Joschka Fischer: „Es geht um fast alles“

21.06.2011 | 18:49 |   (Die Presse)

Der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer fordert Entschlossenheit in der „existenzbedrohenden politischen Krise“.

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Wien. In unregelmäßigen Abständen meldet sich der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne), meist zu Belangen der deutschen Außenpolitik, zu Wort. Am Tag der Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament über die politische Zukunft von Ministerpräsident Giorgos Papandreou veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ ein flammendes Plädoyers Fischer an die Regierungschefs der Eurozone, entschlossen aufzutreten. Denn es ginge „um fast alles“.

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„Es geht seit damals nicht nur um Griechenland, sondern um sehr viel mehr: Es droht ein von der ungeordneten Insolvenz Griechenlands ausgehender Schneeballefffekt, der weitere Länder der südlichen Peripherie der EU, darunter auch sehr große, und damit systemrelevante europäische Banken und Versicherungen mit in den Abgrund reißen wird; es droht in der Folge davon eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008.“

Fischer kritisiert „mangelnde Entschlossenheit, Zögerlichkeit, nationale Egoismen und ein dramatisches Führungsdefizit“ in der EU und ihren „wichtigsten Mitgliedstaaten“. „Auch Staaten können pleitegehen, aber anders als Unternehmen verschwinden sie danach nicht. Sie bleiben. Und man sollte deshalb Staaten weder bestrafen noch ihre fortgeltenden Interessen unterschätzen.“ Statt „Bestrafung“ empfehle es sich, zahlungsunfähigen Staaten Hilfe zur Neustrukturierung zu gewähren, meint Fischer.

Die EU solle daher gemeinsam mit der griechischen Regierung eine „Wiederaufbaustrategie“ für die Realwirtschaft und die staatlichen Strukturen und deren Finanzierung entwickeln. „Jeder weiß, dass Griechenland sich ohne eine massive Entschuldung nicht aus seiner Krise wird herausarbeiten können.“ Die Frage sei nur, ob dies „geordnet und kontrolliert“ geschehe oder „mit chaotischen Konsequenzen weiter über Griechenland hinaus“.

 

„Bevölkerung reinen Wein einschenken“

Die Regierungschefs der Eurozone müssten den Bevölkerungen reinen Wein einschenken, so Fischer weiter. „Die Finanzkrise ist eine politische Krise.“ Man habe zu Beginn des Jahres 2009 die Chance verpasst, das Finanzsystem neu aufzustellen. „Die europäische Finanzkrise wird sich weiter voranfressen und die EU destabilisieren, wenn die existenzbedrohende politische Krise der EU nicht beantwortet wird.“

Entweder wolle man den Euro erhalten, oder man müsse ihn „rückabwickeln“. Europa würde dann „nahezu alles verlieren, was es an Integrationsfortschritten“ erreicht hat, und sich in ein „Europa der Renationalisierung“ zurückentwickeln. „Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung eine Tragödie.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2011)

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39 Kommentare
 
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Gast: Lutz Berger
27.06.2011 06:36
0

Der mitverantwortliche Herr Fischer ......

Erstaunlich, daß sich Herr Fischer als Mitverantwortlicher für die Aufnahme Griechenlands in den EURO-Club immer wieder mit Ratschlägen und Ermahnungen zum Desaster aus der Deckung wagt.
Vertraut er auf das schlechte Gedächtnis der Bürger ?
Also, Joschka, hättest du geschwiegen, dann wärs du ein Philosoph gewesen.
Heute steht der Militärputsch in GR vor der Tür
und diese mögliche Konsequenz hätte man schon damals bei einem Scheitern Griechenlands im EURO-Club - zumindest - erahnen können.
Weitblick als ehemaliger Außenminister der BRD
- nicht Deutschlands - gleich NULL.

Gast: europa wird sowieso enteignet
23.06.2011 15:58
0

es droht in der Folge davon eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008.

eine stärkere krise könnte für dieses veraltete system aber auch vorteile haben.

Ist Herr Fischer nicht einer der Verantwortlichen

für die seinerzeitige Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone?

Gast: asylwerber
22.06.2011 11:42
3

Komischer Kauz!

Wer hört auf diesen alten, komischen Kauz?
In seiner aktiven Polit-Zeit hat der linke Heini und Österreich-Beschimpfer so gut wie alles falsch gemacht und eine Witzfigur abgegeben.
Jetzt in Rente mutiert er plötzlich zum Chef-Ökonomen Europas. Vielleicht sollte die SD auch noch Herrn Gazprom-Schröder um seine Wortsprende zu diesem Thema bitten, dann wären die Nobelpreisträger der Ökonomie unter sich!

Antworten Gast: Velvet Velour
22.06.2011 19:16
0

Re: Komischer Kauz!

"...dann wären die Nobelpreisträger der Ökonomie unter sich!"

Kann nur ironisch gemeint sein, denn diese entbehrliche Person hat es nichtmal zu einem Schulabschluß gebracht, sogar seine Lehre als Fotograf hat er abgebrochen. Offenbar war er auch nicht in der Lage (geistig oder finanziell, weiß ich nicht) sich einen Abschluß zu kaufen.

