USA ziehen über Europas Krisenmanagement her

25.06.2011 | 14:14 |   (DiePresse.com)

Finanzminister Geithner wirft den Europäern fehlende Reformen im Bankensektor vor: "Ihr habt es schlimmer gemacht als wir." RBI-Chef Stepic fordert indes "einen Beitrag von Europas Steuerzahlern" zur Rettung Athens.

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US-Finanzminister Timothy Geithner hat den Europäern vorgeworfen, ihr Bankensystem nach der Finanzkrise nicht ausreichend reformiert zu haben.

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Im Bankensektor habe Europa "viele Probleme gehabt und auf gewisse Weise haben sie es schlimmer gemacht als wir", sagte Geithner am Freitag bei einer Konferenz in Hanover im US-Staat New Hampshire. Er forderte von Europa weitere Konsequenzen. Die Europäer seien gegenüber den USA "sehr im Verzug". 

Probleme in Europa "viel, viel größer"

Die Europäer haben ihre Bankensysteme wachsen lassen, bis sie sehr massiv im Vergleich zur Größe ihrer Volkswirtschaften waren", sagte Geithner. Im Vergleich mit den USA sei das Problem "viel, viel größer" gewesen.

Der Finanzminister räumte aber ein, dass die Regulierung der US-Banken wie im Rest der Welt ungenügend gewesen sei. Dies habe 2008 die Finanzkrise ausgelöst, denn die Banken hätten sich nicht ausreichend auf Gefahren wie Rezessionen und sinkende Immobilienpreise vorbereitet. Um künftige Krisen zu verhindern, seien deshalb striktere Regeln für die Eigenkapitalquote der Banken unabdingbar.

Die Finanzkrise hatte mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 ihren Anfang genommen. Wichtiger Faktor waren leichtfertig vergebene Immobilienkredite in den USA.

Griechenland-Krise: Regierung "zuversichtlich"

Während Geithner Salz in die offene Wunde streut, versuchen die EU-Regierungschefs weiter das marode Griechenland zu retten. Am Freitag wurde eine Einigung über ein weiteres Hilfspaket erzielt. Eine Bedingung dafür sind aber zusätzliche Sparmaßnahmen in Griechenland. Athens Regierungssprecher Ilias Mosialo gab sich am Samstag dann auch "vollkommen zuversichtlich", dass Premier Giorgos Papandreou seinen Mehrjahres-Sparplan auch durchs Parlament bringt. Gleichzeitig warnte der griechische Zentralbankchef Giorgos Provopoulos davor, dass seinem Land die Zeit davon laufe.

RBI-Chef fordert Schuldennachlass

Noch ist aber völlig unklar, ob ein zweites Hilfspaket Griechenland retten kann. Der Chef der Raiffeisen Bank International, Herbert Stepic, plädiert deshalb für einen Schuldennachlass. Dieser sei ohnehin "unumgänglich". Ein solcher Schritt wäre "ein notwendiger, aber auch gerechter Beitrag des europäischen Steuerzahlers", dem der Euro schließlich viel Positives gebracht habe, meinte Stepic am Samstag im Ö1-"Journal zu Gast" des ORF-Radio.

(Ag./Red.)

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206 Kommentare
 
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Gast: markus trullus
28.06.2011 18:14
0

falscher Adressat

Allein zu der Überschrift fällt mir nur eines ein: "Wer im Glashaus sitzt,..".oder:
Genau die haben's notwenig; wenn wo Feuer am Dach ist, dann in den USA und am Dollar....

Haltet den Dieb!


sehr im Verzug

ist Europa beim Gelddrucken Hr. Geithner.

Die USA haben die Kriese mit wertlosen Papieren verschuldet - Europa hat sich angesteckt, weil man gierig genug war den Schrott zu kaufen ohne das Geschäft gründlich zu prüfen.

Für die Zukunft kann man den europäischen Banken und Regierungen nur raten, alles was aus Übersee kommt doppelt und drefiach zu hinterfragen.

Gast: ajaaa
27.06.2011 01:26
0

Die USA sollen in sich gehen!

