Griechen flüchten aus Staatsanleihen

16.06.2011 | 18:26 |   (Die Presse)

Nicht nur deutsche und französische Banken verkaufen im großen Stil griechische Anleihen. Sie reduzierten die Anleihen um ein Drittel. Auch Athener Finanzkonzerne verlieren jegliches Vertrauen.

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Wien/Höll. Deutsche und französische Banken haben zuletzt ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um ein Drittel reduziert. Diesem Beispiel folgen nun die griechischen Finanzkonzerne. Die „National Bank of Greece“, die größte Privatbank des Landes und nicht zu verwechseln mit der Athener Nationalbank, hat laut dem jüngsten Quartalsbericht 4,8Mrd. Euro an Staatsanleihen auf den Markt geworfen, weil diese von Ratingagenturen als Ramsch eingestuft werden. Zudem hat das Institut angekündigt, das Volumen der Hellas-Bonds von derzeit 13,2Mrd. Euro weiter zurückzufahren.

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Dieser Schritt ist eine völlige Kehrtwende: Vor einem Jahr haben sich die Banken gegenüber der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) freiwillig verpflichtet, griechische Papiere zu halten. Inzwischen stellt sich heraus, dass sich die wenigsten an diese Abmachung gehalten haben. Haben Ende April 2010 deutsche Privatbanken noch 16Mrd. Euro an Athener Anleihen, sind es gegenwärtig nur noch 10,3Mrd. Euro. Als Käufer ist die Europäische Zentralbank (EZB) eingesprungen. Diese ist dadurch zum größten Gläubiger des schwer angeschlagenen Staates aufgestiegen. Die EZB hat Anleihen europäischer Schuldnerländer in der Höhe von 74Mrd. Euro erworben, davon soll der Großteil auf Griechenland entfallen. Die genaue Höhe gibt die EZB nicht bekannt, denn dies könnte zu einer Beeinflussung der Märkte führen, heißt es. Die EZB kann nicht pleitegehen, bei allfälligen Verlusten müssen die nationalen Notenbanken aufkommen.

 

Deutschland spielt auf Zeit

Deutschland und Österreich fordern daher, dass sich private Gläubiger – gemeint sind Banken und Versicherungen – verpflichtend an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Doch Frankreich und die Europäische Zentralbank (EZB) sind strikt dagegen. Sie bestehen auf eine freiwillige Beteiligung privater Investoren. Wegen des Streits will die Berliner Regierung jetzt mehr Zeit gewinnen. Die Entscheidung über ein zweites Hilfspaket, das auf bis zu 120Mrd. Euro geschätzt wird, soll erst im September fallen, hieß es am Donnerstag in EU-Kreisen. Bis dahin sollen alle Einzelheiten geklärt werden.

Berlins Finanzminister Wolfgang Schäuble verlangt, dass die Banken ihre bestehenden Griechenland-Papiere gegen neue Schuldentitel mit einer längeren Laufzeit eintauschen. Ob ein solcher Schritt von den Ratingagenturen als Umschuldung und damit als Zahlungsausfall Griechenlands gewertet würde, ist allerdings offen. Die Agenturen erklärten, ein solches Modell sei heikel und müsse erst genau geprüft werden.

Als Kompromiss werden daher folgende Anreize diskutiert, damit die Banken möglichst freiwillig bei der Umtauschaktion mitmachen:

• Staatsgarantie: Der Verband deutscher Privatbanken ist dafür, dass die neuen Anleihen mit einer Garantie der anderen europäischen Staaten abgesichert werden. Bei einer Pleite würden nicht Griechenland, sondern die Steuerzahler in den anderen Ländern zum Handkuss kommen.

• Höherer Zinskupon: Im Raum steht auch, dass die privaten Gläubiger für ihr Risiko von der Athener Regierung höhere Zinsen erhalten als der Internationale Währungsfonds und die Europäische Union.

• Rangordnung der Gläubiger: Diskutiert wird außerdem, dass die Inhaber der neuen Anleihen im Falle eines Bankrotts vorrangig behandelt werden.

