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Ratingagentur schickt Politik zurück zum Start

05.07.2011 | 10:50 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur S&P will die geplante Beteiligung der Privatgläubiger an der Griechenland-Hilfe als „teilweisen Zahlungsausfall“ werten. Nowotny kritisiert deren Verhalten.

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Wien/Bloomberg/Reuters/Jaz. In der Vorwoche hoffte die europäische Politik, die Griechenland-Misere langsam aber sicher lösen zu können. Trotz heftiger Widerstände auf der Straße beschloss das Parlament in Athen ein Sparprogramm, das von EU und IWF als Voraussetzung für frisches Geld aus dem Hilfstopf genannt worden war. Die bevorstehende Staatspleite war abgewendet. Zudem sorgte ein Vorschlag des französischen Bankenverbands über die Beteiligung der Privatgläubiger an der Griechenland-Hilfe für Aufatmen bei Politikern. Denn erstmals signalisierten auch Banken und Versicherungen, sich finanziell zu beteiligen.

Anfang dieser Woche war die Euphorie wieder verflogen. Grund dafür war ein Statement der Ratingagentur S&P zu den Plänen. „Aus unserer Sicht würden sie zu einem teilweisen Zahlungsausfall führen“, so die Ratingagentur. Die bestehenden und künftigen Staatsanleihen Griechenlands würden daher mit der schlechtesten Bewertung „D“ versehen werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird einem Bericht der Financial Times zufolge weiter an ihrem Prinzip festhalten, auf das beste Raing aller Agenturen zu achten. Die EZB könnte damit die Tür für einen Kompromiss zur Lösung der griechischen Schuldenkrise offenlassen, der eine Beteiligung der privaten Gläubiger vorsieht, solange nicht alle Ratingagenturen dabei ihre Bewertung auf die schlechteste Note absenken.

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Auch der US-Derivateverband äußerte sich dahingehend, dass er den französischen Vorschlag nicht als Kreditereignis bewerte. "So wie ich Frankreichs Plan verstehe, handelt es sich gewissermaßen um einen freiwilligen Roll-Over und im Allgemeinen werden durch einen freiwilligen Roll-Over keine Kreditausfall-Versicherungen (CDS) fällig", teilte der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) am Montag mit.

Nowotny-Kritik an Ratingagenturen

Der Chef der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, kritisiert die Rating-Agenturen wegen ihrer strengen Vorgaben für die Griechenland-Hilfe. Ihm sei aufgefallen, dass die (großteils US-amerikanischen, Anm.) Rating-Agenturen in dieser europäischen Angelegenheit "sehr viel strikter und aggressiver sind als bei ähnlichen Fällen in Südamerika", meinte der OeNB-Gouverneur Montagabend in der "Zeit im Bild 2".

Nowotny spricht hier von einer "schwer schwierigen Diskussion" mit den Rating-Agenturen, da dieser auch teilweise Verzichte als Ausfall werten würden. Überhaupt gebe es eine "eigenartige Situation". Die Banken selber wären nämlich durchaus bereit, sich an der Rettung zu beteiligen, weil sie Interesse an der Stabilität Griechenlands hätten.

Faymann zeigte sich ebenfalls erbost über die Kritik der amerikanischen Ratingagenturen. Er attestierte den Agenturen ein mangelndes Einfühlungsvermögen sowie mangelnde "Ortskenntnis". Es sei an der Zeit, eine europäische Ratingagentur zu errichten, die mit den Gegebenheiten in Europa besser vertraut sei. Der Kanzler sprach von einer "unkontrollierten Entwicklung", bei der Ratingagenturen einen größeren Einfluss hätten als parlamentarische Beschlüsse.

Zusammenbruch der Banken

Sollten die Ratingagenturen konsequent bleiben, wäre die Folge davon der Zusammenbruch des griechischen Bankensystems, da die EZB angekündigt hatte, in einem solchen Fall keine griechischen Staatsanleihen mehr als Pfand zu akzeptieren. Dies ist zurzeit jedoch die einzige Möglichkeit für griechische Banken, noch zu frischem Geld zu kommen. Dies könnte zu einem Sturm auf die Banken und „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ in Griechenland führen, meinte IHS-Chef Bernhard Felderer in der Vorwoche.

