21.05.2013 17:54 Merkliste 0

Nach Portugal auch Italien unter Druck

06.07.2011 | 18:35 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur Moody's stuft die Bonität Portugals auf "Ramsch"-Status herab. Der frühere IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson warnt, dass Italien der nächste fallende Dominostein sein könnte.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Bloomberg/Ag./Gre/Höll. Seit der Vorwoche waren die Augen von Europas Finanzministern gebannt auf Griechenland gerichtet. In der Nacht auf Mittwoch gerieten jedoch auch wieder andere „Wackelkandidaten“ ins Blickfeld. So stufte die Ratingagentur Moody's die Bonität Portugals auf „Ramsch“-Status herab. Gleichzeitig wachsen die Sorgen über die finanzielle Situation Italiens.

„Wegen des prekären Finanzbildes könnte es das nächste Land sein, das unter Druck gerät. Und diesmal stehen US-Banken in der Schusslinie“, sagte Ex-IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson. Denn Italien stehe bei US-Banken mit 35 Mrd. US-Dollar in der Kreide. Der Ökonom fordert, dass beim nächsten Bankenstresstest in den USA auch das Szenario einer Staatsanleihen-Umstrukturierung in Europa berücksichtigt wird.

Herabstufung Italiens droht

Laut Schätzungen der EU-Kommission wird Österreichs Nachbarland in diesem Jahr eine Gesamtverschuldung von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Damit hätte im Euroraum nur Griechenland eine höhere Schuldenlast. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's drohen daher mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens. Die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sind erstmals seit 2008 auf fünf Prozent geklettert. Der Renditeabstand gegenüber deutschen Bundesanleihen, die als besonders sicher gelten, weitete sich auf zwei Prozentpunkte aus.

Kritik an Ratingagenturen: ''Das ist Terrorismus''

Alle 14 Bilder der Galerie »

Italien muss im zweiten Halbjahr 2011 rund 175 Mrd. Euro an auslaufenden Staatsanleihen refinanzieren und 245 Mrd. Euro im nächsten Jahr. Das entspricht 26 Prozent der Schuldenlast des Landes. Zum Vergleich: Bei Großbritannien sind es im gleichen Zeitraum nur 13 Prozent. „Wenn die Finanzierungskosten noch weiter steigen, dann wird das für die Regierung in Rom eine Herausforderung“, meint William De Vijlder, Analyst bei BNP Paribas. Um die Spekulationen zu beenden, stellte Italiens Finanzminister Giulio Tremonti am Mittwoch Einzelheiten des in der Vorwoche verabschiedeten Sparprogramms vor.

Der Chef der Bank-Austria-Mutter UniCredit, Federico Ghizzoni, bestreitet, dass Italien eine Pleite droht. Das Land lasse sich nicht mit Griechenland vergleichen. Zwar habe das Land eine hohe Gesamtverschuldung, das Budgetdefizit sei mit rund vier Prozent jedoch geringer als in vielen anderen EU-Ländern. UniCredit ist die größte Bank Italiens und hält nach eigenen Angaben italienische Staatsanleihen in der Höhe von 35 Mrd. Euro.

Empörung über Portugal-Rating

Auf Unverständnis stieß Moody's Neubewertung von Portugal. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde gleich um vier Noten herabgestuft. Die portugiesischen Staatsanleihen werden ähnlich wie die griechischen als hochspekulativ eingestuft und gelten nun als „Ramsch“. Zugleich stellte die Ratingagentur Portugal weitere Abstufungen in Aussicht: Der Ausblick bleibt negativ.

Moody's begründete die Entscheidung damit, dass weitere Hilfszahlungen notwendig wären, um die Staatsfinanzen zu stabilisieren, bevor sich die Regierung in Lissabon wieder an den Kapitalmärkten mit Geld versorgen kann. Außerdem würde die Gefahr einer Beteiligung privater Anleger an der Rettung Portugals steigen. Dies könnte mit einem Forderungsverzicht der Investoren verbunden sein. Moody's bezweifelt auch, dass Portugal seine Budgetziele erreichen kann. Nach einem Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent des BIPs soll das Defizit bis 2013 auf drei Prozent gesenkt werden.

Die EU-Kommission reagierte auf die Expertise mit Empörung: Denn erst Ende August würde die Wirkung des ersten internationalen Hilfspakets untersucht. Schon jetzt auf die Notwendigkeit eines zweiten Hilfspakets zu schließen, sei verfrüht, hieß es in Brüssel.

