „Wiener Initiative“ gearbeitet, einer Art Notfallplan, an dem sich alle westeuropäischen Finanzkonzerne beteiligen sollen, um ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf Osteuropa zu verhindern.

„Es besteht Anlass zur Sorge“, sagte der Chefökonom der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Erik Berglof. Werden die Probleme in der Eurozone nicht gelöst, sei der Aufschwung in Osteuropa in Gefahr. Denn internationale Großbanken kontrollieren 70 Prozent des osteuropäischen Bankenmarktes. Geraten westeuropäische Institute wegen einer Umschuldung Griechenlands in Turbulenzen, könnten diese Kreditlinien in Osteuropa streichen, befürchtet die EBRD. Hinzu kommt, dass griechische Banken in Bulgarien, Rumänien und Serbien engagiert sind. Sie sind in diesen Ländern systemrelevant und müssten bei einer Krise aufgefangen werden.

Die EBRD hat daher eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um sich an den Osteuropa-Töchtern der griechischen Banken zu beteiligen. Davon wurde bereits die Hälfte aufgebraucht. Mit diesem Schritt soll sichergestellt werden, dass die Tochterbanken von den griechischen Mutterkonzernen finanziell unabhängiger werden und sich selbst Geld vom Kapitalmarkt holen. „Es ist notwendig, dass die Politiker für Griechenland rasch eine Lösung finden“, fordert auch Bank-Austria-Osteuropavorstand Gianni Franco Papa. Das Schlimmste seien die Unsicherheit und die nicht enden wollenden Spekulationen, wie es nun mit Griechenland weitergeht.

 

Bevölkerung leidet unter hoher Inflation

Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise bergen Risken für Osteuropa. Laut einer von der Bank Austria in Kasachstan präsentierten Studie dürfte die Inflationsrate heuer in Osteuropa von 6,0 Prozent auf 7,1 Prozent steigen. In Rumänien muss die Bevölkerung bereits 54 Prozent aller Ausgaben für Nahrungsmittel und Energie (wie Strom und Gas) aufwenden, in Litauen sind es 40 Prozent und in Bulgarien 39 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich liegt dieser Wert bei 16 Prozent. Die Banken vergeben in Osteuropa an Privatpersonen fast nur noch Immobilienkredite. Diese sind Ende 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen. Die Nachfrage nach Konsumentenkrediten hat sich dagegen nur um zwei Prozent erhöht.

Trotz der Risken, die von der Griechenland-Krise und von der Inflation ausgehen, erhöhte die EBRD die Wachstumsprognosen für Osteuropa – von 4,2 Prozent auf 4,6 Prozent in diesem Jahr. 2012 soll sich das Plus jedoch auf 4,4 Prozent verlangsamen. In den meisten Ländern der Region werde das Wirtschaftswachstum laut Berglof erst 2012 wieder über dem Vorkrisenniveau liegen.

Auf einen Blick

Im Rahmen der „Wiener Initiative“ verpflichteten sich westeuropäische Banken vor zwei Jahren, kein Kapital aus Osteuropa abzuziehen. Nun wird an einer zweiten Phase gearbeitet, um ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf Osteuropa zu verhindern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)

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