Darüber hinaus würde die geplante Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt unmöglich sein, solange das Rating auf dem schlechten Niveau verweilte. Ökonomen befürchten zudem negative Auswirkungen auf die anderen Wackelkandidaten des Mittelmeerraums – allen voran Portugal. Da die EU-Politik dieses Szenario auf jeden Fall vermeiden möchte, bedeutet das Urteil von S&P für sie eine Rückkehr an den Start. „Politiker, Zentralbanker und Bankenvertreter müssen nun zurück an den Zeichentisch und sich etwas Neues überlegen“, sagt Christoph Rieger, Strategiechef bei der deutschen Commerzbank. Eine Beteiligung der Privatgläubiger wurde in der Vorwoche von führenden EU-Politikern wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lautstark gefordert.

 

Kritik an französischen Plänen

Die französischen Pläne hatten vorgesehen, dass die Gläubiger 70Prozent ihres auslaufenden Griechenland-Investments neuerlich in 30-jährige griechische Staatsanleihen stecken. 50 Prozent der ursprünglichen Summe hätte Griechenland erhalten, die restlichen 20 Prozent sollten in einen Sicherungsfonds fließen, der eine Rückzahlung auch nach einer Staatspleite garantieren würde.

Dieser letzte Punkt – als Anreiz für die Banken gedacht – erklärt laut Kritikern des Plans auch die Ablehnung durch S&P. So wäre für Griechenland nach einer solchen Umschuldung eine Staatspleite samt Schuldenschnitt in einigen Jahren günstiger, als die vollen Zinsen für 30 Jahre zu zahlen.

Des Weiteren würden die Gläubiger laut der Einschätzung von S&P in Summe weniger Geld erhalten, da die Zinsen bei den neuen 30-jährigen Anleihen „deutlich geringer“ sein dürften. Zudem würde es sich nicht um einen freiwilligen Umtausch, sondern eine „Restrukturierung“ Not leidender Kredite handeln, so die Ratingagentur. Daher müsse dies als „teilweiser Zahlungsausfall“ gewertet werden.

 

Klage gegen Griechenland-Hilfe

Widerstände gegen die Griechenland-Hilfe gibt es aber auch in Deutschland. Dort verhandelt das Bundesverfassungsgericht heute, Dienstag, über die Rechtmäßigkeit des Hilfspakets. Die Kläger berufen sich auf die EU-Verträge, die eine Finanzhilfe für andere Länder untersagt. Einer der Kläger, der Berliner Ökonom Markus Kerber, fordert daher den Euro-Austritt der EU-Nettozahler – neben Deutschland auch Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 5. Juli 2011)

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401 Kommentare
 
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Der Drachme Blödsinn

Liebe Leute, es ist völlig egal welche Währung die Griechen haben!

Die Schulden müssen in Euro oder Dollar beglichen werden!

Ja, sie haben beim Eintritt in den Euro betrogen, aber das ist jetzt ebenfalls egal. Sie schulden ihren Gläubigern EURO und nicht Drachmen oder Muscheln. Eine neue, eigene Währung in Griechenland, würde zwar einen beschränkten internen Zahlungsverkehr ermöglichen, aber einen 100% igen Zahlungsausfall nach außen bedeuten.

Des weiteren würde auch bei Einführung einer nationalen Währung, der Euro de facto das Zahlungsmittel bleiben.

Beispiel Ungarn: Alle Import, Export Geschäfte werden in Euro abgewickelt, obwohl es den Forint gibt. Selbst in den Supermärkten werden lieber Euro als Forint genommen.

Freunde im Forum, trennt euch von der Schilling Romantik. Er ist tot, und kommt auch nicht mehr!