Die Märkte reagierten prompt auf die Entscheidung der Ratingagentur. Die Zinsaufschläge auf portugiesische Anleihen stiegen. Portugal war erst im Frühjahr unter den Eurorettungsschirm geschlüpft. In der ersten Runde wurden dem Land 78 Mrd. Euro an Hilfsgeldern von EU und IWF zugestanden. Diese werden innerhalb von drei Jahren überwiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

97 Kommentare
 
12 3
0 0

Das Rating passt für Portugal wahrscheinlich ganz gut

Aber die Ratings von vielen anderen europäischen Staaten sind ziemlich sicher falsch.

Gast: The Union
07.07.2011 22:47
0 0

Ein aus faulen Kompromissen zusammengeflicktes Institutionengefüge

wird jetzt für seine Glanzleistung bewertet.

0 0

Die Ratingagentur Moody's stuft die Bonität Portugals auf "Ramsch"-Status herab.

deshalb wohl auch die Androhung aus Brüssel Ratings verbieten zu wollen, greift man ja mit Portuga,l Barosso selbst als unfähigen an !

0 0

Spekulanten Karawane

Hab mich vor Monaten gefragt, wo die Karawane (Heuschrecken) hinzieht. Es sind Spekulationen auf Staatsbankort, bei bis zu 10% oder mehr ein lukratives Geschäft, vor allem für die Banken, die jubelnd von Mrd Gewinnen sprechen, nur nicht sagen wie diese erwirtschaftet wurden.

Die Kunden (Blöden) sind nun die Politiker, die Dummen die Steuerzahler, die Gewinner wie gehabt die Banken (Manager).

1 0

Re: Spekulanten Karawane

in diesem falle sind aber politik und volk selber schuld!
der politiker weil er dem volk mit ewigen schuldenmachen wohlstand verspricht, das volk weil es genau diese wählt, bzw. gewählt hat.

0 0

Re: Re: Spekulanten Karawane

Das Volk ist so wie es ist. Das ist auf der ganzen Welt so. Wenn "Geschenke" (Geld das man zuvor genommen hat) angeboten werden, dann greift das Volk zu. Das ist ein einfaches Spiel. Man braucht nur immer politisch behaupten das sei sozial gerecht.

Die Gauner sind die Politiker, Banker und Top- Manager, die das System voll ausnutzen und in Wirklichkeit alle abzocken.
Wie machen sie das? Sie bekommen zuerst das billige Geld und in diesem Pyramidenspiel profitieren nur diejenigen, die früh dabei sind. Diese Leute verdienen dabei extrem gut, wie man sieht.

0 0

Re: Re: Re: Spekulanten Karawane

Wie reden von Geld, das eben noch nicht erwirtschaftet wurde.
Dann, ist ihren Schlüssen zufolge, das volk auch unfähig, denn das Kreuzerl dort hin machen wo's am meisten gibt, ist zu wenig.
Wenn die Demokratie deswegen scheitert, wäre das nicht gut.

0 0

Re: Re: Re: Re: Spekulanten Karawane

Demokratische System scheitern in gewissen Zeitabständen daran, weil Menschen nicht besonders rational Entscheidungen treffen.

Politiker müssen sich ihre Stimmen "erkaufen". Das tun sie indem sie immer mehr Schulden machen.
Ein Politiker, der da nicht mittut wird nicht gewählt. Das ist eine negative Auslese unter Politikern.
Man sehe sich unsere Politiker an.

Ein Mensch der ehrlich ist, Hausverstand besitzt, kann in diesem System unmöglich Politiker werden.

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Spekulanten Karawane

so ist es, ich finde es macht sich das volk dann ein bischen leicht.
die schuld liegt dann nämlich beim volk, so es demokratie will.

0 1

Wenn alles nur ein eErfindung der Rating-Agenturen ist

dann kaufen Sie doch ordentlich portugisische Anleihen und streifen Sie die hohen Zinsen ein.

Gast: FragenderIn
07.07.2011 11:29
2 0

22 Jahre nach der Wende fliegt auch der Kryptosozialismus im Westen auf!


0 0

Kasperltheater

mit den Ratingagenturen geht weiter, es wird jedes einzelne EU-Land durch die selbstfabrizierte Sperkulationsblase dieser Berwertungen geführt. Die Frage ist wie lange sich die EU dieses Theater noch gefallen läßt!

