Merkel fordert europäische Rating-Agentur

18.06.2011 | 17:19 |   (DiePresse.com)

"Europa sollte dafür das Selbstbewusstsein haben", sagt Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel in Richtung europäischer Wirtschaft.

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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert angesichts der Macht der führenden Rating-Agenturen für eine europäische Alternative zu den US-dominierten Bonitätsprüfern. Europa sollte dafür das Selbstbewusstsein haben, sagte Merkel am Samstag in Berlin auf einer CDU-Veranstaltung. Die Initiative für eine europäische Rating-Agentur sollte aber aus der Wirtschaft kommen.

Merkel zeigt sich zugleich skeptisch, dass angesichts der aktuellen Euro-Schuldenkrise jetzt der richtige Zeitpunkt für die Gründung einer eigenen europäischen Rating-Agentur sei. Zunächst einmal müsse die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern überwunden werden.

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Kritik an Rating-Agenturen

Rating-Agenturen werden erneut kritisiert, nachdem sie die Bonität kriselnder Euro-Länder wie Griechenland trotz der Milliarden-Garantien und massiver Hilfspakete zuletzt auf Ramschstatus abgewertet und auch anderen Euro-Ländern weitere Herabstufungen bei deren Kreditwürdigkeit angedroht haben.

Schon in der weltweiten Finanzkrise standen Rating-Agenturen als maßgeblich mitverantwortlich am Pranger. So hatten sie solchen Finanzprodukten beste Noten bei der Kreditwürdigkeit gegeben, die sich später als Auslöser der massiven Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten herausstellten.

(Ag.)

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10 Kommentare

Soso

und was soll eine europäische Ratingagentur? Die Katastrophen schönreden? Ebenso wie die Agenturen zur Sicherheitsprüfung von den eigenen AKW's?

Endlich!

eine großartige Idee. Faktum ist, daß die heutigen Pleitestaaten keineswegs über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern von mysteriösen, geheimbündlerischen Geldhaien (Stichwort: Ostküste) sozusagen in den Ruin spekuliert wurden. Dunkle Machenschaften, die sogar kraftstrotzende und kerngesunde Staaten wie Griechenland oder Portugal, oder Italien (sic!) einfach irgendwie (wie genau, das ist geheim) in den Abgrund reißen. Dagegen kann es nur ein Mittel geben: eine EU-Rating Agentur (zB rEUting), direkt dem EU-Wirtschaftschef (weisungsgebunden) unterstellt und vom Steuerzahler finanziert. Am besten von EU-Beamten (unbestechlich) und nach Länderproporz besetzt. rEutings dürfen nur nach dem Einstimmigkeitsprinzip publiziert werden (passiert 2x jährlich anlässlich des Ratswechsels). Jedem Land ist eine 6-monatige Begutachtungsfrist für sein rEuting einzuräumen, damit ist zu keinen Verzerrungen kommt. US- ratings dürfen nicht mehr in der EU gelesen werden (das ist der Feind, der will uns Böses). Eine entsprechende Kooperation zwecks Internetsperren mit China und Libyen läuft schon.

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

eine Rating-Agentur tut nichts anderes als Wirtschaftseinheiten bzgl. ihrer Kreditwürdigkeit zu beurteilen. Der Finanzmarkt folgt zum Teil diesen Einschätzungen, weil er diesen in gewissem Umfeld "glauben schenkt". Dies basiert also auf Vertrauen in die Richtigkeit der Einschätzung.
Ernsthafte Frage: Glaubt der Finanzmarkt einer Agentur, die politisch in Europa entstanden ist?

Die drei grossen befinden sich in Privatbesitz, einer davon mehrheitlich in europäischem. Wir wissen, dass der Finanzmarkt wirklich einer ist, der sich (mit allem Wildwuchs der daraus entsteht) "selbst regelt". Würde es also Bedarf nach einer zusätzlichen Rating Agentur am Markt geben, würde sie bereits gegründet werden, da es (einfach ausgedrückt) ein "Geschäft" ist. Es gibt diese Agentur nicht, ergo ist es kein "Geschäft". Das wäre es nur, wenn sie mit öffentlichen Mitteln subventioniert wäre.
Und damit wieder die Frage von oben: Wie bringt man den Finanzmarkt dazu, einer Agentur zu glauben, die wiederum von jenen gelenkt wird, die jetzt so planlos herumrudern?

Sorry, aber die Schuld bei den Überbringern der schlechten Nachricht zu suchen, war schon immer ein Ablenkungsmanöver.

