19.06.2013 05:07 Merkliste 0

Europa am Tropf des Internationalen Währungsfonds

23.05.2011 | 18:19 |  von Karl Gaulhofer und Stefan Riecher (Die Presse)

Schon über 80 Prozent aller IWF-Notkredite gehen an europäische Staaten. Mit einer Strauss-Kahn-Nachfolgerin aus den eigenen Reihen will sich die Europäische Union auch die Verhandlungen erleichtern.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Mister Euro hat Zahnschmerzen. Um 40 Minuten kam Olli Rehn deshalb zu spät zu seiner Rede bei einer Wirtschaftskonferenz in Wien. Eine Notbehandlung sei nötig gewesen, „eine äußerst schmerzhafte Erfahrung“, wie der EU-Erweiterungskommissar gestand. Und er fügte vorsichtshalber hinzu: „Nicht, dass Sie jetzt Vergleiche mit Europa anstellen.“

Die drängen sich freilich auf. Die Schuldenkrise schmerzt, die Peripheriestaaten der Union wackeln bedenklich. Die reicheren und wirtschaftlich solideren Länder des Nordens zeigen immer weniger Bereitschaft, teure Finanzbrücken für die Problemländer Griechenland, Irland und Portugal zu bauen, um das große Euro-Ganze stabil zu halten.

Selbst der überzeugte Europäer Rehn ortet „eine gewisse Unterstützungsmüdigkeit“. Wer soll da noch helfen, wenn nicht der Internationale Währungsfonds (IWF)? Zu Beginn der Krise wollten ihn viele gar nicht einbeziehen. Jetzt gewinnt er immer größere Bedeutung als Kreditgeber und neutraler Kontrollor der Reformprogramme. Doch nach dem unrühmlichen Abgang von Dominique Strauss-Kahn ist die wichtigste Finanzinstitution der Welt ohne Führung – der Zahnarzt hat seine Ordination verlassen.

 

Die EU ist geeint wie selten

Tatsächlich ist Europa bereits zum wichtigsten Patienten des Fonds geworden: 60 Prozent aller Kreditvereinbarungen entfallen auf den alten Kontinent, 53 Prozent auf die EU-Staaten. Im Ranking der Staaten steht zwar Mexiko mit knapp 54 Milliarden Euro an Krediten an der Spitze. Doch dann folgen mit Griechenland, Portugal, Irland, Polen und der Ukraine gleich fünf europäische Länder.

Der Vergleich fällt noch deutlicher aus, wenn man die eher harmlosen „flexiblen Kreditlinien“ herausrechnet. Sie sind ein neueres Angebot des Fonds an budgetär solide Schwellenländer, um sie vor einer Ansteckung durch Finanzkrisen zu bewahren. Mexiko, Polen und Kolumbien kamen in den Genuss – und haben die hohen Beträge bislang gar nicht angerührt.

Bei den IWF-typischen Notkrediten aber, die mit strengen Sanierungsauflagen verbunden sind, beträgt der Anteil Europas bereits über 80 Prozent. Kein Wunder also, dass die Europäer verbissen – und gegen den starken Widerstand der Schwellenländer – um den Vorsitz kämpfen. Rasch und geeint wie sonst selten haben sie sich auf die französische Finanzministerin Christine Lagarde als „ihre“ Kandidatin geeinigt. Bis Ende Juni soll im Konsens aller 187 IWF-Mitgliedstaaten ein Nachfolger für Strauss-Kahn gefunden werden. Am gestrigen Montag hat das Rennen um den begehrten Posten offiziell begonnen.

Ein Drittel der Beiträge

Weil Europa nun selbst am Tropf hängt, geht es beim Chefposten um weit mehr als um Tradition. Seit der IWF 1947 in Funktion trat, stand stets ein Europäer an seiner Spitze. Dieses Gewohnheitsrecht sei legitim, argumentieren vor allem die Franzosen: In Summe sind die EU-Staaten mit einem Drittel des Kapitals die größten Beitragszahler, gefolgt von den USA mit etwa 17 Prozent.

Neu ist allerdings, dass Europa nun auch zum größten Nutznießer von IWF-Mitteln geworden ist. In vergangenen Krisen durften seine Steuerzahler vor allem lateinamerikanische und asiatische Pleitekandidaten aus der Bredouille holen, um die Weltwirtschaft in Balance zu halten. Mit einer IWF-Chefin aus den eigenen Reihen erhoffen sich die EU-Granden, sich in den Verhandlungen leichter zu tun. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel spricht es aus: Die Europrobleme seien der Grund, wieso sie sich für Lagarde starkgemacht hat. Olli Rehn sagt es mehr durch die Blume: Der nächste Chef des Währungsfonds „soll eine tiefgreifende Kenntnis der europäischen Wirtschaft mitbringen“.