Das ist (war) die politische Speerspitze von Europa. Mich wundert gar nichts mehr.

OHA! Der Linksanarcho spricht EIN EINZIGES Mal die Wahrheit

Und das war entweder unbeabsichtigt oder er hält wie alle Politiker die Bevölkerung noch immer für so dämlich, dass sie mit dem Satz

"Entstehung einer neuen Weltordnung"

eh nix anfangen kann.


Neue Weltordnung - aber sicher!

Also wer bei neuer Weltordnung an Bilderberger und Illuminaten denkt hat wohl ein bisschen zuviel "Dan Brown" abbekommen... er wird doch wohl eher meinen: - Neue Weltmächte; - Multipolare Weltordnung, - China, Brasilien, etc. - Vorbei mit amerikanischem Unilateralismus wie nach dem USSR Zusammenbruch und so weiter und so fort... und ja, da hat der gute "Joschka" einfach recht, weil das sind FAKTEN und keine (Verschwörungs-)Theorie - mal drüber nachdenken ;-)

Er wird eine Weltregierung meinen ...

... also nicht, dass sich 20-30 Personen zusammentun, um die Weltherrschaft anzustreben, sondern dass es eine Weltnation gibt, zu der die Menschenrechte bereits eine Grundverfassung darstellen, der internationale Strafgerichtshof die zugehörige Justiz und der EURO/Dollarraum die dominante Währung (warum sonst heisst unsere kleine Münzeinheit cent).
Wenn es eine EURO-Regierung und eine USA-Regierung gibt, die sich koordinieren, dominieren sie die UNO so wie BRD und Frankreich die EU.
Dann leben wir in einer Friedensgemeinschaft ohne Krieg und Hunger (Jehovas Zeugen lassen grüßen).
Doch, ja, das ist auch ohne Verschwörungstheorie leicht erklärbar. Es soll eine neue Weltordnung geben und sie wird angestrebt - und wer aufmuckt, wird niedergebombt.

Gast: Schweige
22.06.2011 09:45
2

Inkompetent

Außer Visafälschungen hat der doch nichts in seiner Amtszeit als Außenminister vor zu weisen!

„Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung eine Tragödie.“

Wenn ich sage, dass eine "neue Weltordnung" angestrebt wird, bin ich ein Verschwörungstheoretiker.
Wenn ich sage, dass am Siegel der Vereinigten Staaten (und am Dollarschein) "NOVUS ORDO SECLORUM" (Latein für „Neuordnung der Zeit“) steht, bin ich ein Rechtsradikaler.
Wenn Fischer das sagt - was ist das dann? Die Wahrheit?

Antworten Gast: L.W.
22.06.2011 09:48
0

Re: „Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung eine Tragödie.“


Exakt ! Sie sind mir zuvorgekommen. Da hat sich der feine Herr entweder verplappert oder er hat das bewusst gesagt um zu zeigen, woher der Wind wirklich weht.

Der Fischer?

Vielleicht könnte man das Problem wegdemonstrieren? Oder Polizisten verprügeln? Oder einen Angriffskrieg beginnen?
Seine Meldungen sind definitiv entbehrlich.

Euro "ruckabwickeln"

jetzt!

Im übrigen braucht man den grünen Obersanktionierer nicht weiter beachten.

Ohne Abwahl der SPÖVP ...

... wirds das aber nicht spielen.
Wir erinnern uns noch zu gut daran, dass die ÖVP die Koalition aufkündigte, nur weil eine mögliche "Volksabstimmung" thematisiert wurde.
(Was sich inzwischen auch als große Lüge entpuppt hat).

Gast: dreamtime
22.06.2011 06:42
1

die neue weltordnung

Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung eine Tragödie.“

hallo herr fischer ...new world order die bushdoktrin für die welt.....
= totaler diktatorisches rothschildregime...siehe bilderberger ....incl....chipsimplantation aller lebewesen.....
krieg im iran und afgh....die wollen sich nicht anpassen.....
seht die kameras auf euren straßen sie überwachen euch sie kontrolieren euch
siehe chemtrails..bilderberger...rothschild....etc

Gast: Herr Dagobert
21.06.2011 23:30
3

Na geht dem alten Streetfighter die Muffe?

wer hat den die Griechen ins Boot geholt: Fischer und Schröder. Da werden sie doch bald gemeinsam ..... irgendwo herumhängen.

Hr. Fischer hat noch immer nicht verstanden...

„Es geht seit damals nicht nur um Griechenland, sondern um sehr viel mehr: Es droht ein von der ungeordneten Insolvenz Griechenlands ausgehender Schneeballefffekt, der weitere Länder der südlichen Peripherie der EU, darunter auch sehr große, und damit systemrelevante europäische Banken und Versicherungen mit in den Abgrund reißen wird; es droht in der Folge davon eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008.“

Hr. Fischer, es geht hier um nicht weniger als die Aufrechterhaltung sozialen Friedens.
Muss man Ihnen eine Zeichnung machen?

