Griechenland: „So günstig kommen Sie nicht mehr hin“

30.06.2011 | 18:27 |  CHRISTINE IMLINGER UND DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Touristen sind von der Krise eher unbeeindruckt. Bereits 2010 ist der Tourismus trotz Streiks und Demos nicht massiv eingebrochen. Die Buchungslage ist im Vergleich zum Vorjahr „sehr gut“.

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In der Wiener Niederlassung des griechischen Fremdenverkehrsamtes herrscht stoische Ruhe. Keine Anrufe von besorgten Griechenland-Urlaubern, keine Anfragen zu Stornierungen, keine Skepsis bezüglich der Sicherheitslage in Griechenland. Ganz im Gegenteil: Die Buchungslage sei im Vergleich zum Vorjahr „sehr gut“, sagt Fanni Nunner-Grammatikou vom Fremdenverkehrsbüro.

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Auch Reiseveranstalter bemühen sich um Beschwichtigung: Kein einziger Kunde, so heißt es von den Marktführern TUI, Thomas Cook (Neckermann) und Ruefa unisono, habe storniert oder über Probleme geklagt. Nur einzelne Kunden fragen, ob man – angesichts der Streiks – mit pünktlichen Flügen rechnen könne. Die Urlauber in Griechenland bekämen von den Streiks kaum etwas mit.

Lediglich einige Flüge wurden verschoben, die Touristen mussten früher an- oder später abreisen. Man könne sich gut auf die Streiks einstellen, da diese im Voraus bekannt sind. „Selbst, wenn die Fähren streiken, betrifft das unsere Gäste nicht, weil wir auf Betriebe, die sich am Streik nicht beteiligen, ausweichen“, sagt Josef Peterleithner, Sprecher von TUI.

(c) DiePresse

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„Als wäre nichts passiert“

Nicht ganz so gelassen ist Giorgos Nikitiadis, der griechische Vize-Tourismusminister. Nachdem die Bilder des Chaos um die Welt gegangen sind, kam es zu ersten Stornierungen. Stadtbesuche und Kongresse seien abgesagt worden, sagte er im Fernsehen. Zwei Hotels waren wegen der Tränengas- und Rauchschwaden evakuiert worden.

Aber das trifft nur Athen. „Auf Kreta geht alles seinen Lauf, als wäre nichts passiert“, erzählt Ioannis Afukatudis, Österreich-Chef von Thomas Cook. Schließlich sitzen die Touristen auf den 200 Inseln oder den Ferienorten an der Küste und weit weg von Athen – oder besser gesagt: vom Athener Parlament, wo zurzeit die Demonstrationen stattfinden. Athen, so Peterleithner, spiele touristisch trotz Akropolis und Kulturreisenden nur eine minimale Rolle. Was aber, wenn die Athener Stimmung auf die Inseln überschwappt? „Ausgeschlossen“, sagt Fanni Nunner-Grammatikour.

 

Insulaner können nicht streiken

Gerade die Inselbewohner seien auf den Tourismus angewiesen, „sie können es sich nicht leisten, zu streiken“. Man sei heuer besonders um die Gäste bemüht. Im Bewusstsein, dass man außer dem Tourismus nichts habe. Und die Gäste können sich auf besonders niedrige Preise einstellen: Ein Last-Minute-Pauschalurlaub in Kreta in der ersten Juliwoche kann bereits ab 299 Euro gebucht werden (Ruefa). Zum Vergleich: Urlaube in der Türkei oder ein Sonderangebot in Tunesien kosten mehr. „So günstig wie heuer kommen Sie nicht mehr nach Griechenland“, so Nunner-Grammatikour.

Die Preise dürften auch der Hauptgrund sein, warum Griechenland bei Ruefa die bestgebuchte (Pauschal-)Destination ist. Die Buchungslage liegt fast vier Prozent über dem letztjährigen Schnitt. Auch bei Thomas Cook waren die Buchungen bis vor kurzem deutlich im Plus. Allerdings: Seit die Bilder der Ausschreitungen omnipräsent sind, warten die Urlauber ab, sagt Afukatudis.

Eine ähnliche Situation wie vergangenes Jahr, als Griechenland schon unter der Krise litt. Thomas Cook registrierte 2010 ein Minus von knapp 15 Prozent, TUI verbuchte ein einstelliges Minus. Heuer ist Griechenland wieder klar im Plus – nicht nur der günstigen Preise wegen, sondern auch, weil das Land jene Urlauber, die Ägypten und Tunesien heuer meiden, für sich gewinnen konnte.

Während die Pauschalurlaube heuer also gefragt sind, gilt das für Individualreisen nur bedingt. Für Autotouren etwa werden sich wohl die wenigsten entscheiden. Der Benzinpreis ist in Griechenland von einem Euro auf zurzeit rund 1,70 Euro gestiegen. Auch die Bilder von Autokolonnen vor Tankstellen aus dem Sommer 2010 dürften dazu nicht animieren.