Antworten Gast: Alois Kremnitzer
19.06.2011 13:57
0

Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

Ganz so einfach dürfte es wohl nicht sein.
Es ist bekannt, dass Rating-Agenturen vor wenigen Jahren mehrere osteuropäische Staaten für bankrott erklärt und alle Investitionen für verloren beurteit haben. Es war eine gravierende und für mehrere nationale Wirtschaften verhängnisvolle Fehleinschätzung. Die augenblicklich gespannte wirtschaftliche Lage konnte dann mit relativ geringen Mittel aufgefangen werden.
Hat hier bei der Beurteilung eine europäische Dimension gefehlt?
Wenn ich solche Ereignisse beobachte, denke ich schon, dass es besser wäre, diesen Rating-Agenturen einen größeren Wettbewerb vorzuspannen. Das erhöht sicher die Qualität und führt vielleicht auch dazu, regionale Dimensionen in die Beurteilungen einfließen zu lassen.
Es fehlt mir aber schwer, zu glauben, dass NICHTS TUN die bessere Lösung wäre.

Re: Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

Wie ich geschrieben habe, handelt es sich bei den Ratings um "Einschätzungen", vielleicht könnte man es auch "qualifizierte Meinung" nennen. Und der Finanzmarkt glaubt das nunmal (oder tut er auch nicht).
Und dass diese Ratings manchmal grauslich danebenliegen, ist auch klar. Abgesehen von Ihren Beispielen ist ja auch der Lehmann-Fall bald legendär.
Auch stehen die Ratings oft in schräger Relation zueinander - siehe relative Stellung von GR.

Es wäre tatsächlich eine Alternative, eine eigene Agentur zu gründen. Aber da bleibt die Frage: Wenn´s vollständig privat ist, kommt man dann zu anderen Schlüssen als die drei anderen?
Und wenn´s politisch ist - wer glaubt denn das, was dort abgesondert wird?

Wenn Sie jedoch meinen, die Ratings kämen aus Unkenntnis der jeweiligen Analysen zustande, da diese best. Besonderheiten Europas nicht kennen, dann ist das eine interessante Theorie. Dazu könnte ich auch nur spekulieren.

Antworten Gast: Alois Kremnitzer
19.06.2011 13:43
0

Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

Ganz so einfach dürfte es wohl nicht sein.
Es ist bekannt, dass Rating-Agenturen vor wenigen Jahren mehrere osteuropäische Staaten für bankrott erklärt und alle Investitionen für verloren beurteit haben. Es war eine gravierende und für mehrere nationale Wirtschaften verhängnisvolle Fehleinschätzung. Die augenblicklich gespannte wirtschaftliche Lage konnte dann mit relativ geringen Mittel aufgefangen werden.
Hat hier bei der Beurteilung eine europäische Dimension gefehlt?
Wenn ich solche Ereignisse beobachte, denke ich schon, dass es besser wäre, diesen Rating-Agenturen einen größeren Wettbewerb vorzuspannen. Das erhöht sicher die Qualität und führt vielleicht auch dazu, regionale Dimensionen in die Beurteilungen einfließen zu lassen.
Es fehlt mir aber schwer, zu glauben, dass NICHTS TUN die bessere Lösung wäre.

Antworten Gast: Alois Kremnitzer
19.06.2011 13:42
0

Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

Ganz so einfach dürfte es wohl nicht sein.
Es ist bekannt, dass Rating-Agenturen vor wenigen Jahren mehrere osteuropäische Staaten für bankrott erklärt und alle Investitionen für verloren beurteit haben. Es war eine gravierende und für mehrere nationale Wirtschaften verhängnisvolle Fehleinschätzung. Die augenblicklich gespannte wirtschaftliche Lage konnte dann mit relativ geringen Mittel aufgefangen werden.
Hat hier bei der Beurteilung eine europäische Dimension gefehlt?
Wenn ich solche Ereignisse beobachte, denke ich schon, dass es besser wäre, diesen Rating-Agenturen einen größeren Wettbewerb vorzuspannen. Das erhöht sicher die Qualität und führt vielleicht auch dazu, regionale Dimensionen in die Beurteilungen einfließen zu lassen.
Es fehlt mir aber schwer, zu glauben, dass NICHTS TUN die bessere Lösung wäre.

Antworten Gast: Alois Kremnitzer
19.06.2011 13:40
0

Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

Ganz so einfach dürfte es wohl nicht sein.
Es ist bekannt, dass Rating-Agenturen vor wenigen Jahren mehrere osteuropäische Staaten für bankrott erklärt und alle Investitionen für verloren beurteit haben. Es war eine gravierende und für mehrere nationale Wirtschaften verhängnisvolle Fehleinschätzung. Die augenblicklich gespannte wirtschaftliche Lage konnte dann mit relativ geringen Mittel aufgefangen werden.
Hat hier bei der Beurteilung eine europäische Dimension gefehlt?
Wenn ich solche Ereignisse beobachte, denke ich schon, dass es besser wäre, diesen Rating-Agenturen einen größeren Wettbewerb vorzuspannen. Das erhöht sicher die Qualität und führt vielleicht auch dazu, regionale Dimensionen in die Beurteilungen einfließen zu lassen.
Es fehlt mir aber schwer, zu glauben, dass NICHTS TUN die bessere Lösung wäre.

Re: Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Kremnitzer,

sorry, war natürlich als Antwort auf untenstehendes Posting gedacht...

Gast: Alois Kremnitzer
19.06.2011 09:17
0

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