Harte Kritik am Rettungsplan für Athen

03.07.2011 | 18:27 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Polens Finanzminister Jacek Rostowski bezweifelt die Erfolgsaussichten der milliardenschweren Notkredite für Griechenland. Die Einbindung der privaten Gläubiger ist weiterhin offen.

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Warschau/Brüssel. Die Finanzminister der Euroländer haben am Samstagabend zwar den unmittelbaren Staatsbankrott Griechenlands abgewendet. Sie haben aber den für Anfang Juli angekündigten Beschluss eines zweiten, rund 120 Mrd. Euro schweren griechischen Hilfspakets zur Finanzierung des griechischen Staates in den kommenden Jahren um mindestens mehrere Wochen verschoben.

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Polens Finanzminister, Jacek Rostowski, äußerte am Wochenende im Gespräch mit EU-Korrespondenten Zweifel daran, dass die bisherigen Interventionen der Euroländer zu einer Lösung des griechischen Schuldenproblems führen. „Wollten wir jemanden bilateral unterstützen, müssten wir sehr davon überzeugt sein, dass das Programm erfolgreich ist. Da gibt es offensichtlich einen Unterschied zwischen den Ländern innerhalb und außerhalb der Eurozone“, sagte der Ökonom. Polen hat sich im Zuge seines Beitritts zur EU im Jahr 2004 dazu verpflichtet, auf die Einführung des Euro hinzuarbeiten.

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Doch angesichts der unsicheren Zukunft der Währungsunion, der damit verbundenen Unbeliebtheit des Euro bei den Bürgern und den anstehenden Wahlen in der ersten Oktoberhälfte ist die Regierung nicht gewillt, ein Beitrittsdatum anzugeben. „Vielleicht könnte es während des ersten Mandats von Draghi sein, vielleicht erst danach“, sagte Rostowski. Mario Draghi, der designierte neue Präsident der Europäischen Zentralbank, wird im November sein Amt für acht Jahre antreten.

„Wir müssen sehen, wie sich die Architektur der Eurozone entwickelt. Es ist klar, dass eine Menge getan werden muss, bevor wir über die Fallen und Untiefen auf dem Weg dorthin nachdenken“, sagte Rostowski.

Die Finanzminister der Eurozone hatten am Samstagabend beschlossen, ihren Anteil von 8,7Mrd. Euro an einer Zwölf-Mrd.-Euro-Tranche für das laufende Rettungspaket auszuzahlen. Weitere 3,3 Mrd. Euro steuert der Internationale Währungsfonds bei.

Die Minister konnten aber keinen Fortschritt beim zweiten Hilfspaket verkünden. Denn das Kernstück dieses Rettungsplans, nämlich die Beteiligung der privaten Gläubiger, ist weiterhin offen. Experten erwarten, dass die Finanzminister auch bei ihrem nächsten Treffen am 11. Juli keinen Durchbruch erzielen werden, sondern frühestens im Herbst.

Was die Beteiligung der heimischen Banken betrifft, bremst Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Denn in Österreich ist die staatliche Bad Bank der Kommunalkredit mit einer Milliarde Euro der größte Griechenland-Gläubiger. Fekter sagte, sie glaube nicht, dass es gerechtfertigt sei, diese erneut zur Kasse zu bitten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2011)

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124 Kommentare
 
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Das Geld geht nicht nach Griechenland.

Warum wird immer behauptet,man müsse den Griechen helfen? Tatsächlich geht das Geld an die Gläubigerbanken wie Deutsche Bank und französische etc.etc. Von Null-Zinsen hat man noch nichts gehört. Und Cap sagt auch, Österreich verdiene durch die Kreditzinsen.Jetzt tragen wir einerseits zur Schuldenlast der Griechen bei, der österr. Staat kassiert ab, andererseits sollen die Bürger dafür schön blechen. Eine Ungeheuerlichkeit und Verlogenheit sonderngleichen.Wir werden denen die Rechnung dafür bei der nächsten Wahl präsentieren, hoffe ich........

Gast: Zeuge
04.07.2011 08:48
6 0

Der Rettungsplan

für Athen ist in Wahrheit ein Plan gegen Athen und und seine Bürger.
Die Versklavung der Bevölkerung wird in erster Linie damit vorangetrieben.
Der Rettungsplan ist für die Banken in Europa gemacht.
Einschließlich der Europäischen Zentralbank müßten die Finanztrickser ihren Hut nehmen und nach Offenlegung der Bilanzen auch noch den Gang in Kerker antreten.
Für die fürstlich entlohnten Apparatschiks in Brüssel, wäre natürlich der Ofen aus.
Ok, das kommt noch.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
04.07.2011 07:13
4 0

Erfolgsaussichten

Was für Erfolgsaussichten denn?

Der neue griechische Finanzminister hat gleich bei seinem Antritt ehrlich bekannt, dass die griechische Finanzsituation ein Fass ohne Boden ist, in welches er Erst einen Boden einfügen muss.

Ja. Aber wie denn.