Re: Der Drachme Blödsinn

Nur wenn man die Kredite im Ausland aufnimmt!

Antworten Gast: Halbwissen
05.07.2011 10:46
0 0

Re: Der Drachme Blödsinn

und genau deswegen muss Deutschland austreten

Antworten Gast: hmv
05.07.2011 10:42
2 1

Re: Der Drachme Blödsinn

darauf würde ich nicht wetten.
wenn es so weiter geht, steht die eu in 10 jahren nicht mehr.
die eu existiert nur noch aufgrund der großzügigkeit einiger nettozahler und ihrer bevölkerungen, denen man volksabstimmungen vorenthält.
die regierungen bekommen dafür die rechnung präsentiert - bald regieren überall eu-kritische rechte.

das hat man davon, zwanghaft alle länder vereinen zu wollen!

Re: Der Drachme Blödsinn

richtig erkannt
und es wird Zeit das Europa auf dem Finanzmarkt erwachsen wird, um sich nicht von US-Ratingagenturen seine Staaten bewerten zu lassen
da sollte man erst mal den eigenen Mist vor der Tür kehren

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
05.07.2011 10:49
0 0

Re: Re: Der Drachme Blödsinn

ist doch egal wer den Totenschein ausstellt

Gast: DI
05.07.2011 09:58
0 0

Politiker, Zentralbanker und Bankenvertreter müssen nun zurück an den Zeichentisch und sich etwas Neues überlegen

Fällt Ihnen auf wie viele Berichte, inzwischen schon mehrere an einem Tag, es zu diesem Thema gibt? Auch ca. 270 Kommentare innerhalb 1,5 Stunden zu diesem Bericht sind auffallend. Vielleicht sind wir im Schussakt dieser Tragödie. Zurück an den Zeichentisch: Nach meiner Meinung ist der Karren so verfahren, dass keine Lösung mehr gibt. Die „Wirschafts-Kernschmelze“ hat mit dem GR-Beitritt, und weiterer Länder, begonnen, vor ca. 1,5 Jahren hat sich die Wirkung erstmalig gezeigt.

Ja des geplante Verbrechen wurde abgewendet, und weit und breit kein Staatsanwalt der dieses Verbrechen, dass in allen Medien diskutiert wurde, zur Anklage bringt.


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Re: Ja des geplante Verbrechen wurde abgewendet, und weit und breit kein Staatsanwalt der dieses Verbrechen, dass in allen Medien diskutiert wurde, zur Anklage bringt.

Gibt es in Österreich auch nur einen Staatsanwalt oder Richter, der nicht schon an einfachsten wirtschaftlichen Fragestellungen scheitert?

Gast: hmv
05.07.2011 09:55
2 0

klarer fall für volksabstimmung würde ich sagen

das problem:
unsere volksvertreter wissen wohl nicht mal mehr, was das ist.

Re: klarer fall für volksabstimmung würde ich sagen

Und sie glauben, dass sich der Durchschnittsösterreicher ein klares Bild von der Situation machen kann um darauf eine fundierte Entscheidung treffen zu können?

TRÄUMER!

Antworten Antworten Gast: hmv
05.07.2011 15:02
1 1

Re: Re: klarer fall für volksabstimmung würde ich sagen

nun, wenn die abstimmung negativ ausgeht - und das ist bei derzeitigen ausgangslage ziemlich sicher der fall - dann liegt es an den experten, neue vorschläge aufzustellen, über die dann wieder abgestimmt wird.
so sollte demokratie aussehen.
aber zu europa hat man uns seit dem beitritt ja nicht mehr befragt - warum wohl?

Re: Re: Re: klarer fall für volksabstimmung würde ich sagen

Sehr praktikabel, dann haben wir eine Entscheidung in 2 Jahren.

Einer jeden Abstimmung muss das Volk informiert werden und ein Diskurs zur Meinungsbild geführt werden umd dem Wähler die Möglichkeit zur Bildung einer fundierten Meinung gegeben werden. In der Schweiz dauert es mindestens ein 3/4 Jahr bis es zu einer Abstimmung kommt. Daher wird eine solche her als Drohung bei Verhandlungen eingesetzt um festgefahrene Standpunkte der verhandelnden Partein aufzuweichen.