Die usa sind bekanntlich der hauptverursacher der weltweiten finanzkrise u. haben keine berechtigung, anderen staaten vorwürfe zu machen!!

Eine gierige Krake?

Eigentlich sollten alle Leute die ein Konto bei der RBI haben dieses auflösen nach den Aussagen des werten Herrn Stepic.

Gast: Hubertus
26.06.2011 22:17
0

Lustig und frech

Geithner ,als damaliger Chef der Fed NY, einer der Leute, die mit Paulson, der früher bei Goldman Sachs gearbeitet hatte, ließen Lehman Brothers, einen Konkurrent von Goldman Sachs, in Konkurs gehen und lösten damit eine Systemkrise des Weltfinanzsystems aus. Diese Leute haben jahrelang den Malversationen des US-Hypothekensystems zugesehen und damit Mitschuld an den weltweiten ungeheuren Verlusten. Und dieser Wappler will Europa wegen Griechenland belehren. Soll er was zahlen, dann kann er reden. Niemand hindert die Fed oder das Treasury griechische Staatsanleihen zu kaufen. Ist doch lt. unserem bäuerlichen Finanzfachmann Josef Pröll ein tolles Geschäft.

Gast: Der Betrachter
26.06.2011 20:30
2

Geithne

Diese abgehobenen Finanzheinis sind so erstaunlich weg von der Realität, dass es schon körperlich schmerzt. Die wissen gar nicht dass es bei gleichbleibendem segensreichen Wirken demnächst ein großes Schlachtfest geben wird., wobei das Zentrum sicher in Europa liegt. Amis sind zur Gegenwehr zu verblödet.

Gast: jajajajajaja
26.06.2011 14:47
3

"ein notwendiger, aber auch gerechter Beitrag des europäischen Steuerzahlers"

hauptsache die banken werden gerettet. das war auch ein beitrag des steuerzahlers. und die preissteigerung der letzten jahre zahlen wir auch an der supermarktkasse.

solidarprinzip ja, aber nicht zu jedem preis.

Gast: Bärenfalle...
26.06.2011 14:09
3

...dem der Euro schließlich viel positives gebracht habe ...

Toll .. fehlt nur noch "sollen sie halt Kuchen essen wenn sie sich das Brot nicht mehr leisten können"

Zum Thema "Gerechtigkeit" kommen wir dann noch wenn wir aufgrund der tollen Ost-Investitionen die RBI werden retten müssen.

D.h. falls wir dann noch nach all den PIIGS noch Geld dafür haben.

Ein Bekannter meinte einmal im Gespräch:
"Gefährlich für jede hierarchische Organisation ist niemals ein vertikales Schisma, es ist immer ein horizontales Schisma welches Firmen, Vereine und Staaten ruiniert"

Unsere "Eliten" (im Zweifel mit Anführungszeichen) aus Politik und Wirtschaft arbeiten wirklich mit voller Kraft genau daran.


Antworten Gast: ajaaa
27.06.2011 01:29
0

Re: ...dem der Euro schließlich viel positives gebracht habe ...

..die (kirchen-) scheidung in der horizontalen....??

Geithner lenkt ab

Die USA haben viel größere Probleme als die Euro-Länder (speziell Griechenland und Portugal) und Geithner lenkt nur davon ab, dass die USA schon längst Schrottstatus haben !!! Die EU mit Euro ist den USA ein Dorn im Auge und benützen die Ratingagenturen für ihre Anti-EU-Politik !!!
Lösung: Keine Lizenz für US-Rating-Agenturen und eine eigene EU-Rating-Agentur !!!!

Antworten Gast: Bärenfalle...
26.06.2011 20:18
0

Re: Geithner lenkt ab

Der US Dollar ist durch die größte und modernste Armee der Welt sowie abertausende Atomsprengköpfe mehr als ausreichend gedeckt und die USA können damit problemlos einen geplanten "Default" des US-Dollars verkraften um ihre Schulden abzuschütteln.

Wer will denn schon "da" seine Schulden eintreiben, Friedensnobelpreisträger hin oder her.