Dies wissend, haben sich die Finanzminister und Finanzministerinnen trotzdem entschlossen der Finanzierung eines Fasses ohne Boden zuzustimmen.

Welche Erfolgsaussichten werden also erwartet?

Das das Geld weg ist? Bestimmt.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://www.oebote.gnx.at

Der traut sich was,

der polnische Finanzminister. Wo doch alle anderen genau das Gegenteil behaupten. Ich fürchte nur, der könnte recht behalten.

"Mit voller Hose ist leicht stinken"

Meine polnischen Kontakte sehen das im Grunde alle gleich: "Ihr hattet den Euro von Anfang an. Ihr musstet die Behauptungen glauben, in Wahrheit ist es ein Experiment. Wir haben jetzt den Vorteil, auch die Nachteile offenbart zu bekommen. Nicht theoretisch, sondern als Anschauungsunterricht."

Aber auch dort ist klar: Wenn der Euroraum schwächelt, ist auch der "stabile Zloty" nichts Wert. Und die dort inzwischen verlangten Preise für Artikel des täglichen Gebrauchs (Zucker ist da schon legendär) erinnert auch nicht ans Schlaraffenland.

lt. Feymann ...

... ist das jetzt ein Hetzer.

Gast: Isidor vom Billa
04.07.2011 02:02
4 2

Eine herrliche

Vorlage um die lokalen Regierungen, bzw Parlamente zu entmündigen - genau das ist der Grund des Zentralkomitees der EU den Griechen sinnlos Geld zuzuschieben.
Ist ja sowieso nur vorweggenommene Inflation.

Gast: grau
04.07.2011 01:28
4 1

FREUNDE ! holen wir sie uns, bevor



sie uns komplett ruinieren !

8 0

Danke Euch Polen für die klaren Worte. Man hatte Euch angepöbelt als Ihr das Traktat von Lissabon nicht rasch genug unterschriebt, heute macht das Herzblkatt Sarko Angela Makulatur daraus. Die Rettung Griechenlands ist eine Bauchfütterung eines Sterbenden um unseren Banken zu helfen


Unsere Banken

Vorweg: wie wäre es, wenn Sie den Text ins Kommentarfeld schrieben? (Das ist das Feld "Ihr Kommentar", "Überschrift" is für Überschriften.)

Sie vergessen, dass in "unseren" Banken unser Geld steckt, wenn die den Bach runtergehen, ist auch ihr Geld weg (da hilft auch keine Einlagensicherung, wenn alles schlagend wird).

Re: Unsere Banken

"Unser Geld ist nicht "weg". Im Falle der Rückkehr zur eigenen Währung werden unsere Banken ausreichend mit flüssigen Mitteln von der eigenen Notenbank versorgt. Also keine Panikmache! Für Währungsumstellungen gibt es zahlreiche Vorbilder!

Blau - Äugig

Für von der Notenbank "zur Verfügung" gestellte Mittel muss ein entsprechender Gegenwert vorhanden sein. Angesichts der Verschuldung Österreichs und der noch leichteren Spekulation gegen diese dann zwergenkleine Währung, wird ihr Optimismus sehr bald der Realität weichen müssen.
Gerne hätte ich auch die ZAHLREICHEN Vorbilder von Ihnen benannt (sagen wir in den letzten 15-20 Jahren).

Re: Blau - Äugig

Zynisch, aber richtig hat Jacques Rueff von der Geld- oder Kreditschöpfung als "unserem System der Wechselreiterei" bezeichnet. Die Nottenbank wirkt an diesm System mit.
Was Geld ist, lesen sie am besten bei Friedrich Georg Knapp nach: "Staatliche Theorie des Geldes" (bis heute immer wieder neu aufgelegt).
Unzählige Währungsumstellungen und Reformen haben zuletzt bei Auflösung der Sowjetunion, Jugoslawien, Großdeutschland und im Zuge der Entkolonialisierung stattgefunden. Währungsunionen haben sich alle aufgelöst, wenn sie nicht von einem starken Staat getragen wurden. Begriffen?

Re: Unsere Banken

Die Einlagensicherung wird nicht ausreichen. Aber wenn die EU tatsächlich helfen will, dann könnte sie die in einem solchen Fall betroffenen Privatkontenbesitzer, welche nicht spekuliert haben, aus dem Rettungsschirm entschädigen.

Käme sicher weitaus billiger, als über den Umweg der griechischen (Korruptions-) Verwaltung. Und wäre auch kein Anreiz, das Investor-Geschäftsmodell "hohe Zinsen gegen Null Risiko" fortzusetzen.

Gast: Reflector
03.07.2011 23:38
13 0

Polen ist noch nicht so verbrüsselt ...

... und hat zumindest noch eine nationale Währung, anscheinend ein kleiner Garant für ökonomische Überlegungen.

Mit dieser kleinen Tranche geht es nun über das Sommerloch und danach wird munter weitergemurkst, natürlich auf Kosten der Steuerzahler.

Nach welcher Pfeiffe tanzen eigentlich die Pfeiffen?

