Eine Feuerwehr ohne Feuerlöscher

23.05.2011 | 18:21 |  STEFAN RIECHER (Die Presse)

Die Banken sollten Solidarität mit Griechenland zeigen, meint der Währungskommissar der Europäischen Union, Olli Rehn. Die Voraussetzungen für eine derartige "Wiener Initiative" sind jedoch denkbar schlecht.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Die Spatzen pfeifen es seit Monaten von den Dächern, nun geht auch die EU offiziell davon aus, dass die Gläubiger Griechenlands in irgendeiner Art und Weise einen Beitrag leisten müssen: „Wir verhandeln intensiv über eine Art Wiener Initiative“, bestätigte Währungskommissar Olli Rehn am Montag in Wien. Dabei sollen sich Banken, die griechische Staatsanleihen halten, freiwillig auf ein längeres Zahlungsziel einigen.

Mehr zum Thema:

Auch wenn die EU das so nicht nennen will, eine derartige Variante würde einem „Haircut“ gleichen. Die entgangenen Zinseinnahmen des geliehenen Kapitals entsprechen indirekt einem Forderungsverzicht. Ganz abgesehen davon: Dass sich die Banken auf eine „Wiener Initiative“ für Griechenland einigen können, gilt in der Branche als äußerst unwahrscheinlich.

 

„Konsens würde mich wundern“

Die Idee beruht auf dem Vorbild von 2008, als die drei größten österreichischen Banken (Bank Austria, Erste Group, Raiffeisen International) übereinkamen, Osteuropa nicht im Stich zu lassen und keine Gelder aus der Region abzuziehen. Neun internationale Institute folgten dem Vorbild. Zwei Jahre später ist die Region zum größten Teil stabilisiert.

„Klar wäre es positiv, wenn sich die Gläubiger einigen, um Griechenland zu retten“, sagt Valentin Hofstätter von Raiffeisen International. Ein derartiger Schritt würde die Liquiditätsprobleme von Europas Sorgenkind vermindern. Und für die Gläubiger wäre das längere Zahlungsziel immer noch besser als die Zahlungsunfähigkeit des Landes. Einzig: „Mich würde es wundern, wenn die Banken einen breiten Konsens dafür finden“, meint der Analyst.

Währungskommissar Rehn will sich zum Fortschritt der Verhandlungen nicht äußern. Das Hauptproblem liegt aber auf der Hand: In Osteuropa deckten 2008 die zehn größten Banken drei Viertel des Geschäfts in der Region ab. Sie konnten ein klares Zeichen setzen. Einigten sich die zehn größten Gläubiger Griechenlands auf ein längeres Zahlungsziel, wäre damit deutlich weniger als die Hälfte der ausgegebenen Staatsanleihen abgedeckt. All jene, die nicht mitmachen, würden von dem Konsens der „Großen“ profitieren. Sie könnten ihre Anleihen ganz normal fälligstellen.

Doch selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich alle Institute, die griechische Staatsanleihen besitzen, auf ein längeres Zahlungsziel einigten: Das Schuldenproblem des Landes wäre damit keineswegs gelöst. „Es würde eine Umschuldung lediglich hinauszögern“, meint Hofstätter.

 

Privatisierungen als Lösung?

Gibt es also noch einen anderen Weg als weitere Milliardenhilfen, um eine griechische Insolvenz zu vermeiden? 110 Mrd. Euro sind bislang geflossen, zumindest zwölf Mrd. Euro von EU und IWF (Internationaler Währungsfonds) sollen bis Ende Juni hinzukommen.

Glaubt man Rehn, könnte dann Schluss sein. Die „Wiener Initiative“ zusammen mit „umfangreichen Privatisierungen und größerer fiskaler Disziplin“ sollen Athen vor dem Untergang retten. Der Kommissar schätzt das Potenzial von Privatisierungen auf 50 Mrd. Euro oder 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zu wenig, sind sich die meisten Experten einig – angesichts einer Schuldenquote von über 150 Prozent sowie einer kaum wachsenden Wirtschaft (0,8 Prozent im ersten Quartal).