Mals abgesehen, dass es auch eine entsprechende politische Kultur voraussetzt, ist diese Methode mit Sicherheit nicht für die laufenden Fragen unserer Gesellschaft geeignet!

Aber jeder Bürger wird wohl noch mitentscheiden dürfen was mit seinem künftigen Schulden (für die er bürgt) gemacht wird.



Die Folgen kann auch die Politik nicht abschätzen.
Weder die Folgen mit oder ohne Rettung.

Wir werden von der Politik nur belogen !

Experten widersprechend sich in dieser Frage vehement. Warum wollen die Politiker unser Schulden für die Griechen derart vermehren ? Bekommen die Provisionen ?

Re: Österreich ist eine parlamentarische Demokratie

bei der die wichtigsten politischen Entscheidungen von einem aus freier Volkswahl hervorgegangenen Parlament getroffen werden.

Wenns ihnen net passt, dann wanderns aus!

Re: Re: Österreich ist eine parlamentarische Demokratie

Kleine Korrektur: Nicht das Parlament = dessen Mandatare gehen aus einer Volkswahl hervor, sondern die Parteien. Und die besetzen Parlamentssitze nur mit Mandataren, welche vorher auf eigenständige Entscheidungen verzichtet haben (der so genannte "Klubzwang")..

Das nennt man übrigens "Parteiendemokratie", wobei das Wort "Demokratie" dabei offensichtlich immer kleiner ausfällt.

1 0

Re: Re: Österreich ist eine parlamentarische Demokratie

wobei es aber sehr wohl möglich ist, dem Parlament Kompetenzen zu entziehen.

Re: Re: Re: Österreich ist eine parlamentarische Demokratie

Natürlich, aber wenn die Wähler auch keine Ahnung haben, kann man bei den 200 Parlamentarier genauso gut aufgehoben und das ist bei weitem billiger!

Nachdem die Politiker offenbar ebenfalls ahnungslos sind, und unsere Milliarden vergeuden ist es nicht wirklich billig.




Re: Nachdem die Politiker offenbar ebenfalls ahnungslos sind, und unsere Milliarden vergeuden ist es nicht wirklich billig.

Wo liegt der Unterschied ob die Wähler oder die Abgeordneten "blinde Kuh" spielen?

Shooting the Messenger

In dieser Hinsicht vielleicht spannend: WESSEN Geld steht in Griechenland überhaupt auf dem Spiel? Mehr dazu hier:

http://zuwi.at/themen/staatsschulden/wessen-geld-in-griechenland-auf-dem-spiel-steht/

Gast: Pips
05.07.2011 09:50
2 0

Klar

das die "bösen" Ratingagenturen nicht dem Willen der "Genossen" werten. Das passt einem in der Wolle gefärbten Roten natürlich nicht. Anders als die hellen Köpfe bei den US Agenturen hat er seinen Job ja durch die Paddei bekommen. Daher die dumpfe Denkweise. Ein Verbrechen an den Bürgern Europas was da aufgeführt wird. Jeder Cent nach Griechenland ist verloren. Bin gespannt wie lang sich das die Denkenden in Europa noch gefallen lassen.

1 0

Windige Politik

Die windige Politik würde gerne die Tatsache der griechischen Zahlungsunfähigkeit verdrehen. Die Ratingagenturen leben - im Gegensatz zur Politik - jedoch von ihrer Glaubwürdigkeit und müssen sich daher an ihre Verträge halten. Und danach sind sie verpflichtet, eben gewisse Fälle als Default zu werten. Ihnen das jetzt vorzuwerfen ist pervers.

Antworten Gast: gast34343
05.07.2011 10:18
1 0

Re: Windige Politik

meinen sie die ratingagenturen, die 2 tage vor der weltwirtschaftskrise lehman noch mit AAA++++ bewertet haben? meinen sie die? diese weltschädlinge haben die krise erst VERURSACHT!

