Banken flüchten aus Griechenland-Anleihen

09.06.2011 | 18:24 |   (Die Presse)

Die deutschen Geldinstitute haben ein Drittel ihrer griechischen Staatspapiere verkauft. Damit verstoßen sie gegen eine Abmachung mit Finanzminister Schäuble. Ein zweites Hilfspaket scheint unausweichlich.

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Berlin/Frankfurt/Weber/Ag. Deutsche Banken und Versicherungen haben sich seit April 2010 von fast einem Drittel ihrer griechischen Anleihen getrennt. Dies mag auf den ersten Blick nicht weiter erstaunen. Jedoch verstoßen die Institute damit gegen eine Abmachung mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, dem sie zugesichert hatten, die Papiere nicht auf den Markt zu werfen. So sollte der Preis für die Anleihen stabil gehalten werden.

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Einen Monat bevor das erste Hilfspaket geschnürt wurde, war das Engagement der deutschen Banken noch 16 Mrd. Euro schwer. Bis Februar 2011 reduzierten es die Institute auf rund 10 Mrd. Euro, schreibt die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf die Deutsche Bundesbank. Die Versicherungen stießen im selben Zeitraum über die Hälfte ihrer griechischen Staatspapiere ab.

Insgesamt haben die europäischen Banken ihren Bestand an griechischen Anleihen im Verlauf des vergangenen Jahres um mehr als ein Drittel reduziert, darunter auch die österreichischen Institute. Die Erste Group besitze zurzeit griechische Anleihen im Wert von 550 Mio. Euro, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Vor einem Jahr waren es noch 700 Mio. Euro.

Dass sich die deutschen Geldhäuser nicht an ihre Abmachung mit Schäuble gehalten haben, dürfte etwaige Zusagen im Rahmen eines zweiten Rettungspakets in einem neuen Licht erscheinen lassen. Andererseits sei es angesichts einer möglichen Umschuldung Kunden und Aktionären gegenüber geradezu unverantwortlich, die Papiere weiter zu halten, sagen Branchenkenner.

 

Griechen brauchen 90 Mrd. Euro

Diese Woche war allerdings ein Plan des deutschen Finanzministers bekannt geworden, in dem er sich auch für eine Beteiligung privater Gläubiger an einem neuen Hilfspaket ausspricht. Dafür wird der Spielraum nun immer kleiner. Man müsse sich fragen, ob die Banken bei einem Zahlungsaufschub für Griechenland überhaupt noch ausreichend beteiligt würden, meint etwa der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann. Nach Anleihekäufen durch die EZB und diversen Hilfskrediten sei die öffentliche Hand mittlerweile der größte Geldgeber Griechenlands.

Ein zweites Hilfspaket für das klamme Euroland scheint derweil unausweichlich. Am Mittwochabend veröffentlichte die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EZB und der EU-Kommission ihren Bericht zur Lage des Landes. Fazit: Griechenland braucht weitere 90 Milliarden Euro, wenn es vor einer Pleite bewahrt werden soll. Eine Rückkehr an die Finanzmärkte im Jahr 2012, wie ursprünglich vorgesehen, sei „äußerst unwahrscheinlich“. Jeweils ein Drittel soll dabei von Privatisierungen, neuen Hilfskrediten und privaten Gläubigern kommen.

In der Zwischenzeit gerät die Wirtschaft des Landes weiter ins Hintertreffen. Wie das Statistikamt in Athen am Donnerstag bekannt gab, wuchs das hellenische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2011 um nur 0,2 Prozent. Erste Schätzungen waren noch von 0,8 Prozent ausgegangen. Auch aus Sicht der Troika scheint die Rezession „etwas tiefer und länger auszufallen als anfangs angenommen“, heißt es in dem Bericht.

Österreichs Finanzministerin Maria Fekter sagte in einem Interview mit dem Magazin „Format“, ein Schuldenerlass sei dem Steuerzahler nicht zuzumuten und käme nicht infrage. Sie werde entschlossen dafür kämpfen, dass die Griechen ihre Schulden tilgen.

Im Lichte der drohenden Staatspleite setzten die Risikoaufschläge von Griechenland-Anleihen am Donnerstag ihren Höhenflug fort. Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren rentieren jetzt mit 23 Prozent.

Auf einen Blick

Die europäischen Banken haben ein Drittel ihrer griechischen Staatsanleihen verkauft. Der größte Geldgeber ist mittlerweile die öffentliche Hand. Ein zweites Hilfspaket scheint für IWF, EZB und die EU-Kommission unausweichlich, denn die Wirtschaft stagniert und die Refinanzierungskosten an den Märkten sind weiter auf Höhenflug.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2011)

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178 Kommentare
 
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Es fällt schon auf,

daß sich die sonst so publizitätssüchtigen Manager der großen österreichischen Geldinstitute zu den Nachrichten der letzten Tage über den Rückzug deutscher und französischer Banken aus Griechenland gar nicht äussern! Offenlegung der Engagements
wäre angezeigt, bei der Forderung nach Staatshilfen auf Kosten der Steuerzahler war man nicht so schüchtern.....


