Trichet: Verschiedenheit der Euro-Länder gleicht USA

17.06.2011 | 11:49 |   (DiePresse.com)

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet meint, dass die beiden Wirtschaftsräume "in vielerlei Hinsicht auf dieselbe Weise verschieden sind".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Euro-Zone und die Vereinigten Staaten weisen nach Ansicht von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hinsichtlich der ungleichen Verteilung der Wirtschaftskraft ihrer Mitglieder einige Parallelen auf. In einer Rede in New York sagte Trichet am Donnerstag, eine Analyse der Europäischen Zentralbank habe ergeben, dass die beiden Wirtschaftsräume "in vielerlei Hinsicht auf dieselbe Weise verschieden sind". "Wir haben eine gemeinsame Problematik: auf die bestmögliche Art sehr große und auch facettenreiche Wirtschaftsräume zu lenken", sagte Trichet mit Blick auf die Mitgliedsländer der Euro-Zone und die Bundesstaaten der USA.

Mehr zum Thema:

In den USA funktioniere die Steuerung auf Grundlage des föderalen Systems. "Wir Europäer sollten unsere Führungen dazu bringen, kontinentaler zu denken", forderte der EZB-Präsident. Beide Wirtschaftsräume hätten Regionen, die im abgelaufenen Jahrzehnt Phasen der Euphorie und der Krise durchlebt hätten, und beide hätten "Regionen, die wichtige strukturelle Probleme eher langfristiger Natur" haben. So habe die Immobilienkrise in den USA vor allem die Bundesstaaten Nevada, Arizona, Florida und Kalifornien getroffen, in der Euro-Zone Länder wie Irland.

Eine weitere Parallele bestehe zwischen Staaten mit überwiegend verarbeitendem Gewerbe wie den US-Bundesstaaten Michigan und Ohio und dem inzwischen stark verschuldeten Euro-Land Portugal, das vor der Krise ein unterdurchschnittliches Wachstum verzeichnet habe. "Das ist die typische Folge von strukturellen Problemen, die früher und entschlossener hätten angegangen werden müssen", sagte Trichet.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

18 Kommentare

Der Vergleich zwischen EU und U.S.A.

Eine ziemlich waghalsige Behauptung des ECB-Chefs. Er verkennt einfache Tatsachen, dass U.S.A. aus dem Willen der Bevoelkerung entstanden sind, eine einheitliche Amtssprache haben, gesellschaftliche, sozialsysteme in allen 51 U.S.- Bundesstaaten gleich sind. In der EU sind rein gesellschaftspolitisch, bildungsmaessig und sprachlich Unterschiede zu offensichtlich, wobei jedes EU-Land ist bestrebt an eigenem festzuhalten wie ein Besoffener an der Zaunlatte. Etwas zu kurz gespruengen, noch-ECB-Chef. MfG. Dr. Emil Andabak

Vereinigte Staaten von Europa,

alternativlos erzwungen durch die Hintertür ungleicher Wirtschaftsleistungen der EU-Staaten!?

Existieren in der EU noch demokratische Systeme? Werden wir auch dazu gefragt?

Oder sind wir zu allem zu dumm und man kann uns, wenn überhaupt, nur mehr zu Belanglosigkeiten befragen, welche jedoch sogar noch unterhalb des Verbots von Glühbirnen und ähnlichem liegen dürften?

Gast: Bonn
17.06.2011 16:02
2 0

Trichet

Der Mann soll den Mund halten. Von Wirtschaft hat er keine Ahnung. Er ist für den Aufkauf der "faulen" Staatsanleihen verantwortlich.

