Ratings: "Irrsinn selbst erfüllender Prophezeiungen"

06.07.2011 | 16:30 |   (DiePresse.com)

Laut dem griechische Außenminister Lambrinidis fußen die Bewertungen der Ratingagenturen auf Annahmen - nicht auf Tatsachen. Auch die EU-Kommission übte nach der jüngsten Herabstufung Portugals heftige Kritik.

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Die Kritik an der Macht der Ratingagenturen in der europäischen Schuldenkrise hält an. Der griechische Außenminister Stavros Lambrinidis nannte die Methoden der Agenturen am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin "Irrsinn": Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals etwa fuße nicht etwa auf der Tatsache, dass die Regierung in Lissabon nicht ihre Arbeit mache, sondern auf der Annahme, dass das Land ein zweites Hilfspaket brauchen könnte. Dies sei der "Irrsinn" einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, sagte Lambrinidis.

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EU: Herabstufung "extrem unglücklich"

Auch die EU-Kommission hat die Entscheidung der Ratingagentur Moody's zur Herabstufung portugiesischer Staatsanleihen als "extrem unglücklich" kritisiert. Ein Sprecher von Wirtschaftskommissar Olli Rehn sagte am Mittwoch in Brüssel, das Rating komme zu einem fraglichen Zeitpunkt. Die portugiesische Regierung habe vergangene Woche sogar Zusagen gemacht, die über das Programm hinausgingen, betonte der Sprecher. "Es wirft einmal mehr die Frage über das Verhalten von Ratingagenturen und ihren Vorhersagen auf", sagte der Kommissionssprecher.

Kritik an Ratingagenturen: ''Das ist Terrorismus''

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Moody's hat die Bonität Portugals deutlich herabgestuft und eine weitere Absenkung angedroht. Die Herabstufung spiegle das Risiko wider, dass Portugal bald einen zweiten EU-Rettungsplan benötigen könnte und dass private Gläubiger sich daran beteiligen müssten, teilte Moody's mit. Auch bestehe das Risiko, dass das Land seine Sparzusagen nicht erfüllen könnte, die es im Gegenzug für Hilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro von EU und IWF gemacht hatte.

Ratings: Die Kreditwürdigkeit der EU-Länder

Die Kreditwürdigkeit Portugals wurde um vier Stufen von Baa1 auf Ba2 gesenkt. Das bedeutet, dass Moody's prinzipiell davon ausgeht, dass Portugal seine Verbindlichkeiten bedienen kann; Investitionen werden aber als "spekulativ", also riskant, angesehen.

Portugals Regierung erklärte, Moody's würde die jüngst eingeführte Sondersteuer und die politische Unterstützung für den Sparkurs nicht berücksichtigen. Die neue Mitte-Rechts-Regierung versicherte, sie werde alles tun, um die verschärften Sparanstrengungen zu bewältigen. Anders als die griechische Regierung wird die Koalition in Lissabon in ihrem Sparkurs von den kürzlich abgewählten Sozialdemokraten unterstützt.

An den Märkten lösten die Aussagen Moody's vor allem bei den Bankenwerten einen Ausverkauf aus. Allen voran standen die Aktien portugiesischer Kreditinstitute auf den Verkaufszetteln.

Seit Mai unter EU-Rettungsschirm

Das hoch verschuldete Portugal hatte im April Hilfskredite von EU und IWF beantragt und diese im Mai zugesagt bekommen. Portugal war damit nach Griechenland und Irland das dritte EU-Land, das unter den Euro-Rettungsschirm der Europäischen Union und des IWF schlüpfen musste. Zuvor hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals von A3 auf Baa1 herabgestuft, weil die Agentur davon ausging, dass das Land fremde Hilfe benötigen würde.

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(APA)

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182 Kommentare
 
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Gast: herbertatab
08.07.2011 10:05
0

ratings agenturen reagieren nur ex post

warum haben die klugen ratings agenturen nicht vor der krise reagiert. die gleiche "obergescheite" gegenwärtige einstufung, wäre sie noch vor zwei getroffen, würde derzeit viel leid in europa ersparen.
Ex post oberklug zu werden kann jeder .....

Gast: Nurkanewön
07.07.2011 18:36
0

Finger weg von Staatsanleihen des verschuldeten Westen - aber das weiß man schon seit mind. 10 Jahren !