1 0

Re: Windige Politik

Wieso beurteilen die Ratingagenturen dann die USA nicht so, wie sie es laut den Kennzahlen tun müssten?

Re: Re: Windige Politik

Vorsätzlich sich die eigene Hand abzuhacken ist nicht nur Dumm, sondern auch Schmerzhaft!

Außerdem haben die USA die Möglich an der Reißleine in einer Größenordnungen ziehen, wie sonst kein anderes Land ...

1) Einstellung sämtlicher Kriegshandlungen
2) Reduktion der Militärausgaben
3) Einfrieren der militärischen Forschung

Weil die USA,

... wie Österreich (das eine ähnliche pro Kopf Verschuldung wie Griechenland hat), wie Italien Industrie hat und eigene Produktionen.
Das macht ein Land finanziell stabiler.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass alle Staaten von den Ratingagenturen zu positiv bewertet werden.

Re: Re: Windige Politik

Es bringt wenig bis nichts, wenn es um Wahrheiten (Pleiten) in der EU geht mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Gast: celenter
05.07.2011 09:09
3 1

Das Problem ist

Der Lebenszyklus des Geldsystems (Geldschöpfung aus dem Nichts) beträgt je nach Zinsen 50 bis max. 80 Jahre.
Die Geldmenge = Schulden ist dann so hoch, das die Zinsen nicht mehr erwirtschaftet werden können.
Die weltweite Verschuldung ist nicht zufällig sondern gewollt.

Wir sind jetzt in der Endphase und da passiert immer das gleiche.
ENTWERTUNG ALLER GELDVERMÖGEN UND PRIVATISIERUNG DER REALVERMÖGEN


Durchgeführt ...

... von "Volksvertretern".
Da wünscht man sich den guten, alten Kaiser wieder zurück. Da war das Privateigentum noch geschützt, die öffentliche Ordnung gesichert und die Steuern um ein vielfaches niedriger.

0 0

Re: Durchgeführt ...

Der höchste Grenzsteuersatz bei der Einkommensteuer betrug in der Monarchie 6% oder so...

Gast: Damidamadudilie
05.07.2011 08:56
2 3

Ratingagenturen sind die Ausrede der Bankster!


Gast: Klastifuffu
05.07.2011 08:54
3 0

Selbst wenn die Ratingagenturen Griechenland AAA einstuften würden ihnen nur Zocker (geborgtes) Geld leihen !


1 1

Unser Nationalbank-Chef bekommt heute ...

eine Nachricht aus seiner Führungsnation, "aufdass ER US-Ratings nicht in Kritik nehmen soll.

Wie sollte sich die Welt-Finanz-Misere beruhigen, wenn solche Macht-Männer (ein nationaler Notenbankchef ohne eigene Noten) aus Österreich in die Welt donnern?

Das einzige, dass man den Rating Agenturen vorwerfen kann, ist ...

... dass sie zu milde sind und Unternehmen (und Staaten) erst dann negativ bewerten, wenn sie endgültig Pleite sind.
Dadurch sind sie unzuverlässig. Jemand, der vor 3 Jahren Griechenlandpapiere gekauft hat und sich dabei auf die Ratingagenturen verlies, hat eine Menge Geld verloren (wer jetzt meint, das stimmt nicht, weiss nicht, was Abwertungen sind).
Schuld sind die Staaten mit ihrer hemmungslosen Schuldenmacherei, die jetzt "Haltet den Dieb" rufen.
Wir hatten in den letzten beiden Jahren außergwöhnlich und nicht kalkulierte Steuereinnahmen. Wurden sie verwendet, um das Defizit geringer zu halten? Wurden sie verwendet, um Schulden zurückzuzahlen?
Nein! Sie wurden verwendet um weiteres Geld hinauszuplempern und weiterhin ungedeckte Schecks für die Zukunft unserer Kinder auszustellen (oder weiss jemand hier im Forum, woher auf einmal das Geld für Gratiskindergarten in Wien und die Ganztagsschule kommt? - Womit ich keine Bewertung abgeben möchte, ob das gut oder schlecht ist).
Die Ratingagenturen haben mit dieser hemmungslosen Geldraussschmeisserei nichts zu tun. Das sind unsere Politiker.
(Deren Politik in St.Pölten gerade wieder eindrucksvoll vom Wähler bestätigt wurde).

