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Griechen-Krise: Die Europäer spielen auf Zeit

23.06.2011 | 22:23 |  von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

EU-Gipfeltreffen: Europas Regierungschefs versuchen erneut, die Märkte zum drohenden Bankrott Griechenlands zu beruhigen. Wieder drücken sie sich vor den entscheidenden Fragen.

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Brüssel. „Sie können mir diese Frage gerne noch fünfmal stellen: Ich werde sie Ihnen nicht beantworten." Die entnervte Reaktion eines Regierungsberaters auf die Journalistenfrage nach der Beteiligung privater Gläubiger am unvermeidlichen zweiten Hilfspaket für Griechenland bringt die Stimmung unter Europas Entscheidungsträgern auf den Punkt: Schweigen ist Gold, Vernebeln Pflicht.

Und so sah die Erklärung von Europas Spitzen zu Griechenland, die der „Presse" bereits im Lauf der Tagung vorlag, so wortgewaltig wie inhaltlich dürftig aus: „Ein umfassendes Reformpaket, das mit der Kommission, in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds vereinbart worden ist, und die Annahme der Schlüsselgesetze über die fiskalpolitische Strategie und Privatisierung durch das griechische Parlament müssen als Frage der Dringlichkeit in den nächsten Tagen finalisiert werden", heißt es da. „Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone stimmen überein, dass zusätzliche Mittel sowohl durch öffentliche als auch private Quellen finanziert werden."

Das heißt aber nicht, dass die privaten Gläubiger Griechenlands angehalten werden, frisches Geld zu investieren, sagte ein mit der Sache befasster Eurokrat zur „Presse": „Es geht weiterhin darum, dass die Investoren ihre Positionen in Griechenland aufrecht erhalten." Ergänzend erklärten die Staatsspitzen, dass EU-Kohäsionsförderungen schneller als bisher an Griechenland ausgezahlt werden sollen.

Griechenland: Eine Krise, viele Ratschläge

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IWF: Noch keine neue Anfrage aus Athen

Damit blieb auch das neunte Gipfeltreffen seit Ausbruch der Schuldenkrise Anfang 2010 vage: Nur keine Wellen, nur kein falsches Wort, dafür so viel Zeit gewinnen wie möglich, um das griechische Problem zu lösen.

Dieses Problem hat drei Facetten, sie bedingen einander. Erstens geht es darum, den griechischen Staat zahlungsfähig zu halten. Derzeit halten EU und IWF die fünfte Tranche an Hilfskrediten über zwölf von insgesamt 110 Milliarden Euro zurück, weil Athen die im Gegenzug versprochenen Maßnahmen zur Budgetsanierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit nicht ergriffen hat. „Das Board muss zufrieden sein, dass das Programm auf Schiene ist und dass es angemessen finanziert ist. Wir haben kein Ansuchen von Griechenland für ein neues Programm erhalten", erklärte David Hawley vom IWF am Donnerstag.

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Ob das Hilfsprogramm und damit der griechische Staat auch 2012 und 2013 finanziert ist, hängt zweitens davon ab, ob und in welcher Form die privaten Gläubiger Griechenlands ihre Investitionen vorläufig aufrecht erhalten. Das stellt Europas Regierungen vor ein Dilemma: Wenn die Kreditratingagenturen nur den leisesten Verdacht haben, dass die Banken, Fonds und Versicherungskonzerne ihre Positionen in Griechenland nicht freiwillig halten, sondern politischen Druck fürchten, bewerten sie das als „Kreditereignis".

Die Folge: Die Europäische Zentralbank dürfte keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für die Refinanzierung der griechischen Geschäftsbanken annehmen. Ein Bankencrash wäre die Folge. Das „Kreditereignis" hätte eine weiterreichende Folge, vor der Europas Politiker große Angst haben: Mit einem Schlag wären Credit Default Swaps, also Versicherungen gegen Kreditausfälle auf Basis von europäischen Staatsanleihen, infrage gestellt. Der griechische Virus würde somit das ganze Finanzsystem erfassen. „Vor diesem CDS-Problem haben alle eine Heidenangst", sagte ein hoher EU-Beamter zur „Presse". Klar also, dass die Notenbanken von Deutschland, Frankreich, Spanien und Belgien am Mittwoch sehr diskret mit ihren Banken über deren „freiwilliges" Behalten griechischer Ramsch-Papiere verhandelten, wie Reuters berichtete.

