Ratings: "Irrsinn selbst erfüllender Prophezeiungen"

Laut dem griechische Außenminister Lambrinidis fußen die Bewertungen der Ratingagenturen auf Annahmen - nicht auf Tatsachen. Auch die EU-Kommission übte nach der jüngsten Herabstufung Portugals heftige Kritik.

Greek Foreign Minister Lambrinidis gestures during an interview with Reuters in Berlin
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Greek Foreign Minister Lambrinidis gestures during an interview with Reuters in Berlin
REUTERS (Fabrizio Bensch)

Die Kritik an der Macht der Ratingagenturen in der europäischen Schuldenkrise hält an. Der griechische Außenminister Stavros Lambrinidis nannte die Methoden der Agenturen am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin "Irrsinn": Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals etwa fuße nicht etwa auf der Tatsache, dass die Regierung in Lissabon nicht ihre Arbeit mache, sondern auf der Annahme, dass das Land ein zweites Hilfspaket brauchen könnte. Dies sei der "Irrsinn" einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, sagte Lambrinidis.

EU: Herabstufung "extrem unglücklich"

Auch die EU-Kommission hat die Entscheidung der Ratingagentur Moody's zur Herabstufung portugiesischer Staatsanleihen als "extrem unglücklich" kritisiert. Ein Sprecher von Wirtschaftskommissar Olli Rehn sagte am Mittwoch in Brüssel, das Rating komme zu einem fraglichen Zeitpunkt. Die portugiesische Regierung habe vergangene Woche sogar Zusagen gemacht, die über das Programm hinausgingen, betonte der Sprecher. "Es wirft einmal mehr die Frage über das Verhalten von Ratingagenturen und ihren Vorhersagen auf", sagte der Kommissionssprecher.

Kritik an Ratingagenturen: ''Das ist Terrorismus''

Moody's hat die Bonität Portugals deutlich herabgestuft und eine weitere Absenkung angedroht. Die Herabstufung spiegle das Risiko wider, dass Portugal bald einen zweiten EU-Rettungsplan benötigen könnte und dass private Gläubiger sich daran beteiligen müssten, teilte Moody's mit. Auch bestehe das Risiko, dass das Land seine Sparzusagen nicht erfüllen könnte, die es im Gegenzug für Hilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro von EU und IWF gemacht hatte.

Ratings: Die Kreditwürdigkeit der EU-Länder

Die Kreditwürdigkeit Portugals wurde um vier Stufen von Baa1 auf Ba2 gesenkt. Das bedeutet, dass Moody's prinzipiell davon ausgeht, dass Portugal seine Verbindlichkeiten bedienen kann; Investitionen werden aber als "spekulativ", also riskant, angesehen.

Portugals Regierung erklärte, Moody's würde die jüngst eingeführte Sondersteuer und die politische Unterstützung für den Sparkurs nicht berücksichtigen. Die neue Mitte-Rechts-Regierung versicherte, sie werde alles tun, um die verschärften Sparanstrengungen zu bewältigen. Anders als die griechische Regierung wird die Koalition in Lissabon in ihrem Sparkurs von den kürzlich abgewählten Sozialdemokraten unterstützt.

An den Märkten lösten die Aussagen Moody's vor allem bei den Bankenwerten einen Ausverkauf aus. Allen voran standen die Aktien portugiesischer Kreditinstitute auf den Verkaufszetteln.

Seit Mai unter EU-Rettungsschirm

Das hoch verschuldete Portugal hatte im April Hilfskredite von EU und IWF beantragt und diese im Mai zugesagt bekommen. Portugal war damit nach Griechenland und Irland das dritte EU-Land, das unter den Euro-Rettungsschirm der Europäischen Union und des IWF schlüpfen musste. Zuvor hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals von A3 auf Baa1 herabgestuft, weil die Agentur davon ausging, dass das Land fremde Hilfe benötigen würde.

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(APA)

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