Wegen der Krisenangst kletterten am Donnerstag die Renditen von zweijährigen griechischen Staatsanleihen auf einen Rekordwert von 30Prozent. Laut Pimco-Manager Andrew Bosomworth gefährdet die Haltung Deutschlands den Euro. Falls die Berliner Regierung nicht einlenke, liegen die Chancen für ein Auseinanderbrechen der Eurozone bei 50Prozent, so Bosomworth im Bloomberg-Interview. Pimco ist der weltweit größte Anleiheninvestor.

Auf einen Blick

Die deutsche Regierung will im Streit um ein zweites Hilfspaket für Griechenland mehr Zeit gewinnen. Die Entscheidung über zusätzliche Milliardenhilfen soll erst im September fallen, hieß es am Donnerstag in EU-Kreisen. Auch griechische Banken stoßen mittlerweile im großen Stil Anleihen ihres Landes ab. Als Käufer sprang die EZB ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2011)

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88 Kommentare
 
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Wieviele griechische Staatsanleihen

hat eigentlich die Fekter in ihrem privaten Portfolio? Das würde mich echt interessieren.

Re: Wieviele griechische Staatsanleihen

Sie wird es nicht sagen, aber den Polit-Papa Erwin fragen, er weiß sogar mehr als die ÖVP-Regierungspartei.

das geschwätz von gestern

kümmert die banken wenig , man darf küger werden ...

machen die politiker - zumindest die österreichischen - genauso, und die werden nicht mal rot dabei

Antworten Gast: uburoi
17.06.2011 14:24
0

Re: das geschwätz von gestern

das müssen die nicht werden.
es gibt keine politik mehr, weil interessen zählen.
das wars.

ps: nein, da gibts noch was, nanotechnologie.

*hüstel*

Gast: Marximliane
17.06.2011 11:15
0

Fekter: Das ist ein gutes Geschäft!

Ein paar Promille hat Österreich für die Milliardenhaftungen zurückbekommen, hurra!
Finanzministerin Fekter, erst wenige Tage iim Geschäft, hat offenbar ihren Anfangselan schon verschlissen.
Wenn sie wirklich ein gutes Geschäft machen will, soll sie lieber österreichische Anleihen kaufen und damit Österreich von Zinszahlungen entlasten!

Gast: Verkaufsangebot
17.06.2011 10:58
1

Verkaufe Hymermobil 550 S für 10 Unzen Gold!


Gast: Goldkäfer
17.06.2011 10:48
1

Wer seine SCHILLING nicht in EURO sondern in GOLD getauscht hat, ist jetzt fein raus !eak


Gast: wer wenn nicht er
17.06.2011 09:35
1

Kann es sein, dass hier bereits eine "Umschuldung" läuft?

Wenn griechische Staatsanleihen in großem Stil verkauft werden drückt das doch massiv auf deren Preis:

1. Alle Banken verkaufen ihre griechischen Anleihen mit einer Quote von z.B. 65% zunächst an die EZB. Den Verlust von z.B. 35% schreiben die Banken ab.

2. IWF und EZB geben Griechenland Kredit zu sehr guten Konditionen, mit diesem Geld kauft Griechenland die eigenen Anleihen zum EZB-Einkaufswert (z.B. 65%) zurück.

3. Die griechische Regierung setzt ihre Haushaltskonsolidierung weiter fort.

4. Sobald das Defizit wieder "normale" Dimensionen angenommen hat (0-4% des BIP), legen die Griechen neue Staatsanleihen auf, mit denen die IWF- und EZB-Kredite getilgt werden.

-> Somit ging Griechenland offiziell nie pleite, und dennoch schlucken die Banken 35% der griechischen Staatsverschuldung. Griechenland hat einen sanierten Haushalt und etwas weniger halbkommunistische Staatswirtschaft (dank Umsetzung von IWF-Auflagen wie Privatisierungen, Abschaffung von gesetzlichen Monopolen etc.). Ende gut alles gut.

Antworten Gast: der goldhamster
17.06.2011 20:12
0

Re: Kann es sein, dass hier bereits eine

Sie haben versäumt, zu erwähnen, daß , wenn die Banken den Schrott zu 65 % oder so bei der EZB abladen, irgendjemand diesen Schrott ausgleichen muß.

Und sind dann die Sparer, spez. die Deutschen mit ihren Einlagen.