Und der europäischen Politik, denkt er sich wohl heimlich dazu. Vor einer Verbrüderung von Politikern auf beiden Seiten des Verhandlungstisches warnt hingegen ein ehemaliger IWF-Chefökonom. Der Fonds sei nicht dafür da, dass man ihn liebt, schreibt Raghuram Rajan in der „Financial Times“. Seine bessere Rolle sei die des Sündenbocks, auf den sich die nationalen Politiker im Sparkorsett hinausreden können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

108 Kommentare
 
1 2 3
0 0

Re: Re: Re: Re: Die Bewertung USD zu EURO ist doch unerheblich!

tja, das ist nicht in stein gemeiselt und lässt sich durchaus ändern. der letzte der das probiert hat war ein gewisser saddam ;)

die usa können nicht jedes land auf dieser welt überfallen dass ihr wertloses papiergeld ablehnt!

€-wird weggeputzt ?!

WER BITTESCHÖN IST-Eugen Keller vom Bankhaus Metzler?!
Ganz einfach, ein unbedeutender kleiner Banker, eines lokalen Bankinstitutes, NA UND?!
Was erzählt uns denn dieser von der Presse als-Analyst apostrophierte Spezialist?!
+ Richtig, EINEN NONSENSE, nach der Methode-aufgeblasener Frösche!
Alle sogenannten Analysten und Finanzexperten, ich inklusive-haben 2002 IM GÜNSTIGSTEN FALL eine 1/1 Parität für den € prognostiziert, und dies mit geringen Schwankungen für 1 Dezenium!
* Nun da der Dollar peu a peu ein,-und wegbricht sehen dieselben Experten eine Schwäche des EURO bei einem Kurs von 1,40/1,o, €/USD!?!
* RESÜMEE: Erbärmliche Experten!

OMG!!!

Der Euro ist auf 1,40…
All hell breaks loose :-))

Antworten Gast: einfach zum nachdenken
23.05.2011 16:14
0 1

Geld(wert) ist relativ. Geld ist nur Mittel zum Zweck.

Das Wichtige bei Geld ist, dass man oben genanntes erkennt und mit Geld "in der Zeit" immer das richtige macht.

z.B.: in einer Krise als Staat Jobs schafft,
nachhaltige Impulse setzt, statt nur billiges Stroh ins Feuer werfen.

-> ja. OMG ist folglich angebracht.

Re: Geld(wert) ist relativ. Geld ist nur Mittel zum Zweck.

Aja … der Staat :-)
Der schafft so super Jobs wie für die ÖBB und Beamte :-))

Rating-Agenturen

Diese, so genannten, Rating-Agenturen gehn mir schon am .....

Irgendwer stuft irgendwen runter und schon wieder is Weltuntergang.

Antworten Gast: Zukunftsbetrachter
23.05.2011 16:25
0 0

Es wird keinen Weltuntergang geben.


Sachlich gesehen: Es wird keinen Weltuntergang geben.
Es wird aber viel geopfert werden müssen.

Es wird aber sehr wahrscheinlich "nur" eine neue Weltordnung und "nur" eine neue Weltwährung und in Relation kleine, alternative Währungen oder gar "nur" kleinere Währungen (als jetzt) in Zukunft geben.

Paaaaaaa...

...aaaaaaaanik!

Bitte.

Gast: smilefile
23.05.2011 15:41
2 1

Dafür aber auch...


...eröffnet unsere Europäische Aussenministerin Frau Catherine Ashton ein EU - Büro in der lybischen Rebellenhochburg Bengasi....

Für die Zukunft der Lybier....

EU,- wo bist Du???

Gast: Un.Gläubig
23.05.2011 15:37
2 0

Wie peinlich..

.. ist den der Artikel schon wieder!! Jetzt waren wir vor ein paar Monaten bei 1,25 und jetzt so was! Tippt da wer bei der Presse von der Krone ab....

Jubel bei der Exportwirtschaft!

Wir sollten Griechenland et al. dankbar sein. Wenn wir noch den Schilling hätten, wäre der mittlerweile so hoch, dass wir keine einzige Mozartkugel mehr ins Ausland verkaufen könnten.

Re: Jubel bei der Exportwirtschaft!

Deshalb ist ja der Markt der Schweiz auch eingefallen.
Deshalb ging es unserer Wirtschaft ja so schlecht unter der EFTA.
Mozartkugeln haben wir ohnehin sehr wenige nach Griechenland exportiert und dies hat sich auch unter der EU nicht geändert.
(Abgesehen davon sollte man von diesen nicht allzuviel essen. Sie machen dick).

