Unter 1,40 Dollar: "Der Euro wird ziemlich weggeputzt"

Vor allem am Anleihenmarkt reagieren die Anleger nervös. "Sie sehen die ultimative Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht", sagt ein Analyst.

Unter Dollar Euro wird
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(c) EPA (Oliver Berg)

Das geringe Vertrauen der Ratingagentur S&P in die Wirtschaftspolitik Italiens hat am Montag den Euro in die Knie gezwungen. Die Gemeinschaftswährung brach bis zu Mittag um beinahe zwei US-Cent bis auf 1,3970 Dollar ein und notierte damit so niedrig wie seit Mitte März dieses Jahres nicht mehr. "Der Euro wird ziemlich stark weggeputzt, und jetzt wieder Ruhe in die Märkte zu bringen, dürfte sehr schwierig werden", erklärte Devisenanalyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler in Frankfurt.

An den Rentenmärkten flüchteten die Anleger in deutsche Bundesanleihen, was letztlich für die Regierungen in Rom, Madrid und Athen bedeutet, dass sie den Anlegern noch höhere Risikoaufschläge als bisher zahlen müssen.

Zweifel an Italiens Kreditwürdigkeit

Standard & Poor's (S&P) hatte am Wochenende den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Italiens von "stabil" auf "negativ" gesenkt und dies unter anderem mit dem schwachen Wirtschaftswachstum begründet. Laut Börsianern ist S&P schon seit jeher Italien gegenüber sehr kritisch. Die Ratingagentur hatte vor kurzem allerdings auch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA gesenkt. Die Konkurrenz - Fitch und Moody's - zeigte sich unbeeindruckt und kündigte an, ihren Ausblick für Italien nicht zu senken. Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und leidet schon seit langem unter einer schwacher Konjunkturentwicklung.

Der Euro hatte zuletzt vor allem vom Zinsvorteil gegenüber dem Dollar profitiert. Denn während die EZB im April die Zinswende einleitete, hält die US-Notenbank Fed unverdrossen an ihrer Nullzinspolitik fest. Dies hatte den Euro Anfang Mai noch bei fast 1,50 Dollar notieren lassen. Doch nachdem die EZB Spekulationen auf rasche weitere Zinserhöhungen enttäuscht hatte, rückte die Schuldenkrise in der Euro-Zone wieder in den Vordergrund. Am Montag setzte dem Euro so auch die Entscheidung von Fitch zu, die am Freitag die Kreditwürdigkeit Griechenlands um drei Stufen radikal gesenkt hatte. "Die Anleger sehen die ultimative Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht", erklärte UniCredit-Analyst Kornelius Purps die harsche Reaktion der Märkte.

Anleger sind nervös

Vor allem am Rentenmarkt reagierten die Anleger nervös: So stiegen die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen bis auf 4,9 Prozent von 4,8 Prozent am Freitag. Auch die Renditen für die zehnjährigen griechischen Anleihen - ohnehin schon astronomisch hoch - erreichten in der Spitze 17,4 Prozent nach 16,8 Prozent am Freitag.

Für die deutsche Regierung wird die Bedienung der Schulden dagegen immer günstiger: die Rendite der vergleichbaren Bundesanleihe - die in der Euro-Zone als richtungsweisend gilt - rutschte zeitweise auf nur noch gut drei Prozent von 3,06 Prozent am Freitag ab. Denn die Anleger wollten lieber auf Nummer sicher gehen.

Kosten für Kreditausfallversicherung steigen

Dieses Verlangen nach Sicherheit spiegelte sich auch im Anstieg der Kosten für eine Kreditausfallversicherung (CDS) wider. So mussten Anleger nach Daten der Finanzagentur Markit 176.000 Euro berappen, wenn sie sich gegen den Ausfall italienischer Staatsanleihen im Volumen von zehn Millionen Euro über fünf Jahre absichern wollten. Das waren 15.000 Euro mehr als noch in der vergangenen Woche.

Auch die Kosten für die Versicherung gegen einen Ausfall griechischer und spanischer Kredite sprangen in die Höhe. Im Falle Spaniens fürchten die Anleger, dass die anhaltenden Demonstrationen den Sparwillen der Regierung dämpfen könnten. Zudem hatten die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Jose Luis Zapatero bei Regional- und Kommunalwahlen eine derbe Niederlage einstecken müssen.

(Ag.)

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