Ist auch praktisch, die restlichen noch nicht von "Demokratierevolutionen" erfassten Ölexporteure im Nahen Osten samt ihren US Staatsanleihen kollabieren sofort (oder man hilft wie in Libyen ein wenig nach) und damit ist auch China der Saft abgedreht.

Da können die Europäer soviele Ratingagenturen erfinden wie sie wollen.




Wer wird das bezahlen- wer hat soviel Geld.....

Der Finanzminister eine Staates mit rund 15 Billionen offiziell bzw. 75 Billionen Dollar inoffizieller Staatsverschuldung will uns Europäern Vorhaltungen machen! Ja geht´s noch?

Traurig ist aber, dass diese Vorhaltungen den Tatsachent entsprechen.

Über die Aussage des Herrn Stepic möchte ich aber an diesem "geheiligten" Sonntag - kein Statement abgeben.

AIG

Jetzt geht es ans Eingemachte. Zu den meisten (ich glaube sogar zu allen) Staatsanleihen gibt es auch Vesicherungen. Wer ist Counterpart bei den Anleihen der Griechen? Ich tippe stark auf AIG. Wem gehört AIG? Derzeit den USA.
Wer wehrte sich in den letzten Jahren vehement gegen Basels III ? Unter anderem USA
Da hat sich ein Megatornado zusammengebraut.

lächerlich

Herr Geithner sollte sich untersuchen lassen, denn er lebt sichtlich in einer Parallelwelt, ist vergeßlich und sollte mit seinen sinnlosen Wortspenden seine Kollegen belästigen.
1. Amerika hat vor kurzem eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst
2. Lehman hat Griechenland erst durch trübe Transaktionen den unzulässigen Zugang zur EU ermöglicht und in Folge die jetzigen Probleme geschaffen
3. amerkanische Banken verdienen Milliarden mit dem Griechenlanddesaster in Kombination mit den privaten Ratingagenturen

Gast: grau
26.06.2011 12:58
2

FAZ lesen, deutschland, einig wutbürgerland..



guter artikel !

es rührt sich was ! das ende der ÄÄUU naht !

es stimmt schon, das man hier jede Pimperlbank als systemrelevant bezeichnet und zu retten versucht,

auch wenn im Fall der HypoAdrie dies eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, die Giebelkreuzer aber sehr grosses Interesse daran hatten, weshalb Pröll jun. in einer Nacht und Nebel Steuergelder dafür verschwendete.

Re: es stimmt schon, das man hier jede Pimperlbank als systemrelevant bezeichnet und zu retten versucht,

Ist doch klar wenn alle schwarzen Banken mit Milliarden mitgezockt haben !!! Da muß doch der kleine Steuerzahler einspringen um die Banken vor all zuviel Zockerverlusten zu schützen !!! Typisch schwarze Klientelpolitik !!!!

Gast: Altemanze
26.06.2011 12:29
0

Zusatz-Analyserl meinerseits;

derjenige Wirtschaftsraum incl. GELD, der im aktuellen Suchspiel; WO IS DES BUMMMMERL?
bzw. WER KRIEGT DES BUMMERL nicht zuerst gebumm...t wird, hat später, NACH der anstehenden Entschuldungsorgie, eine wesentlich BESSERE Startpoposition...;-)

Also, liebe Zuständige im Spiel; ranhalten!

IMMA FESTE DRUFF UFF DEN *GEGNER* ! Ihr werdet eh`bestens bezahlt, und den geschichtlichen Glorienschein braucht eh real kein SchweiX...oder?
;-)

Antworten Gast: Plach2
26.06.2011 12:45
2

Geld ist genug vorhanden!

Nur gehört es nun jemand anderen.

Das war damals bei der Bankenkrise auch so.

