EZB-Stark: Privatsektor nur "völlig freiwillig" beteiligen

Für den Chefvolkswirt führt Zwang zu einer Neubewertung der griechischen Papiere. Den Euro sieht er trotzdem nicht in Gefahr und verteidigt die Anleihen-Politik der EZB.

Jürgen Stark warnt vor der Vorgangsweise bei der Privatsektorbeteiligung in Griechenland
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Jürgen Stark warnt vor der Vorgangsweise bei der Privatsektorbeteiligung in Griechenland
(c) EPA (Alex Hofford)

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, sieht für die Beteiligung des Privatsektors an neuen Griechenland-Hilfen nur einen ganz engen Spielraum. "Wir sind nicht gegen eine Einbeziehung des Privatsektors", sagte Stark im Deutschlandfunk. "Aber es muss völlig freiwillig sein." Aus Marktreaktionen habe man gelernt, "dass jede Art von Zwang dazu führt, dass eine Neubewertung der griechischen Papiere vorgenommen wird, und dass letztlich die Gefahr droht, dass eine partielle oder eine totale Gefahr der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands drohen könnte". Den Euro sieht Stark trotz der Probleme Griechenlands, Irlands und Portugals nicht in Gefahr. "Das Schicksal des Euro hängt nicht von diesen Ländern ab", erklärte er.

Handlungsbedarf besteht nach seinen Worten in erster Linie bei Griechenland selbst. Das Land müsse seine Hausaufgaben beim Weg heraus aus dem Schuldensumpf machen. Griechenland müsse wieder an die Märkte zurückkommen, unterstrich Stark. Dazu müsse das Land die Auflagen erfüllen, die ihm im Gegenzug zu Hilfen gestellt worden seien.

Stark verteidigt Anleihenkauf der EZB

Kritik an der EZB wegen ihrer Aufkaufprogramme für Anleihen von Euro-Problemländern wies er zurück. Die Motivation dafür sei eine "rein geldpolitische" gewesen. Seit drei Monaten seien keine Papiere dieser Art mehr am Sekundärmarkt gekauft worden. "Das Instrument ist nach wie vor verfügbar", machte er klar. Stark bekannte sich aber zu einer ablehnenden Position, es wieder zu nutzen.

Im Übrigen habe sich der Ankauf solcher Papiere nur "in einem sehr engen Rahmen" bewegt. Die Anleihen seien zu Marktpreisen gekauft worden und mit einem zusätzlichen Abschlag in die EZB-Bilanz genommen worden. "Wir betreiben ein sehr konservatives Risikomanagement", formulierte Stark. "Unsere Risiken sind wirklich beherrschbar."

(APA)

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