 

Ein Ausfall wäre verheerend

Die Zahl der Urlauber ist 2010 im Vergleich zum Jahr zuvor um 0,5 Prozent gesunken, die Einnahmen hingegen um sieben Prozent. Das sagen die offiziellen Zahlen des griechischen Tourismusverbandes SETE. Bricht der Fremdenverkehr weg, wäre das verheerend: Gut 17 Prozent des griechischen BIPs stammen aus dem Tourismus, 700.000 Menschen arbeiten in dem Sektor.

Dabei hatte der Tourismus schon Jahre zuvor zu leiden. Vor allem die billigen Angebote in der Türkei brachten die Griechen unter Druck. Um das traditionell hohe Preisniveau auf Hellas konkurrenzfähiger zu machen, wurde die Mehrwertsteuer für die Hotellerie zuletzt von elf auf 6,5 Prozent gesenkt. Die Hotels mussten ihre Preise angesichts der geringeren Nachfrage um bis zu 30 Prozent senken, um ihr Geschäft zu retten.

Afukatudis, selbst gebürtiger Grieche, glaubt aber nicht, dass der Tourismus in Griechenland langfristig leiden wird. „Zumindest heuer wird das Geschäft sicher nicht positiv laufen“, sagt er. Und die viele negative Berichterstattung werde dem Sektor auch noch einige Zeit schaden, aber nicht langfristig. Auch Peterleithner erwartet keinen anhaltenden Image-Schaden. Schließlich gab es in Griechenland, wie auch in Spanien, noch jedes Jahr Streiks.

Wer deshalb einen schon gebuchten Urlaub in Griechenland nun doch nicht antreten möchte, der muss dafür die üblichen Gebühren zahlen. Kostenfreie Storno- oder Umbuchungsmöglichkeiten gibt es derzeit nicht (da keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen wurde). Der Großteil dürfte Griechenland aber treu bleiben. Mit 550.000 österreichischen Urlaubern pro Jahr ist das Land die wichtigste Flug-Destination der Österreicher, noch vor der Türkei und Spanien. Beachtet man alle Möglichkeiten der Anreise, verbringen nur in Italien und Kroatien mehr Österreicher ihren Sommerurlaub jenseits der Grenze. „Der Österreicher“, sagt Walter Krahl, Vertriebschef von Ruefa, „ist schließlich ein Griechenland-Fan.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2011)

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11 Kommentare
Gast: luftschiff
04.07.2011 16:58
0 0

Warum denn nicht?

Wir haben für dieses Jahr auch schon einen Pauschalurlaub im Magic Life Kos in Griechenland geplant. Uns wurde im Reisebüro auch erklärt, dass die Situation im Land nicht anders ist als vor ein paar Jahren.
Wobei galli leo sicher damit Recht hat, dass Cluburlaub eine sicherere Variante ist. Wir fahren damit jedenfalls die sichere Schiene - und Urlaub ist zur Entspannung da!

Gast: New wave
01.07.2011 18:31
1 0

Dass die Reisemanager kein Problem sehen wollen, ist klar....

Anbei die Info des Aussenministeriums:

In Griechenland kann es immer wieder zu kurzfristig angesetzten Streikmaßnahmen – mitunter auch Generalstreiks – und Demonstrationen kommen. Infolge dieser Streikmaßnahmen kann es zu Behinderungen im Straßenverkehr, Verzögerungen und Ausfällen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Engpässen bei der allgemeinen Versorgung kommen. Auch stundenweise (bis zu 24 Stunden) Flugausfälle bzw. Flugverschiebungen oder Ausfälle beim Fährverkehr sind möglich. Streikt nur der Fährverkehr, sind die größeren Inseln auch per Flugzeug zu erreichen. Touristen sollten sich daher über Streikauswirkungen regelmäßig informieren.

Es ist schön, wenn die Insulaner nicht streiken, doch soll man auf die Insel paddeln oder schwimmen - ohne Fluglotsen geht auch dort nichts

Gast: NN
01.07.2011 17:56
1 0

Storno Griechenlandurlaub

Dass keine der Kunden bisher storniert hat liegt wohl daran, dass die Stornokosten beim Kunden hängen bleiben. Wir haben mittlerweile 3x telefonisch sowie einmal per email bei Thomas Cook/Neckermann angefragt. Ausser Vertröstungen nach dem Motto " wird scho nix sein" gab es keine Auskunft und auch kein Szenario für den Streikfall. Auf die Frage nach einer Umbuchung wurde auf die allgem. Stornobed. hingewiesen. Also kein Wunder, dass keiner storniert. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass während der 2 Streiktage alle Flüge nach Kos um fast 7 Stunden verspätet waren. Lt. Flyniki gab es bei einigen sogar bis zu 11 Std. delay. Aber es is eh alles problemlos...