„Ich würde mir in nächster Zeit keine griechischen Staatsanleihen kaufen“, sagt Analyst Hofstätter. „Mein Beitrag als Steuerzahler ist schon groß genug.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

42 Kommentare
 
12
Gast: Gast 99
24.05.2011 14:21
0

längeres Zahlungsziel

Ganz abgesehen davon, dass Griechenland ein grundsätzliches Problem hat, nämlich dass der totalen Überschuldung, würden sich ja auch bei einer separaten Vereinbarung eines längeren Zahlungszieles die durch den Zahlungsaufschub entgangenen Zinsen und Zinseszinsen mitberücksichtigen lassen. Allerdings müssten die in den Banken dadurch vorläufig entfallenden Rückzahlungsströme mit ihren ursprünglich geplanten Rückzahlungszeitpunkten genauer in ihren Auswirkungen auf die Liquidität der Bank analysiert werden. Sicher eine Aufgabe für das Treasury. Ob diese Massnahmen wirklich helfen ist eher zu bezweifeln.

Notverkäufe bringen zu wenig Ertrag!

Ich kann mir, ganz ehrlich gesagt, nicht vorstellen, daß um das noch verbliebene griechische "Tafelsilber" ein besonderes Gries sein wird. Es hat ja auch die seinerzeitige Privatisierung der DDR-"Errungenschaften" nur teilweise den erhofften Erlös erbracht. Wer in einer Notsituation verkaufen MUSS, der ist zumeist gezwungen, beim Verkaufspreis die Hosen runter zu lassen, damit überhaupt jemand Interesse an dem Krempl zeigt!

Und was die aktuelle Lage in Griechenland betrifft: Selbst wenn tatsächlich - unwahrscheinlich aber nicht ganz unmöglich - die seitens der Regierung erhofften Summen lukriert werden können: Wie geht es dann weiter? Ohne Betriebsmittel kann der Staat auch nicht jene Waren und Produkte erzeugen, von deren Export er nötige Devisen bekommt! Und dann muß wieder der nächste "Rettungsschirm" geknüpft werden! So lange, bis auch sämtliche Geberländer in der EU endgültig pleite sind und die US-Ratingagenturen nach Washington melden können: Operation EU-Vernichtung abgeschlossen!

Ich kenn einen Feuerwehrmann

Unsere Grinsekatz würd am liebsten die nächsten 25 Milliarden Löschwasser auf den EU-Rettungsschirm verspritzen.

Gast: UltraBit
23.05.2011 19:58
2

Olli Rehn: "Europa ist aus hartem Holz geschnitzt"

... wenn er wüsste, wie recht er hat...

denn wo gehobelt wird, fallen bekanntermaßen auch Späne. Mit ein wenig mehr Weitsicht würde Herr Rehn erkennen, dass die Klinge, die das vermeintlich harte Holz geformt hat, aus Stahl ist.
Diese Klinge fährt immer und immer wieder übers Holz, bis vom eigentlichen Werkstück nichts mehr übrig bleibt, weil man auf die Meister nicht gehört hat.

Auch hartes Holz brennt gut

so wie die Milliarden Euro, die man in Griechenland, Portugal, Irland und demnächst auch in Spanien und Italien verbrennt. Europa schlittert in ein Desaster und die EU-Bosse glauben noch immer, dass sie uns verar........ können. Demos in Griechenland täglich, in Spanien und nun auch in Tschechien. Das alles trägt doch dazu bei, dass unser Steuergeld in diesen Ländern verbrannt werden wird, aber die Brüsseler Bürokraten glauben noch immer an den Weihnachtsmann. Es scheint, als haben diese Barroso-Vasallen ihr Hirn komplett ausgeschaltet.

Europa ist aus harten Holz geschnitzt

Von welchen Holz spricht der Polit-Kommissar Rehn?
Er meint das flüssige Giessholz.
Dieses wird aber nicht geschnitzt, sondern in einer Form gegossen.
Als Form für die EU diente die "Stalinistische Staatsform"

Dieser Rehn hat ganz offensichtlich extrem ausgeprägte Wahrnehmungs- und Urteilsstörungen.