Gast: sparefroh
26.06.2011 12:18
6

Stepic ist ein Ärgernis

er belügt die Menschen, wenn er die haltlose Behauptung aufstellt, die Steuerzahler hätten vom Euro profitiert und sollten nunmehr ihren Beitrag leisten. Welchen Beitrag leistet der Millionenbonibezieher und die Banken? Es ist das alte Lied: Gewinne werden privatisiert und Verluste verstaatlicht. Für letzteres dürfen dann die Steuerzahler aufkommen. Es könnte sein, daß es für diese Zyniker eines Tages ein böses Aufwachen geben wird, nämlich dann, wenn die Menschen dank Währungsreform ihre Ersparnisse verloren haben werden. Und das wird in nicht allzu ferner Zukunft geschehen!
Also raus aus dem Euro, rein in den CHF und den erzwungenen Kursrückgang bei Gold - Griechenland muß seine Goldreserven veräussern - zu Zukäufen nutzen.

Re: Stepic ist ein Ärgernis

Die gesamte SÖVP-Regierung und ihre Klientelvertreter belügen die Österreicher !!!!

Re: Re: Stepic ist ein Ärgernis

des is aber schon dreist was du da behauptest!!

http://diepresse.com/home/wirtschaft/609810/EuroSchuldenkrise?_vl_backlink=/home/index.do

Re: Stepic ist ein Ärgernis er belügt die Menschen, wenn er die haltlose Behauptung aufstellt, die Steuerzahler hätten vom Euro profitiert und sollten nunmehr ihren Beitrag leisten. Welchen Beitrag leistet der Millionenbonibezieher und die Banken?

schon richtig; aber seid Ihr Bankabhängige Kunden denn nicht ebenso mitschuld ?!

Warum löst Ihr nicht endlich Eure Sparbücher, Konten, Versicherungen (sind meist daran geknüpft) auf, und nehmt so diesen Bankstern ihre Relevanz ?!

Hinterher zu raunzen ist dafür ein schwaches Signal, und bedeutet die eigene Faulheit und Bequemheit weiterhin aufrecht erhaltend wissen zu wollen.

Gast: Alles Lügen
26.06.2011 12:14
3

Das neue Paket (St²) wird mit mathematischer Genauigkeit scheitern.

Die weitere Kreditvergabe an Griechenland löst das Problem nicht. Die Maßnahmen der griechischen PASOK-Regiereung in den letzten 20 Monaten haben die geplanten Einnahmen nicht einhalten können. Man löst das Problem nicht durch Steuererhöhung (und erhofften Steuereinnahmen, die dann ausbleiben), sondern durch Kostenreduktion. Von der Überzahl der öffentlich Bediensteten hat kein einziger seinen Job verloren. Im Gegenteil: 2010 wurden 27 Tausend neue Beamte aufgenommen! Die Kredittranchen nutzen der Zahlung von Gehältern dieser Überzahl von öffentlich Bediensteten und von den Pensionen. Wenn man keine Entlassungen machen möchte, könnte man alternativ die Gehälter dieser "Bonzen" SOFORT auf das gleiche Niveau der Gehälter in der Privatwirtschaft bringen. Aber das hat man seit 20 Monaten auch nicht gemacht. Lediglich Kürzungen beim 13./14. Gehalt. Das sind kosmetische Maßnahmen, die mit dem Segen der EU in der Aufsichtrolle stattfinden. Pangalos betonte vorgestern im gr. TV, dass kein einziger Beamter seinen Job verlieren wird. Die Zeit läuft in der Tat davon.

Gast: Plach2
26.06.2011 12:08
1

Einfach unglaublich!

Amerikanische Ratingsargenturen bestimmen willkürlich welches europäishce Land sie als nächstes in den Bankrott schicken, US Finanzminister belehnren uns welche Wirtschafts- und Geldpolitik wir zu machen haben......

Unsvostellbar, dass sich so etwas China, Indien oder Rußland bieten lassen würde....

Vielleicht sollten wir aus der EU austreten und sich dem amerikanischen Wirtschaftssystem anschließen. Unsere hochbezahlten Bonzen in Brüssel haben es jahrelang nicht bemerkt, dass ihnen Griechenland falsche Zahlen geliefert hat.

Vielleicht wären wir in ein paar Jahren froh, wenn wir den Dollar und nicht den Euro als Zahlungsmittel hätten.....

 
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