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Die Griechen können ja die insel die sie alls ihre bezeichne denn Türken verkaufen die haben ja 100 MIlljarden auf der hohen kante ach hab ich ja vergessen eigentlich sind es 5 mal so viel als wenn griechen land will kaufen wir sie gleich auf und reißen sie aus dem dillemma was eigentlcih di eu zu verantworten hat raus hahahhahahaha

da europa leidet noch zehn jahre wo siind denn euro gestützten wirtschaft zwerge b

Donnerstag, 30. Juni 2011
Türkische Wirtschaft wächst um 11 Prozent im ersten Quartal
Die türkische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11% gewachsen.

Die Wachstumsrate des BIP hat im ersten Quartal 2011 um 17,9% erhöht und in jeweiligen Preisen einen Wert von 284'868 Mio. Türkische Lira (175'535 Mio. $) erreicht.

Türkei BIP-Wachstum im Vergleich, Graph: Turkish Treasury, per June 27, 2011

Türkei BIP-Daten


Gast: grau
30.06.2011 19:58
4 1

KOMMEN SIE NACH GRIECHENLAND



ihr geld ist schon dort ! oder wie soll man das werbeartikelchen verstehen?

Naja, wer Abenteuer und Überraschungen liebt und Zeit hat....

Ich verstehe, daß die Tourismuswirtschaft die Situation gerne schönredet - geht es ja um viele Millionen Euro. Aber ich möchte nicht wieder wie im letzten Jahr in der Athener U-Bahn am Weg zum Flughafen sitzen und plötzlich heißt es "aussteiigen" - Streik. Mit knapper mühe dass letzte Taxi ergattert und mit einem englischen Ehepaar geteilt - sonst wäre der Flug wohl weg gewesen...

Versicherungen decken dies nicht - höhere Gewalt!

Heuer schaut es noch viel schlimmer aus - täglich ist mit Streiks zu rechnen - wer da nach Griechenland fährt muß Nerven haben.

Und im nächsten Schritt wenn so weiter gestreikt wird: Wie wird sich die Versorgungslage entwickeln?

Und die Preise: Bereits letztes Jahr schrecklich hoch für meist geringe Qualität - oft ein Nepp. Nach Griechenland war ich noch in Italien - bei weit besserem Preis-Leistungsverhältnis.

Der griechische Tourismus hat offenbar mißverstanden: Sparen heißt nicht schamlos Touristen schröpfen.

Dennoch: Wer trotzdem fährt dem wünsche ich schönen Urlaub!

Re: Naja, wer Abenteuer und Überraschungen liebt und Zeit hat....

die buchungszahlen im artikel bezogen sich auf pauschalurlaube.

bei dieser form des urlaubs müssen sie sich weder darum sorgen, ob die u-bahn streikt und sie ihren flieger noch erwischen.
ausserdem interpretieren die meisten leute diese form des urlaubs so: ich zahle alles bereits im reisebüro und stecke mir nur ein paar euro ein, falls ich mal ausserhalb der anlage ein bier trinken will...

Re: Naja, wer Abenteuer und Überraschungen liebt und Zeit hat....

Ein Arbeitskollege durfte 2 tage auf dem Hafengelände schlafen,er wurde durch Streikposten daran gehindert die Fähre zu betreten.
Griechenland,Nein Danke.Ich habe keine Lust unnötig meine Urlaubtage für Machtpolitische Gewerkschaftler zu verplempern.

Antworten Gast: nestbeschmutzer
30.06.2011 20:13
0 0

Re: Naja, wer Abenteuer und Überraschungen liebt und Zeit hat....

Ach, was solls: das Meer ist da, die Sonne, der Rezina, der Salat und die Sardinen oder Kalimare, also alles OK. Und ein bisschen Beschaulichkeit könnte unseren strapazierten Nerven ganz gut tun...
Vielleicht sollte sich das der Gr Tourimus so einen Alternativen Urlaub überlegen, anzubieten. Kein Handy, kein TV, kein ... dafür was lesen, malen, .... "kontemplativ" sein... In Asien verkauft sich so was prächtigst!!!! (Bali, aber auch Südchina, Himalaya Region...)

Re: Naja, wer Abenteuer und Überraschungen liebt und Zeit hat....

Die beste Werbung ist nun einmal die Mundpropaganda; die schlechteste freilich auch! Und in einer Zeit, wo zahlreiche SICHERE Staaten um Urlaubsgäste werben, wird sich die Lust, ausgerechnet das von Streiks massiv bedrohte Griechenland zu frequentieren, in engen Grenzen halten. Schon in den letzten Jahren kann es kein Zufall gewesen sein, daß die Hellenen beträchtliche Touristen-Anteilen an Nachbar Türkei verloren. Und jetzt muß man erst abwarten, wie dei Bevölkerung auf den Sparzwang reagiert. Da ist schließlich alles möglich...

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