Gast: Klugscheixer
10.06.2011 17:30
0

Ist das wirklich so??

...waren noch ...schwer...??? Könnte die pt Presse Redaktion ihren Ar.ch aus dem Sessel heben und recherchieren, wieviel Nominale verkauft und wieviel abgewertet worden ist? Zur Erinnerung: Nominale x Kurs = Wert.

Gast: Luzifer
10.06.2011 16:06
0

Gott sei Dank war die EZB blöd genug, den Banken

wertlose griechische Anleihen abzukaufen.
Die EU und die europäischen Regierungen haben sich stümperhaft verhalten. So wie ein Kridatar bis in den letzten Moment versucht, Geld zu bekommen, um die Pleite seines Betriebes (scheinbar) zu vermeiden, haben auch die Griechen Anleihen verkauft, obwohl sie wußten, daß sie diese nicht mehr zurückzahlen können. Und die europäischen Regierungen haben in ihrer wirtschaftlichen Ahnungslosigkeit dabei mitgemacht. Dabei wir mit jedem Tag, wo man mit der Insolvenz zuwartet, der Schaden immer größer. Der Vergleich mit dem Verhalten etwa von BAWAG-Elstner drängt sich geradezu auf. Nur kann man offenbar Regierungsmitglieder wegen der Begünstigung von Gläubigern bzw. wegen "Umtriebe im Konkurs" leider nicht strafrechtlich haftbar machen.

Hätte die EU mit der Sorgfalt etwa eines Kaufmannes gehandelt und die Kreditwürdigkeit Griechenland geprüft, wäre von vornherein das Kreditvolumen und der Schaden wesentlich geringer. Und die Griechen hätten nicht nach dem Motto: "Solange der Wirt nur weiterborgt, sind wir vergnügt und unbesorgt!" weiter Geld ausborgen können.
Meiner Meinung sind sowohl die Kreditnehmer als auch die Kreditgeber schuld und müssen sich den Schaden teilen: die Ersteren, weil sie in Kenntnis, daß sie das Geld nicht zurückzahlen können, Geld geborgt haben, Letztere, weil sie in dieser Kenntnis leichtfertigt (fremdes) Geld geborgt und damit einer betrügerischen Krida Vorschub geleistet haben.

Nicht nur die Griechen können streiken auch wir können protestieren

Nicht nur die Griechen können streiken auch wir können protestieren, daß unser Steuergeld im Faß ohne Boden Griechenland verschwindet. Deshalb jetzt laufende parteiunabhängige Protestaktion unterstütze:

http://money.oe24.at/Athen-schnuert-hartes-Sparprogramm/30786245

Den letzten beissen die Hunde

wer das dann wohl sein wird?
Die Bevölkerung, vulgo Steuerzahler, natürlich!
Die Banken haben ihre Marionetten in den Finanzministerien, die sich für ihre Interessen einsetzen. Für das Volk setzt sich offensichtlich niemand ein - es wird als Brennstein benötigt und ist zu träge, um ordentlich dagegen aufzumucken!

Antworten Gast: Vogel Strauss
10.06.2011 13:54
0

Re: Den letzten beissen die Hunde

Zu träge?? Einfach zu blöd dazu - der Masse reichen Brot und Spiele (Merkel mit Obama beim Diner, Häupls Hochzeit, Donauinselfest ...). Für so komplizierte Dinge wie die verschlungenen Wege unserer Währung gibt es doch die schlauen Politiker samt deren Beratungsexperten ...

Der wirkliche Grund

warum die Politiker so Angst davor haben, Griechenland in die Staatspleite zu schicken ist die Angst, von den wütenden Bürgern gelyncht zu werden, weil sie die Kredite an Griechenland, die damit teilweise verloren wären, zu leichtfertig und gegen europäische Prinzipien und Verträge (Lissabon) vergeben haben.

Gleichzeitig besteht aber wenig Hoffnung, daß Griechenland den Turnaround schafft und seinen Gläubigern in angemessener Zeit das Geld verzinst zurückzahlt.

Daher das Kalkül der Politiker "lieber ein Schrecken mit weiteren Krediten, aber ohne Ende" als vom wütenden Mob verprügelt zu werden.


Antworten Gast: Vogel Strauss
10.06.2011 13:52
0

Re: Der wirkliche Grund

Genau - der Juncker hat angeblich schon Morddrohungen bekommen, der Arme!

Gast: Freund der Banken, also Freund der Sparer
10.06.2011 08:39
1

Ungleichgewicht zwischen den doofen Politikern

und den (noch halbwegs) schlauen Banken. UND DAS IST GUT SO. Während inkompetente Politiker noch herumschleimen, handeln andere. Und wenn die Musik stoppt, dann werden die Politiker keine Sessel mehr vorfinden.

Re: Ungleichgewicht zwischen den doofen Politikern

Dann hätten die Banken aber diese Vereinbarung nicht eingehen dürfen.