0 0

Re: Kasperltheater

sparprogramme vorlegen und der spuk ist beendet.

Gast: economist_21_cent
07.07.2011 10:18
1 0

Schulden werden falsch verstanden

Der Staat verschuldet sich nicht im Ausland sondern im Saldo bei der eigenen Bevölkerung, wie an unserem volkswirtschaftlichen Überschuss an Ersparnissen deutlich wird. Schulden dienen nicht dem Kauf ausländischer Waren, sondern ihr Sinn besteht in der Mobilisierung eigener volkswirtschaftlicher Ressourcen. Eine Straße die auf Pump gebaut wird kommt ja nicht von außerirdischen Arbeitskräften, sondern aus den noch nicht mobilisierten Kapazitäten unserer eigenen Volkswirtschat, in Form von Kapital und Arbeit. Insofern sind Staatsschulden letztlich eine monetäre Fiktion, denn niemand hat über seine Verhältnisse gelebt, wenn inländische Baufirmen ein Infrastrukturprojekt mit Leuten errichten, die andernfalls arbeitslos wären und mit Maschinen die sonst still stehen würden. Alle Werte die geschaffen wurden sind real und als Volkswirtschaft schulden wir deshalb niemanden etwas. Nur innerhalb unserer Volkswirtschaft hat der Sektor Staat Verbindlichkeiten beim Sektor private Hauhsalte aufgenommen, wo diese als Forderungen verbucht werden.

Die Frage ist, wieso wir zu Mobilisierung dieser volkwirtschaftlichen Ressourcen den Umweg über die privaten Haushalte und den Intermediär "Bankensektor" gehen und uns als Staat bei ihnen verschulden. Der Staat könnte – ebenso wie es die Banken auch tun – zur Zentralbank gehen und sich zu viel günstigeren Konditionen verschulden. Die Rückzahlungen würden von der Zentralbank an den Staat ausgeschüttet, was einem zinsfreien Darlehen gleich kommt.

0 0

Re: Schulden werden falsch verstanden

Klingt für mich irgendwie nach Planwirtschaft.

Der große Planer (Staat) bestimmt wo wie investiert wird und wahrscheinlich auch den Preis.
Geld druckt er dann nach belieben selbst.
Das Eigentum der Privaten existiert demnach auch gar nicht, denn mit diesem müssen sie die Schulden des Staates abdecken.

Sie haben es bereits erwähnt. Der Staat wird noch innovativer werden, wenn es darum geht sich Geld zu beschaffen. Aber das bedeutet nichts anderes als Geldentwertung.
Irgendwann wird das Volk aufwachen.

Re: Schulden werden falsch verstanden

Ganz richtig! Daher eigene Währung, eigene Notenbank, keine Kreditaufnahme im Ausland, keine Kreditgewährung an fallite Staaten.
Mithin raus dem EURO!

0 0

Re: Re: Schulden werden falsch verstanden

... Und wieder Jäger und sammler werden.

Antworten Gast: fuegoschurke
07.07.2011 11:10
0 0

Re: Schulden werden falsch verstanden

Hallo economist,
das was du da schreibst gefällt mir. Ich sehe das auch so ähnlich.
Was ich aber trotz Allem nicht verstehe ist der Umstand, dass ALLE reichen und wohlhabeneden Staaten mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Warum? Wir sind doch schon reich. Warum sparen wir uns dann nicht die kompletten Zinsen und bauen die von dir erwähnte Straße mit dem Geld, das wir den Banken und Bürgern an Zinsen bezahlen müssen. Ich habe gehört in Österreich müssen wir jährlich etwa 3-4 Milliarden an Zinsen bezahlen. Österreich könnte somit ohne Schulden den BBT "bar" bezahlen. Wäre das nicht noch besser? Wo ist mein Denkfehler?
Hoffe auf eine kompetente Antwort.
LG
Fuego

Antworten Antworten Gast: economist_21_cent
07.07.2011 17:39
1 0

Re: Re: Schulden werden falsch verstanden

Wieso mehr ausgeben als einnehmen? Im Prinzip ist die Antwort ganz einfach: Weil der Gegenwert in Form von Kapital und Arbeit real vorhanden ist. Arbeitslose, versteckte Arbeitslose (Hausfrauen die eigentlich gerne arbeiten würden aber nicht arbeitslos gemeldet sind, Frühpensionisten, Invalide, Leut in Schulungen) sind das schlummernde Humankapital (gehen wir einmal davon aus die Arbeitslosigkeit liegt in Wirklichkeit nicht bei 4-5, sondern bei rund 9-10 Prozent liegt). Unausgelastete Maschinen, Tourismusinfrastruktur, Büros etc. sind das schlummernde Sachkapital.