Noch besser: Finger weg von Fiat-Geld !

Gast: Wanderer.
07.07.2011 10:42
0

Völlig richtig: Ratingagenturen verhindern eine Konsolidierung

Man bedenke:

Einem Staat wird mit Verlängerung der Kredite geholfen, um diese eben über einen längeren Zeitraum auch tatsächlich zurückzahlen zu können.

Die Ratingagentur stuft den Schuldner darauf hin herab, wodurch die Zinsen für den Schuldner gewaltig steigen.

Der Schuldner kommt so niemals aus der Schuldenfalle!

Was ist also das Ziel dieser Ratingagenturen?
Wem nützen diese Ratings?

Der Zinswucherern, den Milliardenspekulanten, die doch gleichzeitig Besitzer der jeweiligen Agentur sind !

Gast: Flyfluxyfly
07.07.2011 09:14
0

Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Niemand hat Euch gehindert Eure Schilling, statt in €, in GOLD zu tauschen !

Antworten Gast: Wanderer.
07.07.2011 10:45
0

Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Ratingagenturen dienen ausschließlich dem Gewinnstreben ihrer Eigentümer!

Diese privaten Ratingagenturen sind doch im Besitz der gewaltigsten und auch brutalsten Spekulanten.

PS: Da kann jede(r) einfach nachsehen!

Antworten Antworten Gast: Freiheithastdu
07.07.2011 18:21
0

Re: Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Du kannst deren Urteil glauben oder nicht - und wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht auch nützliche Schlüsse ziehen.

Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Ich hab leider den Schalter in meiner eBanking Applikation noch nicht gefunden, wo ich anstelle von Euros meine Miete in Goldstücken überweisen kann. Geht das in Ihrem eBankingprogramm?

Antworten Antworten Gast: Blitzgneißer
07.07.2011 18:16
0

Re: Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Dein Gehalt/Pension/Zinsen /Dividenden/Mindestsicherung usw. kriegst ja noch als Fiat-Geld aufs Konto, damit bezahlst Du den Kleinkram und am Monatsersten mit dem Rest ein Paar Goldstückchen !

Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Was für eine brilliante Hättiwariwanni-Argumentation, was auch immer Sie damit sagen wollen....

Antworten Antworten Gast: Mitleid
07.07.2011 18:24
0

Re: Re: Ratingagenturen sind Super - Man kann das eigene Versagen auf sie schieben !

Ja den Ägyptern gehts derzeit halt nicht gut !

Gast: Han
07.07.2011 07:15
0

Selfullfilling

Prophecy wurde bereits vor Monaten auf diese sonderbare Spiel dieser Agenturen hingewiesen. Irgendetwas ist ja ohnehin schlecht an manchen EU-Staaten, warum nicht gleich runterlizitieren. Jetzt ist auch Portugal dran, als nächstes Land Spanien etc.
Problem der blauäugigen EU-Politik, es ist zu befürchten, dass bei diesem Casinokapitalismus der Kürzere gezogen wird und letzten Endes der EU-Steuerzahler dran kommt!

Gast: Wörter
06.07.2011 22:10
1

Ratingsagenturen sind Lobyisten der Zocker

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,680228,00.html

Gast: DI.(MUL) Hellmut Paradis
06.07.2011 22:01
0

"DIE DREI WEISEN AUS DEM ABENDLAND"


