Wien/Red. Für Griechenland ist die derzeitige Finanzsituation nicht wirklich neu: Seit dem Jahr 1800 ging das Land – mit Stand heute – fünfmal pleite. Spanien war achtmal zahlungsunfähig, Österreich-Ungarn sogar neunmal. Und dabei wird es nicht bleiben: Kenneth Rogoff, früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, glaubt, dass in Zukunft eine Reihe von Eurostaaten pleitegehen wird. Der Euro werde diese Krisen aber überleben.
Rogoff untersuchte gemeinsam mit Carmen Reinhart zahlreiche Finanzkrisen und urteilte bereits 2009 in dem Bestseller „The Time is Different“ über Griechenland: Das Land sei eigentlich „seit 1800 (. . .) beinahe ständig im Zustand des Default (der Unfähigkeit, Schulden zu bezahlen, Anm.)“.
Die Ökonomen haben bei ihren Nachforschungen herausgefunden, dass es eine Art Schwellenwert gibt, ab dem die Staatsverschuldung empirisch nachweisbar zu einem nur schwer lösbaren Problem wird: Wenn die Schulden 90 Prozent des BIPs übersteigen. Ein solcher Wert habe zur Folge, dass das Wachstum abgewürgt werde.
In Europa haben Griechenland, Irland und Portugal eine Verschuldung von mehr als 90 Prozent. Eine Staatsbankrott-Automatik sei diese Zahl nicht, wie Japan zeige, das seit Jahrzehnten in der „Todeszone“ lebe und aktuell mit 200 Prozent des BIPs verschuldet ist. Hoch verschuldete Länder wachsen aber um einen Prozentpunkt weniger stark pro Jahr.Und wie kommen Staaten am besten aus der Krise? Da sei, schreiben Rogoff und Reinhart, der „plötzliche Ausbruch einer moderaten Inflation“ von etwa sechs Prozent „extrem hilfreich“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2011)

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