Krise: Staatsbanken fürchten Griechen-Pleite

EU und IWF arbeiten an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland, um einen Schuldenerlass zu verhindern. Von einer Umschuldung wären in Österreich vor allem staatliche Banken betroffen.

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(c) EPA (Karl-Josef Hildenbrand)

Wien. Bei einer Umschuldung Griechenlands drohen in Österreich weniger den privaten Investoren als vor allem staatlichen Banken hohe Wertberichtigungen. Laut Auskunft der Nationalbank (OeNB) liegt das Volumen griechische Staatsanleihen, die in Österreich gehalten werden, bei vier Mrd. Euro. Diese Papiere werden als Ramsch eingestuft und gelten als unverkäuflich.

Welche Banken besonders viel Geld in Griechenland liegen haben, sagt die OeNB nicht. Die Geheimniskrämerei hat einen Grund. Die Nationalbank wäre in Österreich von einer Restrukturierung wohl am stärksten betroffen. Ihr Griechenland-Engagement wird auf über 1,5 Mrd. Euro geschätzt – manche sprechen sogar von zwei Mrd. Euro. OeNB-Chef Ewald Nowotny weigert sich, einen konkreten Betrag zu nennen.

Fest steht nur, dass die OeNB im Vorjahr im Zuge des EZB-Programms 2,3 Mrd. Euro an Anleihen von europäischen Schuldnerländern gekauft hat. Experten zufolge sollen davon mindestens zwei Drittel auf Griechenland entfallen, der Rest auf Irland und Portugal.

Der Bund haftet als alleiniger Eigentümer für die Verbindlichkeiten der Nationalbank. Zwar versichert Nowotny, über genügend Reserven zu verfügen. Trotzdem will die OeNB in den nächsten Jahren die Rückstellungen um 1,5 Mrd. Euro aufstocken.

Angst vor hohen Abschreibungen

Auf Platz zwei im Griechenland-Ranking liegt wieder ein Staatsinstitut: die KA–Finanz, die „Bad Bank“ der Kommunalkredit. Diese ist mit einer Mrd. Euro in dem hoch verschuldeten Land investiert. Die Kommunalkredit gehörte einst mehrheitlich dem Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG und wurde im Herbst 2008 mit der Verstaatlichung vor der Pleite gerettet.

Die ebenfalls im Staatsbesitz befindliche Hypo Alpe Adria hielt sich dagegen von Griechenland fern. Im Geschäftsbericht 2010 der Hypo wird der „Worst Case“-Betrag mit 90 Mio. Euro angegeben. Addiert man das Engagement der drei Staatsbanken, ergibt sich ein Griechenland-Obligo von 2,5 bis drei Mrd. Euro.

Experten wie Bank-Austria-Volkswirt Stefan Bruckbauer halten eine Umschuldung für notwendig. Bei früheren Staatspleiten wie in Argentinien verzichteten die Gläubiger auf 70Prozent. In einem solchen Fall müssten Österreichs Staatsbanken rund 1,75 Mrd. Euro wertberichtigen. Das ist deutlich mehr, als Österreich bislang an Hilfen nach Griechenland überwiesen hat. Ende Juni wird Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) die nächste Tranche der Hilfskredite für das südeuropäische Land in der Höhe von 153 Mio. Euro überweisen. Bis dato flossen von Wien 1,2 Mrd. Euro nach Griechenland. Der gesamte Österreich-Anteil auf das 110 Mrd. Euro schwere Hilfspaket beläuft sich auf 2,3 Mrd. Euro.

 

Zweites Hilfspaket wahrscheinlich

Um einen Schuldenerlass zu verhindern, wollen die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) noch einmal 65 Mrd. Euro drauflegen. Damit müsste Österreich eine weitere Milliarde beisteuern. Am Montag hieß es, die Europäische Union und der IWF arbeiten im Stillen an einem zweiten Hilfspaket. EZB-Direktor Lorenzo Bini Smaghi meinte, dass eine Umschuldung einem Todesstoß für Griechenland gleichkäme.

Im Gegensatz zu den Staatsinstituten haben in Österreich die privaten Geschäftsbanken (wie Raiffeisen, Erste Bank und Volksbanken) ihre Griechenland-Investments zuletzt zurückgefahren. Die Raiffeisen Bank International (RBI) hält keine Staatsanleihen. An griechische Firmen und Banken sind Kredite in der Höhe von 132 Mio. Euro ausständig. Noch vor einem Jahr waren es 245 Mio. Euro. Beim Volksbanken-Spitzeninstitut ist das Griechenland-Exposure von 200 Mio. Euro auf 150 Mio. Euro gesunken.

Um mehr Geld geht es bei der Erste Bank. Diese bezifferte ihre Forderung gegenüber dem griechischen Staat zum 31.März 2011 mit 614 Mio. Euro. Der Betrag wurde aber in den vergangenen Wochen reduziert, heißt es. Inklusive Kredite an griechische Banken ist die Erste Bank mit 815 Mio. Euro engagiert, wobei für heuer noch eine Rückführung von 100 Mio. Euro erwartet wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2011)

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