Griechen und Defizitkonsolodierung ß#
Tatsache ist, daß die Griechen, wie wir alle !!!!, die Schulden nicht tilgen können.

Also - die gegenüberstehenden Guthaben sind weg.

Das sollte fairerweise erwähnt werden.

Das wird den Bach runtergehen........

.....keine Frage- auch wenn sie sich noch so anstrengen !

Gast: dereuro
17.06.2011 08:56
0

TIME TO SAY





GOODBYE !

Gast: grau
17.06.2011 08:26
1

aufgabe einer österreichischen bundesregierung



in dieser prekären situation wäre es , möglichst schaden von uns abzuwenden, und, nachdem der oyro nur mit kramphaften maßnahmen weitergeschleppt werden kann ,den schilling wiedereinzuführen, und den junckerrubel zum teufel zu jagen.

der niederländische finanzminister redet schon von einem rettungsschirm von 1500 milliarden!

wer soll DAS dotieren?

kein Steuergeld nach Griechenland!


Gast: Samtpfote
17.06.2011 08:05
1

Die Dreisten

gestern konnte man die "Freunde" Griechenlands wieder werkeln sehen: maybritt illners Gesprächsrunde war nach den Regeln der Gehirnwäsche aufgebaut. Transferunion, Marshallplan, Kompensation für die deutschen Exporte......dreiste Vokabeln für einen Wunsch: Wir wollen weiter von Eurem Geld leben.

Gast: detailsunbekannt
17.06.2011 08:02
1

ich warte noch

auf den Tag, wo auch der letzte "Dank der EU geht es uns besser" oder "Dank der EU haben wir Frieden" Marktschreier hierzulande verstummt.

aber Dummheit überdauert angeblich sogar das kommende Desaster


Antworten Gast: wer wenn nicht er
17.06.2011 09:38
0

Aus einer Zeit vor dem EUR

Wussten Sie dass die Abwertung der italienischen Lira noch vor ca. 25 Jahren bei uns ca. 40.000 Jobs kostete?

Glauben Sie mir, es überwiegen die Vorteile der wettbewerbfähigeren Länder in dieser Währungsunion!!

Antworten Antworten Gast: Reflector
17.06.2011 16:00
0

Re: Aus einer Zeit vor dem EUR


Eine Kausalität zu dieser Behauptung wäre aufschlussreich.

Aber das Argument diesesmal sind nicht 25.000 Jobs. Wenn sich nämlich der Bondmarkt auf das bereits sturmreife Italien einschiesst, sind nicht nur 25.000 Jobs weg (die Brüsseler Bürokratie weist schon mehr auf und die wird in diesem Fall verschwinden, was aber eher positiv zu bewerten wäre) sondern dann zieht der Strudel der Entwicklungen noch ganz andere, derzeit noch halbwegs Gesunde, unter Wasser.

BTW: In GR sind bereits 44%, in I 30% und in E 25% der 15 - 25 jährigen arbeitslos. Das ist also das propagierte € Jobwunder? Dagegen sind die angeblichen 25.000 durch Lira Abwertung Arbeitslosen eine feuchte Kleinvogelblähung.

Ohne empfindlichen Beitrag der Ursprungsgläubiger darf kein Steuergeld fließen

Vereinfacht ausgedrückt bewirkt der Rettungsschirm, daß die Steuerzahler das Risiko und die Verluste tragen sollen während die Banken und Finanzinstitute hohe Gewinne eingefahren haben. Wirtschaftliche Verantwortung sieht anders aus und es ist auch das falsche Signal, da private Hochrisikogeschäfte durch Steuergeld subventioniert werden.

Die Institute sind bewußt das höhere Ausfallrisiko eingegangen und haben damit blendend verdient und wenn jetzt die Steuerzahler die Risken übernehmen sollen, dann ist es mehr als gerecht, daß die Ursprungsgläubiger ihre ungerechtfertigterweise lukrierten Risikoprämien als Solidarbeitrag einbringen müssen. Sollte sich dies eine Bank nicht leisten können, dann sollten die Steuerzahler dieses Institut nach dem Motto Geld gegen Beteiligungen auffangen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten diese Anteile privatisiert werden und Geld würde an den öffentlichen Haushalt zurückfließen.

