Griechen-Krise: Paris legt Plan für Banken-Einbindung vor

27.06.2011 | 18:17 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die privaten Gläubiger Griechenlands sollen die Hälfte ihrer Forderungen auf 30 Jahre strecken. Weitere 20 Prozent ihrer bestehenden Investitionen sollen sie in einen "supersicheren" Wertpapierfonds einzahlen.

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Brüssel. Seit gestern, Montag, ist bekannt, wie Europas Geschäftsbanken davon überzeugt werden, ihre griechischen Staatsanleihen über deren Fälligkeitsdatum hinaus zu behalten und damit zur Abwehr der Staatspleite Griechenlands beizutragen.

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Die französische Zeitung „Le Figaro“ veröffentlichte einen inoffiziellen Plan von Frankreichs Bankverband, dessen Eckpunkte so aussehen: Die Banken sollen 70 Prozent des Geldes, das sie in griechische Bonds investiert haben, bei Fälligkeit in neue Schuldscheine investieren. 50 Prozent der bestehenden Forderungen sollen sie in griechische Bonds mit 30 Jahren Laufzeit investieren. Dafür sollen sie eine jährliche Verzinsung erhalten, die ungefähr jener entspricht, die für die Hilfskredite aus dem seit Mai2010 laufenden 110-Milliarden-Euro-Paket der EU und des Internationalen Währungsfonds fällig ist. Derzeit zahlt Griechenland fünf Prozent Zinsen für die Kredite von EU und IWF.

Die restlichen 20 Prozent der bestehenden Investitionen von Frankreichs Banken in griechische Staatsanleihen sollen bei Fälligkeit in einen neuen, nicht näher beschriebenen Fonds mit besonders kreditwürdigen Wertpapieren fließen. Dieser Fonds würde die gesammelten Zinsen erst zum Fälligkeitszeitpunkt an die Banken auszahlen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bestätigte am Montag bei einer Pressekonferenz, dass die Laufzeit der neuen Staatspapiere 30 Jahre betragen soll. Dieses Modell dürfte als Vorlage für die anderen nationalen Modelle zur Beteiligung der Geschäftsbanken an der Umschuldung Griechenlands dienen. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager bestätigte das; in deutschen Bankenkreisen äußerte man sich ebenso.

Am Montag traf sich zudem in Rom der Geschäftsführer des internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, mit dem Chef des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU (WFA), dem Italiener Vittorio Grilli, um über die Bankenbeteiligung zu sprechen. Der WFA bereitet alle Treffen der Finanzminister der Eurozone vor, er ist eines der wichtigsten Gremien für die Steuerung der gemeinsamen Währungspolitik. Der Sprecher von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn bestätigte, dass bei diesem römischen Treffen alle Institutionen der Eurozone sowie die Kommission vertreten waren.

 

Steuerzahler schwer belastet

Allerdings dürfte bald mehr als die Hälfte der griechischen Ramsch-Anleihen bereits in die Bücher der öffentlichen Hände gewandert sein, wie eine neue Studie der Barclays Bank zeigt. Die Europäische Zentralbank ist mittlerweile die größte Gläubigerin Athens, sie hat griechische Bonds im Wert von rund 49 Milliarden Euro angekauft. Rund 38 Milliarden Euro sind im Zug des EU-IWF-Rettungspakets an die europäischen Regierungen gewandert. 30 Milliarden Euro sind in den Büchern der griechischen Pensions- und Sozialversicherungsträger, der IWF hält 15 Milliarden Euro, ausländische Staatsfonds, vor allem solche aus dem Nahen Osten und Asien, rund 25 Milliarden Euro. Dazu kommen 13 Milliarden Euro an Bonds, welche die einzelnen europäischen Notenbanken gekauft haben.

Damit es zur Umschuldung und einem zweiten, mindestens 100 Milliarden Euro schweren Hilfspaket kommt, muss aber zuerst das Parlament in Athen am Mittwoch und Donnerstag neuen Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen über rund 6,5 Milliarden Euro für heuer und 22 Milliarden Euro bis 2015 zustimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2011)

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129 Kommentare
 
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Gast: Nikolaos Koutsoukalis
28.06.2011 08:33
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Griechenlandkrise

Das griechische Volk kann nichts mehr ertragen. Diese haessliche Regierung hat keinen Plan fuer Etwicklung und bekommt Geld nur von Beamten und Pensionierten. Es gibt keine Zukunft fuer uns, was sollen wir machen? Unser Politiker haben das Geld von den europaeischen Programmen bekommen und nach der Schweiz transferiert. Vor zehn Jahren habe einen Wagen gekauft. Dafuer habe ich viele Gebuere bezahlt. Nach zehn Jahren muss ich wieder bezahlen. Ist das Staat wo Leute leben koennen? Das hat die "sozialistische Regierung" Papandreous gemacht. Das heisst Sozialismus. Koennen Sie es verstehen?

Gast: radius
28.06.2011 01:28
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Was heißt "Supersicher"? dass der Steuerzahler haftet nehme ich an.


Anna F. hat Vertrauen in die EU! Damit ist sie innerhalb der Einheit in der Mehrheit!