Gast: cugetator
17.06.2011 15:16
0 0

Parallelen

Ja, die Parallelen gibts schon.
Was Europa sein Griechenland etc., das sind in den USA die Südstaaten und die sogen.
"No-states" des Südwestens.
Wenn man sich ansieht, welche Bevölkerung dort mehrheitlich wohnt, dann erkennt man weitere Parallelen.

vollkommen richtig

Und zusätzlich sind die Wohnungskosten in den USA geringer bzw. packt man überhaupt sein Haus auf den Tieflader und ab geht´s. Diese Wanderung von Rustbelt zu Boomtown gehört eben auch dazu und die ist in Europa viel schwieriger. Daher stellt uns Herr Trichet wie so viele "Führer" heutzutage vor die Frage: Ist ER so dumm oder hält er UNS für so dumm, das nicht zu begreifen?

sehr oberflächlich betrachtet

Nat+rlich gibt es hier wie dort starke und schwächere Wirtschaftsräume. Was für eine bahnbrechende Erkenntnis!
Der Unterschied liegt aber darin, wie mit den Wirtschaftsdivergenzen umgegangen wird. Das ist auch genau der Punkt, der die Bevölkerung interessiert.
Die USA haben diesbezüglich einen enormen Vorteil: Gleiche Staatsbürgerschaft, gleiche Sprache und gleiche Währung.
Mit anderen Worten: Fährt jemand aus dem schwächelnden Detroit in das boomende Houston, kann er dort - obwohl fast 2000 Meilen entfernt - sofort und ohne Schwierigkeiten in den Wirtschaftsprozess eingegliedert werden.
Fährt jemand aus dem Norden Frankreichs mit seinen lahmen Autowerken nach Wolfsburg und sucht aufstrebenden VW-Konzern Arbeit, so hat er, obwohl branchennah - Schwierigkeiten wegen der Sprache und natürlich wird ihm - obwohl offiziell von der EU verboten - ein weniger qualifizierter deutscher Bewerber vorgezogen.
Bislang ist die Niederlassungsfreiheit (freier Personenverkehr) innerhalb der EU nur ein schöner Schriftzug auf dem Papier und scheitert an wichtigen Detailfragen.
Daher sind auch Vergleiche dieser Art nicht nur unangebracht sondern auch kontraproduktiv. Man versucht mit geschrieben Gesetzen USA - Verhältnisse zu schaffen, vergisst aber wie so oft auf das Detail und auf die noch immer vorherrschende Nationalitätenfrage im EU - Raum.

Antworten Gast: cugetator
17.06.2011 15:31
0 0

Re: sehr oberflächlich betrachtet

Bereits bei der Gründung der Benelux-Union zeigte sich, dass trotz der grossen
Ähnlichkeit dieser Länder in Lebensform und Sprache das seit jeher vorhandene Wohlstandsgefälle Niederlande-Belgien keine grösseren Arbeitskräfte-Wanderungen auslöste.
Die nichtwirtschaftlichen sprachlichen, kulturellen und nationalen Unterschiede in den Lebensgewohnheiten waren stärker als die wirtschaftlichen Vorteile.
Wenn es grössere Wanderungen aus wirtschaftlichen Gründen gibt, dann betreffen diese immer nur die Unterschichten, da nur für diese das Einkommensgefälle gross genug ist.
Und darüber wundert man sich in Österreich und glaubt "Qualifizierte" ins Land bringen zu können.

Re: Re: sehr oberflächlich betrachtet

Man darf die Tatsache nicht vergessen, dass es nach 1945 Frankreich war, die aus Angst in Eurpoa abseits zu stehen, zuerst eine Montanunion vorantrieb um dann mit Roemischen Vertraegen zusammen mit B, D, L, NL, I EWG gruendete aus der spaeter EG und jetzige EU wurde. Es waren vorrangig wirtschaftliche Interessen die die "Einigung" in Europa vorantrieben und heute immer noch der Motor des europaeischen Zusammenhaltes sind. MfG. Dr. Emil Andabak

Antworten Antworten Gast: wer wenn nicht er
17.06.2011 16:57
0 0

Sie irren!!

Es ist zwar in D und AT so, dass überdimensional viele schlecht ausgebildete Massen ins Land geschafft werden. In anderen Regionen (Schweiz, Skandinavien etc.) ist dies aber devinitiv NICHT der Fall:

Die Führungsetagen schweizer Konzerne sind voller deutscher Manager, die definitiv mit besseren Gehältern gelockt werden.

Gerade kulturelle und sprachliche Grenzen werden übrigens von gebildeten Menschen eher überwunden: Viele haben ein Auslandssemester hinter sich, oder arbeiten im Job grenzüberschreitend. Wer täglich mit Menschen aus anderen Ländern beruflich zu tun hat, kann sich eher vorstellen, auch in eines dieser Länder umzuziehen, wenn der Job lockt und das Privatleben er zulässt...