Wenn Spanien 40 % Jugendarbeitslosigkeit hat noch zu behaupten, dass "Spanien nicht ernsthaft angesteckt worden sei", ist blanker Zynismus

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/generation-ni-ni/

Gast: unbeteiligter
23.05.2011 15:53
2

Euro aus hartem Holz ? bisher ............

kann ich nur Holzköpfe beim Untergang beobachten, die so tun als ob sie was retten könnten...........

Gast: garstig?
23.05.2011 15:29
5

alles bestens tralalala..



ich pfeif' im wald und fürcht mich nicht, hopsassa !

jetzt ist bald ausgesungen, kommissionsgfraster!

Gast: einbereuendereuwähler
23.05.2011 15:08
2

Olli Rehn: "Europa ist aus hartem Holz geschnitzt"

Nur ist der Holzwurm fleißig am werken!!!

weiterhin Valium fürs einfache Volk

damit es ruhig gehalten werden kann; mehr steckt da nicht dahinter !
Egal ob nun auch Italien, Spanien oder sonstige Länder zahlungsunfähig werden (sind), wir sind es auch schon sehr bald, und dann kommen sehr harte Zeiten auch auf uns zu !
Darum sobald wie möglich diese EU samt Währung auflösen, denn umso früher werden auch die schmerzlichen EInschnitte sein.
Nur, was wird dann aus all den Versagern in Brüssel, welche sich eigentlich genau darum sorgen nicht weiterhin gesponsert zu werden ?

Gast: Blankenstein Husar
23.05.2011 14:10
3

An diesen Aussagen erkennt man,

wie abgehoben und fern der Realität diese EU-Heinis bereits agieren und das von ihnen verursachte Desaster auch noch schönreden.

Es ist nicht nur eine bodenlose Frechheit, sondern eine Beleidigung aller europäischen Bürger, deratige Lügengebäude aufzutischen.

Der olle Rehn hätte sich einen Hartholz-Tritt in seinen Hintern verdient, und zwar so kräftig, dass er in eine Umlaufbahn um sein Paralleluniversum einschwenkt....


aus welchem Material

mögen wohl die Köpfe dieser so positiv gestimmten "Wirtschaftsexperten" geschnitzt sein??

Gast: earthmountain
23.05.2011 13:33
8

ich ahnte gleich (anno 2000) dass da irgendwas faul ist

auf UNS sind die EU-Granden losgegangen, halb EUropa hat sich auf uns gestürzt, wie wnen Österreich ein Drittwelt-diktatur wäre.

Sogar die (Schwindler)-Griechen haben uns boykottiert!

Genau die, die wir jetzt ali-mentieren sollen!!

Diese heuchlerei, diese geheuchelte "Wertegemeinschaft" - die Schwindler und Nehmer stellten sich als moralische Instanz dar, wir mussten kuschen und uns ausgrenzen lassen.

Udn die Journalisten - exemplarisch profil von chr. rainer - in schwarzer Trauerumrandung - wurde als DAS ENDE dargestellt.

Nun, EUropa ist (wenigstens moralisch) am Ende, das ist wahr.

Doch daran hat nicht haider oder STrache oder die FP schuld, sondern ganz andere.

Doch die werden belohnt, und nichtmal für Betrug strafrechtlich verfolgt (Budgetbetrug der griechischen Behörden!!).

Aber - die hysterische Aufregung damals war auffällig, man hante gleich dass da was nicht stimmen kann.
Diese pharisäerhafte Vereinnahmung, entweder "wir" oder "EUropa", diese Festlegung auf die EU als alternativlose Alleinseeligmachung, das war schon auffällig!!

Hätte die EU mehr auf dei Schwindler geschaut und nicht auf Österreich, das brav schon viele Milliarden Richtung Brüssel gezahlt hat.
Als Dank dafür haben wir jetzt offene Ostgrenzen (von der EU unter STRAFE gestellt!!) - und dürfen uns von Rumänischen und polnischen Banden ausplündern lassen....

Gast: GNessmann
23.05.2011 13:23
3

Infektionsgefahr?

Na profunder geht es schon nicht mehr. Seit wann ist das ein volks- oder gar waehrungswirtschaftlicher Begriff.