Gast: uijegerl
17.06.2011 07:40
3

wahnsinn

dass die ezb immer noch griechische staatsanleihen kaufen MUSS, ist eigentlich unglaublich KRANK und haben wir deutschland und frankreich zu verdanken, die die ehemaligen grundprinzipien der ezb - kein kauf von staatsanleihen - geändert haben.

danke an frau merkel und herrn sarkozy.


Re: wahnsinn

Wenn die EZB keine Anleihen kauft, passiert folgendes: Sie verleiht Geld zu 1,25% (aktueller Zinssatz) an Banken, die dann die Anleihen kaufen. Diese werfen deutlich mehr ab. Für diesen Zinsgewinn hat die Bank nur das Anlegen von zwei Buchungszeilen geleistet.
Fällt die Anleihe aus (oder wie im Moment - macht nur den Eindruck, als würde sie es wohl tun), garantieren die Staaten den Banken diesen Zinsgewinn (durch Kauf von Anleihen).
Ich gebe Ihnen zwar soweit Recht, dass das was jetzt passiert nichts anderes ist, als den Banken das Risiko abzunehmen.
Aber bitte erklären Sie mir den volkswirtschaftlichen Nutzen, Banken ohne Not (das Geld kommt ohnehin von der EZB) ihr Zinsgeschäft zu sichern. Der erste Fehler liegt also schon weit zurück - jetzt wird nur planlos herumgerudert.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
17.06.2011 07:26
1

Staatsbankrott

Anstatt die Griechen friedlich in den Staatsbankrott zu schicken, eine neue Währung einzuführen und neu durchzustarten, versucht man momentan das unvermeidbare dadurch auszugleichen, dass man auch noch andere Staaten belastet.

Wir von der Petition "WIR ZAHLEN NICHT FÜR EUROPAS SCHULDEN" http://www.openpetition.de/petition/online/wir-zahlen-nicht-fuer-europas-schulden sagen: NEIN.

Besser ein gut geplanter Staatsbankrott Griechenlands, als ein gesamtbelastetes Europa.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://www.oebote.gnx.at

Gast: Fenninghaus
17.06.2011 04:50
1

Dämmerung

wem sein Bares lieb ist, sollte es sich nun gut überlegen, ob seine Bank wirklich so liquid ist, wie sie verspricht,..

und falls China den Euro nicht weiterhin so massiv stützt, werden die Europäer harten Zeiten entgegengehen,.. dann werden sie endlich mal erkennen, dass sie selbst als geeinter Wirtschaftssraum keine Macht mehr haben,.. und so zerstritten wie sie nun auftreten, sind sie leichte beute für Spekulanten und Krisengewinnler,...

Gast: Wiener Wald
17.06.2011 01:41
1

Die griechen das schon wieder hin

Griechenland, ein durch und durch korruptes Land dass seit seinem EU-Beitritt 1981 nachweislich die größten Subventionszahlungen erhielt und trotz allem bisher keine richtige Industrie aufgebaut hat, dass bis heute nur durch Kredite und Tourismus auf den Beinen stehen kann, wird sich mit Sicherheit wieder irgendwie durchmogeln.

Etwa so, wie Sie sich den Beitritt in die Euro-Zone ergaunert haben.

Die Zukunft der EU

Die Zukunft, für EU, sieht nicht Rosig aus.

http://www.youtube.com/watch?v=weqAwZuHbB4&feature=channel_video_title

ich würde all meine Ersparnisse, die ich auf der Bank habe, sofort abheben und in krisensicheres Investitionen investieren ( z.B Gold, Immobilien usw.) sonst Wacht Ihr eines Morgen auf und der Euro ist nichts mehr Wert.

Antworten Gast: L.W:
17.06.2011 10:54
1

sonst Wacht Ihr eines Morgen auf


Exakt so wird es kommen.

Kaufe griechische Anleihen

Habe heute für 10.000 Euro griechische Anleihen gekauft. Kosten fast nichts.

Mal sehen, wenn der Euro kollabiert, ist es sowieso egal. Wenn die Griechen es schaffen kann man schön verdienen.

No risk, no fun!

 
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