Re: Sie irren!!

Das ist prinzipiell richtig. Nur Massenarbeitslosigkeit trifft eben, wenn sie auftritt, hauptsächlich die "normalen" Arbeiter und nicht die "hochgebildeten" Spezialisten.

Gast: uburoi
17.06.2011 12:40
1 0

schön wärs!

herr trichet gehört offenbar zu der kaste, der bei zwei stolperer (welch ein wunder!).
sowas schafft unheimliches vertrauen!
gratuliere und danke! ;-)

Aber die Bundesstaaten vernichten ihre Dollars nicht in Rettungsschirmen

wie es in der EU gängige Praxis ist. Weiters begeben die Bundesstaaten keine Anleihen, die ähnlich wertlos wie jene aus Griechenland sind.
Derartiger Schrott wird von in den USA von keiner Bad Bank, wie es die EZB in unverantwortlicherweise mit den Griechenlandanleihen verbricht, aufgekauft.
Der Herr Trichet sollte also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern as sonn as possible wegen erwiesener Unfähigkeit und dem Bruch der für die EZB geltenden Richtlienien den Hut nehem.
Addieu, Monsieur Trichet!

Re: Aber die Bundesstaaten vernichten ihre Dollars nicht in Rettungsschirmen

Die USA sind aber eine Transferunion, wofür die Bundesstaaten sehr wohl zahlen. Deswegen muss/kann ein verschuldeter Bundesstaat auch keine Staatsanleihen ausgeben.

Re: Re: Aber die Bundesstaaten vernichten ihre Dollars nicht in Rettungsschirmen

Äpfel und Birmen sind es trotzdem, denn wie Sie bereits sagten, die USA sind ein Staat, mit Transfers zwischen deren Bundesstaaaten. Die EU besteht aber aus vielen Staaten, welche bereits in sich Transferzahlungsregeln für deren Bundesstaaaten/Bundelländer haben.

Und darüber soll jetzt noch, - ACHTUNG, entgegen aller EU-Verträge! - ein weiteres Transfersystem drübergestülpt werden?

Das generelle Proble der EU ist vereinfacht dargestellt, dass sie vom Prinzip her eine wirtschaftliche Freihandelszone ist, aber wie die vereingten Staaten von Europa agieren möchte.

Gast: gast34343
17.06.2011 12:06
7 1

soll das etwa ein hinweis darauf sein,

wie bei usa in zukunft auch europa zentralistischer zu regieren? soll so dem mündigen bürger eine bonzokratur untergejubelt werden? wenn ja dann gibts nur eine antwort: fahr zur hölle!

Antworten Gast: L.W.
17.06.2011 13:17
0 0

soll so dem mündigen bürger eine bonzokratur untergejubelt werden?


Da komme Sie reichlich spät drauf, es sei denn, Sie sind noch sehr jung.

Natürlich haben Sie vollkommen recht, genau das ist der Masterplan, eine Eineweltregierung mit ein paar Bonzen, die den Rest der Menschheit versklaven oder bei Widerworten in den Gulag sperren bzw. "verschwinden" lassen.

Aber das wird nicht klappen. Niemals !

Gast: putinfan
17.06.2011 11:59
2 1

Griechenland hat als aktivposten sehr schöne Frauen und ein sonniges Wetter (wie man an den Bildern sieht)

das haben aber der Tschad, Somalia und der Sudan auch!!

Deshalb würde aber noch lange kein Investor daran denken, einen lausigen Dollar dort zu investieren...

Nach Griechenland werden aber Milliarden um Milliarden geschickt - warum eigentlich?

0 0

Re: Griechenland hat als aktivposten sehr schöne Frauen und ein sonniges Wetter (wie man an den Bildern sieht)

weil auch niemand in einem Land investieren will, dass bei jeder Gelegenheit Pleite geht und sich um seine Rückzahlungen drückt - und dieses Land heißt in diesem Fall nicht Griechenland sondern Euroland von Berlin oben bis runter bis nach Lissabon.

AnmeldenAnmelden