Aber der Ueberwitz ist doch eher der, dass Sozialisten an den Schalthebeln des Bankensystems sitzen.

Als ich vor 20 Jahren an der WU studierte waren Badelt und Nowotny so ziehmlichst die linksten Volkswirte (Badelt predigte damals schon ein Grundeinkommen fuer alle nur fuers Atmen - wollte aber zumindest den Beamtenapparat dafuer im Gegenzug drastisch zusammenstutzen). Und was haben wir jetzt? Nowotny leitet die OeNB und Badelt die WU!

Spanien sei OK? Ueber 50% Jugendarbeitslosigkeit und der Mob in den Strassen .... A-OK sage ich da nur!

Und Griechenland? Die haetten schon beim letzten Krach ordentlich was tun sollen - aber da passierte, praktisch gesehen, ganz wenig, denn der Lynchmob war sofort in den Strassen.


Gast: yxyxyxyxyxy
23.05.2011 13:10
8

Realitätsverlust.

Solides Wachstum in Italien?
Spanien von der Krise abgekoppelt?
Anscheinend leidet der Mann an zwanghafter Realitätsverweigerung,und will nicht sehen wie alles um ihn herum knirscht und langsam bröckelt.

Gast: smilefile
23.05.2011 13:09
2

Ganz einfach Frage, eines Steuerzahlers

Europa,- wer bist Du ? (Identität) und wo stehst Du?? Hinter deinen 350 Millionen Steuerzahlern,- oder sind es ein paar weltweit agierende Kapitalisten gleich welcher Herkunft und europäischen Interessen,...

Re: Ganz einfach Frage, eines Steuerzahlers

na das ist mal Realität zum greifen nah!

Gast: radius
23.05.2011 12:46
2

Die Blöden bleiben, sogar die Griechen lagern aus.


Gast: "GENUG GEZAHLT"
23.05.2011 12:30
9

Realitätsverweigerer

Wenn ein erneuter wirtschaftlicher Abschwung, eine wieder steigende Arbeitslosenzahl, eine schwierigere persönliche Situation der Menschen auf der einen Seite gekoppelt mit erneuten Milliardenzahlungen an Finanzinstitute oder an andere Staaten zusammentreffen, dann entstünde daraus ein explosives Gemisch.
Auch unsere Regierung fürchtet das Pöbel-Volk. In Griechenland und Spanien werden die Politiker schon jetzt zum Teufel gewünscht, gerade die jungen Leute gehen auf die Straße.Aber ich sage zurecht!

http://www.genuggezahlt.at/

Gast: Marximiliane
23.05.2011 12:15
9

"Hartes Holz" sind keine Fakten

Hartes Holz. Aha.

Fakten?
Was kostet das den Steuerzahler?
Wieviele Tage Zeit bringt das?
Um wieviel größer ist das Finanzierungsloch der PIGSI dann im Juni/ September/ Dezember?
Um wieviel steigen in Österreich/ Deutschland etc. die Haftungen pro Quartal?
Welche Ratingverschlechterungen haben Österreich/ Deutschland etc. durch die vermehrten Haftungen zu erwarten?
Was wird uns das dann kosten?

usf...

Frage ist nur,

ob hartes Holz nicht brennt?
Europa hatte durch den Kolonialismus Kapital augebeutet und jetzt wird diese Kapital innerhalb von Europa verpulvert!
Ich möchte Europa in 5 Jahren noch mal sehen!

Re: Frage ist nur,

ich nicht wird kein hübscher Anblick werden!

Das Kapital wurde ausgebeutet und anschließend verpulfert ;-)

Ja, ja, nichts ist schöner wie eine ordentliche Sinnkriese ;-)

...wohl eher aus griechischem Feta-Käse


Gast: ecco
23.05.2011 11:48
6

der herr rehn

ist ein kasperl aller erster güte. wenigstens hat er sich - wie alle in brüssel - ordentlich die taschen vollgestopft.
man kann nicht gegen die märkte arbeiten und politisch verordnen kann man harmonie schon gar nicht ...

 
12

Umfrage

AnmeldenAnmelden