Fitch: Tausch von Griechen-Schulden bedeutet Pleite

21.06.2011 | 10:17 |   (DiePresse.com)

Die Ratingagenturen würden eine Verlängerung der griechischen Staatsanleihen als Staatspleite werten.

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Nach den Euro-Partnern erhöhen auch die Ratingagenturen ihren Druck auf Griechenland. Ein freiwilliger Tausch von griechischen Staatsanleihen würde von Fitch als Zahlungsunfähigkeit eingestuft, erklärte der Chef der Ratingagentur für die Region Asien-Pazifik, Andrew Colquhoun. Selbst wenn ein solcher Beitrag privater Gläubiger nach dem Modell eines sogenannten "Rollover" organisiert werde, ändere dies nichts an der Einschätzung.

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Auch die Ratingagentur Standard & Poor's bekräftigt ihre Haltung, im Falle einer freiwilligen Umschuldung Griechenlands Staatsanleihen wahrscheinlich als Zahlungsausfall zu bewerten. Zwar könnte S&P nicht von vornherein sagen, dass jede Form der Umschuldung einen Zahlungsausfall bedeute. Aber: "Die Vergangenheit zeigt, dass es bei einem Land, dessen Kreditwürdigkeit wie Griechenland aktuell mit CCC bewertet wurde, in der Regel nicht zu einer freiwilligen Umschuldung gekommen ist und Investoren Verluste hinnehmen mussten", sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer.

Die Aussagen lösten einen Kursrückgang des Euro an den asiatischen Devisenmärkten aus. Die Euro-Finanzminister beschlossen am Montag, die nächste Kredittranche nur dann nach Athen zu überweisen, wenn das griechische Parlament das geplante Sparprogramm bis Ende Juni verabschiedet.

Beitrag privater Gläubiger

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich zuletzt darauf geeinigt, einen Beitrag privater Gläubiger auf freiwilliger Basis anzustreben und dabei die Wiener Initiative zum Vorbild zu nehmen, die auf einem "Rollover" der Anleihen beruhte. Damit soll die Feststellung eines Zahlungsausfalls und die damit verknüpften Folgen an den Finanzmärkten vermieden werden.

In der Wiener Initiative haben sich 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise österreichische Banken als Gläubiger osteuropäischer Länder darauf verständigt, Anleihen der Staaten nach Ende der Laufzeit in neue Papiere umzutauschen und damit nicht zu verkaufen. Das Verfahren würde Griechenland faktisch einen Zahlungsaufschub verschaffen.

Banken wollen Staatsgarantien

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) bekräftigt die grundsätzliche Bereitschaft der Finanzinstitute, sich auf freiwilliger Basis an einem zweiten Rettungspaket für Griechenland zu beteiligen. "Wenn die Bedingungen stimmen, stehen die privaten Gläubiger sicher zur Verfügung", sagte Verbandspräsident Michael Kemmer. Er fordert jedoch staatliche Garantien zur Absicherung des weiteren Engagements der Banken in Griechenland.

Zu den Vorteilen eines Rollovers gehört, dass damit möglicherweise keine Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig würden. Eine Fälligkeit der CDS droht - wie nach der Lehman-Pleite 2008 erlebt - unvorhersehbare Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten auszulösen. Ob das konkrete Modell den Versicherungsfall bedeutet, entscheidet letztlich die International Swaps und Derivatives Association (ISDA).

Fitch hat allerdings in der vergangenen Woche angedeutet, dass die Staatsanleihen selbst trotzdem ein "CCC"-Rating behalten könnten, womit die Europäische Zentralbank (EZB) sie weiterhin als Sicherheit bei der Refinanzierung griechischer Geldinstitute akzeptieren könnte.

(APA)