Was aber passiert ist: Die Banken haben von der EU und IWF Griechenland helfen lassen, damit ist die Lage dort temporär stabilisiert worden. Damit haben die Banken die Zeit gehabt, sich ihre Gelder wieder in Sicherheit von dort abzuziehen und damit gleichzeitig Griechenland weiter zu destabilisieren!

Antworten Antworten Gast: Banksster
10.06.2011 10:39
0

Eben - Siehe Oben

Trottel auf der einen Seite (Politiker) und Profis auf der Anderen (Banken). Außer Schäuble hat Vereinbarungen schriftlich dann nehme ich alles zurück

Gast: Nyn
10.06.2011 08:34
0

haircut

Es wird wohl jedem klar sein, dass man Griechenland nicht retten können wird, sondern nur das unvermeidliche rauszögert, damit eine Insolvenz Griechenlands nicht auch Auswirkungen auf Spanien, Portugal und Italien hat. Die einzige Frage, die sich stellt, ist in welcher Größenordnung sich der haircut abspielen wird.

Banken-Manager

Die halten ihre Versprechungen nie die charaktervollen Personen....................

Ist generell ein Problem der großen Firmen (Abzockerbuden mit krimineller Energie)!!!!

Legalisiert durch die größten Gangster in der Gegenwart-die POLITIKER!!!

Antworten Gast: Hahaha1
10.06.2011 08:40
0

Re: Banken-Manager

und die Griechen sind hin, so oder so. Nur Faymännchen und Spindi müssen noch glauben...

Banken flüchten aus Griechenland-Anleihen1

Jo derfen's denn des? :-))

Gast: habgenug
10.06.2011 08:16
3

die politiker

wissen eigentlich ganz genau, was zu tun wäre nur keiner spricht es aus..da schafft man sogar einen neuen euphemismus um die banken rethorisch zu schonen "private gläubiger" haha ....das ist ja alles nurmehr ein witz!
Es kann nicht sein, daß deren krise allein auf dem rücken der europ. steuerzahler ausgetragen wird.
wo bleibt die FINANZTRANSAKTIONSSTEUER?

Gast: Defender
10.06.2011 08:14
0

Frage an Herrn Treichl und seine Kollegen:

Haben die österreichischen Banken ihre Gelder
ebenfalls schon aus Griechenland abgezogen?

Re: Frage an Herrn Treichl und seine Kollegen:

na ich hoffe doch sehr!

Antworten Gast: money rescuer
10.06.2011 09:29
2

Re: (Zusatz-) Frage an Herrn Treichl und seine Kollegen:

Haben die österreichischen Bürger ihre Gelder ebenfalls schon aus den Banken abzuziehen begonnen?

Re: Re: (Zusatz-) Frage an Herrn Treichl und seine Kollegen:

wenn die bankmanager ihren job machen und das geld aus griechenland abziehen, brauchen sie das geld nicht von den österreichischen banken abzuziehen.

Gast: Na ja...
10.06.2011 07:58
1

Die Banken machen das, was sich die Politik nicht traut...

Indem man einfach Staatspapiere abverkauft, schafft man vollendete Tatsachen. Welcher Politiker kann da schon was tun?

Besser gesagt: Welcher Politiker traut sich noch etwas tun?

Normalerweise sollte beim einseitigen Bruch einer Vereinbarung auch der Staat/ die EU diese nicht mehr einhalten...

Lehrreich für die Zukunft ist, wie verlässlich der Finanzsektor handelt. Oder auch nicht.

Banken halten Abkommen nicht ein?

- Staatshilfe bzw. -garantie SOFORT fällig stellen.
- Bankerboni mit 99% einkommensbesteuern

Wie lange lassen sich unsere Politiker noch von den Banken verarschen?
Wie lange wir noch von unseren Politikern?

Re: Banken halten Abkommen nicht ein?

SOLANGE WIR ZUSCHAUEN UND ES DULDEN, DAS DIE BANKEN DIE POLITIKER SCHMIERT!!!!!!!!

Gast: gast-g
10.06.2011 07:22
2

Banken flüchten aus Griechenland-Anleihen

Aus der Sicht der Bankster würde ich mir aber bald überlegen in welche sicheren Gefilde man mit der abgezockten Kohle abhauen kann. Denn bei der Stimmung, die sich schön langsam in Europa aufbaut, könnten sie in gar nicht so ferner Zukunft in der Gegend rumhängen.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
10.06.2011 07:02
5

Flüchten

Eigentlich ganz interessant: Während die deutschen Banken aus dem unsicheren Griechenlandgeschäft fliehen, entscheidet sich die österreichische Regierung wieder einmal 2,8 Milliarden Euro ganz offensichtlich auf Land zu setzen.

Stellt sich die Frage: Arbeitet Österreichs Regierung am österreichischen Staatsbankrott?

Wir fordern dazu auf: Stoppt das staatsfeindliche Verhalten.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://jachwe.wordpress.com

Re: Flüchten

Die Politiker arbeiten für die Bilderberger...................sogar der Faymann ist einer!!

 
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