Unbezahlte Rechnungen höher als EU-Rettungspaket

23.05.2011 | 18:21 |   (Die Presse)

Europäische Unternehmen fielen im vergangenen Jahr um 312 Milliarden Euro um. In Österreich blieben Rechnungen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro unbezahlt. Der langsamste Zahler ist weiterhin die öffentliche Hand.

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Wien/Red. Der EU bleibt nicht viel anderes übrig, als die Rechnung für das schlechte Wirtschaften in Griechenland, Irland und Portugal zu bezahlen. Die Privatwirtschaft macht es sich einfacher und ignoriert einfach Forderungen, und das nicht zu gering: 312 Milliarden Euro mussten europäische Unternehmen 2010 abschreiben. Das ist mehr, als man zur Rettung Griechenlands, Portugals und Irlands aufwendet (273 Mrd. Euro).

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„Die Auswirkungen der Finanzkrise sind beim Forderungsmanagement nach wie vor zu spüren“, erklärte Thomas Hutter, Direktor für Zentraleuropa bei Intrum Justitia, einem Kreditmanagement-Unternehmen, das die Zahlungsumfrage unter 6000Firmen in 25europäischen Ländern durchführte. „Eine bessere Zahlungsmoral könnte der Wirtschaft in Europa deutlichen Auftrieb verleihen.“

Allein in Österreich fielen Unternehmen um 6,5 Milliarden Euro um. Das sind zwar nur 2,3 Prozent aller Forderungen, die Zahl liegt aber um 15Prozent über den Ausfällen des Jahres 2009 (zwei Prozent). „Bei Exporten sollten die österreichischen Firmen weiter vorsichtig vorgehen. Denn in vielen Ländern sind die Abschreibungen aus unbezahlten Forderungen um mehr als zehn Prozent gestiegen – vor allem in Griechenland, aber auch in Großbritannien“, so Hutter.

 

Britische Zahlungsmoral sinkt

Positiv entwickelt haben sich Deutschland, die Schweiz, Litauen und Island. Die Zahlungsmoral ist in diesen Staaten gestiegen. In Deutschland blieben 2,4 Prozent aller Forderungen unbeglichen. 2009 waren es noch 2,6 Prozent.

In Großbritannien nahmen die Ausfälle stark zu: Sie stiegen von 2,4Prozent im Jahr 2009 auf 3,2Prozent – eine Zunahme um ein Drittel.

Die Zahlungsmoral in Europa hat sich insgesamt verschlechtert: „Der Trend geht auch in der Erholungsphase dahin, Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen, um Liquidität möglichst lange im Unternehmen zu halten“, heißt es bei Intrum Justitia.

Im europäischen Schnitt dauert es 56 Tage, bis Unternehmen Rechnungen begleichen. Die Unternehmen führen das hauptsächlich auf finanzielle Schwierigkeiten der Geschäftspartner oder absichtlich verspätete Zahlungen zurück.

Am meisten Zeit beim Bezahlen lässt sich die öffentliche Hand: 65 Tage dauert es, bevor Rechnungen beglichen werden. Zwei Tage länger, als noch im Jahr 2009.

Dagegen sind die Verbraucher vergleichsweise schnell: Sie begleichen Rechnungen nach durchschnittlich 40 Tagen.

In Österreich lassen sich Bund, Länder und Gemeinden 49 Tage Zeit, bevor sie das Geld überweisen. Verbraucher bezahlen nach 28 Tagen.

 

Existenzgefährdende Spätzahler

Verzögerte Zahlungseingänge machen vielen Unternehmen zu schaffen: 28Prozent aller Firmen in Europa betrachten sie als Bedrohung für ihre Existenz, nach Ansicht von 45Prozent verhindern sie Wachstum.

In Österreich hat man sich offenbar an die Spätzahler gewöhnt: Nur 18Prozent sehen verspätete Zahlungseingänge als existenzgefährdend an, etwa jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) sieht dadurch das Wachstum gefährdet.

An Vorgaben Brüssels hält sich jedenfalls niemand: Laut einer EU-Richtlinie haben Unternehmen nämlich maximal 30 Tage Zeit, um eine Rechnung zu bezahlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)

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2 Kommentare
Gast: ein erzürnter Leistungsträger
24.05.2011 02:53
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Das Problem sind die Banken!

Banken vergeben Kredite an Unternehmen, ohne oft genaue Informationen über diese einzuholen. Kenne viele Fälle. Banken schaffen Geld aus dem Nichts, Geld ist bei der Vergabe nicht oder nur teilweise vorhanden und Banken benötigen folglich für ihr Pyramidenspiel der zauberhaften Geldschöpfung aus "thin air" immer wieder neue Kreditnehmer, um dieses Spiel überhaupt am Leben zu halten.

Konstante Blasenschwäche im System ist vorprogrammiert -> Sehr nachhaltiges Geschäftsmodell!

Die Moral der Banken:
1) anderen die Schuld geben:
Kann ein Kreditnehmer nicht zahlen, spricht man von "faulen Krediten"- wer ist denn faul? Kreditnehmer arbeiten. Banken lassen andere arbeiten- nämlich die nächsten Kreditnehmer finanzieren das vergebene Geld davor!

2) Die wahren Sozialschmarotzer: Steuern zahlen im Staat?- warum denn?- es gibt ja Steueroasen auch. Und wenn- 6% maximal- das reicht ja schon^^

3) in der Krise:
Banken erzaubern sich ihr Geld, es profitieren bei Banken eigentlich nur wenige, verzaubert man sich einmal, darf das ganze Volk einspringen!
Man ist ja "too big to fail". Super Risikomodell!

4) andere reinziehen:
Verstärken sich z.B. in der Eurozone Probleme, werden Politiker beeinflusst neue Länder in die Eurozone zu bringen, um dieses Schneeballsystem zu erhalten.

5) anderen die Schuld über Medien (Kauf, Beteiligung an diesen) geben: "es sind ja z.B. die Griechen!" - die Banken haben nicht mitgesteuert. Ach nein! Auch nie profitiert!

Banken sind einfach nur mehr peinlich.

Gast: Reflector
24.05.2011 01:42
1 0

Und wieder die öffentliche Hand

Eigentlich sollte diese als Vorbild wirken, doch generell ist diese der fiseste Kunde und der schlechteste Dienstleister.

Besonders auch dann wenn man Firmen aus dem ehemaligen öffentlichen Umfeld dazurechnet wie z. B. die Energieversorgungsunternehmen die sich als ausgezeichnete Versorgerposten Firmen generieren.

Zocken ab ohne Service und werden von Justizia noch beschützt.

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