Re: Das einzige, dass man den Rating Agenturen vorwerfen kann, ist ...

Griechenland wurde schon ab 2004 sukzessive herunter gestuft. Die große Überaschung, dass das "heute über Nacht" gekommen ist, kann das also nur sein, wenn man bereits seit min. 7 Jahren Realitätsverweigerung betreibt.

2 0

Re: ... erst dann negativ bewerten, wenn sie endgültig Pleite sind.

Nicht erst dann, sie tun es -in der Reihenfolge-, wenn sie dürfen/müssen/sollten!

Re: Das einzige, dass man den Rating Agenturen vorwerfen kann, ist ...

Die überwiegend positive Bewertung erfolgte auf dem "guten" Glauben, dass die Versicherung der Politiuker halten wird, dass kein Staat in der €-Zone vor 2013 pleite gehen kann.

Tja, das wurde durch die zögerliche Politik der Mitglieder zerstört und die Märkte reagieren entsprechend nervös!

Ratingagenturen zu beschuldigen, dass man an den Börsen Verluste machte ist doch wirklích pervers, denn die sind mit Sicherheit keine Anlageberater!

0 1

Re: Re: die Märkte reagieren entsprechend nervös?

Nicht die Märkte, es sind die Zokker, die hier mit fremden Geld manipulieren.

Internationalen Geldwäschern müsste man die Auflage zuweisen, Eigenkapital vorzuweisen - die Casinospielchen hätten ein Ende!

Österreich dürfte heute schon ..

.... kein Spitzenranking mehr bekommen. Die Gefahr, dass ein Staat oder eine Bank eingeht, ist da und Österreich hätte dann ernste Probleme, das zu handeln.
Es muss ja nicht D sein, aber AAA ist das sicher nicht.
Es war nicht so gemeint, dass die Ratingagentur Schuld ist, wenn jemand Verluste an der Börse macht, sondern dass die Ratingagenturen die Staaten zu positiv bewerten (während rundherum alle der Meinung sind, dass die Ratingagenturen zu schlecht bewerten) und habe dafür ein Beispiel angeführt.
Inzwischen sollte es sich bis zu S&P durchgesprochen haben, dass Einzelstaaten finanzielle Probleme haben oder bekommen können. Daher sollten sie die Staaten auch entsprechend bewerten.
Wenn die EU z.B. für alle Staaten haftet, erwarte ich, dass die EU entsprechend runterbewertet wird. Da diese Gefahr besteht, müsste das bereits im jetzigen Ranking der EU (vorläufig der Einzelstaaten - auch A und D) berücksichtigt werden.
Nachdem die EU aber nur bis zu einer definierten Höhe haftet (Schutzschirm) müsste das Ranking einiger Staaten wie Spanien, Italien, Portugal jetzt schon massiv runtergehen.

Re: Österreich dürfte heute schon ..

Genauso ist es. Nachher staunt der Laie wieder und der Fachmann wundert sich.

Apropos Fachmann: "Nowotny spricht hier von einer "schwer schwierigen Diskussion" mit den Rating-Agenturen, da dieser auch teilweise Verzichte als Ausfall werten würden."
D.h. dass wenn eine Bank (nicht die Caritas) teilweise auf Ihre Forderungen verzichtet, findet der Mann immernoch, dass das aus Spass an der Freude geschieht und nicht deshalb, weil der Schuldner vielleicht (aber wirklich nur vielleicht) ein bisserl knapp bei Kasse sein *könnte*?
Hr. Nowotny macht das Unmögliche möglich und schafft die Zahlungsunfähigkeit einfach ab. Pleite ist jemand erst dann, wenn er es sagt. Wenn er einfach nicht zurückzahlen *kann*, ist er es noch lange nicht.