Das stimmt so natürlich nicht ...

... wenn die Erste 600 Mio Schrottwertpapiere hat, kann sie das (durch die Gesetzeslage nach der Kriese) auf mehrere Jahre Abschreiben. Ich denke, dass sie z.B. 150 Mio pro Jahr durchaus verkraften kann.
Wenn sie das - wie ein ordentlicher Geschäftsmann - seit 2009 gemacht hat, wird sie in der Bilanz von 2011 bereits 450 davon als Rücklagen gebucht haben. 2012 werden das die ganzen 600 Mio sein, heisst: die Verluste sind in den Bilanzen bereits wirksam geworden und alle Gelder, die die Erste ab 2013 bekommt (weil z.B. ein Ausgleich mit einer 25% Quote erfolgt), wirken sich in der Bilanz bereits als Gewinn aus.
Das heisst natürlich, dass die 600 Mio Verlust sind, aber das Institut nicht umbringen, wenn die Forderung verlorengeht.
Sollte die Erste nach 2008 noch griechische Wertpapiere gekauft haben, sollte Treichl ins Gefängnis wandern.

Re: Das stimmt so natürlich nicht ...

Ich bin etwas verwirrt. Hr. Treichl & die Erste sind in diesem Umfeld nur ein Sch... im Walde.
Mein Kritikpunkt an der Aussage des Hrn. Fischer war eher, dass er meint, es "geht um fast alles", die Dinge, die er nennt, sind allerdings allesamt Finanzmarkt-Technischer Natur.
Meiner Meinung nach geht´s auch um fast alles - allerdings sind bedrucktes Papier und Buchungszeilen in IT-Systemen nicht "fast alles", sondern "fast nichts", wenn´s erstmal im Sozialen so richtig zu brodeln beginnt.
Und ich meine nicht, eine kleine Demo dort und da...
Hr. Fischer unterschätzt das Risiko, das Problem nur aus finanzieller Perpektive zu betrachten.

ja, natürlich ...

... irgendwie hab ich das falsch rübergebracht, ich bin mit Ihnen eh einer Meinung.
Am Beispiel der ERSTEN wollte ich nur darlegen, dass sich bei einer ordnungsgemäß geführten Buchhaltung die Probleme in Grenzen halten (bei größeren Banken werden die Relationen gleich sein). Den Bad Banken ist so oder so nicht zu helfen.
Das Problem der Mittelaufbringung für die Zinsen und Kapitaltilgung im EURO-Raum wird einfach immer schlimmer, je später das kommt.
Merkel schiebt das auf und nimmt Verschlechterungen in Kauf, damit der Zusammenbruch unter einer sozialistischen Regierung stattfindet.
Was nicht heißt, dass die Sozialisten nicht genauso niedere Motive hätten, wäre sie an der Regierung.

Gast: Stefan Haslinger
21.06.2011 21:28
0

Staaten bleiben ...

... nicht notwendigerweise. 1282 gelangte das Herzogtum Steiermark gemeinsam mit dem Herzogtum Österreich an die Habsburger.
Btw. würde ich 15.000€ für Griechenland bieten.

Klar

daß Fischer sich zu den griechischen Steinewerfern, Polizistenanzündern und Arbeitsverweigerern hingezogen fühlt.
Da wird er richtig sentimental.

Antworten Gast: Fleischfresser
22.06.2011 16:24
0

Re: Klar

"...und Arbeitsverweigerern hingezogen fühlt.
Da wird er richtig sentimental ... und solidarisch:-)))))

Re: Klar

Ich glaube Herr Joschka Fischer hat schon die Seiten gewechselt.

Er steht nun auf der Seite der Banken und Großkonzerne welche in Brüssel das Sagen haben.

Gast: Der Untergang
21.06.2011 21:19
2

Ich lausche immer, wenn Fischer einen erzählt

Denn das genaue Gegenteil davon ist gut für die Mittelschicht, die die ganzen Träumereien bezahlen soll, die letzten Endes sogar in einem Krieg enden könnten.

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
21.06.2011 20:58
6

aber herr fischer, doch ...

... nicht so hysterisch! das wäre doch keine tragödie! tun sie und die anderen eu-einpeitscher doch nicht so, als würden deswegen die europäischen staaten übereinander herfallen. so ein quatsch! man kann auch handel betreiben, wenn man nicht mittels eu-filz miteinander verbandelt ist, jedoch kann man dadurch sehr leicht mit in den abgrund gerissen werden, wie man jetzt sieht.
wie sehen denn die handelsbilanzen mit, sagen wir mal, russland, china, usw. aus? sind die alle in der eu, im geheimen sozusagen?
schweiz und auch norwegen leben hervorragend!
schenkt uns lieber einmal reinen wein ein, weshalb für euch die eu soooooooooooo wichtig ist. den mumpitz, den man uns so erzählt, glauben ja nicht mal mehr die naivsten.

 
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