Reform des Stabilitätspaktes blockiert

Die dritte Facette des Problems erfasst die Frage, ob Europas Regierungen aus dem Schuldendrama gelernt haben. Ein Blick auf das seit einem Jahr laufende Gesetzgebungsverfahren zur Stärkung des Stabilitätspakts lässt Gegenteiliges vermuten. Das Europaparlament stimmte am Donnerstag dafür, dass künftig frühestmöglich automatische Sanktionen gegen „Budgetsünder" erlassen werden. Die Regierungen wollen daran festhalten, dass ihre Finanzminister einander gegenseitig Persilscheine ausstellen. Die für Juli erhoffte Einigung ist somit ungewiss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2011)

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144 Kommentare
 
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3 0

Re: Einfach alles nur hochbezahlte, hilflosen Bonzen!


Sie verwechseln Zinsen mit Renditen.

Es gibt keinen 28%-igen Griechenbond. Nicht mal einen 10%-igen.

Nur wenn die Kurse für Griechenbonds stark sinken, kommen 28%-ige Renditen zustande.

Im Schnitt zahlen die Griechen wahrscheinlich weniger als 5% Zinsen für ihre ausgegebenen Bonds.

5% von ca 350 Mrd sind 17,5 Mrd, was weniger als ihr jährliches Defizit ist (25 bis 30 Mrd Euro).

Die Griechen kriegen von den Euro-Deppen

- die nötigen Euros für die Tilgung

- die nötigen Euros für die Zinsen

- die nötigen Euros für den restlichen Budget-Abgang (ca 10 Mrd p.a.).

In Bälde auch noch die nötigen Euros für die Wirtschaftsbelebung (vulgo 'Marshallplan').

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Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

Die EU möchte absichtlich Griechenland kaputtsparen lassen! Frankreich und Deutschland wollen das Land unter die Nagel reissen!

Antworten Gast: keinen euro für die Griechen
23.06.2011 19:05
3 0

Re: Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

Ja, ich bitte darum. Fragt sich nur, auf wessen Kosten die Griechen dann leben wollen. Ohne Deutschland und Frankreich, mein Liebet, wärt ihr nämlich längst pleite, hättet richtige Unruhen... Ist schon klar, die Umstellung fällt halt schwer, wenn man bisher gewohnt war weit über seinen Verhältnissen zu leben

Antworten Gast: Karl Huber
23.06.2011 18:40
7 0

Re: Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

Sie schreiben wirklich viel Blödsinn wenn der Tag lang ist.
Das Ziel ist Europa zu zerstören. Und wenn es so weitergeht wird das auch Erfolgreich sein.
Wirtschaftlich wie Sozialpolitisch am Ende. Da habe ich die Islamisierung noch nicht berücksichtigt die einen großen Anteil am sozialen Niedergang Europas hat.
KEIN Land der Welt, wie fleißig die Menschen aus sein mögen, kann Millionen von Sozialschmarotzer auf Dauer durchfüttern und als Zuckerguß nehmen die Schmarotzer auch noch unser Freiheit Stück für Stück auseinander. Und die Politik sieht zu und freut sich.
Wenn ich lese, daß Europas Politiker einem Erdogan freudig "Beste Wünsche" senden kann ich nur annehmen das Ziel ist ganz Europa in eine Türkei zu verwandeln.
Eine Diktatur mit einem Einparteiensystem. Dann ersparen sie sich auch diese unangehmen Wahlen und das damit verbundene belügen, betrügen und absprechen.

Antworten Antworten Gast: HJB
23.06.2011 19:40
4 1

Re: Eine Diktatur mit einem Einparteiensystem.

. . . in der Schweiz stimmen die Bürger ab, das ist der Rest an Demokratie, sonst herrschen die Autokraten oder milde gesagt: die Parteien.
Parteien, Interessenverbände müssten dem Wähler für die Ressorts Wissenschaftler und kompetente Fachleute zur Wahl stellen!

Antworten Gast: Plach2
23.06.2011 18:30
2 1

Re: Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

Ist nicht erforderlich!

Die EU soll ENDLICH! ihre eigene Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben und sich nicht weiterhin von US Ratingargenturen auf der Nase herum tanzen lassen!

Haben sich die Amerikaner um Europa gekümmert als sie Lehmann Brothers in den Konkurs geschickt haben?