Die mutige Griechin soll also doch gerettet werden, das ergab erst vor kurzem eine Blitz Umfrage eines sehr angesehenen Institut für Bürgerinnenmeinungen. Damit steht die wissende Bürgerin mit unsere Elite im Einklang, in der Einheit.

Wir erinnern uns: Als RKI Chef forderte, dass mehr Unterstützt werden soll, war Frau Anna F. bereits auf der Post und wollte unbedingt von ihrem Urlaubsgeld der Griechin helfen.

"Was soll ich mit soviel Geld? Ich teile es lieber", so Anna F., die wohl als Vorbild des RKI Chef dient.

"Europa brachte uns Frieden und Wohlstand. Ein Austritt bedeutet Verwahrlosung, Armut und Krieg. Deswegen bleiben wir in der EU und wir haben Frieden und Wohlstand", so die scharfe Analyse der Anna F., die für Rechte Verschwörungspropaganda erst gar nicht mehr anfällig ist denn "Faymann mein persönlicher Lieblingsvolksbundeskanzler hat mich restlos überzeugt"!. Klug!

Wie ein Kompass mit 38 GPS Satelliten oder wie ein CAD Detailplan der auf den Millimeter genau gezeichnet wurde, genauso präzise hat unsere Elite einen Plan, wie Sie der Griechin helfen kann!

"Die haben ja studiert, deswegen wissen die Eliten dort in Brüssel genau, was jetzt gut für uns ist", so Anna F. die sich jetzt wieder auf ihre Zukunft freut. Freuen wir uns mit ihr!

Re: Anna F. hat Vertrauen in die EU! Damit ist sie innerhalb der Einheit in der Mehrheit!

Anna, den Kredit hamma
Aber auch der Lieblingskanzler des Herrn Michi_???? hält eine Pleite Griechenlands für durchaus möglich.
Ziel des ganzen Geplänkels ist doch nur, daß der Steuerzahler wieder die Banken rettet (deutsche und franz. Banken haben massiv gr Staatsanleihen gekauft, damit sich die Griechen dt. und franz Waffen leisten können)

Gast: grau
27.06.2011 20:36
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die griechen sagen- wir zahlen nix !



das sollten wir auch sagen.

due griechen machen das schon-aber VERDAMMT nocheinmal, OHNE UNSER geld !

typischer FR- und Banken-Vorschlag

Da wird nur noch ZEIT gekauft, um
A) bilanztechnisch solange wie möglich nichts abschreiben zu müssen und
B) dem Totkranken noch solange wie möglich das Blut aus den Adern saugen zu können.
Wer sagt GR könne ohne echten Cut (und damit auch Zinsenschnitt!) mit dieser Zinsenlast ökonomisch gesunden, der muss entweder den Verstand einiger EU-Politiker haben oder er profitiert selbst von diesen Märchen.
Außer der Änderung der GR-Refinanzierung von bisher kurz- auf künftig langfristig wird ökonomisch damit überhaupt nichts "gelöst" (siehe dazu nur den tollen "Beitrag" der vorschlagenden Banken: mittelfristig soweit absehbar nicht ein EUR)

Die letzten Tage von Brüssel und Gomorrha

Wollt ihr die totale Euro-Rettung, totaler als alles, was ihr bisher gesehen habt? - Mit diesem neuen, permanenten „Rettungsschirm“, ESM genannt, werden die AAA-Zahlerstaaten für alle Ewigkeit versklavt. Deren Parlamente sollen die Budget-Hoheit an die EU abtreten und haben dann nichts mehr zu sagen.

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8092-die-letzten-tage-von-bruessel-und-gomorrha

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Cui bono? SOROS & CO


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Ausgekochte Finanzhalunken spielen mit dem Euro Monopoly. Die Gegenspieler sind selbsternannte "Finanzexperten" in der Politik, die nicht einmal die Qualifikation zum Banklehrling haben. Wo bitte soll da ein Plan B herkommen? Vielleicht vom lieben Gott? Hoffentlich nicht aus China!


Gast: gast gast
27.06.2011 19:17
2 0

wenn das der verbrecher sagt

wirds stimmen

Gast: Genau
27.06.2011 18:11
1 0

Wenn das alles so weitergeht, kommt irgendwann Plan H

Die Stimmung kippt in ganz Europa, das ist viel gefährlicher, als ein kleines Land baden gehen zu lassen.

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Re: Wenn das alles so weitergeht, kommt irgendwann Plan H

wirtschaft ist großteils eine frage der stimmung und des vertrauens, finanzen sowieso.
es muss also eine menge leute geben, die vom zerfall EU/euro profitieren.
interessant ist da, warum gerade ein medium wie die "kronen zeitung" fürspricht, den 99% der leser werden sicher nicht davon profitieren.

aber wie schon öfters geschrieben, die wirtschaftliche bildung wird ja, speziell in AT, nicht umsonst kurz gehalten!