Re: Re: Österreich dürfte heute schon ..

danke für die Erläuterungen, Argumente vielleicht auch einmal privat hilfreich ; )

Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

... und Professoren, die auf unsere Jugend losgelassen werden. Ich habe schon zu Kreiskys Zeiten, als er als Wirtschaftssprecher der SPÖ die Schuldenmacherei öffentlich verteidigte, gemeint, dass ich ihn nicht einmal einen Würstelstand führen ließe.

Re: Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

Ich bin jetzt indirekt unhöflich indem ich zugebe, einen Kreisky als Witschaftssprecher nicht bewusst erlebt zu haben;-)
Aber die Zahlen zeigen, dass er Keynes auch nur zur Hälfte gelesen haben dürfte.

Aber dieser Strang zeigt wiedereinmal deutlich, dass ein gewisser Hang dazu besteht, die kognitive Dissonanz per Fingerzeigen auf Andere und tw. auch wildeste Weltverschwörungstheorien aufzulösen, anstatt das einzig Naheliegende auch nur anzudenken: Was können wir in unserem Verhalten ändern, um das Problem zu lösen? Also selbst Einfluss zu nehmen.


Re: Re: Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

Genau darum geht es, die lieben Leute picken sich immer nur das Positive heraus und den Rest vergessen wir schnell!

Das gleiche Verhalten sieht man bei den Wirtschaftliberalen, die gerne auf die freihe Arbeitsplatzwahl vergessen. Man könnte es auch gleich als Völkerwanderung bezeichnen, wenn die Menschen dem Kapital folgen dürften ...

Re: Re: Re: Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

Danke für den guten Hinweis auf die "Beiderseitigkeit" der Unlogik. Zumindest mir geht es so, dass wenn ich z.B. überbordende Staatsverschuldung (und v.a. den offensichtlich Unwillen, auch nur irgendetwas daran zu ändern) kritisiere, sofort als Hayek-Immitator eingereiht werde.
Andererseits bin ich gleich ein Kommunist, wenn ich feststelle, dass hohe Einkommen nunmal weniger zur Inlandsnachfrage beitragen als geringe - und damit auch klar ist, wie sich ein Steuersystem entwickeln muss. Oder dass ein regressiv aufgebautes Sozialabgaben-System ungerecht ist.

Die Welt ist aber nicht nicht sozialistisch oder liberal. Im hier diskutierten Fall kann es nicht darum gehen, ob Schwerkraft gut oder schlecht ist. Die Zahlen sind mit einfacher Logik zu interpretieren, die Konsequenzen liegen am Tisch.
Aber Menschen ergehen sich lieber in weltanschaulicher Theorie, wahrscheinlich ist´s oft weniger anstrengend.

Re: Re: Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

Natürlich. Logisch - aber bleibt ohne Konsequenzen. Man möchte einmal Mäuschen sein und hören, was sie im privaten Umfeld von sich geben.
Kreisky als Wirtschaftssprecher ist natürlich ein Hit.

Re: Re: Re: Das sind die Wirtschaftswissenschaftler ...

Deren Probleme möchte ich nicht haben, es ist einfach jemanden anzugreifen, aber tatsächlich Veränderung herbei zuführen kann in unserer Zeit nicht leicht sein.

Aber ...

... man muss ja nicht gleich den Bock zum Gärtner machen.

..weiteres Geld hinauszuplempern ..für gratiskindergärten und gesamtschulen..

damit geben sie sehr wohl ihre persönliche wertung ab!
sehr gut, damit jeder sozialdenkende wähler weiß, welche partei er unter keinen umständen nächstens wählen darf!

Re: ..weiteres Geld hinauszuplempern ..für gratiskindergärten und gesamtschulen..

welche?

 
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Hobbyökonom