Auf den Spuren,
Der DREI WEISEN RATING AGENTUREN.
Wie die drei Könige aus dem Morgen-Land,
Kommen die drei Weisen diesmal aus dem Abend-Land!
Und bringen statt Weihrauch, Myrrhe und Gold,
Gottes Vertrauen, sie sind frei, weil sie stehen in JESU Sold!
Sie überprüfen halt die Staaten und deren Bonität,
Damit es kommt, für die kleinen Sparer und armen Steuerzahler in Griechenland, Portugal, Irland, Italien… und auch Österreich, nicht zu spät!
Die drei Weisen sind dazu nicht zu BLÖD, zu FEIG und AHNUNGSLOS,
Weil ihre WEISHEITEN sind in Laufe von 150 Jahren Erfahrungen sehr groß!
Zum Beispiel ist eine Privatbeteiligung der Banken,
Ein Zahlungsausfall bei grenzenlosen Konto-Überziehungs-Schranken!
Wie jetzt China im Rating-Agentur-Visier!
Der Schuldenberg ist -trotz eigener kommunistischer Rating Agentur- größer als bisher angegeben, im Kommunismus hier!
Auf abendländisch Rating: "Die chinesischen Bilanzen sind frisiert!"
So ein "Haircut" der Budget-Bilanzen sind auch im demokratischen Österreich passiert!
Mit dem ASFINAG Vignetten - Man,
Den ÖBB- Change mit: "Yes, We Can!"
Mit dem Hypo -Verstaatlichungs-Streich,
Wackelt auch das Tripple AAA vom Österreich!
Man kann die DREI WEISEN mit chinesischen oder europäischen Rating -Agentüren,
Nicht an der Nase herumführen!
Hier wurden Private illegal subventioniert!
Auch in Österreich ganz ungeniert!
Nur EIN KLUGER, MUTIGER & AHNUNGSVOLLER Banker hat es überrissen,
Alle Sparer und Steuerzahler werden durch die EU beschissen!

Gast: Wörter
06.07.2011 21:57
0

Die Lüge von Pleite Ländern

..Credit Default Swaps, kurz CDS. Sie sind eigentlich eine Versicherung für den Fall, dass ein Schuldner zahlungsunfähig wird. Ein Beispiel: Petra leiht Klaus 100 Euro – und macht sich sorgen, dass Klaus ihr das Geld nicht zurückzahlen wird. Monika hat dagegen Vertrauen in Klaus. Also bietet sie Petra folgenden Deal an: Wenn Klaus seine Schulden nicht begleicht, übernimmt sie die Rückzahlung der 100 Euro. Dafür verlangt Monika allerdings eine kleine Gebühr von Petra, sagen wir einen Euro.
Credit Default Swaps funktionieren ganz ähnlich, und es gibt sie auch als Versicherung für den Fall, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlt. Allerdings mit zwei wichtigen Unterschieden: CDS sind frei handelbar. Und man braucht Klaus gar kein Geld geliehen zu haben, um sich gegen seine Zahlungsunfähigkeit versichern zu können. Es ist wie eine Wette auf die Zukunft von Klaus.
Schlechte Nachrichten sind profitabel
Jede schlechte Nachricht erhöht den Wert der Versicherung. Wenn sich Klaus nun weiteres Geld leihen will, setzt ein reger Handel mit CDS ein. Auch damit kann man viel Geld verdienen. Wer Ende letzten Jahres griechische Staatsanleihen im Wert von 10 Millionen Euro gegen Zahlungsausfall versichern wollte, musste dafür eine Prämie von 200.000 Euro bezahlen. Ende April kostet dieselbe Versicherung mehr als 900.000 Euro. Spekulanten, die sich also günstig versichert haben, ohne selohne selbst Anleihen zu haben, können einen Gewinn von 700.000 Euro einstreichen...
..Andreas Becker..

Antworten Gast: EFF EFF
07.07.2011 02:30
0

Re: Die Lüge von CDS

Monika hat aber gar kein Geld und will eigentlich nur die Gebühr absahnen.

Gast: Wörter
06.07.2011 21:46
0

Die Lüge von Pleite Staaten

A
...Anleger, die an der griechischen Krise verdienen wollen, haben eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Die einfachste wäre, auf einen Wertverlust des Euro zu setzen. Schließlich mindern die Probleme von Mitgliedern der Eurozone, allen voran Griechenland, aber auch Spanien, Portugal oder Italien, das Vertrauen in diese Währung. Anleger verkaufen also Euro und kaufen dafür andere Währungen, etwa US-Dollar. Mit jedem Cent, den der Euro zum Dollar verliert, verdienen sie....
B
....Anleger, die auf eine Verschärfung der Krise setzen, würden nun Aktien dieser Banken verkaufen. Wer gar keine Bankaktien hat, kann trotzdem mitwetten. Er leiht sie sich – gegen eine Gebühr – und verspricht, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzugeben. Dann verkauft er die geliehenen Aktien. Fällt deren Kurs, kann er sie kurz vor dem vereinbarten Termin günstig zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Bei diesen Leerverkäufen ist der Kursverlust sein Gewinn, abzüglich der Leihgebühr. Hätte der Spekulant jedoch falsch getippt und die Aktien steigen, ist sein Verlust entsprechend....
Geht mann alle Länder des Südens durch wird mann Milliardär.
C.....folgt
Autor: Andreas Becker

Redaktion: Monika Lohmüller
DW-World.de

Antworten Gast: Wanderer.
07.07.2011 10:43
0

Re: Die Lüge von Pleite Staaten

Danke für die sehr kompetente Darstellung.