Unter diesen Umständen ist eine Anschubfinanzierung der Zentralbank zur Mobilisierung der nicht verwendeten Ressourcen kein Problem und kostet den Staat letztlich nichts – sofern man den Bankensektor umgeht. Wenn wir Vollbeschäftigung erreicht haben (also real 2-3 Prozent Arbeitslose), dann würde eine weitere Verwendung von Zentralbankgeld zu Inflation führen. Genau dann ist der Punkt erreicht, wo gar keine Schulden mehr gemacht werden dürfen. Das alles erspart uns aber nicht die vorhandenen Verbindlichkeiten kontinuierlich abzutragen, eine Aufgabe die mittels Steuereinnahmen die aus der Vollbeschäftigung resultieren wesentlich einfacher zu bewältigen sein wird, denn bei niedrigem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit. Und: All das sind keine Argumente gegen dringend notwendige Strukturreformen bei Föderalismus, Beamten und Subventionen. Es ist nur eine Versachlichung der hysterischen Schuldendebatte.

Antworten Antworten Gast: economist_21_cent
07.07.2011 17:23
0 0

Re: Re: Schulden werden falsch verstanden

die meisten leute wissen nicht, dass wir (die krisenjahre ausgneommen) seit 30 jahren fast jedes jahr positive primärsalden haben. sprich, wir haben eigentlich mehr eingenommen als ausgegeben, nur der zinsenberg hat uns ins defizit gedrückt. und das liegt zu einem gehörigen teil an der zinshöhe selbst, dessen Relevanz die Zitate zweier Finanzwissenschaftler verdeutlichen:

„Einer Veränderung des durchschnittlichen Zinssatzes um 0,1% verändert die Finanzschuld des Bundes um 1,7 Mrd (Schilling).“ (Lehner 2001)

„Wichtigster Grund für die steigende Staatsverschuldung ist die Höhe des Zinssatzes, der seit Anfang der 80er-Jahre in Österreich wie in den anderen Industriestaaten über der Wachstumsrate liegt und einer der Hauptverursacher der Budgetprobleme der 80er-Jahre war.“ (Fleischmann 2005)

0 0

Österreich zahlt mittlerweile fast 9 Milliarden jährlich an Zinsen

Und fast 8 Milliarden für die ÖBB und fast 5 Milliarden für die Bauern und fast 30 Milliarden für die Pensionisten usw usw.
Für echte Investitionen ist natürlich kein Geld mehr da.

0 0

Re: Österreich zahlt mittlerweile fast 9 Milliarden jährlich an Zinsen

Investition kann die Politik auch schwer verkaufen.

Gast: Die Coolen Männer der ratingagenturen
07.07.2011 08:48
1 1

die ablenkungen vom eigentlichen crash

die krise in den eurostaaten um den euro lenkt ab vor der pleite die in amerika bevorsteht
denn was geschieht hier wenn die usa pleite geht mit dem rest der welt?

0 0

Die Euro-Länder retten auch Italien, und .....


Gast: niederösterreicher
07.07.2011 08:12
7 0

Verfehlungen der Ratingagenturen!

Es ist ein Skandal, dass S&P. Moodys, Fitch so spät regieren. Das Rating dieser Länder hätte schon viel früher realistisch angesetzt werden müssen.

Österreich+Deutschland: AAA - ist ebenfalls ein Hohn. Die beiden deutschen Staaten drüfte aufgrund ihrer Schuldendynamik und des ausufernden Sozialstaates maximal mit B bewertet werden!
Belgien: gleiches Niveau wie Italien.

0 0

Die offiziellen Staatschulden sind nicht einmal die halbe Wahrheit

Wenn die zukünftigen Zahlungsverpflichtungen, die die Staaten eingegangen sind, mitberücksichigt werden, dann schaut es so aus:

http://de.ibtimes.com/articles/17759/20100215/implizite-staatsverschuldung-versteckt-und-vielfach-hoeher.htm

Österreich liegt bei 410% des BIP.

Ich kann die junge Generation verstehen, wenn sie meint "no future".

 
12 3

Hobbyökonom