Verwunderlich, dass in Ö noch niemand auf der Strasse ist!

Re: Polen ist noch nicht so verbrüsselt ...

...in Ö noch niemand auf der Strasse ist...
Das ist nicht verwunderlich, uns geht es noch viel zu gut.

Gast: globetrotterneu
03.07.2011 23:09
10 1

"Zeit für Gerechtigkeit"

die politiker lügen uns alle an und wer was anderes sagt ist ein hetzer.

Gast: Chris K.
03.07.2011 23:07
11 1

Kommunalkredit

Wie kann eine "Kommunal"-kreditbank Kredite ans Ausland vergeben, anstelle an die Kommunen (= Gemeinden)?
Wieder 1 Milliarde Euro versenkt (=13,7 Milliarden öS). Und laut SPÖ & ÖVP sollen natürlich wieder die Steuerzahler zahlen.

Re: Kommunalkredit

Dafür darf die Verantwortliche jetzt das Bildungssystem versenken.

Gast: ojedieeu
03.07.2011 22:09
3 1

sozialabbau und einsparungen bei den bürgern- dafür gibts wieder dutzende milliarden für die banken.

was ist das für eine politik. für ein paar monate wird die endgültige bankrotterklärung eines landes aufgeschoben und weitere dutzende milliarden euros in die banken gesteckt. die linke sozialistische politik führte griechenland in den abgrund. dass die milliarden eu banken hilfen am untergang griechenland etwas ändern , dass glauben nicht einmal mehr die politiker selbst. griechenland hat sich mit den banken in die eu geschwindelt und die eu hat beide augen zugemacht und den kopf in den sand gesteckt. der gesamte eu apparat und die gesamte euro stützungspoltik hat keine positiven sozialen komponenten. in spanien, griechenland u.portugal werden die bürger von der polizei geprügelt, während eine völlig abgehobene eu und bankenlobbypolitik ihre euromillardenstützungen für die banken feiert. auch in österreich werden die asvg pensionsbedingungen laufend verschlechtert und die arbeitnehmerinteressen bekommen immer weniger bedeutung. fischer, der spö bundespräsident hat diese banken milliarden für griechenland sogar befürwortet. obwohl in österreich sozialabbau und teils massive einsparungen bei der bevölkerung durchgezogen werden, unterstützt man weiterhin die stützung der privaten kapitalmärkte. die eu und die verflochtene bankenlobby hat europa auseinanderdividiert, die bürger in den ländern werden gegeneinander ausgespielt und gegeneinander aufgebracht. solange die eu nur den weg des kapitals und der banken geht, wird es steil bergab gehen. aber noch sind wir nicht ganz unten.

Das wissen wir doch schon ...

... alle sozialistischen Gesellschaften sind Armutsgesellschaften. Barroso hat Portugal an die Wand gefahren, jetzt macht ers mit Europa.

Antworten Antworten Gast: ich bin's
04.07.2011 17:10
0 0

Scheinbar nicht

Barroso war konservativer Premierminister und gehört zur Eurochristlistlichen Partei!

Von der Planwirtschaft zurück in die Planwirtschaft?

Nicht mit denen, die geschichtliche Erfahrungen mit der Planwirtschaft haben, also den Ländern
des ehemaligen Ostblocks!

Sie erkennen genau in welche Richtung die heraufdräunde "EU - Wirtschaftsregierung", die bereits existierende, natürlich durch keine Verträge gedeckte, EURO - Transferunion und die der drohende ESM hinführen: Zu einem ungehemmten Umverteilungsmaschinerie und einer dramatischen Verschlechterung der öffentlichen Finanzen solider Staaten und ihrer Wettbewerbsbedingungen!

Welch ein Glücksfall für die EU, dass sie 2004 die Ostereweiterung durchgeführt hat, denn diese Länder interessieren sich zumindest zum Teil für Marktwirtschaft und stehen einem EU-"Staat" skeptisch gegenüber.

Ironie am Rande, dass genau die FPÖ gg. die Osterweiterung aufgetreten ist und diese nun ein Hoffnungsschimmer sind!

Sie kennen bereits die Planwirtschaft und wissen den Wert von Freiheit zu schätzen!

Antworten Gast: UKW
03.07.2011 22:13
1 0

Besten Dank für Ihren Beitrag

Ich hätte es selbst nicht besser schreiben können.

12 0

Es lebe Polen

Die Polen haben eine Regierung, die für ihr Volk arbeitet. Unsere schaufelt unser Steuergeld nach Athen.

Antworten Gast: Plach2
03.07.2011 21:29
2 0

Wahltag ist Zahltag!

Wir verdienen nichts anderes! Wir haben uns diese Typen selbst gewählt!

Viele Dinge die es bei uns weiterhin gibt sind in Polen und ehemaligen Ostblock längst abgeschafft.

Die beiden Busenfreunde Erwin Pröll und Häupl verkörpern ein solches System.

Polen investiert die Mrd. im eigenen Land. Wir schicken sie nach Griechenland....

 
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