Re: Re: Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

es genügt, wenn Sie nicht mehr posten !

Antworten Antworten Gast: Karl Huber
23.06.2011 19:07
0 0

Re: Re: Die Griechen müssen sofort die EU verlassen!

Die selben Lehmann Brothers die von den US Ratings ein paar Tage vor dem Konkurs noch mit AAA bewertet wurden.
Leut. Ihr müßt endlich anfangen die Zusammenhänge zu sehen.
Es ist das erklärte Ziel Europa in den Abgrund zu führen. Also nicht ganz Europa. UK gehören mit zu den Vernichtern!
Es gibt dazu ein ausgezeichnetes Interview von Josef Ackermann das er kürzlich einer russischen Zeitung gab.
DA werdens Augen machen.

Wenn die Griechen sich selbst helfen wollten

wären sie sicher nicht der EU beigetreten! mfg

Filmdokument

Zur ganzen "Griechen-Fast-Pleite-Geschichte" gäbe es einen - wie ich finde - ausgezeichneten aktuellen Bericht des Schweizer Fernsehens. An alle Interessierten (Sendung vom 22.):

http://www.podcast.sf.tv/Podcasts/Rundschau

Beste Grüsse nach Ö.

Re: Filmdokument

Danke für den Link...
Speziell interessant aus meiner Sicht: Der nächste Volkswirt (Thomas Straubhaar), der zum einen definitiv des derben Sozialismus unverdächtig ist und andererseits recht deutlich sagt, dass das vielgeforderte Sparen in GR eher kontraproduktiv ist.
Mit anderen Worten: Die, die was davon verstehen sagen exakt das Gegenteil von dem, was die Masse fordert bzw. gemacht/versucht wird.
Das macht mich eher pessimistisch.

Re: Re: Filmdokument

Bitteschön. Habe in etwa dasselbe gedacht wie Sie.

Und: Speziell freuen mich Ihre Schwiizerdütsch-Kenntnisse...

Grüsse.

Re: Re: Re: Filmdokument

:-)
Meine Kenntnisse gehen gegen Null. Habe mich eher mit einer Menge Konzentration durchgearbeitet - und war nicht unglücklich, wie´s vorbei war;-)

Grüsse zurück in Richtung Westen

Gast: herbert1949
23.06.2011 17:22
0 0

Sparvorschlag

Noch ein bescheuerter Vorschlag, der sich problemlos zu den Vorschlägen der Finanzelite einreihen läßt. Die Griechen möchten doch das Luftholen aufhören, so können sie Kalorien sparen.

Gast: grau
23.06.2011 17:02
1 0

REHN VERLANGT....



na, die werden die griechen ihm gerne geben, geht ja nur um warme worte und milde salbe !

und DAS ist gut genug für unser geld !

Wovon keine Rede ist:

das es im Extremfall schon auch mal zur
Schliessung von Banken kommen kann. auch
auf Anraten von EU / IMF.
In Irland zB wurde u.a. die Anglo Irish Bank,
vor nicht allzu langer Zeit als systemwichtig
postuliert, dann zur Abwicklung frei gegeben.

Das Interessante dabei ist, dass dann, wenn
es soweit ist, das in den Medien praktisch nie
vorkommt, sowas schlicht unter den Teppich
gekehrt wird.
In Wien wird, der Irish Times zufolge, die
Filiale der Anglo Irish geschlossen.
http://www.irishtimes.com/newspaper/finance/2011/0623/1224299454773.html

zu Griechenland kann man nur eins sagen:

Es gibt keinen Weg zum Konkurs,
Konkurs ist der Weg.

Vertragsbruch der Europäischen Verfassung

All diese Rettungspakete, Rettungsschirme -oder wie sie auch immer mit Abkürzungen heißen mögen- bedeuten einen Bruch der Europäischen Verfassung, nämlich Artikel 152 des Lissabonvertrages!(No bailout- Klausel)

Beim Deutschen Bundestag kann man eine Petition unterschreiben, die dagegen auftritt.

Hab ich gemacht als Österreicher. Ob sie die Stimme auch zählen, weiß ich nicht. Das System hat meine Adresse jedenfalls angenommen.

Re: Vertragsbruch der Europäischen Verfassung

sorry: soll heißen Artikel 125 des Lissabonvertrages.

 
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