Was ist die Alternative zu Ratings?

Banken, Versicherungen, Fondsmanager müßten eigene Prognosen erstellen und diese auch vertreten (und in gewissem Ausmaß dafür haften) können. Und wer möchte schon den eigenen Kopf hinhalten, wenn man sich auf jemanden de facto Unangreifbaren berufen kann?
Wenn alle Politiker die Ratingagenturen so böse finden, warum streichen sie dann nicht die entsprechenden Regelungen aus Basel II, III, IV bis unendlich?
Dann wären die Bankmanger auf ihre Expertise angewiesen und müßten dafür geradestehen - das ist schon lange fällig.
Aber: die Banken würden dann die griechischen Anleihen jetzt nicht abstoßen - sie hätten sie nämlich gleich gar nicht gekauft.

Antworten Gast: Rater
06.07.2011 22:38
0

Re: Was ist die Alternative zu Ratings?

Ihnnen ist aber schon klar, dass die Ratingagenturen auch nicht "den Kopf hinhalten" müssen? Bei Prozessen wurde das alles kürzlich zum Teil der Meinungsfreiheit erklärt.
Da kann man ja auch gleich den Koarl vom Stammtisch fragen (allerdings hat der nicht so viel Einfluss)

Re: Re: Was ist die Alternative zu Ratings?

Das ist der Witz an der Sache: man kann sich auf jemanden berufen, der selbst nicht haftbar gemacht werden kann, ist aber ex obligo. Der Koarl vom Stammtisch steht halt nicht im BWG.

Gast: alter Schilling
06.07.2011 21:04
0

Interview mit Prof. Max Otte


http://www.rottmeyer.de/max-otte-im-interview-demagogie-bankenrettung-und-finanzoligarchen/

Man sollte sich mal dieses Interview mit Prof. Max Otte anhören. Kernaussage bei 7:25 min !

Sind unsere Institutionen besser...???

Grundsätzlich ist ja gegen Ratingagenturen nichts einzuwenden

Wie die Bewertung erfolgt und von wem sie bezahlt wird ist zu hinterfragen. Man kann nicht 2 Herren dienen. Es ist ein Teufelskreis: Noch schlechtere Bewertung = noch höhere Zinsen und damit noch schlechtere Bewertung und so weiter.

Dann basteln wir uns selbst eine Ratingagentur und mit der Schuldenpolitik machen wir dann weiter wie bisher!


Gast: delphi-nist
06.07.2011 18:35
1

orakel - mirakel

prognosen waren immer schon schwierig zu stellen, vor allem wenn sie die zukunft betreffen. - geschichtsforschung oder kaffeesudlesen...

Re: orakel - mirakel

Das ist richtig, aber ab und zu gibt es eindeutige Fälle - Griechland gehört dazu.

Gast: MiroL
06.07.2011 18:09
1

Wirtschaftskrieg

Es liegt im Interesse der USA Europa wirtschaftlich zu schaden und wenn möglich sogar zu vernichten. Und die Ratingagenturen sind nur Erfüllungsgehilfen der USA Regierung und der Finanzspekulanten. Mir ist nur nicht erklärlich, warum sich Europa und die EU so verhalten. Nach Griechenland kommt nun Portugal an die Reihe und dann Italien oder Spanien. Darauf läuft es hinaus. Pfeifen wir doch auf die Ratingagenturen - "Stell Dir vor die Agentur ratet und niemand hört hin". Objektv betrachtet ist Europa samt Euro wesentlich besser und stabiler als die USA und der US$. Hoffendlich geht der amerikanischen Aussenministerin für EU - Angelegenheiten, im Nebenberuf dt. Bundeskanzlerin, endlich das Licht auf.

 
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