Re: Re: Wenn das alles so weitergeht, kommt irgendwann Plan H

Wollen Sie eine ehrliche Antwort?
Die Krone setzt schon lange nicht auf Plan A oder B, sondern auf den Plan HC

Gast: tramper
27.06.2011 17:44
2 0

Überschuldung soll mit noch mehr Schulden gelöst werden

Analog, Heroinsüchtige sollen mit einer Überdosis geheilt werden.

Für wie blöd halten die uns eigentlich.

Re: Überschuldung soll mit noch mehr Schulden gelöst werden

Nur dort gibt's die Chance für den "goldenen Schuß" und das Problem ist, vielleicht nicht human aber doch, für Süchtige und Helfer erledigt.

Bei "Geld ins schwarze Loch schütten" wird der goldene Schuß (Pleite) jedoch Süchtige plus Helfer in gleichem Maß treffen.

Gast: vip
27.06.2011 17:41
1 0

Wir sollten schon die Frage stellen

wer von den Milliardentransfers aus Deutschland profitiert. Das würde einiges erklären.

Der Bevölkerung wird derweil eingetrichtert, es wäre für die Griechen, die kriegen aber gar nichts davon.

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Re: Wir sollten schon die Frage stellen

das ist richtig. es geht eigentlich ums _eigene_ wohl.
wie wollen sie aber einem volk ohne wirtschaftlicher grundausbildung wirtschaftliche zusammenhänge erklären?

glauben sie es ist in einer staatsform wie in AT gut, wenn das volk zu gebildet ist? da würden viele personen einer interessensvertretungen schnell "sinnlos".

Antworten Gast: Ackermann
27.06.2011 17:45
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Re: Wir sollten schon die Frage stellen

Hähä!

Plan B und die Eu

Die EU definiert sich ja gerade dadurch NIE einen Plan B zu haben. Lange waren sogar die Austrittsregeln für diesen Verein NICHT definiert. Auch ist noch nicht geklärt, WIE man Banken pleite gehen lassen kann ohne daß gleich die ganze Wirtschaft zusammenbricht.
Die Eurokriterien waren auch nur Schein; jeder Kritiker aber gleich ein Rechtsf.schist und Aniteuropäer.
So erleben wir alle, wie eine gute Idee (Europa) durch Egoisten, Realitätsverweigerer und Stümper in den Abgrund gefahren wird

Re: Plan B und die Eu

Ihr diskuttiert hier über einen fehlenden Plan B?
Ich bin eigentlich noch immer auf der Suche nach dem ebenfalls fehlenden Plan A.

Gast: Eurrora
27.06.2011 17:30
1 0

Warum küsst man Soros nicht die Füsse

und wartet ab ,bis man von ihm, als danke schön , einen Tritt in den Hintern bekommt ?
Eine dUMME Gesellschaft ist dies.

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Re: Warum küsst man Soros nicht die Füsse

Das erfolgt arbeitsteilig: die Kommission küsst ihm die Füsse, weil Soros das vorschlägt, worauf sie schon seit langem hinarbeitet, die Tritte hingegen dürfen wir einstecken, wenn diese Dystopie wirklich Realität werden sollte.

Gast: Gast 99
27.06.2011 17:22
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Griechen bringen Geld ins Ausland


Griechen bringen Geld ins Ausland
„In Griechenland gibt es so gut wie kein privates Millionen-Vermögen mehr, das nicht zumindest zum Großteil längst ins Ausland verbracht worden wäre. Was jetzt in Deutschland, Österreich, Australien und anderswo ankommt, ist das Geld der Mittelschicht“, sagte der renommierte Vermögensverwalter und Griechenland-Kenner Bert Flossbach der Wirtschaftswoche. Nach Schätzungen von Bankenkreisen betrug das Volumen der Kapitalflucht im Mai rund vier Milliarden Euro, doppelt so viel wie noch im April. Laut griechischer Notenbank gingen die privaten Geldeinlagen bei griechischen Banken von Januar 2010 bis April 2011 um gut 31 Milliarden Euro auf 165,5 Milliarden Euro zurück.
Quelle: Wirtschaftswoche

Gast: grau
27.06.2011 16:58
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schluß mit dem unfug!



oyro weg, schilling her, kein cent mehr in andere länder, fertig !

die slowaken machen das sogar unter verbleib in der euro-zone, warum nicht wir? weil feigmann mit unserem geld den griechensozis ein land kaufen will?

nun, DAS wollen WIR nicht, also feigmann weg !

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Das Herzblatt Sarko - Angela hat keinen Plan B. Die Piloten springen kurz vor dem Absturtz mit dem Fallschirm ab und rufen zu den Passagieren: wir holen Hilfe


Antworten Gast: 1. Parteiloser
27.06.2011 17:44
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Re: Das Herzblatt Sarko - Angela hat keinen Plan B. Die Piloten springen kurz vor dem Absturtz mit dem Fallschirm ab und rufen zu den Passagieren: wir holen Hilfe

Es gibt durchaus Gerüchte, dass wenigsten die Deutschen einen Plan B haben. In Leipzig werden die neuen Banknoten in Massen gedruckt. Es bleibt nur die Frage wieviel der Währungsschnitt den Bürgern kosten wird.

 
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