Gast: Einer der Passagiere
23.05.2011 15:33
0 2

Der Moneytrain befindet sich vor dem sogar wachsenden Abgrund. Daher hat man folgende Möglichkeiten:

1) den Zug abrupt zu bremsen: ein paar Passagiere könnten sich dabei aber verletzen, der Zug hat vielleicht auch Bremsschäden, so kann eine Achse brechen, der Zug entgleisen. Manche würden sich verletzen. Der Zug würde aber nicht in den Abgrund fallen.

2) nicht ganz schnell abbremsen, etwas langsamer, aber die antreibende Lok und die vorderen Waggons eventuell bewusst versenken. Die anderen Passagiere bleiben aber am Leben. Der Zug hat sicher wichtige, aber relative Schäden - eben vor allem die Lok - aber die Lok kann später ersetzt werden. Der Großteil des Zuges würde aber nicht in den Abgrund fallen.

3) Gas geben, noch mehr Geld aus Luft und auf Basis von Schulden (money=debt) drucken und schauen, dass man über den sich ausweitenden Abgund drüber springen kann (aber man weiß dabei nicht, welche Abgründe dann erst vor einem liegen. Wahrscheinlich noch größere) bzw. ob nicht alle dabei sterben werden.

4) die Rolle des Passagiers: Der Passagier, der den Abgrund ja auch sieht, kann abspringen, sich dabei leicht oder schwer verletzen- aber zumindest nicht mehr im Zug sein, aber wahrscheinlich beim guten Absprung im richtigen Moment überleben. Der blinde Passagier, der die Augen schliesst, aber nur auf die Lokführer vertraut, die bisher allerdings den Abgrund schon die meiste Fahrt nicht gesehen haben oder sehen wollten, kann nur hoffen.

a) wie 1)2)3)4) dazu aber: die Lokführer informieren die Passagiere rechtzeitig, sich dabei wenigstens anzuhalten und vorbereitet zu sein

Antworten Gast: Zyni
23.05.2011 17:20
0 0

Mei ist des schön....In Erinnerung an Fontane

"Wann treffen wir drei wieder zusamm?"
"Um die siebente Stund',am Brückendamm."
"Am Mittelpfeiler."
"Ich lösche die Flamm."
"Ich mit."
"Ich komme vom Norden her."
"Und ich vom Süden."
"Und ich vom Meer."
"Hei das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein."
"Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund'?"
"Ei der muß mit."
"Muß mit"
"Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand!"

Mein Goooott ...

so viel Worte für nix.

Was für eine Verschwendung.

Antworten Gast: Einer der Passagiere
23.05.2011 15:57
0 2

Re: Der Moneytrain befindet sich vor dem sogar wachsenden Abgrund. Daher hat man folgende Möglichkeiten:

add on: Wenn aber der Lokbesitzer dahinter bewusst Gas geben lässt, um die Lok bewusst zu versenken, weil er z.B. schon eine neuen, den "einzigen Moneytrain" bauen lässt oder gar eine neue, die "einzige" Strecke dann nach dem Unglück bauen will und ihm Tote dabei egal sind, ist dies moralisch sehr verwerflich.

Rating Agenturen ...

haben Alles schon 2008 gewusst ... bla, bla, bla

Antworten Gast: Passagier
23.05.2011 15:42
0 1

nein, die aktiven Akteure haben alles schon lange davor "gesehen".

Siehe Kinofilm Movie "Rollover" (1981), "Rollover"predicts frightening worldwide currency crisis!
http://www.youtube.com/watch?v=-pQVZBtQ9cI

Oder hat den `81er Film keiner gesehen? Damals sind zudem ohnehin weniger Filme gedreht worden, also haben diesen sicher einige gesehen.^^

Gast: garstig?
23.05.2011 15:25
0 1

ich mach mir keine sorgen tralalala..



ich bin die kleine ollyanna, der rehn hat gsagt, alles paletti... tralalala...

Gast: EFF
23.05.2011 15:24
1 0

Anleger sind auch keine Menschen

Purps unterstellt mit seiner Einschätzung, "Die Anleger sehen die ultimative Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht" Anleger so etwas wie Sorge oder guten Willen.

Dazu stelle ich richtig:

Anleger sehen keine Gefahren sondern kalkulieren vielmehr Chancen ihre Gewinne zu maximieren. Dafür scheuen Anleger auch nicht vor Spekulationen zugunsten des Staatsbankrotts und dem Zerfall der Eurozone zurück. Anleger und Politiker sitzen nicht im gleichen Boot.

Re: Anleger sind auch keine Menschen

ICH als Anleger würde folgendes tun:

a) ich bin in griechischen, italienischen etc. Bonds investiert:
Ich versichere mich gegen den Ausfall oder verkaufe mit hohem Verlust (höhere Rendite bei einer Anleihe bedeutet ja nur, dass ihr Preis sinkt)

b) ich will in griechische, italienische etc. Bonds investieren:
Ich bin nur bereit einen Preis zu zahlen der so weit unter Pari liegt, dass zumindest die erwartete Rückzahlung bei etwa 103% liegt. somit wird dann eben die geforderte Verzinsung in die Höhe geschraubt um die Ausfallswahrscheinlichkeit zu kompensieren.

Ich finde, dass das zwei sehr natürliche Mechanismen sind. Daher kann man den Anlegern auf den Kapitalmärkten keine Vorwürfe machen.

Hedge Funds und andere Akteure, die jedoch nicht klassische Geldanlage betreiben, sondern versuchen an den Veränderungen zu verdienen schließe ich von oben Gesagtem aus, d.h. heiße ich nicht für gut.

Der USD ist ueberbewertet.........

der euro wird an den maroden wirtschaftsleistungen der euro-laender (schulden) zerbrechen - und dann???? .............

8 1

Ziemlich stark weggeputz ...

was für ein Schwachsinn!

Ich kann mich noch gut erinnern, als der Euro bei 0.83 $ stand ....

Gast: Weight Watchers sind keine Sprinter
23.05.2011 15:12
0 0

Die Pleite Amerikaner sind mittlerweile schon so nervös

das sie nun Agustín Carstens den mexikanischen US Strohmann als IWF Chef installieren wollen.
Das pikante daran der Mann wiegt jetzt schon 240 Kg.

:-))

Antworten Gast: Vogel Strauss
23.05.2011 17:32
0 0

Re: Die Pleite Amerikaner sind mittlerweile schon so nervös

Da müssen die aber ein bisserl was umbauen, der passt ja in keinen Aufzug :)

Gast: Öko-Vergelter
23.05.2011 15:07
0 2

Rettung Europas

Europa kann durch diverse ökologische Maßnahmen gerettet werden. Z. B. können die herkömmlichen Autos durch 0,9-Liter-Autos ersetzt werden. Und der €uro kann durch regionale Gelder mit Umlaufgebühr ersetzt werden. Dadurch wird die ungerechte Vermögensverteilung beseitigt.

Antworten Gast: Hans im Glück
23.05.2011 15:12
0 0

Re: Rettung Europas

Immer wieder diese Umlaufgebühr.

Für alle die es immer noch nicht wissen:

Die Umlaufgebühr gibt es bereits.
Es werden immer mehr Geldscheine gedruckt, somit werden automatisch alle alten Geldscheine etwas entwertet.


Antworten Antworten Gast: Öko-Vergelter
23.05.2011 15:51
0 1

Re: Re: Rettung Europas

Sie irren sich.
www.humane-wirtschaft.de

Marktversagen

Diese so genannten Märkte sind nichts anderes als ein von der Wirklichkeit ziemlich abgekoppelter Teil der Finanzwirtschaft.

Andererseits: die Eurozone ist halt ein Konstrukt, das ein bißchen abhoben ist von der ökonomischen Wirklichkeit in Europa.

2 0

jedes mal wenn der euro einige cent zum dollar verliert,

ist für pseudo bänker feuer am dach.
zu anbeginn des euros ,war der dollar mehr wert.
was ich nicht ganz versehe ist, dass der dollar heillos überschuldet ist und trotzdem es immer noch zocker gibt die auf ihn setzen!

Re: jedes mal wenn der euro einige cent zum dollar verliert,

Der kleine Mann schaufelt Dollars in den Hochofen USA und verbrennt sie.

Die Chinesen schaufeln den Ofen mit Dollars zu, die Fabrik und das ganze Land. Bei denen verbrennt nichts, im Gegenteil, sie besitzen bald den Großteil.

Antworten Gast: Cowboy von der Wandstraße
23.05.2011 15:04
0 0

manche wollen auch noch etwas Kohle in den überhitzten Ofen werfen, um diesen bewusst zum platzen zu bringen.


4 0

Re: jedes mal wenn der euro einige cent zum dollar verliert,

Die USA ist beinahe "Zahlungsunfähig", macht nichts, aber Italien bereitet Sorgen, alle Achtung.

 
1 2 3

Hobbyökonom